Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 33 (8.11.1917)
- Date
- 1917-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Jüdische Korrespondent. Seite 8 der Vernichtungsarbeit trunken, ergoß sich der Pöbel in die in der Nähe des Fischmarkts liegenden Straßen, plünderte die jüdischen Geschäfte, drang in die benachbarten jüdischen Häuser und schlchpte Kleidungsstücke, Wäsche, Kissen usw. heraus. A» manchen Stellen schlossen sich dem Pöbel Soldaten an. Am Abend wurden auch nichtjüdische Geschäfte geplündert. Der Rat der A.> u. S.-Deputierten organisierte sofort eine Zivillegion aus Arbeitern der Eisenbalmwerkstätten, die die Ordnung wiederherstellten und die Stadt bewachte». Die neue Lösung der polnischen Frage und -je Juden. Nachrichten aus Berlin wiffen zu melden, daß es gelegentlich der jüngsten Anwesenheit des k. u. k. Ministers des Aeußern, Grafen Ezernin, in Berlin zwischen den beiden 'Mittelmächten zu einer neuen Vereinbarung hinsichtlich der Lösung der polnischen Frage gekommen sein soll, die mehrweniger den bekannten sogenannten österreichischen Standpunkt zur Grundlage hat, nämlich Polen soll zusammen mit Galizien als selbständiges Königreich erstehen, unter der Herrschaft der Habsburger und mittelst ' einer Personal - Union mit Oesterreich- Ungarn verbunden sein. Kaiser Karl soll König von Polen werden. Andererseits soll die litauische und kurländische Frage in dem Sinne gelöst werden, daß diese beiden Länder mit Preußen in der Form einer Personal-Union vereinigt und Kaiser Wilhelm Großherzog von Litauen und Herzog von Kurland werden soll. Diese Nachrichten haben vorläufig keine offizielle Bestätigung gefunden, indirekt sind sie sogar dementiert worden. Das Dementi lautet aber ziemlich unbestimmt uud niacht eher den Eindruck einer Bestätigung als einer Ableugnung. Immerhin scheint die Sache noch nicht definitiv erledigt zu sein, und es ist wahrscheinlich, daß besonders die Details der angekündigten Lösung noch nicht ganz feststehen. Die nächste Zeit dürfte wohl darüber Klärung bringen. . Eine« scheint sicher zu sein: im großen und ganzen dürsie sich dieser Lösungsmodus durchsetzen. Die Hauptsache, daß Polen unter die Herrschaft der Habsburger kommt, mit Galizien vereinigt und zu Oesterreich-Ungarn in ein Verhältnis der Personal- Union treten wird, scheint schon heute festzustehen, und dabei soll es bleiben. Es ist nun von Interesse, die Frage zu behandeln, wie sich die Sache hinsichtlich der Judensrage in Polen stellen dürfte. Ohne übertriebenen Optimismus kann gesagt werden, daß dieser Lösungsmodus vom jüdischen Standpunkte aus ans keinen Widerspruch stoßen durste. Die Lösung der Judenstage in Polen wird dadurch eine Vereinfachung erfahren, und gar manche Befürchtungen, die man in den jüdischen Kreisen hinsichtlich der Zukunft der Juden in Polen hegte, werden dadurch hinfällig. Schon der Umstand, daß Polen unter die Herrschaft des Kaisers Karl kommt, bildet für die Juden ein starkes Beruhigungsmoment. Unter dem Szepter der Habsburger haben di« Juden keine Verfolgungen und Rechtsverletzungen zu fürchten. Kaiser Karl hat in dem ersten Jahre seiner Regierung genug Beweise seiner Gerechtigkeitsliebe, seines Wohlwollens sür^ alle seine Völker ohne nationalen und konfessionellen Unterschied geliefert, daß die Juden Polens, die angesichts der bekannten polnisch-jüdischen Spannung im Lande der Zukunft mit einigen Sorgen entgegengesehen haben, vollständig beruhigt sein können. Andererseits wird durch eine Vereinigung Galiziens mit Polen die Lösung des sogenannten Ostjudenproblems vielfach vereinfacht werden. Die Lösung dieses Problems in Polen müßte stets analog einer Lösung in Galizien vorgenommen werden. Dies wäre aber kaum möglich, wenn beide Wilder verschiedene Gesetze und verschiedene Verwalluugsmethoden hätten. Schließlich kommt auch noch die wirtschaftliche Lage der Juden in Betracht. Dnrch eine Bereinigung Galiziens mit Polen dürfte JA die wirtschaftliche Situation Galiziens bedeutend güustiger gestalten, was den dortigen Inden entschieden zugute kommen wird. Andererseits werden die Juden Galiziens ihren Brüdern in Polen vielfach mit. itjxae, und politischer Routine nützlich sein können, angesichts des Umstandes, daß die Juden in Polen bisher infolge des russischen Systems von dem politischen Leben und von den fr««ir Berufen fast völlig ausgeschlossen lvareu. schließlich dürste auch die Judensrage in Orstrvreich viel einfacher sich gestalten. Die unterschiede zwischen Ost und West, die sich bisher jeder Aktion in den Weg stellten, werden nun aufhören. Das westösterreichische Judentum wird nun die Möglichkeit haben, seine inneren Verhältnisse einer entsprechenden Ordnung zuzusühre«, ohne mit den agenartigen Vrchäktmssen im Osten rechnen zu müsse«. All diese Momente — zu welchen noch der Umstand hinznkommt, daß, je größer die Zahl der Juden im neuen Polen sein wird, desto günstiger müßte sich deren politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation gestalten — sprechen dafür, daß die neue Lösung der polnischen Frage vom jüdischen Standpunkte aus keinen Bedenken begegnen kann. Es hängt wohl vieles von den Details ab, — wir wollen aber hoffen, daß auch diese im günstigen Sinne aus- ' fallen werden. Uand schau. (Patriotische Kundgebung.) Bei der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener Ist. Kultusvorstandes richtete der Vorsitzende, Präsident Dr. A. Stern, an die Anwesenden folgende Ansprache: „Bevor wir an unsere Arbeit gehen, tvill ich, den patriotischen Empfindungen uiiserer aller folgend, der herrlichen Siege gedenken, welche unter dem Oberbefehl Seiner kaiserlichen uub königlichen Apostolischen Majestät unseres Kaisers unsere ruhmreichen Truppen, vereint mit den tapferen Truppen unseres Verbündeten, gegen unseren Feind im Südwesten erringen. Tausende und Tausende unserer Sohne und Brüder kämpfen jetzt, wie während der ganzen Zeit des Krieges, Schulter an Schulter mit allen übrigen wehrfähigen Söhnen dieses Reiches für die Ehre und Sicherheit unseres Vaterlandes. Mit inniger Freude erfüllen uns diese glänzenden Erfolge und sehulichst wünschen wir, daß unserer heldenmütigen Armee unter der glorreichen Führung . unseres erhabenen Monarchen ein voller Sieg beschieden sei, der uns dem ehrenvollen Frieden näher bringt. Unser geliebter Kaiser Karl I. lebe hoch, hoch, hoch!" Di« Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen und stimmen begeistert in den Hochruf ein. (Kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben gestorben.) Am 31. Oktober verschied nach kurzem Leiden der I. Sekretär der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben im 76. Lebensjahre. Mit ihm schwindet aus dem Wiener Gesellschaftsleben eine wegen der tiesinneren Vornehmheit ihres Wesens sowie wegen ihres die verschiedensten Gebiete umfassenden Wissens in den weitesten Kreisen angesehene und geschätzte Persönlichkeit. Namentlich die Wiener Kultusgemeinde, in deren Diensten der Verblichene seit dem Jahre 1873 stand, wird sein Hinscheiden als einen wahren Verlust empfinden, da Dr. Lieben als ihr erster Beamter allezeit eine hingehende Pflichttreue entwickelte, die wahrhaft mustergültig war. Im Jahre 1897 war Dr. Lieben, nachdem er bereits 15 Jahre leitender Sekretär der Wiener Kultusgemeinde gewesen war, zum 1. Sekretär ernannt worden. Seine Verdienste um die öffentlichen Angelegenheiten-fanden auch wiederholt die Allerhöchste Anerkennung; so wurde ihm im Jahre 1896 der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen, und im Jahre 1913, anläßlich seines 40jährigen Dienstjubiläums, wurde er durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Eine ganze große Anzahl von Wohltätigkeitsvereinen, deren Ehrenmitglied er war, verliert in ihm den nie versagenden Förderer ihrer menschenfreundlichen Bestrebungen. Bei der am 1. d. M. abgehaltenen Sitzung des Bertreterkollegiums der Wiener Kultusgemeinde widmete Präsident Dr. Alfred Stern dem Dahingeschiedcnen tiefempfundene Worte der Würdigung und Anerkennung seiner langjährigen ausgezeichneten Tätigkeit. Es wurde einhellig beschlossen, dem Verblichenen ein Ehrengrab zu widmen. (Pogrom in Rnstlaod.) Ans Stockholm, 2. d. M., wird berichtet: Die Lage der russischen Inden ist nach hier vorliegenden Meldungen auch unter der neuen Regierung recht unsicher. Von verschiedenen reaktionären Organisationen wird seit den ersten Tagen der Revolution eine eifrige Hetze gegen die Juden betrieben, die besonders in letzter Zeck außerordentlich heftig geworden ist. Au verschiedenen Stellen hat diese Hetze denn auch schon ihre Wirkung geäußert. So fanden in einer ganzen Anzahl von russischen Städten, darunter in Jekatcrinoslaw, Orel und Tambow, umfangreiche Judenversolgungen statt, die besonders in der letzteren Stadt ganz und gar die Form von regelrechten Pogromen annehmen. Diqe Ereignisse haben ift der gesamten russischen Judeiifchaft eine starke Beunruhigung hervorgerufen. Vom Vereinolebrn. (Verband der israelitischen Matrikeuführer Galiziens.) Das vorbereitende Komitee zur Gründung eines Verbandes der israelitischen .Matrikenführer Galiziens bringt hiermit zur Kenntnis, daß das Statut dieses Verbandes seitens der k. k. n.-ö. Statthalterei ddo. 20. Oktober 1917, Zahl IV 2904/1, genehmigt wurde. Die p. t. israelitischen Matrikenführer Galiziens werden hiermit als Verbandsmitglieder ersucht, ihre genauen Adressen dem Unterfertigten bekanntzugeben. Für das Vorbereitungskomitee: Abraham Hager, Rabbiner und Matrikenführer aus Zablotow, dz. Wien, II., Schmelzgasse 10/20. („Jeschurun.") Organisation für die thoratreue Jugend Wiens. Donnerstag, den 15. d, uni l/z8 Uhr abends, wird Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. S. Funk, einer Einladung des Vereines „Jeschurun" folgend, im Festsaale des Wiener Ingenieur- und Architekten-Vereines, Wien, I., Eschenbachgasse 9, über die Blüteperiode im Wiener jüdischen Gemeindeleben einen Vortrag halten. Gäste willkommen. Spendenausweis für die Schulen der „Agudas Aifroek", Wien, II., Große Ufarrgaffe Ar. 23, für den Monat Kknk 5677. Je K •£•—: Hazalkower, Podhcice; Jagolnicc, Mikoliiice; Amerand, ZMo/.ce; Lampner, Beiz; Allmann, Sadagüra; Buhler, Raöautz; Ronis, Wien; Loker, tablotüw; Steiner. Kolomea; Kazniy, Jazlowitz; Kruh, tarozymetz; Aschkenarz, Brody; Schwager, Kolon,ea; Kleintelv, Kolomea; Horowitz. Krakau; Schächter, Kossüw; Jung, Kalusz; Säimelkes. Bardield; Babad, Lnbnczüw; Scheindler, stanislau; Katzcnvhl, Stamslau; Sandei, Ravziechoiv; Kelmann, Spoffüw; Drummer, Bursztyn; Okner, Brody; Fingerhut. Brody; Bleiberg. Stanislau; Goldmark. Stamslau; Zaukcl, Kolomea; Mantel, Groß, Rawa-Ruska; Weinstein, Brzezany; Stanger, Czernowitz; Schapira, Glinany; Buksbaum, Kolomea; Arak, Lemberg; Schwarz, Lemberg; Silberberg, Rzeszüw; Potaker. Monasterzhska; Becker, Bolaszowce; Sperber, Zablotow; Spitz, PrzemySl; Mimik, Lubin; Beck, Przemy-l; Eigen, Rohatyn; Schvtner, Zablotüw; Ekhaus, Zaleszczyki; Gimpel, Stary-Sambor; Sobol, Tarnnw; Schlager, Starozynietz; Witlin, Kamlonka; Schänherz, Ehrzanüw; Brotmann, Tarnobrzeg; Gorner, Delatqn; Wenkert, Wien; Elftem, Kolbuszow; Schleimer, Starozynietz; Lazar, Kolomea; Goldberg, Lemberg; Beck, Przemysl; Scheiermann, Kolomea; Nagel, Stanislau; Korn, Buczacz; Birnbach, Zaslawna; Rostoker, Nadwürna; Elftem, Stanislau; Weinert, Bnrsztyn: Schapira, Lemberg; Fisch, Kolomea; Reimann, Betz; Misis. Janüw; Neumann, Hnsiatyn; Ginsberg, Buczacz; Lauser, Tarnobrzeg; Horowitz, Stanislau; Weinstein, Zaleszczyki; Bndaszewski, Czortküw; Würffel, Skalen; Sobel, Delatyn; Lehrer, Radautz; Spitz, Przemy-ll; Birn, Antwerpen; Breiter, Brzezany; Dembler, Osila; Fischer, Kolomea; Feller, Kolomea; Gelbtuch, Olesk; Heilpern, Brzezany; Lerchcr, Kolomea; Fetter, Zakkiei»; Bakenrot, Gorlice; Natansohn, Krystynopol; Nestel, Boryslüw; Brand. Komarno: Rachmon, Wiznitz; Landau, Nadwürna; Stern, Podheice; Stolzberg, Busk; Sternberg, Buczacz; Kohl, Kainionka; König, Nadwürna; Rosenkranz,Sniatyü; Schaffer, Worochta; Huber,Ottynia; Kantor, Kolomea; SWteebalk, Kolomea; Schnüre, Brody; Landman, Buczacz; Engel. Mikulince; Seidman, U-Kie- Sielane; Stempler, Buczacz; Golvhuber, Kolomea; Witküw, Wiznitz; Kreinbler, Kolomea; Gottcsmanu, Ty-iemmtzc; Rozner, Wiznitz; Engelberg, Przemq«!; Meiler, Stanislau; Tabak, Buczacz; Schapira, Stryj; Buchholz, Trembowla: Auerbach, Zloczüw; Süßmann. Halicz; Blech, Stanislau; Rathau, Rawa-Ruska; Horowitz, Stryj; Taube, Krystynopol; Hermann, Bodry« horczany; Feninger, Stern, Kolomea; Ta«; Mendel, Lesznüw: Weiß; Katz, Krystynopol; Bergwerk, Lenszyn; Kurzer, Rawa-Raska; Henigsberg, Kolomea. Je L 1/80: Dul, Monasterzyska; Weinftein, Tarnopol. Je K 1; Siegel: Bergmann; Friefeh Krenica; Lustig, Poöwol»- WÄa; Feigenbaum, Tarnopol: Bindler; Baumbhl, Stryj; Drimmer, Trembowla; Rokach, Brody; Duker, Stanislau; Aufrichtig. ZbarasZ; Schwadron, Halicz; Lang, Trembowla; Jäger, Trembowla; Hubel, Drohobycz; Ehrenpreis, Einlager, Trembowla.