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Jüdische Korrespondenz · 1917-11-29 · 35 (29.11.1917) · page 5

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
35 (29.11.1917)
Date
1917-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 Jüdische Korrespondenz. schon vor mehreren Jahren den Gedanken an einen Neubau nahegelegt, was schon ausgeführt worden wäre, Hätte nicht der grausige Weltkrieg ein solches Unternehmen unmöglich gemacht. Die jüngsten Brände' haben die Behörden zu außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen veranlaßt, die mit sehr bedeutenden Auslagen verbunden sind. Es stellt sich als viel praktischer dar, an einen Neubau zu schreiten, resp. die bezüglichen Vorarbeiten zu beschleunigen, so daß der hoffentlich bald kommende Friede und die Wiederkehr geregelter Zustände die sofortige Inangriffnahme des Neubaues ermögliche. Zu diesem Behuf« hat der Vorstand der Adas Jisroel eine Baukommission gewählt, die ihm bei den Vorarbeiten zur Seite stehen soll. — Die freudige Zustimmung aller interessierender und befreundeter Kreise zu diesem Projekte ist ein gutes Omen für das Gelingen des Werkes, das die Anspannung aller Kräfte erfordern wird. Wenn auch die Synagoge, besonders ein Prunkbau, nicht das wichtigste Ättribut einer orthodoxen Gemeinde ist, wenn auch die Leistungen der Schiffschul für Schächtwesen, Mazzes, Mikweh, Thorahunterricht für die Jugend, ausgedehnte Gelegenheit für Erwachsene, Thorah zu lernen rc. ungemein wichtiger sind, muß die Schiffschul als einzige größere Korporation in Westösterreich, die für die Bedürfnisse der strengreligiösen Judenschaft sorgt, auch eine Schul besitzen,' die ein auch äußerlich würdiges Wahrzeichen des alten unverfälschten Judentums bildet. Nachdem durch die im Schoße der Schiffschul, aus deren Kreise gegründeten Vereine wie: Beth Hamierasch für Verbreitung der Thorah — seit Kriegsbcginn „lernen" daselbst täglich vom frühen Morgen bis zum späten Abend auch eine große Anzahl Talmide-Chachomim — Jesod Hatorah und Religionsschule für Jugendunterricht, Sabbatfreunde für Vermittlung von Stellen ohne Chillul Schabbos, Krankeilhausverein für Krankenkost, eine von den hervorragendsten Klinikern wärmstens empfohlene Anstalt; „Einheit", wo Tausende Unbemittelte sich Koscher billig verköstigen können, Tomech Ewjonim und Tiferes Bachurin zur Unterstützung Armer, für alle ethischen und leiblichen Bedürfnisse der orthodoxen Judenschaft sorgen, — ist es an der Zeit, auch an eine entsprechende Repräsentation der Adas Jisroel durch eine schöne Synagoge zu gehen. Es gibt in Wien eine große Anzahl von Juden, die, ohne selbst strengreligiös zu sein, fühlen und wissen, daß die Judenheit als solche sich nur durch den religiösen Teil der Judenschaft dauernd erhalten kann. Und so ist die Hoffnung berechtigt, daß Alle zusammenwirken werden, dem orthodoxen Judentum in Wien zu einer sichtbaren würdigen Erscheinung nach Außen zu verhelfen. Die Summe von Leistungen für Thorah, Awodeh und Gemilas Chesed, welche die 40 orthodoxen Bethäuser Wiens, deren Besucher zum größten Teile dem kleinen Mittelstände angehören, aufbringen, ist geradezu überwältigend und ist lebhaft zu wünschen, daß auch die außenstehenden Kreise sich hicfür interessieren und dem traditionellen Judentum und dessen Bekennern jene Achtung und jene Förderung angedeihen lassen mögen, die es verdient, als erhaltendes Element des Judentums. Ben-Zwi. Ergebnisse der LernfsMiung in Galizien und der Bukowina. Das kürzlich erschienene zehnte Heft deT dritten Bandes, Reue Folge, der von der Statistischen Zentralkvnrmisstvn hrrauSgegebenrn österreichischen Statistik (Verlag von Karl Gerolds Sohn) enthält die endgültigen Berufszählungscrgebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1010 für Galizien und die Bukowina. Abgesehen von kurzen Vorbemerkungen, die namentlich die Unterschiede zwischen dieser Berufszählung und den Berufszählungen von 1890 und 1900 hervorheben, besteht das Heft nur aus Tabellen; die Besprechung der Ergebniffe ist in dem bereits vor einigen Monaten erschienenen 1. Heft des 3. Bandes erfolgt. Die erste Tabelle bringt die Hauptzahlen über die Verteilung der Bevölkerung jedes einzelnen Bezirkes nach dem Hauptberufe und dem Nebenerwerbe für die Gesamtbevölkerung und für die weibliche Bevölkerung, so daß durch Abziehen der die letzte« betreffenden Zahle« jene für die männliche Bevölkenrng berechnet werden können. Der Hauptberuf ist zunächst in Klassen, dann in Gruppen eingeteilt. Von der Gesamtbevölkerung Galiziens mit einem Stande von 8,024.524 Köpfen ivaren 4,503.901 Berufstätige, 3,428.955 Angehörige ohne eigenen Hauptberuf und 91.668 häusliche Dienstboten. Von den Berufstätigen waren weiblich 2,084.372, von den Angehörigen ohne eigenen Hauptberuf 1,918.023 und von den häuslichen Dienstboten 85.037. Die Berufstätigen teilten sich in 1,548.194 Selbständige, 7096 Pächter, 90.709 Angestellte, 520.228 Arbeiter, 33.084 Lehrlinge, 226.470 Taglöhner und 2,078.120 mithelfende Familienmitglieder; von der Gesamtbevölkerung hatten 171.446 einen Nebenerwerb. Von der Gesamtbevölkerung der Bukowina in der Zahl von 800.127 waren 425.553 Berufstätige, 363.464 Angehörige ohne eigenen Hauptberuf und 11.120 häusliche Dienstboten. Von den Berufstätigen waren weiblich 180.593, von den Angehörigen ohne eigenen Hauptberuf 213.222 und von den häuslichen Dienstboten 10.323. Unter den Berufstätigen sind 145.349 Selbständige, 1024 Pächter, 10.985 Angestellte, 48.802 Arbeiter, 3709 Lehrlinge, 73.895 Taglöhner und 141.789 mithelfende Familienmitglieder. Von der Gesamtbevölkerung hatten 26.517 einen Nebenerwerb. Die nächsten Tabellen enthalten für Galizien nach den Sprengeln der Handels- und Gewcrbekammern, für die Bukowina im ganzen die weitere Teilung der Berufsgruppen in Berufsarten und die Stellung im Berufe, dann die soziale Schichtung der Berufstätigen und ihrer Angehörigen. Darauf folgt die Alters- und Familienstandsgliederung nach Berufsklassen für die beiden Länder getrennt, sodann die Berufsklaffen und die Stellung im Berufe in Verbindung mit der Umgangssprache und mit Religionsbekenntnisse. Eine weitere Tabelle behandelt die Berufsgruppe „Hof-, Staats- und anderer öffentlicher Dienst- und verwandte Berufe", nach Betriebsklasfen und Betriebsgruppen gegliedert, in Verbindung mit der Stellung im Berufe und dem Familienstände. Die ahl der in öffentlichen Betrieben beschäftigten ersouen betrug in Galizien 102.016, davon 39.270 höhere Angestellte und 62.746 Arbeiter mit Einschluß der Lehrlinge, Taglvhner und mithelfenden Familienmitglieder. In der Bukowina betrug die Zahl 11.962, davon 5696 Angestellte, 6266 Arbeiter usw. Die letzte Tabelle bringt für jeden einzelnen politischen'Bezirk die Ergebnisse der Fragen nach dem Grund- und Hausbesitz, verbunden mit der Unterscheidung zwischen der HauPtberussklasse,Land- und Forstwirtschaft und den übrigen Hauptberufsklassen. In Galizien waren danach 1,677.658, in der Bukowina 179.080 Grundbesitzer, von denen 1,470.309 (151.293) der Berufsklasse Land- und Forstwirtschaft und 207.349 (27.787) anderen Berufsklaffen angehörten. Von den Grundbesitzern entfielen auf land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz 328.143 (36.288), ans Haus- und sonstigen Realbefih 193.452 (29.465 >, während die Mehrzahl 1,156.063 (113.327) beide Arten von Grundbesitz zugleich hatte. Von je 1000 Einwohnern Galiziens wären 209 Grundbesitzer, von je 1000 Einwohnern der Bukowina 224. Die Angaben einiger Tabellen sind nur in der Aufteilung nach Berufsklasfen veröffentlicht, während die weitere Gliederung nach Bernfsgruppen handschriftlich vorliegt. Die Statistische Zentralkommission ist bereit, davon gegen Ersatz der Kosten Abschriften ausznfertigen. Ebenso sind Ergebnisse anderer Tabellen nach Stellung im Berufe und nach Altersgruppen getrennt bearbeitet, jedoch mit Rücksicht auf den großen Umfang nicht veröffentlicht worden. Diese Statistik ist auch für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Galizien und der Bukowina sehr wichtig. Die Neutralität in der Mel. (Schluß Ar. »4.) Als zur Zeit des Königs Achas einerseits die oben bereits erwähnte Revolution seitens der Pro- Aegypter gegen den jüdischen König, und andererseits ein Bündnis Achas mit Assyrien drohte, da sprach Jefaia zum König: „Es wird der Ewige über Dich, Dein Volk und Dein Vaterhaus Tage bringen, die nicht gekommen, vom Tage an als Ephraim von Juda absiel.... den König von Assyrien!" (Jesaia 7. 17.) Gleichzeitig aber warnt er die Revolutionäre, die alles Glück von Aegypten und dessen Verbündeten (Zehnstämmereich, Syrien rc.) erwarteten, daß Gott „die gewaltigen Gewässer des Euphrats" bringen wird, über diejenigen, welche „die langsam fließenden Wasser des Schiloach (das Bild für die sanfte Regierung der davidischen Könige) verschmähen". (Jesaia 8, 6.) Der Prophet Hosea geißelt die Unaufrichtigkeit einer Politik, welche gleichzeitig ein Bündnis mit Assyrien und eines mit Aegypten abzuschließen sucht: „Ephraim sah seine Krankheit «nd Juda dessen Heilmittel, Ephraim nämlich ging zu Aschur und schickt gerade zu dem Könige, der gegen es kämpfen soll — der wahrlich wird Euch nicht heiien und aus Euch t'elbst erwächst kein Heilmittel." (Hosea 5, 13.) „So klagt der Hochmut Israels es an, sie aber kehren nicht zu Gort, ihrem Gott zurück, und Ihn suchen sie in allem diesem nicht, — sondern — Ephraim ward, wie eine törichte Taube, ohne Verstand. Aegypten riefen sie! Rach Aschur gehen sie!" (Hosea?, 10/11.) „Ephraim weidet Wind, ja jagt dem Oftsturm entgegen, den ganzen Tag mehrt es Täuschung und Raub. Und Bündnis schließen sie mit Aschur! Und Oel trägt man nach Aegypten!" (Hosea 12, 2.) In der Tat ist Ephraim ein Opfer der Assyrer geivorden und die „verbündeten" Aegypter machten während der dreijährigen Belagerung Samarias nicht einmal einen Versuch der Rettung. Auch zu der Zeit König Chiskias, dem Nachfolger Achas', stand die auswärtige Politik im Zeichen der Bündnisverhandlungen, welche dann und wann durch ein kräftiges Wort von Jesaia kurz und bündig abgebrochen wurden: „Was man den Boten der Völker antworten soll? Datz Gott Zion gegründet hat." (Jesaia 1t-, 32.) Kürzer und deutlicher hätte man nicht sagen können, daß man die Boten der Völker und ihre Bündnisse nicht brauche. Als später doch wieder Verhandlungen mit Aegypten ausgenommen wurden, da lautete das Propheten- „Wehe den widerspenstigen Kindern, spricht der Ewige, die Ratschläge fassen ohne mich, Beschlüsse beschließen ohne meinen Gerft, um Sunde zu hauten auf Sunde. Die ziehen hinab nach Aegypten, doch meinen Mund befragen sie nicht, sich zu schützen im Schutze Pharaos und sich zu schirmen im Schatten Aegyptens. Es wrrd Euch Pharaos Schutz zu Schanden werden, r Schirm im Schatten Aegyptens zur Schmach." Der Prophet hat Recht behalten. Das Bündnis von Inda mit Aegypten hat den assyrischen König Sancherib nicht daran gehindert, die Stadt Jerusalem enge einzuschließen, und erst auf das innige Gebet, welches Chiskia zum Himmel emporsandte, kam die Rettung >. „Und es war in jener Nacht, da ging ein Engel des Ewigen aus und schlug im Lager Assyriens 188.000 Mann, "lls man am Morgen früh aufstand, da ivaren sie alle Da Ebrach Sancherib, der König von Assyrien aus, zog ab und blieb in Ninive." Könige II, 18, 88—37 und Parallelstellen Jesaia 37, 36—37 und Chron. II, 32, 21.) Aber trotz dieser wunderbaren Hilfe hat Chiskia, der im übrigen in den Wegen Gottes wandelte und sicherlich einer der sympathischsten jüdischen Könige war, wenige Zeit später die babylonischen Gesandten, die offiziös aus der Bündnissuche waren, und offiziell den König zu seiner Genesung von schwerer Krankheit beglückwünschten, in mehr als zuvorkommender Weise empfangen: „Chiskia freute sich ihrer und zeigte ihnen sein ganzes Schatzhaus, das Silber und das Gold und die Spezereien und das gute Oel und sein ganzes Zeughairs und alles, was sich unter seinen Schätzen vorfand, es war nichts, was Chiskia ihnen nicht zeigte, in seinem Hause und in seiner ganzen Herrschaft." (Jesaia 39, 2 und Könige II 21, 13.) Offenbar zeigte Chiskia, wieviel Hilfe er im Kriegsfall würde leisten können. Darauf erscheint Jesaia und prophezeite dem „Siehe, Tage werden kommen, und man wird wegsühren alles, was in Deinem Hause ist und was Deine Väter gesammelt bis auf diesen Tag. nach Babel, nichts wird übrig bleiben." (Jesaia 39, 6 und Könige II, 21, 17.) Daß Chiskias Sohn und Nachfolger Manasse, der den scheußlichsten Götzendienst im Tempel einrichtete, „unschuldiges Blut in Menge vergoß" und nach talmudischer Ueberlieferung (Jebamoth 48 b und Sanhedr. 103 b) den Propheten Jesaia in raffinierter Weise hinrichtete, nicht derjeilige war,

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