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Jüdische Korrespondenz · 1917-12-13 · 37 (13.12.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
37 (13.12.1917)
Date
1917-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr. 37 bereits wiederholt gekennzeichneten Haager Bureau — dann geschieht es im englischen und nicht im jüdischen Interesse. Das Lob, mit welchem die Rothschilds dafür in einer gewissen jüdischen Presse überschüttet werden, ist ein unverdientes. General Allenby ist kein Makkabäer, Lloyd George kein Koresch — nicht sie werden das messianische Zeitalter bringen. Wir feiern heute das schöne Chanukafest. Die kleinen Lichtlein verkünden uns kommenden Triumph, ebenso wie sie herrliche Siege in Erinnerung bringen. Aber ebenso wie damals, „in jenen Tagen in dieser Zeit", wird auch diesmal der Sieg der gerechten jüdischen Sache rein und klar sonder Makel sein. Die heilige jüdische Sache darf nicht in den Dienst fremder Eroberungsgelüste gestellt werden. Die Makkabäer haben anders gekämpft und gesiegt. Ihnen wollen wir nachtun. Das mahnen uns die Chanukalichtlein. Spectator. Line jüdische Deputation beim MinisterprSfidenten. Vorige Woche hat eine Deputation, bestehend aus den Großrabbinern von Czortkow und fusiatyn sowie dem Vorsitzenden der „Agudas isroel", I. I- Th um im, unter Führung der Abeordneten Dr. v. Löwenstein und Dr. Straucher, eim Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler vorgesprochen. Der Ministerpräsident empfing die Deputation sehr freundlich. Dr. v. Löwenstein brachte in einer ausführlichen Rede eine Reihe von Wünschen hinsichtlich der Lage der Juden in Galizien und der Bukowina sowie hinsichtlich der Maßnahmen, die gelegentlich der Flüchtlingsrückkehr nach Hause notwendig seien, um denselben die Wiederaufrichtung ihrer Existenzen zu ermöglichen, vor. Diese Ausführungen wurden seitens des Abg. Dr. Straucher und des Großrabbiners von Czertkow ergänzt. Mit sichtlichem Interesse verfolgte der Ministerpräsident die Ausführungen, erkundigte sich über die Einzelheiten der vorgebrachten Wünsche und versicherte, dieselben einer freundlichen Erwägung zu unterziehen und im Rahmen der Möglichkeit das Nötige zur Befriedigung derselben zu veranlassen. Der Ministerpräsident verabschiedete die Deputation überaus freundlich. __ Die Zionisten beim Ministerpräsidenten. Am 7. d. M. wurden Abg. Dr. Straucher, Präsident des Zentralkomitees galizischer Zionisten, Adolf Stand und Obmann des jüdischen Nattonalvereins Ingenieur Robert Stricker von: Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler empfange». Die Herren präzisierten in längeren Ausführungen die Wünsche der national gesinnten österreichischen Juden und stellten insbesondere an die Regierung die Forderung, daß bei der Neuregelung der österreichischen Verhältnisse der Vertretung der national organisierten Judenschaft der gebührende Einfluß gesichert werde. Der Ministerpräsident erklärte, daß dem Verhalten der Judenschaft Oesterreichs zum Kriege vollstes, uneingeschränktes Lob gebühre, und daß er in kürzester Zeit den Vertretern der national organisierten Judenschaft Gelegenheit geben werde, ihre Forderungen, denen er das größte Interesse entgegenbringt, der Regierung in der entsprechenden Form vorzulegen und zu begründe»._ Staatliche Hilfe für die jüdischen Neligionslehrer. Vor einiger Zeit haben die nicht-definitiv angestellten jüdischen Religionslehrer an den Unterrichtsminister eine Eingabe hinsichtlich Gewährung einer Kriegszulage gerichtet. Diese Eingabe, für welche Abg. Dr. Löwenstein beim Unterrichtsminister intervenierte, hat nunmehr einen vollen Erfolg gebracht. Mit Ministerialerlaß vom 28. November l. I. wurde angeordnet, daß jenen Religionslehrern, welche mit der Erteilung des evangelischen oder israelitischen Religionsunterrichtes an staatlichen Unterrichts- «lten betraut, in dieser Eigenschaft aber nicht itiv bestellt sind und bei denen die Erteilung des Religionsunterrichtes an staatlichen Untcrrichtsanstalten den Hauptberuf, also nicht ein« Nebenverwendung »eben ihrem eigentlichen Berufe, insbesondere als Pfarrer oder Rabbiner, bildet, aus Anlaß der durch den Krieg geschaffenen außergewöhnlichen Verhältnisse Zuwendungen vom 1. Juli 1917 an in dem für Supplenten an staatlichen Unterrichtsanstalten vorgesehenen Ausmaße je nach ihrem Familienstande zu gewähren sind. Generalverfammiung -rr „Agndas Iisrsel«. Unter einer überaus zahlreichen Beteiligung fand Sonntag, den 9. b. M., die Generalversammlung der „Agudas Jisroel" statt. Der Vorsitzende, Herr I. I. Thumim, begrüßte die Versammelten und schilderte eingehend die Bedeutung, die Aufgaben und die Leismngen der „Aguda", die mit Kriegsausbruch ihre Tätigkeit in Galizien einstellen mußte, dafür aber in Wien einen Wirkungskreis gesunden hatte, der an die Organisation und die Leitung die größten Anforderungen stellte. Die „Aguda" hat viel mehr geleistet, als der Oeffenllichkeit bekannt ist, und dies mit ziemlich beschränkten Mitteln. Auch fernerhin wird sie ihrer Aufgabe treu bleiben, und er appelliert an die Versammlung, einen solchen Vorstand zu wählen, der seinen Aufgaben gewachsen sein soll. Der Sekretär der Organisation, Herr Moses Schmelkes, verlas hierauf den Tätigkeitsbericht, welcher detailliert die Leistungen und die Erfolge der „Aguda" darstellte. Nachher legte er den Kassabericht vor. Auf Grund desselben konnte man erst recht ersehen, was mit diesen ziemlich bescheidenen Mitteln eigentlich geleistet wurde, und zwar sowohl in geisttger, als auch in materieller Hinsicht. Die „Aguda" hat nicht bloß für die Jugenderziehung und für das allgemeine religiöse Leben gesorgt, sondern auch materiell wurden die Flüchtlinge, wie auch jüdische Vereine ic. unterstützt. Nach einer Diskussion, in welcher sich die Herren Rapaport,Vogelmann, Sparer,Vortrefflich, Kreppelrc. beteiligt hatten, wurde dem bisherigen Vorstände die Anerkennung ausgesprochen und ihm einsttmmig das Absolutorium erteilt. Nachher wurden die Wahlen vorgenommen. Im Sinne des Statuts wurden neun Direktoren und neun Schiedsrichter gewählt, und zwar: Direktoren: Jsak Jakob Thumim, Josef Schönblum, Lipe Türkl, Israel M. Vortrefflich, Dawid Fast, Abraham Rapaport, Jakob Jsak Goldberg, Hersch Preminger, SalomonBlum. Schiedsrichter: Leiser Griffel, Moses Seidman, Gerschon Weinstock, Samuel Nüßenbaum, Salomon Sparer, Nuchim M. Heller, Hersch Lewin, Akiwe Schreiber, Joel Rothstein. Der Vorstand wird sich in den nächsten Tagen konstituieren und seine Arbeit im bisherigen Geiste aufnehmen. Die Orthodoxie und die palastinafrage. (Schluß aur Rr. 86.) Denn der radikale Zionismus fühlt sich als Sieger! Schon spüren die derzeit an der Spitze der Gesamtorganisation stehenden Männer, die Marburg, Hantle und Genossen, die Sturmzeichen, die auf eine Neuorientierung des zum politischen Anhängsel der Entente gewordenen Zionismus hindeuten. Man will offenbar die deutscher Sympathien verdächttgen Männer der bisherigen Führung, vielleicht auch so besonnene Persönlichkeiten wie Tschlenoiv, so rasch wie möglich beseitigen, damit Sokolow und seine Leute ohne alle Hemmungen ihre polittschen Ideale verwirklichen und zugleich die Zusagen einlösen können, durch die es ihnen ohne Zweifel gelang, die englische Palästinaerklärung zu provozieren. Eine soeben neu erscheinende „Zionistische Korrespondenz" im Haag, anscheinend mit der Haager „Jüdischen Korrespondenz" nicht identisch, sagt dem engeren Aktionskomitee offene Fedhe an, wirft ihm politischtendenziöse Aenderungen bei der Veröffentlichung offizieller Proklamationen vor und verlangt die völlige Loslösung der Leitung von Berlin. Die Versicherung der Opposition, es handle sich dabei um absolute und ehrliche Neutralisierung der zionistischen Bewegung, kann in diesem Augenblicke, da Amerika und England als offizielle Schutzmächte des Zionismus austreten, gewiß nicht ernst genommen werden. Vielmehr dürste eine völlige Sprengung der zionistischen Einheitsbewegung und eine Orten- > tierung der beiderseittgen Gruppen je nach den weltpolitische» Jntereffen derl^ttente oder der Mittelmächte kaum sehr lange aufzuhallen sein. Diese Entwicklung entbehrt kerneSwegs der inneren Logik. Tritt daS jüdische Volk, mit feinen zweitaufendjährigen religiös-nationalen Tradittonen brechend, einmal in die Arena der Weltpolitik ein, um dort auf dem Kampfplatz der Geschichte einen Machtfaktor zu bedeuten, dann kann es angesichts der exponierten Lage des heiligen Landes am Schnittpunkt dreier Erdteile heute ebensowenig „neuttal" bleiben wie. zu den Zeiten der babylonischen und ägyptischen Weltreiche. Es bleibt ihm dann auch heute noch, will es eine politffche Einheit sein, nur die bange Wahl, für die eine oder die andere Macht Partei zu nehmen und die unausdenkbaren Konsequenzen der falschen Wahl zu tragen. Die Orthodoxie, ais Trägerin und Bewahrerin der überlieferten Wahrheit, hat dieser gefahrvollen Konstellation gegenüber umsomehr die Pflicht, sich der durchaus religiös bestimmten Eigenart der jüdischen Volkseinheit bewußt zu bleiben. Nicht weltpolitische Ziele, sonder« die gemeinsame Verpflichtung zum Sinaigesetz knüpfen diese Einheit und verleihen ihr über alle wechselnden Phasen der Geschichte hinweg dauernden Bestand. Und nicht als Schauplatz dieser oder jener staatlichen Gestaltung, sondern lediglich als Boden zur Erfüllung der religiösen Pflicht von „Jischuv Erez Israel" ist und bleibt uns Palästina, wie es das Sehnsuchtsziel messianischen Höffens ist, zugleich aktuellster Gegenstand der Gesamtheitsarbeit für jedes Geschlecht. „Freiheit heiliger jüdischer Pflichterfüllung im Dienste des Thorvgesetzes auf dem Boden Erez Jsroels" — das ist unfer ganzes Palästinaprogramm. * * * . Noch scheint der Friede fern, und das wechselnde Kriegsglück, das den Russen Galizien, den Italienern den Karst entriffen hat, kann auch ganz Palästina wiederum in ottomamschen Besitz zurückführen. Wer das Land endgültig besitzen wird, das dürste ja überhaupt nicht durch den Waffenaang im Orient entschieden werden, sondern von dem Kräfteverhältnis der Koalitionen'am Ende des großen Völkerringens abhängen. Umsomehr aber ist es Pflicht, der jetzt mit Hochdruck bettiebenen Sttmmungsmache gegenüber an der Hand vernünftiger Erwägungen und von den Maßstäben der Ueberlieferung geleitet, die Vorzeichnung einer klaren Stellungnahme der Orthodoxie zum Palästina-Problem mit allem Ernste als wichtigste Aufgabe des Tages zu erkennen. Eise Koszreßfra-e i« Ungarn. (Brief aus Budapest.) Die KriegSereigniffe haben in fast sämtlichen Ländern eine jüdische Kongreßfrage aufs Tapet gebracht. Zunächst »ahm die Bewegung von Amerika ihren Ausgang, nachher Übergriff sie nach den anderen Ländern, Holland, Rußland, Oesterreich rc. Das Programm dieser Kongresse soll ein ziemlich umfassendes sein, sie sollen sich mit der Lage der Juden in allen Ländern befassen, die Nationalitätsfrage und das Palästinaproblem behandeln rc. Die Meinungsverschiedenheiten, die hinsichtlich aller dieser Probleme naturgemäß auftteten, brachten es mit sich, daß diese Kongreßfrage bis heute fast nirgends definitiv gelöst wurde. Selbst in Amerika, wo der Kongreß bereits vor wenigen Wochen hätte zusammentteten sollen, wurde derselbe auf unbestimmte Zeit verschoben, angeblich, weil es nicht angeht, sich um die Juden der anderen Länder zu kümmern, während Amerika in einen Krieg verwickelt ist; in Wirklichkeit aber, weil die verschiedenen Parteien und Gruppen trotz der Kompromisse keineswegs einig sind und gar manche lieber auf die Abhaltung des Kongresses verzichten wollen, als ihren Standpunkt aufzugeben. Die ungarische Judenheit hat nunmehr ebenfalls ihre Kongreßfrage. Hier handelt es sich keineswegs um allgemein-jüdische Angelegenheiten, sondern «m Fragen, die eigentlich bloß das ungarische Judentum angehen. Nichtsdestoweniger ist auch hier die Sache zieinlich kompliziert und der KongreWlan begegnet großen Schwierigkeiten, die die ganze Angelegenheit in Frage stelle». Gerade jetzt werden es 50 Jahre feit der Judenemanzipation in Ungar». Bringen eS auch die Kriegsereigniffe mit sich, daß dieses Jubiläum nicht mit besonderem Pomp begangen werde« kann, so ist der Plan aufgetaucht, einen allgemein-jüdischen Kongreß in Ungarn abzuhalten, an dem sich fämt-

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