Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 15 (15.5.1917)
- Date
- 1917-05-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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werden. Ist diesem in Deutschland bereits gewährten Wunsche im Principe willfahrt, so ist es nur mqhr eine Einteilung der Schichten, welche die Durchführung praktisch ermöglichen wird. Wir stellen daher die ergebene lütte: Das hohe k. k. Ministerium für Landesverteidigung geruhe, den Arbeiterabteilungen, Werkstätten und Anstalten die Anweisung zu erteilen, den bei ihnen diensttuenden Juden orthodoxen Glaubens die Einhaltung der Sabbathruhe durch entsprechende Arbeitseinteilung und entsprechend stärkere Verwendung derselben an Sonntagen zu ermöglichen und denselben, soweit es nacb ihrer Zahl und den zur Verfügung stehenden Einrichtungen möglich ist, eine rituelle Verköstigung zu gewähren. Die Sonderstellung Galiziens und die Juden. Die Vorgänge im Polenklub haben es mit sich gebracht, daß die Frage der Sonderstellung Galiziens gegenwärtig nicht mehr aktuell ist. Wie aus der Tagespresse bekannt sein dürfte, hat der Polenklub beschlossen, angesichts des Umstandes, daß zwischen dem Standpunkte der Polen und demjenigen der maligebenden Kreise und der anderen parlamentarischen Gruppen hinsichtlich der Sonderstellung gewisse Differenzen vorhanden sind, die nicht so ohne weiteres bereinigt werden können, die Frage vorläufig als nicht aktuell zu erklären und die Erledigung einem späteren Zeitpunkte zu überlassen. Bei dem lebhaften Interesse, das diese Angelegenheit auch in den jüdischen Kreisen hervorgerufen hat, ist diese Wendung auch für die Juden sehr wichtig, da sie immerhin Zeit gewinnen, um ihre Stellungnahme zu diesem Problem sachlich zu formulieren und zu begründen. Bisher ist diesbezüglich fast nichts .geschehen. Man muß sich vor Augen halten, daü mit einer bloßen negativen Haltung dieser j Angelegenheit gegenüber — wie dies seitens 4er Ruthenen geschah — der jüdischen Sache wenig gedient sein kann. Man muß immerhin damit rechnen, daß dieser Plan in irgend einer Form zur Verwirklichung gelangen wird. Die Juden Galiziens haben aber gewiß wichtige Interessen, die absolut rechtzeitig berücksichtigt werden müssen. So zum Beispiel die Frage der Sonntagsrahe im Handelsgewerbe für diejenigen Juden, die den Sabbath strenge feiern und außerstande sind, zwei Tage in der Woche zu ruhen, ferner die Frage des Befähigungs- Ttachweisses im Handel, das Rabbiner- und Gemeindewesen usw. Die k. k. Regierung hat in allen diesen Fragen stets das möglichste Entgegenkommen gezeigt und es wäre daher notwendig, diese Dinge rechtzeitig sicherzustellen, um nicht später diesbezüglich Reibungen und Konflikte hervorzurufen. Trotzdem also die Sonderstellungfrage gegenwärtig weniger aktuell ist, mögen die berufenen jüdischen Kreise, besonders die Vertereter der strenggläubigen Juden, die Sache nicht aus den Augen lassen, um im gegebenen Falle entsprechend eingreifen zu können. Dies umso eher, als es keinem Zweifel unterliegen kann, daß die maßgebenden Kreise nach wie vor alle berechtigten Wünsche berücksichtigen werden. Die Juden unter russischer HerrscnaJt In den besetzten Gebieten. Die Petersburger Zeitung „Djen" veröffentlicht in einer ihrer letzten Nummern einen Artikel, in dem es unter anderem heißt: Ein bekannter Schriftsteller, der länger als zwei Jahre als Mitarbeiter des altrussischen Städteverbandes für die notleidende Bevölkerung Galiziens und der Bukowina tätig war, hat an den russischen Ministerpräsidenten und den Minister des Aeußern ein Memorandum gerichtet, in dem er auf die bedrückte Lage der jüdischen Bevölkerung der genannten Gebiete hinweist. Wie bekannt, genießen die Juden in Oesterreich-Ungarn in gleicher Weise wie die übrige Bevölkerung die bürgerlichen und politischen Rechte. Als die Gebiete von den Rüssen okkupierrt wurden, blieben die dortigen Juden im Gegensatze zu früher gegen sie in die Welt gesetzten Verleumdungen streng loyal und gaben den russischen Behörden keinen Anlaß zu Verfolgungen. Dennoch wurden die Juden vom ersten Tage der Okkupation an außerhalb des Gesetzes gestellt. Die Juden wurden überall aus den Magistraten, Gerichten uöd andere« Institutionen verjagt. Die Jüdischen Hilfs verbände, die sich mit wohltätigen md imlturelleB Aufgaben belaßten, wurden aafgeäöst, die jüdi-, sehen Grundbesitzer, Pächter, Händler und Handwerker aus den Dörfern ausgewiesen, wobei man bei den Gutsbesitzern alles beschlagnahmt hat. Aus vielen Städten und Ortschaften wurden die Juden ohne Ausnahme ausgetrieben, oft mit einer Frist von wenigen Stunden, und nach Rußland transportiert. In anderen Orten w urden viele wohlhabende und intelligente Juden als Geiseln mitgenommen und nach Sibirien verschickt, viele ohne Verhör und Rechtssprechung. Sie kannten nicht einmal die Gründe dieser harten Strafe. Die russische Verwaltung beutete die Juden systematisch aus und tut es auch heute noch unter verschiedenen Vorwänden. In Tausenden von Geschäften und Privathäusern wurden die Waren und Möbel amtlich beschlagnahmt oder ohneweiters weggenommen. Die Ausbeutung und Erpressung, die sich die russischen Verwaltungsorgane zuschulden kommen lassen, hat einen ungeheueren Umfang erreicht. Zugleich mit den Organen der russischen Verwaltung nehmen an den Plünderungen auch die neuen Mitgieder der örtlichen Magistrate teil, die von den russischen Behörden aus den niedrigsten Elementen der dortigen städtischen Bevölkerung gewählt wurden. Die niederen Organe der Verwaltung behandeln die Juden sehr schroff, indem sie sie nicht nur in ihren religiösen Gefühlen verletzen, sondern auch körperlich züchtigen. Die russische Verwaltung zwingt die Juden, am Sabbath die Straßen zu reinigen, Schützengräben auszuheben und in den Staaten ihre Verkaufsläden offen zu halten. Mit wenigen Ausnahmen wurden die jüdischen •Bethäuser vernichtet oder in Kasernen, wenn nicht in Pferdeställe umgewandelt. Man hat überall die Torarollen vernichtet oder aus deren Pergament Mäntel für Soldaten gemacht. Ebenso hat die russische Verwaltung alle Gebetbücher der Juden vernichtet. Das Memorandum spricht die Hoffnung '<us. daß die neue russische Regierung, die in Rußland die Menschen- und Bürgerrechte feierlich proklamiert hat, auch die Lage der jüdischen Bevölkerung der besetzten Gebiete verbessern sowie der Bevölkerung dieser Gebiete die Rechte, die ihr von dem alten Regime genommen wurden, zurückgeben wird. Die „Times" und die Juden- Zwischen der „Times" und den russischen Juden ist es zu einem tüchtigen Krakeel gekommen, und das kam so: Als die russische Revolution nicht die Entwicklung nahm, die man in England gern gesehen hätte, als die den „aristokratischen Charakter", den sie nach dem Willen der Dumamehrheit haben sollte, verlor und die ungebärdigen Massen den Einfluß auf die Lenkung der staatlichen Geschicke verlangten, auf den sie als die eigentlichen Macher der Revolution Anspruch zu haben erklärten, da verhehlte man in England seine Besorgnis und seine allerhöchste Unzufriedenheit nicht. In klarer Erkenntnis dessen, was dem englischen Interesse diente und was ihm schädlich war, zog der bei der provisorischen Regierung in hohem Ansehen stehende St. Petersburger Vertreter der „Times" in seinen Telegrammen nach London gewaltig gegen die Demagogen im Arbeiter- und Soldatenrat vom Leder. Insbesondere nahm er dabei die jüdischen Mitglieder dieses Komitees aufs Korn, die in der Tat darin eine zahlreiche und einflußreiche Vertretung besitzen und sich durch Radikalismus auszeichnen. Wer den starken jüdischen Einsehlag in der ganzen russischen Umsturzbewegung und die politische Psyche des intellektuellen russischen Judentums kennt, wird darüber nicht verwundert sein. Was der Mann der „Times" seinem Blatte meldete, ist begreiflicherweise im Gegensatz zu seinen sonstigen, von guter Unterrichtung zeugenden Telegrammen von den großen Nachrichtenagenturen nicht weiter verbreitet worden. Auf dem Umwege über Kopenhagen erfährt man, was er gesagt hat und daß die russischen Zeitungen — es dürfen bekanntlich nur noch revolutionsfreundliche erscheinen — entrüstete Proteste „gegen die verlogene Berichterstattung der Times" erhohen. Es heißt da, durch vollständig erdichtete Tatsachen suche der St. Petersburger Korrespondent die russische Freiheitsbewegung zu diskreditieren und die demokratischen Organisationen als anarchistisches und landesschMliehes Element; hinzustellen. Die „Times" übernehme die Rolle der in Rußland bereits überwundenen Schwarzehundert-Presse. Ebenso wie |ene nach gär %vfltatioii ISOSiÜe fuäen als Ansähet der &ev<fetiae besefcfcnüe mä fesch PogrorabeteeB dazu getrieben -J»t%dÄl djteyussis<*e Wf^mhmm^m Isäern^mw^^ ftlu* ersfletrt «ur4e. efecase sw$ie die Bilmes" die „revolutionäre" Bewegung als Jüdischen Arufuhr darzustellen. So habe die „Times" gemeldet, daß die Dorpater jüdischen Studenten eine eigene Miliz bildete, daß es zwischen dieser und den Organen der vorläufigen Regierung zu blutigen Zusammenstößen gekommen sei und daß auch in anderen Orten infolge der jüdischen Umrtiebe Aufruhr und Anarchie herrschten. Die „Times*" bezeichnete mehrere Revolutionsführer als Juden und sprach ihnen das Recht, im Namen des russischen Volkes zu handeln, ab. Sie erteilte den russischen Juden den Rat, keine Staatsanstelhmgen anzunehmen und sich in Zukunft Überhaupt jeder provozierenden Handlungen zu enthalten. * In einem Telegramm des Mr. Wilton vom?8. März fanden sich im Anschluß an eine Schilderung der Vorgänge in Dorpat folgende Sätze: Ich bedaure sehr, feststellen zu müssen, daß die Juden ein durchaas nicht erfreuliches Benehmen an den Tag legen. Sie sind freie Bürger Rußlands geworden, bekunden aber kein Verständnis für die Verantwortlichkeit, die ihre "eue. Lage mit sich bringt. Aehnliche Klagen karnpn in St. Petersburg zu meinen Ohren. Heißblütige, hysterische jüdische Jünglinge seiden unglücklicherweise den schlimmsten Dernapofen und den äußeren Feinden Rußlands in die Hände. Mögen ihre Religionsgenossen in Großbritannien sie vor den Gefahren eines solrhen Vorgehens warnen. Wenn fn Rußland die Anarchie durchdringt, wird unbedingt eine Punktion pirttrpten. wobei die Juden in erster T inie die Leidtragenden sein würden. In einem weiteren Telegramm des St. Petersburger Korrespondenten der „Times" wurde erwähnt, daß zwei angesehene jüdische Rechtsanwälte hohe Staatsposten abgelehnt hätten. Hieran knüpfte der Korrespondent die Bemerkung: „Sie haben ihren Reljgionsgenossen ein ausgezeichnetes Beispiel gegeben. Es ist hohe Zeit für die russischen Juden, öffentlich zwischen sieh und den Demagoge&. das JXsehtach zu zerschneiden". Die russischen Zeitungen sprachen, wie gemeldet wird, „den schärfsten Tadel gegen die lügenhafte und unverantwortliche Art dir Berichterstattung aus, welche die Sachlage so darstellt, als ob das russische Volk unmündig wäre und die freiheitliche Umwälzung das Werk von Fremdstämmigen wäre". WeKer heißt es: Die Blätter weigern sien. das Berichtigungsschreiben des „Times"-KorrespoBdenten abzudrucken, weil diese Zuschriften wieder grobe Tatsachenfälschungen enthielten. So behauptete Herr Wilton, daß er seine Meldungen über die Dorpater Ereignisse auf Grund von Mitteilunsren von Rigaer Behörden abgefaßt habe ..Birschewyia Wjedomosti" wandte sich daraufhin an den Rigaer Gouverneur um Auskunft und erhielt von demselben den Bescheid, daß keine Behörde in Riga dem „Times"-Korresnondenten irgendwelche Auskunft erteilt habe und daß sämtliche Mitteilungen der ..Times" über jüdische StudentenmiTiz. Anarchie und Blutvergießen in Dornat vollständig erfunden seien. Der St. Petersburger Journalisten- Verein veröffentlichte in allen St. Petersburger Blättern einen Protest pevm die Tätigkeit des S+ PptprsbnrsTpr ..Times"-Berichterstatters. Die „Times" scheint indes keine Lust zu haben, ihren Berichterstatter preiszugeben. Sie beruft sich auf die von him angegebenen Gewährsmänner für die Ereignisse in Dorpat und auf eine Erklärung, daß seine Feststellungen im Interesse der Juden selbst lägen. — Wir mischen uns in den Streit der Verbündeten natürlich nicht ein und beschränken uns auf' die Feststellung, daß es nicht verwunderlich ist, w enn den Russen die beständigen englischen Einmischungen schließlich zu bunt werden. Interessant, um nicht zu sagen pikant ist allerdings, daß gerade ein Angriff auf die Juden den ersten Anlaß zum Ausbruch des Unwillens gegeben hat, bemerkt dazu die „Köln. Volfcsztg,", der wir obige Mitteilung entnehmen. Die Juden im R. u. 1c OKkupafionsgebiet in Polen- Aus Labiin wird' geschrieben: Demnächst soll1 eine Reorganisation des jüdtsschen.Qemeindewesens im k\ u. to, Okkupationsgebiete, ähnlich wie dies iin deutschen Okkupationsgebiete bereits vor Monaten ge- „Der Erfolg der Kriegsanleihe wird den baldigen Frieden