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Jüdische Korrespondenz · 1917-10-18 · 31 (18.10.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
31 (18.10.1917)
Date
1917-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. Bl Jüdische Korrespondenz. Seite 3 Rabbiner aus Ljubawitschi hat sich einen großen Anteil an der Organisierung der Konferenz zugesichert. Die Konferenz wird im Cheschwan d. I. in Charkow stattfinden. Die Wahlen sind indirekt. In jedem Gouvernement werden Wahlversammlungen stattfinden. Je zehn Rabbiner eines Gouvernements wählen einen Wahlmann. Zum Schluß wurde nach langen Debatten beschlossen, auch den orthodoxen Laien, die große Verdienste für die Sache der Orthodoxie haben, das Recht der Beteiligung an der Konferenz zu gewähren. Archiv für jüdische Mrlschaflsfragen. Ein Vorschlag von Heinrich Margulies, z. Z. im Felde. (Lchlutz aus Nr. 30.) HI. Pie Materialbeschaffung. War es also beim bisherigen Vorschlag so gedacht, daß die eigentliche geistige Arbeit ausschließlich von den Mitgliedern verlangt wurde, während der an der Spitze befindliche „Prüfungsausschuß" sich mehr auf ein Beurteilen, Anregen und Prüfen zu beschränken hatte, ergibt sich nunmehr die Notwendigkeit, Material geringerer Qualität, aber größerer Quantität zu beschaffen, so daß das Schwergewicht der „Verarbeitung" zum Teil in den Ausschuß selbst verlegt wird. Das Wesentliche ist hier, daß allerhand Material, mehr oder minder wertvoll und oft geradezu wahllos, einläuft, entweder aus eigener Initiative des Berichterstatters oder aus Grund von Enqueten, Fragebogen usw., die seitens des Ausschusses herausgeschickt werden — und dieses Material muß nun innerhalb des Ausschusses selbst gesichtet, geordnet und schließlich verarbeitet werden. Als Mitarbeiter gilt schlechterdings jeder, d. h. jeder hat die Möglichkeit (und wird ersucht), über jüdischwirtschastliche Dinge seines eigenen Erfahrungskreises zu berichten, ganz nach eigener Wahl, nur nach allgemeinen Gesichtspunkten, von deren Festlegung noch die Rede sein wird. Damit erfährt also der Prüfungsausschuß eine erhebliche Erweiterung.Zusammengesetzt ausMännern von fachmännischer Bedeutung, teilt er sich in so viele Abteilungen, als es der wissenschaftlichen Bearbeitung würdige Einzelgebiete gibt. Zunächst arbeitet er ein Betätigungsprogramm aus, in dem er diese Gebiete gegeneinander abgrenzt: Handel, Industrie, Landwirtschaft, Finanzwesen, Bevölkerungswesen, soziale Fürsorge, Gemeindeverwaltung, Aus- und Binnenwanderung, Kolonisation, Schulwesen usw. An die Spitze einer jeden Abteilung tritt möglichst ein besonderer Leiter. Im Interesse einer fruchtbaren Arbeitsverteilung gründet der Ausschuß nun „Unterabteilungen" oder Sammelstellen, in größeren Städten, denen ein bestimmter Bezirk (Provinz) zugeteilt wird, d. h. er sucht sich daselbst Vertrauensmänner — vielleicht werden manche Kultusgemeinden solche Abteilungen einrichten und sich angliedern —, die sich das Material aus dem ganzen Bezirk verschaffen und es geordnet, gesichtet und eventuell schon verarbeitet oder mit eigenen Ergänzungsarbeiten versehen allmonatlich an die Zentralstelle weiterleiten. Dort zirkuliert es bei allen Abteilungsleitern, von denen ein jeder das in seine Abteilung fallende Material an sich nimmt. Die Materialbeschaffung selbst beruht aus freiwilliger Mitarbeit. Es wird die Aufgabe der Leiter bei den Untergruppen, bezw. der Vertrauensmänner bei den Kultusgemeinden sein, an diejenigen heranzutretev, von denen man auf Grund ihrer bürgerlichen Stellung, Vorbildung, Erfahrung usw. Einzelberichte kleineren Umfanges über Dinge ihres Wirkungskreises erwarten kann, z. B. Monographien jüdischinteressantcr Unternehmungen, Erscheinungen des ökonomischen Kampfes zwischen Juden und Mchtjuden, Wirkungen des Krieges, Heereslieferuugcn usw. Natürlich wird zunächst eine Fülle wahllosen Materials einlausen, voll von Allgemeinheiten, die man sehr gründlich wird sichten, oft wahrscheinlich überhaupt als wertlos wird oblegen müssen. Dies verläuft sich dann allmählich, der Stoff zu den allgemeinen Betrachtungen erschöpft sich und der Sinn wird für mehr konkrete, positive, stcmstische Arbeiten geschärft. Seinerseits erläßt der Ausschuß nun genaue Arbeitsrichtlinien, stellt Rundftagen, veranlaßt Erhebungen über besonders wichtige Fragen und sendet genau detaillierte Fragebogen aus. Zu diesem Zwecke errichtet er bei sich eine besondere Abteilung für Organisation, welche dafür sorgt, daß nicht jede einzelne Abteilung auf eigene Faust Rundfragen veranstaltet und welche unter Berücksichtigung des Grades ihrer Wichtigkeit die zu bearbeitenden Fragen gliedert und das Material (Fragebogen) genau und gründlich vorbereitet. Bei dem Ausschuß sammeln sich also Stöße von Material, deren Verarbeitung den Abteilungsleitern zusammen mit den ihnen zugewiesenen Hilfskräften obliegt. Dies wird im Lause der Zeit einen größeren Apparat erfordern, aber es ist wohl ganz außer Zweifel, daß zu einer solch praktischen, segensreichen und dem Verständnis unserer Industriellen und Kaufleute gewiß naheliegenden Institution, die überdies über allen Parteien stehen würde, Gelder von allen Seiten flüssig gemacht werden könnten. Das Institut, dessen Gründung hier vorgeschlagen wird, soll also organisatorisch aus zwei gleich wichtigen Zweigen bestehen. Einmal bildet sich jene wissenschaftliche Akademie, die, auf der aktiven Mitarbeit ihrer „korrespondierenden" Mitglieder ausgebaut, vielleicht die erste Stufe zu einer allgemeinen jüdischen Universität bilden kann und die zunächst in jedem Falle eine Zusammenfassung und Aktivierung aller auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete liegenden geistigen Kräfte des Judentums bedeutet. Diesem geistigen Grundstock gliedert sich nun die Organisation der Materialbeschaffung als wesentlichstes Hilfsmittel au. Die immense Bedeutung der ganzen Angelegenheit spricht so sehr für sich selbst, daß es unzweckmäßig wäre, das Projekt anders als frei von agitierenden und werbenden Schlußworten wirken zu lassen. Rundschau. (Kriegshilfe für die galizischen Rabbiner.) Aus Lemberg wird berichtet: Der hiesige Oberrabbiner Braude erhielt vom Hilfsverein der Deutschen Juden den Betrag von 20.767 Mark zur Verteilung unter die galizischen Rabbiner, die infolge des Krieges in Rot geraten sind. Ein Komitee, bestehend aus Ehrwürden Großrabbiner Israel Friedmann (Czortkow), Rabbiner Braude (Lemberg), Rabbiner Schmelkes (Przemtftl) und Rabbiner Lewin (Rzeszow), wird die Verteilung vornehmen. (Vom ungarische« Judentum.) Aus Budapest wird gemeldet: Unter Vorsitz des Präsidenten Moritz Mezei tagte der sechste israelitische Gemeindedistrikt. Zu Beginn der Generalversammlung gedachte der Vorsitzende der Auszeichnung, die einem Mitglied des Gemeindedistrikts, Wilhelm Vüzsonyi, widerfahren ist. Weiter teilte der Präsident mit, er glaube zu wissen, daß die Regierung in ihr Programm die Verwirklichung des G.-A. XX: 1848 ausgenommen habe, und daß noch im Laufe des Krieges die Judenschaft in betreff der staatlichen Unterstützungen gleich den übrigen Konfessionen behandelt werden wird. Dr. Adolf Krieshaber befaßte sich mit den Angriffen, die gegen die Judenschaft im öffentlichen Leben und in der Presse gerichtet werden. Hoftat Dr. Franz Szökely hält die Autonomie für jenes Bedürfnis, das derzeit am dringendsten zu beftiedigen sei. Hätten die Juden eine Autonomie, so hätte die antisemitische Hetzpresse keinen solchen Aufschwung nehmen können. In diesem Jahre werden es fünfzig Jahre, daß die Emanzipation der Judenschaft durchdrang. Die Jahreswende sollte im Dezember im Rahmen eines Landeskongresses gefeiert werden. Mit energischen Worten verurteilte der Redner jene, die im Lande die Rolle der Judenschaft im Kriege verkleinern. Eine Viertelmillion Juden steht unter den Fahnen, zwanzigtausend ist die Zahl der Dekorierten, zweihundert jüdische Soldaten des Mannschaftsstandes tragen die Goldene Tapferkeitsmedaille. (Ein Zeichen der Zeit.) Im jüngsten Berichte des Westösterr. Zionistischen Zentralkomitees findet sich u. a. folgende Nachricht: Eine Anfrage an das Zentralkomitee, betreffend die Zugehörigkeit eines Konfessionslosen zur zionistischen Partei, gab Anlaß zu einer eingehenden Erörterung dieser Angelegenheit und wurde Dr. Bernfeld zum Zwecke der nötigen Erhebungen zur weiteren Berichterstattung an das Zentralkomitee zugewieseu. Es kann dies absolut als Zeichen der Zeit bewertet werden. Bisher konnten sogar Männer, die christliche Frauen hatten, nicht bloß Mitglieder, sondern sogar Führer der zionistischen Organisation sein... (Antisemitische Ansschreitungen in Rußland.) Mit dem Anwachsen der kontrarevolutionären Stimmungen werden auch immer mehr die Stimme» der alten russischen Antisemiten vernehmbar. In Petersburg wurde ein jüdischer Fleischhändler, der Felle an eine Fabrik abführen wollte und dafür eine Genehmigung der Miliz hatte, verdächtigt, daß er die Ware der Requisition zu entziehen beabsichtige. Eine Anzahl Radaumacher begannen den Händler und seine jüdischen Angestellten zu schlagen und den Laden zu demolieren. Antisemitische und kontrarevolutionäre Ausrufe wurden laut. Die Miliz eilte zu Hilfe. Der Mob überfiel den Führer der Miliz und schlug ihn, bis er bewußtlos zusammenbrach. Ueber offene antisemitische Agitation gegen die Juden, die als Hauptschuldige für die gegenwärtige Teuerung verantwortlich gemacht werden, wird aus Tschernigow, Odessa und Saratow berichtet. In Lugansk sollen ernstere Unruhen entstanden sein, wobei einige jüdische Läden geplündert und einige jüdische Häuser in Brand gesteckt wurden. Die Provisorische Regierung und die revolutionären Räte sind ernstlich bemüht, diese antisemitischen Kundgebungen allenthalben auf das entschiedenste zu unterdrücken. (Antisemitismus in der Ukraine.) Auch in der neuen Ukraine begannen Spuren des Antisemitismus sich bemerkbar zu machen. Auf einer der letzten Sitzungen der „Engeren Rada" traf von der Front eine Deputation des ukrainischen national-revolutionären Korps ein, das sich „Bagdan Chmijelnitzki" nennt. Die Deputation überreichte der ukrainischen Regierung eine Reihe von Forderungen und machte ihr schwere Vorwürfe. Unter anderem macht eder Sprecher dieser Gesandtschaft, Schapowal, Andeutungen über die Uebermacht der Juden, denen sich einige Vertreter der neuen ukrainischen Regierung verkauft Hütten. Sämtliche Vertreter der Regierung protestierten gegen diese Verleumdung. Die Forderungen der Deputation wurden abgelehnt. Die Tatsache selbst, daß vor der Regierung der neuen revolutionären Ukraine eine antisemitische Rede gehalten wurde, hinterlicß einen betrübenden Eindruck. (Immer die Inden.) Die englische Hetzpresse schimpft und schmäht die in London ansässigen russischen Juden, weil diese sich bei Luftangriffen in den Tunnels der Untergrundbahn panikartig benehmen. „Morning Post" fordert, daß „diese Kreaturen" interniert oder anderen strengen Zwangsmaßnahmen unterworfen werden. Der Londoner Korrespondent der „Westminster Gazette" fragt demgegenüber, was der Unterschied zwischen diesem armen Volk und den reichen Leuten sei, die vor den Luftangriffen nach Brighton, Devonshire, Sommerset und anderen Orten geflohen sind. (Exzesse in Tunis.) Französisch-jüdische Blätter berichten über große antisemitische Unruhen in den jüdischen Quartieren von Tunis. Es fanden Plünderungen, Verwüstungen und auch Morde statt. Auch in Biserta, Sousse, Sfax usw. tvurden die Juden von den Soldaten geprügelt; ihre Waren wurden auf die Straße geworfen, Nähere Nachrichten fehlen noch. (Die Inden in Saloniki.) Das^ jüdische Korrespondenzbureau im Haag erfährt aus L-alouiki: Die Regierung in Athen scheint es darauf abgesehen zu haben, die Katastrophe in der Hauptstadt Neugriechenlands zum Zwecke der Hellcnisierung dieser Stadt auszunutzen. Es besteht der Plan, namentlich die in Saloniki zahlreiche und mächtige jüdische Bevölkerung durch allerlei Schikanen und Verordnungen zur Auswanderung zu veranlassen. Die Regierung hat einen Gesetzentwurf in der Kammer eingebracht, demzufolge die zwangsweise Enteignung des gesamten in jüdischem Besitze befindlichen Bodens in und um Saloniki durchgeführt werden soll. Auf diese Weise werden die seit vier Jahrhunderten und mehr in Saloniki ansässigen spanischen Juden ihres Besitzes und damit ihrer Lebensmöglichkeit in dieser ihnen zum zweiten Heimatsland gewordenen, mit warmer Liebe gepflegten Stadt verlustig gehen. Die Enteignung

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