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Jüdische Korrespondenz · 1917-11-08 · 33 (8.11.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
33 (8.11.1917)
Date
1917-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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JDdische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. TTT - , ..... , _ . Redaktion und Administration: Vierteljährlich K 1-20. Wochenblatt flir jlldlSChe Interessen. Wien, VIII. AlserstraLe 55. Nachdruck mit vollerüuelienanBabe gestattet. Redakteur. Jonas Kreppei. Erscheint jeden Donnerstag. Wochenblatt für jüdische Interessen. Redakteur: Jonas Kreppei. Redaktion und Administration: Wien, VIII. Alserstraße 55. Erscheint jeden Donnerstag. 33. Wien, 8. November 1917. III. Jahrgang. Zeichnet die r. Kriegsanleihe. Zum siebenten Mal seit dem Toben des Weltkrieges ergeht an die Völker der Monarchie der Ruf, dem Vaterlande die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, die es benötigt, um den Sieg zu vollenden, den seine Söhne seit vierthalb Jahren m Ost und West, Süd und Nord erringen. In einer Stunde des Triumphes, da der böseste und elendste Feintz der Monarchie vom verdienten Schicksal ereilt wird, werden die Völker diesmal aufgerufen, ihrer patriotischen Opferwilligkeit feierlichst damit Ausdruck zu geben, daß jeder je nach seinen Mitteln sein Scherflein zum Siege beitrage, den die Auserwählten der Völker an den Fronten erkämpfen. Das Hinterland, das ob der glorreichen Siege der tapferen Truppen eine solch große und aufrichtige Freude empfindet, — es soll nicht als müßiger Zuschauer dastehen, sondern seinerseits mithelfen, den Sieg zu vollenden. Zum siebenten Male ergeht dieser Ruf an die Söhne des Vaterlandes. Es kann keinem Zweifel unterliegen: der heutige Ruf wird ein ebensolch lebhaftes Echo in den Herzen Aller finden, wie dies bereits sechsmal der Fall war. Nie haben die Völker Oesterreich-Ungarns versagt, wenn der Ruf tärisch, wirtschaftlich und finanziell haben sie ihren Mann, gestellt. Es ist keine bloß technisch vollendete Maschine, die im Laufe dieser vierthalb Jahre sy Großartiges und Bewunderungswürdiges geleistet hat: es ist der lebendige Geist des Patriotismus, der Alle beseelte — mögen sie im Schützengraben mit der Waffe in der Hand das Vaterland verteidigen, oder im Hinterlande das Durchhalten ermöglichen. Die Devise: „Gut und Blut für Kaiser und Vaterland!" war in Oesterreich-Ungarn nie ein inhaltsloses Schlagwort; sie fand stets ihre glänzende Verwirklichung in Taten, die für sich selbst sprechen. Die Kriegsanleihen an und für fich sind finanzielle Aktionen, die keineswegs irgendwelche Reklame nötig haben. Sie vereinigen das Angenehme mit dem Nützlichen, sie nützen dem Baterlande und bringen Vorteile dem Bürger, indem sie ein erstklassiges Anlagepapier darstellen. Die Bedingungen find solche, daß jeder Bürger die Möglichkeit besitzt, an dieser Aktion aktiven Anteil zu nehmen. Wer nur irgendwelche Ersparnisse hat, der lege sie in Kriegsanleihe an. Er erhalt damit eine glänzmde Verzinsung seines Kapitals und eine Unterlage, deren Bonftät über jeden Zweifel erhaben ist; das siegreiche Vaterland, das eben jetzt neuerdings von Triumph zu Triumph eilt, bürgt dafür. Wer Vertrauen zum Endsieg des Vaterlandes hat — und wer kann daran zweifeln?— der kann sein Kapital beruhigt in Kriegsanleihe anlegen. Patriotische Wicht und eigenes Jntereffe sind die wirksamsten Propagandamittel für die Kriegsanleihe. Beide Momente vereinigt bürgen dafür, daß das Resultat der 7. Kriegsanleihe ei» ebensolches wie dasjenige der vorherigen sein wird. In der Stunde, da die k. u. k. Armeen neue Lorbeeren um ihren Siegeskranz winden, soll auch der finanzielle Sieg ein ebenbürtiger sein. Das Hinterland darf und wird der Front nicht nachstehen. Die Feinde, die — überall geschlagen — ihre Hoffnung auf die innere Erschöpfung der Monarchie setzen, mögen die Gelegenheit haben zu erfahren, dcß auch diese Hoffnung eine trügerische sei. Die Monarchie ist sinanziell nicht zu besiegen, wie sie militärisch unbefiegbar ist. In wenigen Wochen jährt sich der Tag, an dem die Monarchie zusammen mit ihren treuen Bundesgenossen den Feinden das denkwürdige Friedensangebot unterbreitet hat. Die Feinde, die nach wie vor auf Eroberungen losgehen und deswegen in der Fortsetzung des Krieges das einzige Mittel sehen, ihren Illusionen weiter nachzugehen, haben die Friedenshand zurückgewiesen, und auch sämtliche Versuche, die seither nach dieser Richtung unternommen wurden, sei es seitens der Mittelmächte, sei es seitens der Internationale, des Papstes rc., sind bisher erfolglos geblieben. Es wäre jedoch verfehlt, annehmen zu wollen, daß die Friedenssache ganz auf ein totes Geleise geschoben wurde. Sie wirkt vielmehr kraft ihres eigenen moralischen Schwergewichtes, und so oft sie totgesagt wird, immer taucht sie von neuem wieder auf. Sie ist gewissermaßen das Gewissen der Völker, das trotz aller Machinationen nicht zum Schweigen gebracht werden kann. Auch die Siege gegen Italien sind ein weiteres Hilfsmittel nach dieser Richtung. Je mehr Schläge die bösen Feinde erhalten, desto schneller werden sie zur Erkenntnis gelangen, einem Phantom nachzujagen. Desto eher werden sie die letzten Konsequenzen aus dem Verlaus und dem Stand der Dinge ziehen und sich dazu "bequemen müssen, der Friedenssache uäherzutreten. Auch der Erfolg der Kriegsanleihe ist diesbezüglich ein wesentliches Mittel zum Zweck. Mögen die Feinde sehen, daß der Krieg, den die Monarchie um ihre Lebensinteressen sUhrl, ein Volkskrieg ist ~~ ein ganzes, opferfreudiges und siegcsgewisses Volk kann aber unmöglich besiegt werde». Wir wissen es: Groß ist die Friedenssehnsucht aller Volkskreise, und Millionen möchten es gerne sehen, daß diese Kriegsanleihe unwiderruflich die letzte sei. Sie mögen beruhigt sein- Jeder neue Sieg, den das Vaterland erringt, ist ein neuer Schritt auf dem Wege zum Frieden. Einerlei, ob es ein Sieg auf dem Schlachtfeld« oder im Hinterlande ist. So möge denn auch jeder das Seinige zum gegenwärtigen finauziellen Siege des Vaterlandes beitragen und er wird damit den Weg zum Frieden abkürzen. Ein großer Erfolg der Kriegsanleihe ist das beste Mittel zur Beschleunigung des Friedensabschlusses. Werden Frieden will, der zeichne Kriegsanleihe! * * * Die Judeuschaft der Monarchie, die. wie sie immer und wie bei jeder Gelegenheit daran wetteifert, Beweise ihrer Vaterlandsliebe und ihrer Opserfreudigkeit zu liefern, sich bei den bisherigen Kriegsanleihen mit besonderem Eifer und Hingebung auszeichnrte, soll und wird auch diesmal ihre Pflicht voll und ganz erfüllen. In unserem religiösen Leben spielt die Zahl Sieben eine bedeutende Rolle. Sie schließt gewisse Perioden ab. Wir erinnern bloß an die sieben Tage der Woche, an das Siebenjahr, an das Siebenmalsieben-Jubeljahr rc. rc. Für uns Juden darf die siebente Kriegsanleihe in diesem Sinne eine gewisse spezielle Bedeutung haben. Auch sie möge die letzte sein, den Schlußpunkt einer Periode bilde», die mit Feuer und Blut gekennzeichnet ist, das Näherkommen des großen, herrlichen Jubeljahres, wo „jeder zu seinem Gute und zu seiner Familie" zurückkehrt. Desto größer soll diesmal unser Eifer sein, desto stärker sollen wir uns an der Zeichnungsaktion beteiligen. Das Wort „Patriotismus" war in unserem Kreise nie ein leerer Schall, wir haben immer mit Taten und nicht bloß mit Worten den Beweis unserer Vaterlandsliebe geliefert. Wir werden es auch diesmal tun. Wie bei den bisherigen KrieAsanbe-ihen sollen und werden die jüdischen BürgerderMonarchieiudenZeichnungslisten nicht in der letzten Reihe stehen. Die Juden der Monarchie werden damit auch am wirksamsten den Verleumdungen ihrer Feinde entgegentreten. Jeder Jude muß und soll es wissen: Die Zeichnungen der Kriegsanleihe sind die beste Widerlegung aller Beschuldigungen der Judenfeinde. Wir werden ebenso deni Vaterlande wie uns selbst dienen, wenn wir, wie nicht anders zu erwarten ist, zahlreich die Kriegsanleihe zeichnen. * * * Jüdische Aktionen für die Kriegsanleihe. Wie bei den bisherigen Kriegsanleihen, hat auch diesmal der Kriegsanleihe-Zeichnungsverein „Agudas-Jisroel" seine Tätigkeit ausgenommen und hat bereits in den ersten Tagen eine sehr rege Werbearbeit entwickelt. Wieder einmal sind es vornehmlich die Flüchtlingskreise aus Galizien und der Bukowina, um welche die Arbeit dieses Zeichnungsvcreines sich konzentriert, der Kreise also, die, obwohl von Haus und Heim entfernt und ohne sichere materielle Grundlage, dennoch nach Möglichkeit ihr Schcrflein zum finanziellen Siege des Vaterlandes beitragen wollen. Die Zeichnungen durch diesen Verein bietenjedem die Möglichkeit, auch mit den kleinsten Mitteln sich einen Anteil zu sichern, indem man die Zeichnungssumme in kleinen Monatsraten einzahlen kann. Näheres diesbezüglich wird im Lokale des Vereines, M, Große Psarrgaffe 23, bereitwilligst erteilt. In den nächsten Tagen wird ein spezieller Aufruf, unter fertigt seitens der in Wien weilenden orthodoxen Rabbiner aus Galizien und der Bukowina, erscheinen, mittelst welchem die Juden zu zahlreicher Beteiligung an den Zeichnungen der Kriegsanleihe angeeifert werden würden. Von jüdischer Seite sind auch noch andere Aktionen geplant, um die Sache der Kriegsanleihe zu fördern. _ Der Finger Gottes. Man mag die Ereignisse auf dem italienischen Kriegsschauplätze wie immer beurteilen wollen, eines ist klar: das Walten der überirdischen Gerechtigkeit tritt da wieder einmal deutlich zutage. Dritthalb Jahre hindurch konnten die Italiener sich damit brüsten, die einzigen Gegner zu sein, die den Mittelmächten gegenüber sich zu behaupten vermögen, ja sogar einige, wenn auch unwesentliche und allzu teuer erkaufte Erfolge aufweisen zu können. Die Kriegslage hat es mit gebracht, daß gerade dieser böseste und elendste aller Feinde der Mittelmächte, dessen Eingreifen in den Krieg mit dem Makel des schändlichen Verrates belastet war, bis jetzt vom verdienten Schicksal verschont geblieben ist. Rußland ist längst niedergeruugen, Serbien und Rumänien vernichtet, Frankreich mußte seine reichsten und schönsten Provinzen der feindlichen Invasion opfern und verblutet sich seit drei Jahren, ohne sie wieder entreißen zu können. Selbst das mächtige, stolze Wbion mußte schwere Niederlagen erleiden, es mußte ans Gallipoli ein schmähliches Debacle erleben, an der Westfront sich vergebens verbluten, zur See wiederholt geschlagen werden. Einzig und allein Italien stand bisher gewissermaßen territorial intakt da — freilich nicht, ohne gewaltige Opfer gebracht zu haben. Immerhin konnte es sich einiger Erfolge rühmen und stolz verkünden, nunmehr dabei zu sein, seinem Gegner einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Einmal, im Frühjahr 1916, schien seine Zeit schon gekommen zu sein. An der Tiroler Front hat es zum ersten Male erfahre», wie österreichisch-ungarische

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