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Jüdische Korrespondenz · 1917-07-05 · 20 (5.7.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
20 (5.7.1917)
Date
1917-07-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Jüdische Korrespondenz. Seite 3 diett verkauft werden. Die Aufficht der Aguda erstreckt sich sowohl auf das Kafchruth, wie auch auf die entsprechende Festsetzung der Preise., In den Kreisen der orthodoxen Juden, besonders der Flüchtlinge, hat diese Aktion eine große Zufriedenheit hervorgerufen, da damit einem fühlbaren Mangel abgeholfen wird. _ Jüdische Kriegsfürsorge in Lrakan. Tagesheimstätte für Kriegswaise» und Kinder der Eingerückte« vom 3. bis 8. Lebensjahre. Dank der unermüdlichen Kriegsfürsorgetätigkeit des Präsidenten, Herrn Dr. Landau, ist in Krakau eine Tagesheimftätte für Kriegswaisen und Kinder der Eingerückten entstanden. In Anbetracht der großen Verwahrlosung der Kinder wurde dadurch einer dringenden Notwendigkeit Rechnung getragen. Der Krakauer Magistrat spendete für diesen Zweck K 25.000 und der um die Kriegswaisenfürsorge hochverdiente Leiter des k. k. Kriegs- Hilfsbureaus, Hofrat Brückner. K 10.000. Die Vorbereitungsaktion nahm viel Zeit in Anspruch, da man ein entsprechendes Lokal nur mit großer Mühe finden konnte. Die Tagesheimstätte umfaßt sechs große Zimmer und eine Küche. Die Zahl der untergebrachten Kinder beträgt 140. Da die Zahl der angemeldeten Kinder einige Hundert beträgt, wird beabsichtigt, eine zweite Tagesheimstätte ins Leben zu rufen. Die Kinder bleiben in der Anstalt von 8 Uhr Früh bis 5 Uhr Nachmittag und werden dort verköstigt. Drei pädagogische Kräfte wurden engagiert. Ein Damenkomitee übernahm die Aufsicht über dieses Heim, wo die Kleinen, für die ein entsprechendes Belustigungsprogramm gewählt wurde, glückstrahlend sind- Israelitische bürgerliche Kriegsküchc. Die israelitische bürgerliche Kriegsküche ist in fortdauernder Entwicklung. Sie beköstigt 1200 Familien, außerdem eine Anzahl jüdischer Studenten, die zum ermäßigten Preise Mittag- und Abendmahl bekommen. Aus dieser Küche wird an 500 Schulkinder warmes Frühstück verteilt und 120 Kinder der Tagesheimftätte bekommen vollkommene Verpflegung. Ferienkolonie. Dank der hochherzigen Kriegsfürsorgetätigkeit der Frau Hofrätin Sare wurde im vorigen Jahre eine Ferienkolonie für die israelitische Schuljugend in Krakau errichtet. Heujahr wurde diese Kolonie bedeutend vergrößert. Die Zahl der Teilnehmer beträgt 600. Die Kinder machen in Begleitung angestellter Lehrkräfte Ausflüge, es werden Vorträge gehalteu, Kinderspiele organisiert rc. Heilkolvnie. Der Verein der israelitischen Heilkolonie für Bolksschulkinder, dessen Tätigkeit seit dem Kriegsausbruch lahmgeleaj. .wurde, wird dank dem Präsidenten Dr. Rafat Landau heujahr aktiviert. Hundert,heilbedürftige skrofulöse Kinder werden in das berühmte Jodbad Rabka geschickt. Kropla mleka. (Milchtropfen.) So heißt der Verein, an dessen Spitze Frau Präsidentin Dr. Landau steht, der sich zur Aufgabe gemacht hat, armen Säuglingen ohne Unterschied der Konfession 1 Liter Milch täglich unentgeltlich zu spenden. Hoftat Brückner gewährte diesem Vereine K 5000 als Subvention. Rundschau. Das neue Ministerium. Die Verhältnisse im österreichischen Reichsrate haben vorige Woche zu einem Ministerwechsel geführt. An Stelle des Kabinetts Clam-Martinic ist ein provisorisches Beamtenministerium unter dem Präsidium des Sektionschefs Dr. v. S e i d l e r gebildet worden, dem die Aufgabe zugefallen ist, die dringenden Staatsnotwendigkeiten parlamentarisch zu erledigen und die politischen Voraussetzungen für die Bildung eines stabilen Kabinetts zu schaffen, das die angekündigten innerpolitischen Reformen durchznführen haben wird. Das neue Ministerium, das aus lauter tüchtigen Fachmännern besteht, hat im Parlament eine freundliche Aufnahme gefunden und ist auf dem besten Wege, seine Aufgaben zu erfüllen. Aus der altberühmten österreichischen Beamtenschaft hervorgegangen, bietet es für weitestgehende Objektivität die beste Gewähr und in diesem Sinne kann auch die österreichische Judenschaft der Wirksamkeit desselben mit großem Vertrauen entgegensehen. Gary speziell hat die Judenschaft allen Grund, die Betrauung des k. k. SektionschLfs Dr. von (lwiklinski mit der Leitung des Kultusministeriums sowie die Ernennung des k. k. Hofrates Dr. v. Twardowski zum Sektionschef unter gleichzeitiger Betrauung mit der Leitung der Agenden eines Ministers für Galizien wärmstens zu begrüßen. Sektionschef Dr. v. 6wiklinski ist ein genauer Kenner des jüdischreligiösen Wesens, er beherrscht die hebräische Sprache in Wort und Schrift und eignet sich wie kein anderer zur Leitung der Kttltusagenden, zu welchen ja auch die Angelegenheiten der jüdischen Religionsgenossenschaft gehören. Sektionschef Dr. v. Twardowski hat sich während des Krieges mit seinem großen Interesse und Eifer für die Flüchtlingsfürsorge die lebhaftesten Sympathien der weitesten Kreise erworben und speziell viele jüdische Flüchtlinge aus Galizien wissen ihm warmen Dank. ^Als Leiter des Ministeriums für Galizien dürste sektionschef Dr. v. Twardowski auch fernerhin in die Lage kommen, den galizischen Juden fein Wohlwollen zu beweisen und seine Rangserhöhung wird deswegen seitens derselben mit lebhaftester Befriedigung begrüßt. _ Die Romanows des letzten Jahrhunderts m ihren Seziehungen zu den Juden. (Fortsetzung.) Das Blutvergießen und Mordbrennen hatte in den folgenden Jahren von seinem explosiven Charakter ein wenig verloren, in latenter Weise dauerte es aber noch weiter an und trat einmal da, einmal dort in Erscheinung. Die Regierung ging aber jetzt mit Eifer daran, das Judenrecht zu regeln, d, h. der jüdischen Rechtlosigkeit eine gesetzliche Unterlage zu schaffen und sie für alle Zeiten fcftzulegen. Im Mai 1882 erschienen dann die Ergänzungen zu den Nikolaischen Judengesetzen, die sogenannten „Jgnatiewschen Maigesetze", die daS jüdische Leben vollends einschnürten und in eisernen Klammern brachten, die die russische Reaktion, man darf sagen, bis zu den letzten Tagen, meisterhaft zu gebrauchen wußte. Unter dem Drucks dieser Erscheinung steigerte sich das nationale Sehnen unter der russischen Judenheit und nahm feste Formen an in der Sammlung aller national Gesinnten in der Organisation der Chowawe-Zion, Zum starken Aufflammen der nationalen Idee hatte schon vorher das Buch von Dr. Leo Pinsker „Autoemanzipation" beigetraaen Nun, da als Folge der Pogrome und mannigfachen Verfolgungen eine ganz planlose Judenwanderung einsetzte und sich wie ein reißender Strom über Europa und nach Amerika ergoß, was wiederum in den Durchfahrtsländern, besonders in Preußen, zu harten Abspcrrungsmaßregcln führte, sahen sich die Zionsfreunde vor die Aufgabe gestellt, ihren Ideen praktische Ziele zu geben. Auf der Konferenz der Zlonssreunde in Kattowitz wurde die Schaffung von Kolonien und die Förderung der jüdischen Landarbeit in Palästina zum Programms erhoben. Begeisterte Jünglinge traten sofort die Reise nach dem heiligen Lande an und trafen mit Auswanderern aus Galizien und Rumänien zusammen, die dem gleichen Ziele zustrebten. Die rumänischen Jünglinge hatten als Parole den jesajanischen Satz .Leis Mkob lclra weneilchu“ und nannten sich daher nach den Anfangsbuchstaben dieses Satzes „Bilu". So sind unter dem Drucke der Umstände die ersten Kolonien in Palästina erstanden, an denen nicht zum geringen Teil Alexander III. und sein gleichgearteter Minister Jgnatiew unbewußt mitgearbeiter haben. Eine eigene Note bekam die Judenpolitik Alexanders UI. dadurch, daß dieser Zar im Gegensatz zu feinen Vätern die jüdische Bildung mit großer Bitterkeit bekämpfte. Um die erste Hälfte der Achtflgerfahre wurden alle jüdischen Unterrichtsanstalten geschloffen, etwa dojüdische Elementarschulen wurden von dem Ukas betroffen. Man wollte, wie man sagte, den „sozialen Separatismus der Juden" beseitigen. Für die jüdische Assimilation war dies eine bittere Enttäuschung, die aber nach verschiedener Richtung hin ihr Gutes hatte, denn manche Juden erwachten aus ihren süßen Träumen und entdeckten plötzlich ihr jüdisches Herz, So auch der wirkliche Geh, Staatsrat v, Poljakow, der 'Bruder des bekannten russischen Eisenbahnkönigs, der bisher bei seinen Millionenspenden die Juden kaum berücksichtigt hatte, jetzt aber in erster Reihe seine Glaubensgenossen ins Auge faßte und sich in der Folge als echter Mischer Philanthrop bewährte. Interessant ist, daß er auf dem Hofe seines Palastes 1883 eine herrliche Sqnaoge errichtete, während es der Gemeinde zu Moskau is dahin trotz allem Bitten und Petitionieren nicht gelungen war, die Genehmigung für eine öffentliche Synagoge zu erhalten, so daß die jüdische Bevölkerung auf kleine, sozusagen „geheime" Bethäuschen angewiesen war. Auch Sie nächste Rückwirkung der Jgnatiewschen Politik und der Maigesetze auf die russische Gesellschaft war von Segen. DieJudenaustreibungen aus Städten und Dörfern vernichteten das industrielle und öffentkiche Leben in den betroffenen Gemeinden so vollkommen, daß die Kommunen, wie auch Bauern und Bürger unzähliger Orte mit Eingaben an das Ministerium herantrareu, ihnen ihre Juden wiederzugeben, beziehungsweise zu belassen. Eine Anzahl führender Männer und Schriftsteller, an deren Spitze der Dichterphilosoph Graf Leo Tolstoi, wandten sich mit einem scharfen Protest an die Regierung gegen die Judenbedrückung, der in Rußland von der Zensur unterdrückt wurde, in Deutschland aber später zum Abdruck gelangte und in dem die antisemitisch« Agitation als „ein Eingriff in die Grundprinzipien der Menschlichkeit und Gerechtigkeit" bezeichnet wird. All diese Gegenströmungen führten dazu, daß Jgnatiew im Juni 1882 feine Enrlasfung erhiut und durch Graf Dimitri Tolstoi ersetzt wurde, der, ein aller Gewaltpolitik abholder Nationalist, sofort daran ging, das jüdische Geschick nach Maßgabe der Bcrhältniffe zu mildern. Eine Reihe von Geistlichen, die sich den Judenpogromen widersetzt hatten, wurden mit Orden ausgezeichnet und die Gerichte erhielten strenge Weisung, mit der ganzen Schärfe des Gesetzes gegen die Ruhestörer und Pogromhetzer vorzugehen. Damit mar dem Volke vor Augen geführt, daß der Zar Judenpogrome nicht haben wollte. Das genügte fürs erste für die Polizei und dem Mob vollkommen. Lange hielt indes diese ruhige Atempause nicht an. Die Giftsaaten Pobjedonoszews und seiner Konsorten keimten im Stillen und zeitigten ihre Früchte in unheilvoller Fülle. Es setzten wieder nacheinander Ausweisuilgen und Austreibungen ein. Jekaterinoslaw, Poltawa und mehrere Städte Podoliens erlebten sogar in den ersten Augusttagen von 1883 wieder blutige Pogrome. Blutige Ostern waren auch noch die von 1884 und 1883. Dann flauen die Judenausschreitungen ab und werden von neuen Rechtsbeschränkungen abgelöst. Unter diesem Auf und Ab bewogt sich das folgende Jahrzehnt der Regierungszeit Alex-ander UI. Pogrome und Rechtsdcschränkungen lösen sich in regelmäßiger Folge ab. Gestalten sich die Judenhetzen gar zu wild, dann kommen einige Erleichterungen in der Rechtslage, wodurch die Achtung der Juden in den Augen des Volkes ein wenig steigt. Ist aber infolge dieser Erleichterung für eine Zeitlang Ruhe eingeirelen, so sind schon wieder die dunkeln Mächte an der Arbeit, neue Rechtsbeschränkungen gegen die Juden auszuhecken und durchzuführen, die natürlich bald neue -tätliche Ausschreitungen seitens des Mobs zur Folge haben. _ iFomeyuug folgt.) Chronik. fZuriick zum Judentum.) Ein Telegramm aus Petersburg meldet, daß die russische Regierung festgesetzt hat, jeder Volljährige könne seine Religion beliebig ohne Zustimmung und ohne nachteilige Rechtsfolge wechseln. Die Bestimmung hat zur Folge, daß sich Massen getaufter Juden in den Kanzleten der Petersburger und Moskauer Rabbiner drängen, die zu ihrer angestammren Religion zurückkehron wollen. Es kamen einzelne Personen und ganze Familien, die unter der alten Ordnung der Dinge gezwungen waren, zum orthodoxen Glauben uberzutreten. Unter ihnen befanden sich sehr viele Akademiker, zwei Professoren der Moskauer Universität und einige hohe Rsgierungsbeamte. Die Zahl der in den Schoß des Judentum zurückkehrenden soll einige Tausend betragen. (Rucklcituiig der evakuierten Juden in Palästina.) Die spanische Regierung hat in Beantwortung ihrer Vorstellungen bei der türkischen Regierung die offizielle Mitteilung erhalten, die türkische Regierung habe Befehl gegeben, den wegen der Kriegsaperationen evakuierten Juden zu erlauben, nach ihren Wohnplätzen zurllckzukehren, sEin jüdischer Kongreß in Saloniki.) In Saloniki wurde ein Komitee hervorragender Vertreter des griechischen Judentums gebildet zu siem Zwecke, einen allgemeinjüdischen Kongreß in Saloniki zu organisieren, der zusammen mit allen Juden in freien 'Ländern seine Stimme zugunsten der jüdischen Forderungen erheben soll. Volkswirtschaftliches. „Schoduica" Aktie«-Gesellschaft für Petroleum-Industrie. In der letzten Sitzung des Verwaltungsrates wurde beschlossen, der für den 21, Juli 1917 einbcrufenen Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von K 65'— (13%,) gegen Iv 60'— (12%) im Vorjahre, vorzuschlagen, fBietoria z« Berlin, Allgemeine Berstchernngs- Actien-GeseUfchaft.) Entsprechend dem Vorschlag der Verwaltung beschloß die Generalversammlung, der Kriegsschädenrejerve vorweg 5 Millionen Mark zuzuweisen. Damit beläuft sich die Kriegsschädenreserve allein, von anderen Rücklagen abgesehen, ans 18-67 Millionen Mark, Der ausgewiesene Ueberschuß beträgt 38-8 Millionen Mark. Davon erhalten die mit Gewinnanteil Versicherten in der großen Todestallversichorung 2'/.,"/0 der Summe der für jede Versicherung seit ihrem Beginn gezahlten gewinnberechtigton Jahresprämien, in der Unfallversicherung 32%, in der Volksversicherung 26'I, und in der Erlebcnsfallversicherung 16 % einer Jahresprümie; außerdem iverden auf jede Aktie 136 Mark gezahlt. Die für die-Versicherten angesammelten Gewinnanteile betragen 266 Millionen Mark. Der gesamte Lebensversicherungsbestand beläuft sich auf 2314 Millionen Mark, die Einnahme in der Unfall« und Hastpstichtversicherung auf 12 3 Millionen Mark. Das Gesamtvermügcn stieg um 82 3 Millionen aus 1 Milliarde und 218 Millionen Mark. An Prämien und Zinsen wurden insgesamt 183'3 Millionen Mark vereinnahmt und an Versicherte 1171 Millionen Mark ausgczahlt. Spenden answeis für die Schulen der „Agudas Iisroel", Wien, II-, Große Hftarrgaile Är. 23, für Monat Jzar 5677. Je X 2-—: Auierand, Zalolce; Kelmann. Spossow; Kaznitz, Steiner, Locker, Zablaww; Brand, Nc»ier>'>w; Budaschewski. Czortkow; Frisch, Podheice',Traum, Nzesz-ao; Hilsewarh, ft'olotnea; Blinder, Rohotyn; Leiden. Przemyllany; Kteinfeld, Weinläs, Bursztins Gelsohn, Tariwpol;

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