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Jüdische Korrespondenz · 1917-11-08 · 33 (8.11.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
33 (8.11.1917)
Date
1917-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz. Nr.Ää- Schläge mwldm. Aber auch damals erschie» ihm BrchsiloW mit seiner Massenhioschlachtung al» Helfer in der Mot, and es blich weiterhin vom Schicksal verschont. Nunmehr aber ist die Zeit des Strafgericht doch gekommen. In wenigen Tagen haben die verräterischen Italiener all das verloren, was sie in dritthalbjährigen blutigen Kämpfen erobern konnten. Und noch mehr: Der Feind steht heute tief auf italienischem Boden, die italienischen Arnieen sind demoralisiert, zersprengt, vernichtet, die militärische Kraft ist gebrochen, und dasselbe Königreich, das als Helfer der Engländer und Franzosen lvsgezogen war, den Mittelmächten den Todesstoß zu versetzen, ist jetzt auf die Hilfe seiner Freunde angewiesen, die allerdings wenig Lust zeigen, seinetwegen allzu große Opfer zu bringen. Vielleicht tvird es ihrerseits ebenso im Stich gelassen werden, wie dies den Serben und Rumänen gegenüber geschah. Dann wird eS zum Schaden auch noch den wohlverdienten Spott ernten. Es ist unmöglich, in diesem Verlauf der Ereignisse die strafende Hand der ewigen Gerechtigkeit zu verkennen. Ein ostjüdisches Sprichwort sagt: „Gott wartet lang und zahlt prompt heim!" Die Italiener haben die Richtigkeit dieses Bolksspruches am eigenen Leibe erfahren. Es hat etwas länger als bei den Rumänen gedauert, bis sie die Früchte ihres schändlichen Verrates geerntet haben. Aber die Züchtigung ist nicht ausgeblieben und war dafür ziemlich gründlich. Die Herren Cadorna und Sonnino, wie nicht minder ihr schwachmütiger König, der sein Wort schnöde gebrochen hat, haben keine Ursache, sich zu beklagen. Sie erhalten die Strafe im vollsten Ausmaße. Vom jüdischen Standpunkte aus betrachtet, können wir diese Erscheinungen mit der höchsten moralischen Genugtuung begrüßen. Indem wir als Bürger der Monarchie gleich allen Mitbürgern die glorreichen Siege unserer Truppen mit lebhafter Freude begrüßen, empfinden wir als Juden eine doppelte Freude ob dem sieg der Gerechtigkeit, des Prinzips, daß jede Schuld auf Erden ihre Sühne finden muß. Kein Volk der Erde hat so viel unter dep, Last des Unrechtes, der Frivolität, des Verrates zu leiden, als die Juden. Unsere Freude ist deswegen groß, wenn wir sehen, daß die ewige Gerechtigkeit ihr Walten nicht eingestellt hat und daß kein Unrecht ungesühnt bleibt. „Und das ganze Volk soll hören und sich fürchten - und nicht mehr mutwillig tun!" — Diese Worte fügt die heilige Schrift jedem Strafurteil zu, mittelst welchem irgend ein öffentlicher Frevel gesühnt werden sollte. Auch in unserem Falle seien diese Worte angebracht. Die Italiener haben ihr Schicksal wohl verdient und schwer lastet auf ihnen die strafende Hand der ewigen Gerechtigkeit. Aber auch die anderen Völker mögen hören, sich fürchten und nicht mehr mutwillig tun, damit „das Böse ausgerottet werde aus unserer Mitte". Auch die anderen Urheber des Krieges mögen sich das Los der Italiener zu Herzen nehmen und sich bestreben, dem mutwillig heraufbeschworenen Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Das Schicksal Italiens möge ihnen als blutig-warnendes „Mene-Tekel" dienen. Auch der Tag ihrer Sttafe wird kommen, wenn sie nicht rechtzeitig Buße tun. Die Schläge, die Italien kriegt, sie sind ein Fingerzeig Gottes. _ Spectator. England und der Zionismus. Einen charakteristtfchen Beitrag zur Illustration der Ententepolittk hinsichtlich des Zionismus liefert eine englische Zeitung, der geeignet ist, auch den Berblendetsten die Augen zu öffnen. „Manchester Guardian" verrät in einem Leitartikel, daß die britische Regierung den Zionismus lediglich vorschiebt, um die imperialistischen Zwecke Englands za fördern. Das Bemerkenswerteste dabei ist, daß das liberale Manchester-Blatt diese Politik 'unterstützt und von dm Juden sogar erwartet, daß sie sich im Interesse Englands entgegen ihren eigenen Ansichten in den Dienst dieser Politik stellen. Das Blatt schreibt nämlich: „Me Argumente für die Ausdehnung der britischen Kontrolle über Palästina in irgend einer Form beruhen auf unserer Lage in Aegypten. Es ist offenbar, daß, wenn bei dem Eintritt des Friedens die türkische Herrschaft in Palästina und Syrien forkdauem würde, unsere militärischen Probleme in Aegypten schr ernster Natur sein würden. Unsere ganze Orientpslitik war auf dem Gedanken aufgebaut, daß die Türkei rin freundlich gesinnter Pufferstaat fei, und dieser Gedanke ist nun zusammcngebrochen. Wir haben neue Grundlagen zu schaffen, und der erste naheliegende Gedanke wäre die Teilung der Souveränität über die asiatische Türkei südlich des Taurus mit Frankreich in der Weise, daß Syrien an Frankreich gegeben und Palästina zu einem jüdischen Staat gemacht würde, der vs« unserem Lande abhängt. Das gleiche Resultat kann indessen auf andere Weise erreicht werden. Die Souveränität von Palästina könnte international sein mit Großbritannien als Mandatar der Mächte. Oder schließlich, wenn die Vereinigten Staaten von nun ab ein Mitglied des europäischen Konzerts und einer Zukünftigen Friedensliga sein wollen, müssen die Vereinigten Staaten -gewillt sein, nach den Ratschlägen von Europa einen territorialen „locus stauch" zu erwerben und als Beauftragte Europas in Palästina austreten." Die Schlußsätze des Artikels des „Manchester Guardian" lauten: „Es ist schade, daß zur Zeit einer solchen Krise die Juden nicht einmütig sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, in dem Streit der beiden Richtungen zu entscheiden, aber wir wollen zwei Punkte anführen: 1. Diejenigen Juden, die glauben, daß die Errichtung eines jüdischen Staates für die Rechte der Juden in anderen Ländern nachteilig sein würde, und daß die jüdische Freiheit in einem Palästinaheim weniger Freiheit für die Juden in ihrem Adoptivheim bedeuten würde, haben scheinbar einen unvollkommenen Begriff von den Grundsätzen der britischen Freihett und religiösen Duldung. 2. Was auch immer gegen die Einrichtung eines jüdischen Staates als materielles jüdisches Interesse gesagt Werder^ mag, cs handelt sich zweifellos um ein Interesse Großbritanniens und der Alliierten, und das sollte von dm Juden erkannt werden, die das Wohlergehen ihrer Adoptivländer wünschen." ' Von Iu-enerzeffen in den Ententeländern. Die „Jüdische Presse" schreibt: Aus den Ländern der Entente werden, und zwar aus völlig zuverlässigen Quellen, Nachrichten bekannt, die zum Teil einen geradezu grauenhaften Charakter tragm. Bor einigen Monaten fanden regelrechte pogromartige Ausschreitungen gegen die Juden in Leeds in England statt und erst vor ganz kurzer Zeit wiederholten sich solche Exzesse in London selbst, wo am Vortage des jüdischen Bersöhnungsfestes der englische Pöbel, dem sich auch viele englische Soldaten angeschlossen hatten, jüdische Passanten beschimpfte und mißhandelte, in vielen jüdischen Häusern die Fenster einschlug und nur mit großer Mühe von schlimmeren Ausschreitungen zurückgehalten werden konnte. Weitaus schlimmer waren noch die antisemitischen Exzesse, die jüngst in Tunis stattfandm. Biele Juden wurden in der Stadt Tunis, in Beserka- Susa mißhandelt, einige sogar ermordet, Läden und viele Häuser wurden geplündert. An diesen Exzeffen beteiligten sich in analoger Weise wie in London ftanzösische Soldaten. In beiden Fällen tat die Regierung nichts, um die Wiederholung solcher Exzesse zu verhindern. In London versuchte die reaktionäre englische Presse, vor allem die Nortcliff- Zeitungen, die Ausschreitungen zu entschuldigen, und bisher wurde lediglich ein sechzehnjähriger Junge wegen der Teilnahme an den Exzessen zu 40 mn Geldstrafe verurteilt. In Tunis ist aber gar nichts von seiten der Verwaltung geschehen, was auch nicht wunder nimmt angesichts der unerhörten menschenunwürdigm Lage, in der sich die tunesische Judenheit bereits seit längerer Zeit befindet, ohne daß die ftanzösische Regierung auch nur das geringste zur Beseitigring derselben unternommen hätte. Am deutlichsten aber tritt die wahre Gesinnung der Entente in jüdischen Dingen in Hinsicht der rumänischen Judenfrage zu Tage. Was die rumänische Judenheit, deren Lage bekanntlich schon seit Jahrzehntm unerträglich ist, seit dem Eintritt Rumäniens in den Krieg leidet, spottet jeder Beschreibung. ES ist eine Wiederholung der Maffakres und der Leiden, die die russischen Juden Atter dem alten zarffchen Reginic p eäulKn hatten. Wie die „Jüdische Rundschau" und andere ZeitnnAM melden, fanden in vielen rumänischen Städten regelrechte Progrome statt, an denen sich die rumänischen PolMten beteiligten. So wurden in Bacau 34 jüdische Soldaten ohne jede Schuld gehängt, Hunderte Juden verhaftet und in Gefängnisse geworfen und aus vielen Tatsachen geht hervor, daß die rumänische Bevölkerung einen regelrchhten VernichtimgsfMzW gegen die Juden führt. Von allen Ententeläudrrn ist Rußland das einzige, das sich um eine Besserung der Lage der rumänischen Juden bemüht, aber bisher ohne den geringsten Erfolg. England, Frankreich und Amerika hingegen sehen all dem zu und rühren sich nicht. Hat doch Lord Robert Cecil vor einigen Monaten auf eine entsprechende Anfrage im Unterhause erklärt, die Judenfrage in Rumänien sei eine innerrnmänische Angelegenheit; genau derselbe Standpunkt, den England und Frankreich bekanntlich auch in der russischen Judenfrage unter dem alten Regime eingenommen hatten. Daß unters diesen Umständen die rumänischen Juden auf keine Besserung ihrer Lage hoffen dürfen, ist klar. Erst in den letzten Tagen hat der rumänische König beim Empfang einer jüdischen Deputation erklärt, daß die Regelung der Judenfrage nach dem Kriege vorgenoinmen werden könne. Unterdessen aber muß die rumänische Judenheit Unerhörtes erdulden, und die gesamte öffentliche Meinung wie auch die Regierung der Entente schweigt hiezu. Antisemitische Ausschreitungen in Rußland. Die Ernährungsschwierigkeiten im Lande und die Teuerung der Lebensprodukte bildeten eine günstige Gelegenheit für die Antisemiten, die ihren Einfluß auf die Regierungsmacht verloren haben, ihre judenfeindliche Hetzarbeit von neuem fortzusetzen. Ihnen gesellen sich auch die verkappten kontrarevolntionären Elemente, die, der alten Tradition getreu, die ihnen verhaßten Errungenschaften der Revolution in Judenpogromen ertränken zu können glauben. Die Nachrichten über die verbrecherische Tätigkeit dieser Kreise, die in manchen Städten bereits Früchte gezeitigt und in vielen anderen die jüdische Bevölkerung in Angst versetzt hat, werden immer häufiger. In Petersburg fanden einige Zusammenstöße statt, die alle eine planmäßige Organisation verraten. In Moskau wurden wiederholt jüdische Läden vom Mob belagert ü«d der Ein- und Verkauf kontrolliert. In Jekaterinoslaw wurden mehrere jüdische kleine Geschäfte auf dem großen Marktplatz geplündert. Dank dem energffchen Eingreifen der Miliz wurden tveitere Ausschreitungen verhindert. Der Versuch eines Judenpogroms wurde in Uman gemacht, der nur durch rechtzeitig eingetroffene Kosakentruppen erstickt wurde. Auf Wunsch der jüdischen Bevölkerung wurden nach Krementschuk, Alexandrowsk und anderen Städten vom A.- u. S.-Rat Arbeitsbataillone geschickt, die die Juden vor etwaigen Ausschreitungen schützen sollen. Ans einer ganzen Reihe von Städten liegen beunruhigende Nachrichten vor. Besonders traurig verlief der Jom Kippur in Kiew und Tambow. In Kiew trat an diesem Tag ein besonderer Brotmangel ein. Das genügte, um eine Agitation gegen die jüdische» Brothändler und Brotkäuser hervorznrusen. Ueber eine jüdische Händlerin wurde das Gerücht verbreitet, daß sie unrechtmäßig Brot verkaufe. Der Mob belagerte den Laden. Die Miliz rettete die unschuldige Verkäuferin aus den Händen des Pöbels. Der Mob warf Steine aus sie. Die Frau wurde verwundet und starb am selben Tag im Krankenhaus. Kosaken hielten die Ordnung aufrecht. Was sich am gleichen Tag in Tambow ereignete, weckt Erinnerungen, die völlig der Vergangenheit anzugchören schienen. Sämtliche jüdische Geschäfte im Zentrum der Stadt wurden geplündert, darunter auch Geschäfte vieler jüdischer Flüchtlinge. Als Vorwand diente «ine oft und geschickt verbreitete Legende, daß ein jüdischer Händler ans dem Fischmarkt ein Faß verdorbener Asche verkauft habe, um damit die christlichen Käufer zu vergiften. Dir Fische sämtlicher jüdischer Fischhändler wurden aus den Fässern in dm Schmutz geworfen und mit Füßen zertreten. Bon

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