Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 13 (28.4.1917)
- Date
- 1917-04-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz Nr 13 (tegenr&yofutioti r.eaktkmärej Öfter seziaf&tistfier Natur und hat kaum dm #ut, irgendwie definitive Entscheidungen zu ^enen. Audi jödisclfe Zeitungen*, in jiddischer und rassischer Sprache; sind bereits hier eingelangt und denselben ist zunächst zn entnehmen, daß die Juden - wie immer - einen großen Anteil an der Frkämpfung der Freiheit genommen haben. Sie haben auch blutige Opfer gebracht, freuen siel! aber ungemein über den Erfolg und genießen die errungene Freiheit in vollen Zügen. Fast sämtliche jüdisch-politische Gruppen, die Ziomsten, Sozialisten. Bundisten, Poalei- /ionisten, wie auch die national Indifferenten, haben rasch und entschlossen ihre Tätigkeit wieder aufgenommen, ihre Presse aufleben lassen und sind nun dabei, sich im allgemeinen politischen Leben Geltung zu verschaffen. Es fehlt zwar nicht an Stimmen, die vor einem allzuweitgehenden Engagement der Juden — mit Rücksicht auf die früheren traurigen Erfahrungen — warnen. Poch finden diese Warner wenig Gehör. Man lebt im Taumel der Freiheit und glaubt, daß nunmehr die Reaktion einfür allemal 'beseitigt ist. Die jüdischen Kundgebungen zugunsten der allgemeinen und speziell der e'genen Freilich nehmen auch einen überaas imposanten Verlauf unH selbst die nicht-jüdische Presse hebt hnnulsivität der Juden hervor. Nach einigem Zögern hat die Regierung endlich das Patent, mittelst welchem die Juden die v;>He Gleichberechtigung erhalten, veröffentlicht. Es haben sich hiebei zunächst verschiedene formelle Schwierigkeiten ergeben. Es gibt in der russischen Gesetzgebung fast kein Gesetz, das nicht das ominöse „krome jewrei" (die Juden ausgenommen) enthalt. Um also all di^ i i Stimmungen m emei endgültigen Form /i bise'i^ti, mnlhcn sie emm lieh vollinhaltl! I' i' fuhrt «cih was enie Arbeit von Vs f Ii m m dv. j + P'p Rrf i ung gab aber d n P " ' d r halt" na h und erließ n l^* t n \ i rc f-rlpu' ' a'l/un mer Natur. Hie r1' t,,,! 1 * AiiflirHiui t i'lt Nnsnahmsbesthnn>i rtsrtk'nc th formei!e Abänderung de ritsbe ngh Vn Oe-»'T'es\ orschriften wird erst st;," Ter erfolgen. I,t - d< i ll,Te t e u( n Bt "Tistenm? gibt f " si 'i i 1 1 i s*i i >0j«- heu Kreisen keiner!, t s bmiT ri imhfr hm, d tf] }<)Ji nicht alle Gefa'ne 1 ■ 'i hn> srnd 'n \Hpn Städten haben *■ ' ifi ^bnn i'i^spmit si In Strömungen beni"-1 b'<r cmii <Jit und selbst Pogromagitationen Muten tnclit. Wie frowohnheb werden die .Tu de ' fu '< 1 ^hir' des 7iren verantwortlich gif'uh l*!ri!»>t>n t nt'onen der .luden r nPt" di' n( 'ii ' i in enfncffsc^' einschreiten und ' n die* \> iird dm Frs hemen mehrerer antir/mit'scher Blatter sistiert. r: dis V < ( .« -J, ], n t \> f i i)T 11 rlei i Iii d) -Iii -b f Ml I >* < 1 de i m Pi,(! Hof/mn g i' V ini^ h h Mlni^1-' i' H /kf p*C dl in «' i htl!(it d,^ m gewissen iüsnrn'ht der Umst-'nd, bende Juden es verde" Ereignisse hier iissisch" Juden., che bisiHcT. sindl hier angelangt, r /(! sein, sie .'ü'.'Thi aber ifptitli:'h,"r Rückkehr, b;s llstr'ndig kb'lren wird. h<ßf sich sagen: Die Ja- | i ' \ l i it i Ii immer /.wischen | in d p f i Iran n. Ihr einziger j ' b 1 i '-t T ' <-ierung der Veri i. d ' Fr" 'ensscbhiR. nie j /iiSiinm n nnt den Kadetten ins | K t r^rrg."j: r 1.1t. k'l 1 I . 1 IS slf \k< I rt is' v \ r>M"zelt da. Die ssu ps- Insolange Knepstjorn ernsten .qaiscncn de" Knec "ii>t ijrit dir Reaktion noch immerhin d , fttoH t' \! r S itte! zu gelan- <j< < Fi' Unss^h'uR v ird diese Gefahr ganz beseitigen. Z'foni. Der Antisemitismus in England. Von j. N. (Anmerkung der Redaktion. Der Verfasser dieser Abhandlung ist ein Christ, der 13 Jahre in England als Schriftsteller und Journalist tatig war. Unsere junge Literatur übte einen solchen Reiz au? ihn aus, daß er speziell den jüdischen ..Jargon" lernte, um die Werke unserer Dichter in der Originalsprache lesen und genießen zu können.) Die Anfänge des Antisemitismus in England greifen tief ins Mittelalter zurück. Die Chronik erzählt schon um lZr'O, wie ein christlicher Priester in London den Feuertod starb, weil er ein israelitisches Mädchen geheiratet hatte. Dieser Haß hatte seinen Ursprung sowohl im Fanatismus der Massen, wie auch im Neide der immer geldbedürttigen Adeligen und Konige. Bis tief ins letzte Jahrhundert hinein wurden die englischen Juden brutalen Sondergesetzen unterworfen und waren dazu noch grausamen Gewalttätigkeiten aller Art ausgesetzt. Nicht umsonst existiert heute noch die Kedeiisart „WJio would-ery aboat a J6w?" So-, gar in Pogromen hatte Engbnd schon allejg überflügelt, was die spätere Welt noch leistet konnte. So war zum Beispiel das Pogrom von. York so r^ch an Greueltaten, daß die Schrecke|| von Kischfncw und Sfalostok uns beinahe wie j blasse Nachahmungen anmuten. I Am klarsten spiegelt sich dieser Haß in i der englischen Literaturgeschichte ab, und zwar sJion bei Chaucer. Durch ganze Jahrhunderte hindurch findet sich auch nicht ein einziger jüdischer Charakter, der nicht lächerlich oder abstoßend wirkt. Weder Shakespeare, Scott noch Dickens, um nur die populärsten zu nennen, h-tben einen wahren Juden gezeichnet, und das gilt allgemein für die anderen Autoren, ja sogar hinunter bis zu den letzten Weihnachtsausgaben. Das Emanzipationsgesetz brachte ihnen dann allerdings Gleichberechtigung; aber das war kein Geschenk, welches von freiem Herzen kam. Sowohl im Unterwie auch im Oberhause wurde diese Gerechtigkeitsmaßregel von der konservativen Sippschaft auf das bitterste angefeindet. Wenn die Vorlage dennoch zum Gesetz wurde, so hatten sich die Israsliten ■curch ihre ausgezeichneten Leistungen auf allen Gebieten der Kunst, Wissenschaft, Finanz, Industrie nud Philanthropie sauer genug verdient. Die Gleichberechtigung führte natürlicherweise zn einer völligen Umgestaltung der Judenfrage in England. Einerseits stiegen Israeliten zu den höchsten Ehrenämtern in der Politik und der Atiministration des Landes, anderseits zog es Juden an. die vor den schrecklichen Verfolgungen aus Rußland entflohen . . . dem gleichen Rußland, das heute die Waffen im heiligen Namen der Zivilisation und Gerechtigkeit führt und Kot"stantinopel unter seine Knechtschaft zu bringen sucht. Diese armen, bedauernswerte Mrus-heukinder kamen namentlich während der letzten 25 Jahre zu Hnnderttausendert « •■+v. eder als Ansiedler oder auf ihrer Durchi-.-'se nach Amerika in den englischen Häfen an. v' ie oft habe ich solche Schiffsladungen ges bcn. a.'s sie in London, Hnll oder Leith aussHc</o*! oder von Liverpool und Glasgow wieweiterreisten, und jedesmal hat mein Herz {"•Mufft*. Zahlreiche dieser Einwanderer fanr'oji schwere, schlecht bezahlte Arbeit in den -ersch'edensten englischen Städten. Religion, Sprache und Sitten hielten sie zysammen, und ''s h"^e*e>i sich Ghettos, m welchen die friedl'che Bevölkerung, dankbar für den Schutz. dr;s; sie genoß, eine harte. aber genüfrsame f,,.;s;, fHstete. Durch ihre unermüdliche Arbeitsamkeit und die Einftihrung neue1" Inf'nstripn tni'fen s<e »'cht wenig ztiro Wohlstand Reichtum ihres neue". Heimatlandes bei. In ar,-on s.v~r!ichen Mußestunden erlernten sie die Snra/dip imd erwarben sich in immer ■.o.,,)p,, 7/>h!rp das enelb- 'he B"'nrerrecht.. 1en -|ssimi'i'>rL patriotische Engländer. ■(f'iK -";n: ■-(-rli^ß.- n <t'e oft ihr Ghetto und siedelten in rci'-b Stadtteile über. Vmfr neue 7u- "ü^p von Osten füllten aber Ihre Plätze wieder •'i'S. Vöhl winschafilichen Standpunkt aus gestaltete sich diese Immigration zum größten Vorteil Englands, und doch gebar sie eine antisemitische Hetze, welche ihren Höhepunkt im .'•ihre 1903 und einen weiteren in den jetzigen Tagen erreichte. Es war im Jahre 1905, als die reaktionäre Regierung Mr. Balfours nach einer der schamlosesten Verleumdungsagitationen das berüchtigte Fremdengesetz (Aliens Act) durchführte.! 'arm negierte England zum erstenmal sein vielg'crühmtes Asylrecht zum offenen Bedauern vieler freiheitlich gesinnter Engländer selbst. Aber dieses Bedauern vermochte nicht den SceScnschmerz der Augehörigen flüchtiger Familien zu lindern, die oft im Einfahrtshafen getrennt wurden, weil die Behörden einem oder dem andern der Mitglieder das Land verboten. Frauen wurden so von ihren Männern, Kinder von ihren Müttern getrennt; Unglückliche waren gezwungen, in ihre alte Heimat zurückzukehren, nachdem sie oft all ihr Hab und Gut verkauft hatten, um die Reisekosten zu bestreitr<i. Das Elend der Trennung und ihre bittere Not nach ihrer Rückkehr ins Land der Verfolgung bildeten jeweils eine ioner Tragödien des Lebens, welche die jüdischen Dichter des Ghettos vielfach mit ihrem ruhigen, aber so hKtrr . schmerzhaften Pathos uns lebendig darstellen. Und die Ursache all des Unglücks war die grundloseste und schändlichste aller Zeitungshetzen. während welcher der Jahrhunderte alte Haß von neuem seine Früchte trug. Der Ger-tr-rntwurf war durch einen lang anhaltenden Preßfeldzug vorbereitet worden, in einer nie endenden Serie von Artikeln, welche in konservativen Blättern erschienen waren, wurden alle ausländischen Juden zum mindesten als .^narehisten .darg^eik strätfbeÄder Uökcrmtiiis WH des Juteituaxs Aarg ÜBt's gewisserttosösfe^elini dteht, ftn4 Urfp dSchtigt. Leute. *»^ä^,_.__„____ beiteten. wurden als Ausbeuter feezeichnet, v. eiche dem englischen, Volke das, B^ot. vom Munde wegstehlen, und" das streng-fdeäle jüdische Familienleben wurde aufs infaitfste verleumdet. Je hprrender und verlogener die Angaben w aren, desto besser gefielen sie 'den Meistern dieser Schreibkneehte, Es gab doch sensationelle Lektüre, und der Sensation züfebe wurde ein ganzes Volk dem Haß und der Verachtung preisgegeben. Wahrheitsgetreue Schilderungen des jüdischen Lebens und Darste'lungen wurden einfach unterdrückt. Ja, Juden selbst halfen in dieser üaurigen Kampagne mit. Wohl einer der schlimmsten Sünder dabei war der Londoner .-Daily Exoreß". dessen Chefredakteur. Mr. Blumenthal selbst Israelit ist, sowie ein großer Teil seines Redaktionsstabes. (Fortsetzung folgt.) Juden und Polen. (Hin BritfWechsel.) Der Präsident des Hilfsvereines der deutschen Jüdin, Dr.!'c!itik;r r.chtet: Faul Nathan, hat an den führeiMäeri poinischen Oraf Adam Ronkkier, folgendes Schreiben ge¬ Warschau, den 3. Februar 1917. Hochgeehrter Herr Oraf. in Ai&nrtjfiMK an die vielfachen politischen Unier-r rtditnitcn, die ich den Vorzug hatte, mit Ihnen und Ihren i r:unden zu pflegen, erlaube ich mir, die nachstehenden 1 iiiikij unserer crört^rim^en als dx wichtigsten festzu- Ä.-.i.n. Endgültige Klarheit über diese Fragen zu schaii;-::. LisclK'int mir -von «.ntschsklender Bedeutuns:: eine; -;!i.r.: Lösung würde, wie ich zuversichtlich annehme, .'ic h.irmcnische Ziisa.nimenfassuiig aller Kräfte des pol- ":s:-i!.::' Landes gewährleisten, was nueh im internationali iert'sse überaus erwünscht sein müßte. Am (iru-nd der besten Traditionen polnischer Ver- „:!:i,.;',.,n-^L d.trf ich voraussetzen, dal' Sie und Ihre poiiiisclu;i Freunde meinen Glaubensgenossen die volle und i;iiv.:tj{cschrä»ktt bürgerliche Oleichbereclitigunjc mit der chri&ti c!un iJevölispruiig des Staates zu gewähren und In der Praxis durchzuführen bereit sind Diese rolitische Gleichberechtigung wird in seg-iisvoiiister Weise ihre 1'riichte tragen, wenn meinen Olaubensstei-.ossen in 'der Betirtigt'.ng ihrer traditionellen r>.-;i:4i(");-,.:n ücberzeufjungen seitens des Staates Schwierigkeiten nach keiner R chtting hin in den Weg gelegt v.ni.;]l. Insbesondere darf ich darauf hinweisen, daß die Krhaltiiüg i'er Sabbatruhe für 'die erdrückende Mehrheit;Jejüdischen Bevölkerung in Polen vorn religiösen Standpunkte ans als unrntgänglich erforderlich erachtet vi i 'd. Die Beibehaltung des jetzigen Zustande«, die es .'tu Judei: ermöglicht, am Sonntage während bestimmter Stunden des Tages, natürlich unter sirengster Berück- irhtigung der religiösen Empfindungen der christlichen Hevö'kerunsj. ihre Geschäfte offen zu halten, erscheint eMüge:ul g-boten, soll nicht eine schwere wirtschaftliche Seheek-unR jer Juden herbeigeführt werden, die in bestimmten Stadtgebieten katastrophal wirken könnte. Die Lösung der Schultrage in Polen für die Ge- •nimtheit der Bc-vöMierung biete! zweifellos Schwierigkeiten, Aber auch diese Schwierigkeiten lassen sich, w is ich nicht bezweifle, lösen. Es erscheint selbstverständlich, daß die Kinder sämtlicher Bürger Polens, zu v. eich er Religion sie sich auch bekennen, in ihrem igenen, v ie im Staatsinteresse, der polnischen Sprache in Wert und Schrift beim Verlassen der Schule mächtig sein müssen Es wird auch verlangt werden müssen, et aß der Gesamtheit der Kinder in Geschichte und Geographie der Unterricht in polnischer Sprache vermittelt wird aus bekannten Gründen, über deren Berechtigung in den bei weitem meisten zivilisierten Staaten Uebercinstimmung herrscht. Dartiber hinaus aber sollte, wie mir scheint, den einzelnen jüdischen Gemeinden in Polen die Freiheit gewährt werden, den Unterricht gemäß ihren eigenen Bedürfnissen und gemäß den ihnen eigentümlichen religiösen Ueberzeugungen zu gestalten. Die innere Entwicklung Polens in der Vergangenheit hat dazu geführt, daß innerhalb des Judentums verschiedene Richtungen mit besonderer Innigkeit an besonderen religiösen Disziplinen oder an der hebräischen Sprache oder aber ara Jüdischen hängen. Eine weise Schonung dieser Eigentümlichkeiten würde die Gesamtheit der Jüdischen Bevölkerung veranlassen, umso treuer dem polnischen Staatswesen anzuhängen. Daß der (polnische Staat schließlich ein Aufsichtrecht über alle Arten indischer Schulen für sich m Anspruch nimmt, ist selbstverständlich. Wenn ich als deutscher Jude mit hervorragenden -mhiisehen Politikern in eine Erörterung dieser Prasren eintrete, so bedarf das einer Erklärung. Es wäre naheliegend, daß Juden, die Dolnische Staatsbürger stod, sich in erster Llitfe dieser Pflicht imtentiehem. Da* ist schwierig, weil ftwerhalto der Juden Polens es vielfach von einander äfcwefcbemde Rieb-