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Jüdische Korrespondenz · 1917-03-22 · 10 (22.3.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
10 (22.3.1917)
Date
1917-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10. JUdische Korrespondenz Seite 3 •T«nmi>0l als Oberrabbiner nach Prag berufen wurde; jsählte ebenso der galizische Kaftanfudue «Nacntnan Krochmal, der große Etwecker jüdischer Altertümer; zählte nicht minder der KaftanjodeSalomon tftaimoti, mit dem die klassischen Philosophen Deutschlands als Gleiche mit Oleichenj sich anterhielten. In unserer Gemeindebihtiwthdc sitzen sie dichtgedrängt nebeneinander bei ihren Büchern; der eine bei einem Talmadfolianten, der andere bei einem wissenschaftlichen Werk in hebräischer Sprache, ein dritter studiert Grätz' Geschichte, ebenfalls in hebräischer Sprache. Wir achten diese Leute gering, die kein korrektes Deutsch sprechen, »Bein es sind-doch gelehrte Männer, auf vielen Wissensgebieten bewandert und sie handhaben das Hebräische gl sich einer Muttersprache. Bei uns erregt es Sehrecken, wenn man vom Unterricht m hebräischer Grammatik redet; und doch ist das Hebräische der Boden, in dem das Judentum wurzelt, die Grundlage seiner Einheit und Erhaltung. Unser Religionsunterricht vermag, entsprechend der zur Verfügung stehenden Zeh, nur einige Kenntnis der jüdischen Geschichte und Religion sowie hebräische Sprache in jenem Ausmaß der Jugend beizubringen, daß ■sie dem Gottesdienst mit Verständnis folgen können. Jüdische Gelehrte kann er nicht erziehen. Der Redner bespricht hierauf eingehend den jüdischen Religionsunterricht und stellt diesbezüglich einige konkrete Anträge. Kuätuspräsident Dr. Stern spricht ihm den Dank für seine Ausführungen aus. ■Nachdem noch einige Redner gesprochen haben, hält Vizepräsident Dr. Leopold Kohn das Schlußwort, in welchem er auf die im Laufe der Debatte gemachten Anregungen reflektierte. Das Budget wurde hierauf nach einigen Dankesworten des Präsidenten an den Vizepräsidenten mit allen •gegen eine Stimme angenommen. Vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß. Aus New-York wird berichtet: Ende Januar hielt das Administrationskomitee des lixekutiv-Komitees für einen Amerikanisch - Jüdischen Kongreß seine zweite Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand der Bericht des „Komitees für Wahlmethoden". Der Vorsitzende dieses Komitees gab einen Bericht, der auf einem genauen Studium der statistischen Angaben über die jüdische Bevölkerung Amerikas gemäß der letzten Volkszählung und des letzten American Jewish Year-Book beruhte. Er beantragte die Wahl von 295 Delegierten aus den verschiedenen Kongreß-Distrikten, in welche die Vereinigten Staaten zu diesem Zwecke eingeteilt werden müßten. Außerdem sollten noch 100 Delegierte (25 Prozent der Gesamtzahl nach dem Uebereinkommen) von den verschiedenen amerikanisch-jüdischen Organisationen gewählt werden, gemäß der Größe und Bedeutung der Organisationen. Allen Juden und Jüdinnen im itur Wahl berechtigenden Alter steht die Wahl frei. Diejenigen jedoch, die keiner Organisation angehören, können sich zum Zwecke der Kongreßwahlen in besondere Kongreß-Organisationen zusammenschließen Eine rege Diskussion rief die Frage der Vertretung der „nationalen (das heißt amerikanisch-jüdischen) Organisationen" hervor. Einander widersprechende Definitionen des Begriffes „nationale Organisationen" wurden gegeben und der Bericht wurde schließlich dem Komitee zur nochmaligen Beratung und späteren Vorlegung zurückgegeben. Es wird folgender Modus ins Auge gefaßt: Alle diese Organisationen werden eine gleichmäßige Repräsentanz, jede wird 2 Delegierte entsenden dürfen, in gleicher Weise wie die Repräsentanz in dem Senat der Vereinigten Saaten geordnet ist. Dadurch wird die Total-Mitgliederzahl des Kongresses ein wenig reduziert werden, da nur 45 derartige Organisationen bestehen. In diesem Falle werden also diese Organisationen 90 Delegierte entsenden dürfen, und alle Stimmberechtigten zusammen 270. Es wird also insgesamt 360 Delegierte geben. Die Nachmittagssitzung war dem Bericht gewidmet, den die „Kommission zur Wahl von Mitgliedern in die verschiedenen Kommissionen" ausgearbeitet hatte. Es sollten nach dem Vorschlag des Berichtes Kommissionen für die Lage der Juden in Rußland, Rumänien, Galizien, Polen, Litauen, Palästina, Balkan-Staaten und Saloniki ernannt werden. Außerdem wurde die Bildung verschiedener Kommissionen empfohlen. Die Debatte war wieder sehr lebhaft, als die Diskussion über die für die Lage der Juden in Rußland und Palästina einzusetzenden Kommissionen begann. Die einen schlugen vot, daß die Kommission für die Judenfrage in Rußland nicht ihre eigenen Vorschläge dem Kongreß vorzulegen hätte, sondern sich darauf beschränken solle, die Wünsche der verschiedenen Parteien innerhalb der russischen Judenheit vorzutragen. Die anderen behaupteten, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß als Sprachrohr der Judenheit der ganzen Welt zu betrachten sei and deshalb berechtigt sei, seine eigenen Vorschläge zb machen. Es wurde endlich beschlossen, daß die Kommission die Wünsche der verschiedenen Parteien berichten und zu gleicher Zeit auch ihre eigenen Vorschlage vorlegen soll. Mitglieder - Vollversammlung des Kriegsartleihe-Zeic±inungsveretnes „Agudas Jisroel**. Sonntag, den 18. d. M., 5 Uhr nachmittags, fand im Vereinslokale, II. Große Pfarrgasse 23, die im Sinne der Statuten vorgeschriebene Mitgliedervollversammlung des Kriegsanleihe- Zeichnungsvereines „Agudas - Jisroel" statt. Der Versammlung wohnten zahlreiche Mitglieder bei. Der Vorsitzende, Herr J. J. Thumim, erklärte, daß der für die IV. Kriegsanleihe gebildete Verein im Sinne der Statuten nach Ablauf von 10 Monaten aufgelöst werden muß, wobei eine Vollversammlung über die Verwendung des Vereinsvermögens zu entscheiden hat. Das Resultat der Vereinstätigkeit war ein überaus glänzendes und die Mitglieder können mit berechtigtem Stolz auf den Erfolg zurückblicken. Obwohl erst während der Zeichnungsaktion ins Leben getreten, ist es dank dem allgemeinen Interesse und dem patriotischen Eifer aller Beteiligten gelungen, ein glänzendes Resultat zu erzielen. Es wurden 10.678 Anteile mit einem Gesamtbeträge von 266.950 Kronen gezeichnet, derart, daß das Zeichnungsergebnis dieses Vereines die erste Stelle unter den in Wien existierenden 84 derartigen Vereinen einnimmt. Das Resultat ist noch höher einzuschätzen, als es ein herrliches Zeugnis von der patriotischen Opferwilligkeit der galizischen Juden — die das Gros der Zeichner abgegeben haben — liefert, die, selbst von Heim und Herd infolge der Kriegsereignisse verjagt und keinen sicheren Morgen habend, dennoch ihr Scherflein zum finanziellen Siege des Vaterlandes beitragen wollten. Dieser Beweis tatkräftiger patriotischer Gesinnung bildet ein Ehrenzeugnis für das galizische Judentum und wird alle bösen Zungen verstummen machen, die es jemals wagen sollten, mit Verleumdungen " gegen die Juden aufzutreten. Bezüglich des Vereinsvermögens steht nach Abzug aller Spesen — die übrigens die Landesorganisation „Agudas - Jisroel" aus den eigenen Fonds gedeckt habe — ein Betrag von 1500 Kronen zur Verfügung. Um nun das patriotische Werk zu krönen, regt der Vorsitzende an, daß die Mitglieder von der Verteilung des Vermögens unter sich im Sinne der Statuten Abstand nehmen und den Gesamtbetrag der jüdischen Kriegswaisenfürsorge widmen. Die Ausführungen des Herrn Thumim fanden reichen Beifall und nachdem noch Herr Hecht der aufopfernden Mühewaltung des Vorsitzenden warme Anerkennung gezollt hat, wurde dessen Vorschlag mit großer Begeisterung einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Spanische Intervention für sefaridisene Juden. Der „Spanische Bund für die Rechte des Menscen" hat folgenden Brief an die italienischen Ministerpräsidenten gerichtet: Madrid, den 13. Dezember 1916. Seiner Exzellenz, Herrn Ministerpräsident P. Boselli, Rom. Der „Spanische Bund für die Rechte des Menschen" ist so frei, Eurer Exzellenz ehrerbietig das Folgende zu unterbreiten: „Es ist uns bekannt, daß einige Israeliten spanischer Herkunft und Sprache, aber türkische Staatsbürger, die in Italien wohnen und sich dort durch ehrliche Arbeit ernähren, denjenigen Maßnahmen unterzogen werden sollen, die Eure hohe Regierung infolge des Kriegszustandes zwischen Italien und der Türkei gegen die Bürger dieses Staates getroffen hat. Sie werden mit ihren Familien ihr Heim verlassen müssen, um sich nach einem Konzentrationslager zu begeben, wo sie bald aller Mittel entblößt sein werden; nach dem Kriege wird ihre Existenz vernichtet sein. Als Spanier und auf Grund der Statuten unseres Bundes als Beschützer aller Unglücklichen, die schuldlos leiden, bitten wir Eure Exzellenz, gegen diese Israeliten, die nach unserer Ansicht eine solche Strenge nicht verdient haben, Nachsicht zu üben. Sie sind woh! türkische Staatsbürger, aber sie gehören einer Rasse an, die mit den Türken nichts i gemein hat. Sie stammen von Ahnen, die durch Jahr- ] hunderte Spanier gewesen sind, und haben mit Pietät die nationalen Gebräuche und die Sprache derselben erhalten. Ihre Meinungen sind von den im Lande ihrer Geburt herrschenden ganz verschieden. Ihre alte hebräische Kultur hat sich mit der lateinischen vermischt; ihre Syrnpathien gehören Italien, dessen Bestrebungen sie mit Wärme als die eigenen betrachteten. Eure Exzellenz würe den edlen Traditionen Ihres Landes gemäß handeln, wenn sie diese spanischen Israeliten aus der Türkei nicht als feindliche Staatsbürger betrachten würden, und ihnen die Erlaubnis erteilten, dort zu bleiben, wo sie sind, and ihren Geschäften nachzugehen. In dieser Weise würde Eure Exzellenz ebenso edel wie die französiche Regierung handeln. Diese besondere Behandlung derjenigen, die wir noch immer als Spanier und Brüder betrachten, hat einige unserer ausgezeichnetsten Mitbürger bewogen, an Herrn A. Briand die Dankadresse tu richten, die wir Wer beschließen. Italien wird sicher Frankreich in diesem schönen Menschlich-, keitsäkte nachahmen, in dieser Weise sich Eure Exzellenz den Dank unseres Bundes und Spaniens sichern, das diese einst vertriebenen Bürger als Söhne betrachtet. Wollen Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck unserer größten Hochachtung empfangen". Luis Siniarro. Präsident des Rundes, Universitätsprofessor in Madrid. Benito Perez Caldos, Schriftsteller. Auguste Barcia, Pedro Gimeno Chain, Manuel Hilario Ajuso. Abgeordnete. Ramon Martiner Sol, Sekretär des Bundes. Gleichzeitig hatte der Verband der israelitischen Gemeinden Italiens Schritte zugunsten der sefardischen .luden, die noch türkische Staatsbürger sind, unterm-mmen. Am 27. Januar 1917 erließ nun das italienische Ministerium des Innern eine Verordnung an die «Präfekten. nach welcher obgenannte Juden zu den türkischen Staatsangehörigen nichttürkischer Nationalität zu rechnen und infolgedessen wie die Armenier, die Bewohner des Libanons usw. als Freunde der Entente zu betrachten sind und ungestört ihren Beruf in ihren Wohnorten ausüben dürfen. Das Thema der in dem oben wiedergegehenen Schriftstück behaupteten Ententefreundlichkeit der sefardischen Juden lassen wir in Berücksichtigung ihrer augenblicklichen «politischen Lage jetzt unerörtert. Wir hüben schon früher das Nötige darüber gesagt. Wir haben aber jedenfalls ein interessantes Dokument für die Tatsache vor uns, daß Spanien seme mittelalterliche Grausamkeit bei der Vertreibung der Juden von der iberischen Halbinsel in der Neuzeit durch Eintreten zu ihrem Schutze in ihren jetzigen Aufentnaltsländern einigermaßen wieder gut zu machen bestrebt ist. JUdtsche Rundschau. Jüdische Kriegswaisenfürsorge. Der Verei;! zur Rettung der verlassenen jüdischen Kinder Galiziens hielt vergangenen Samstag abends seine erste Generalversammlung ab. Die Vereinsleitung legte einen ausführlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereines vor und verwies auf die Aktionen, die bisher für die jüdische Kriegswaisen-Fürsorge in Galizien unternommen und durchgeführt wurden. Dem Vereine gehen reiche Spenden zu, deren Höhe etwa eine Million Kronen erreichte. Der Versammlung wohnte auch der Präsident des k. k. Kriegsfürsorgeamtes, Prinz Eduard von Liechtenstein, bei. Seine Durchlaucht ergriff im Laufe der Versammlung das Wort und konstatierte mit großer Genugtuung die segensreiche Tätigkeit des Vereines und hob hiebei die große Opferwilligkeit der österreichischen Judenschaft hervor, die sowohl für diesen als auch für alle anderen Kriegsfürsorge- Aktionen einen großen Wohltätigkeitssinn und einen edlen patriotischen Eifer an den Tag legt, der ihr zur höchsten Ehre gereicht. Statthalter Graf Huyn und die luden. Aus Krakau wird uns geschrieben: Gelegentlich seines Amtsantrittes hat der neue Statthalter von Galizien, G. d. K. Graf Huyn, bei seinem jüngsten Besuche in Krakau eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde, bestehend aus dem Kultuspräsidenten und dem Vizepräsidenten Dr. Rafael Landau, in Audienz empfangen. Seine Exzellenz dankte wärmstens für die Begrüßung im Namen der Gemeinde und versicherte, daß er sich allen gerechten Wünschen und Forderungen der jüdischen Bevölkerung gegenüber wohlwollend und entgegenkommend verhalten werde. Der Statthalter betonte, daß er gelegentlich seines Militärdienstes längere Zeit in Galizien geweilt und einen Einblick in das jüdische Leben gewonnen hat. Besonderer! Eindruck machte auf ihn das religiöse Leben der breiten jüdischen Volksmassen, die allen Vorschriften und Gebräuchen mit edler und opferwilliger Hingebung huldigen. Dies pflegte ihm stets zu imponieren und er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die Juden ein patriotisches und verläßliches Element seien. Mazzoth für Galizien. Die galizische Statthaltern hat der jüdischen Bevölkerung 100 Waggon Weizen für Mazzoth zur Verfügung gestellt. Das Getreide wurde unter rabbinischer Aufsicht vermählen und die Mazzothbereitung ist bereits fertiggestellt. Juden in den Departements des polnischen Staatsrates. Der polnische Staatsrat hat folgende Juden zu Mitarbeitern in den diversen Departements berufen: Dr. Josef Kernbaum in das Finanzdepartement, Dr. Simon Rundstein in das Departement für politische Fragen und den Sekretär der Warschauer Kultusgemeinde, den bekannten Literaten und Historiker Rafael Kempner, in das Departement für Kultus und

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