Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 9 (15.3.1917)
- Date
- 1917-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz ........,-. ....... ,......jM&wm —* „üesinnu ngsge nossen*' aus Deutschland unfertHeto habe«, um" ihre Postulat« äfircfcst^asefi fM können. Auch die Ziomisten werde« seitens der .fiddischisten nicht verschont und allüti oft werden sie mit den Assimitanten und Orthodoxen in einen Topf geworfen. Natürlich bleiben die Zionistcn die Antwort nicht schuldig und es wirke manchmal tragikomisch, zu sehen, wie die Zionisten mit denselben Schlagworten angegriffen werden, die sie zuerst in Anwendung gebracht haben. Lim den Kampf ausfechten zu können, hat sieh die offizielle zionistische Partei veranlaßt gesehen, ihre eigene Parteipresse wieder aufleben zu lassen. So erscheint jetzt die hebräische „Hazefira" wieder, freilich bloß als Wochenblatt. Die „Jiddischisten-Volkisten" habe.? sich wiederum anstelle des sistierten „Warschauer Tagblattes" eine eigene Tribüne im Wochenblatte „Das Volk" geschaffen, das von den früheren Tagblatt-Redakteueren Nomberg und Kaliair geleitet wird und an Radikalismus sich selbst zu übertreffen sucht. Der ..Majnt" schließlich bewahrt seine bisherige ^unparteiische" Haltung, indem er alle die erwühMen Strömungen und Organe mit der Lau- **ge seines beißenden Witzes überschüttet. Die „JiddKchisten" haben schließlich auch noch ein polnisches Wochenblatt unter dem Titel „Glos zydow ki" (Jüdische Stimme) Iii Wloclawek ins Lehel gerufen, um den Polen den „Volkismus" mundgerecht zu machen. All diese Kämpfe, Reibungen und Konflikte haben eine gewisse greifbare Qrundlage. In den nächsten Wochen — das Datum ist noch nicht ni;her bestimmt — dürften in Warschau die Kultus-Wahlen auf Grund des neuen Gesetzes vorkommen. Jede Partei und Gruppe bemüht sich nun. hiebei die Oberhand zu erhalten und die Verwaltung der größten europäischen Kultusgemeinde in die Hand zu bekommen Die Wahlbewegung ist bereits sehr heftig und die Versammlungen — merkwürdigerweise haben sie alle die Bezeichnung „Meeting" erhalten, als ob das jüdisch-hebräische „Assifa" nicht viel richtiger wäre — folgen aufeinander, wobei von keiner Seite mit scharfen Wort gegeizt wird. Daß es vielleicht ratsamer und nützlicher wäre, angesichts des bevorstehenden Pessachfestes und der großen Not der breiten Volksmassen den Wahlkampf etwas zu verschieben und sich lieber mit den brennenden wirtschaftlichen Fragen zu befassen, das will niemandem in den Sinn. Die Politik über alles. ... So leben wir fortgesetzt unter einem IVUirzwetter. Wann endlich werden wir den Frühling erleben?! .... Warschai. Armer und Bedürftiger verwendet In der. c»***i<ßseHen Weit «tftie »ein plötotftfies Hinscheiden furchtbar esrschiittefrtä. tifc Trauer war noch größer, afs e$ lefdef de* Rabbi nicht beschieden war, in {jfeT Hehefat seine letzterl Jahre zu verbringen. Seit Kriegsansbrach weilte er in Wien afs „Flüchtling", während die Kosakenhorden sein Haus und seinen „Hof" niedergebrannt und zerstört haben. Das Leichenbegängnis fand Sonntag um 5 Uhr nachmittags statt. Eine schier unabsehbare Volksmasse wanderte zum Friedhof hinaus, um dem Rabbi die letzte Ehre zu erweisen. Hunderte und lausende drängten sich heran, um die „Mitta" wenigstens einen Moment mittragen oder auch nur berühren zu können. D;e Beerdigung fand streng nach orthodoxem Ritus statt. Hespedim wurden keine gehalten. Das Oedränge um die Grabstätte war derart groß, daß die zur Aufrechterhaltung der Ordnung ausgerückten Wachmänner es kaum vermocht haben, ihre Aufgabe zü erfüllen. Als der Chassart das „El-moie-Rachmim" - Gebet vortrug, blieb fast kein Auge trocken und mit schwerem Herzen nahmen die Anwesenden Abschied vom Orabe ihres So gehebten und verehrten Rabbi. Das Hinscheiden , dieses großen Mannes bedeutet einen herben Verlust für das orthodoxe Judentum. Secher Zaddik liwrocho! Ben - Amitai. Gr oßr abbin er Isak Friedmann s. A. Tief erschüttert vernahm die in Wien weilende orthodoxe Judeuschaft Sonntag den 17. Adar die Trauerbotschaft, daß der Großrabbiner von Bojan. Rabbi Isak Friedmann s. A., In der vergangenen Nacht plötzlich im Aiter von 67 Jahren verschieden Ist. Die Nachricht wirkte derart betäubend, daß viele ihren eigenen Ohren nicht glauben wollten. Leider aber hat sich die Trauerbotschaft bestätigt. Plötzlich, sozusagen mit einer „Missas neschika", ist der große Mann in Israel ins bessere Jenseits berufen werden. Samstag Vorabends saß der Rabbi noch im Kreise seiner Anhänger bei der dritten Sabbath - Mahlzeit (Schalasch-Seudath). Abends verrichtete er das Hawdalagebet und empfing dann zahlreiche seiner Anhänger, die wie gewöhnlich gekommen waren, den Segen des Rabbi und seinen Rat zu erbitten. Gegen Mitternacht w urde der Rabbi plötzlich von einem Unwohlsein befallen. Der schnell herbeigerufene Arzt versuchte alle möglichen Mittel, um die Katastrophe abzuwenden. Aber vergebens. Bald darauf war der Rabbi verschieden. Großrabbiner Isak Friedmann war der Sohn des Rabbi Abrah. Jakob s. A. aus Sadagora und der älteste Enkel des berühmten Rabbi Israel s. A. aus Ryshin. des Begründers des Rabbinerstamtnes Friedmann, der weit und breit über die Grenzen des engeren Vaterlandes berühmt ist. Der Verblichene war einer der hervorragendsten Repräsentanten dieses Großrabbinerstammes und die Zahl seiner Anhänger, die zu ihm zu pilgern pflegten, um seinen Rat und seinen Segen zu erbitten, "eht in die vielen Tausende. Nicht bloß in Galizien und Bukowina, sondern auch in Rußland sowie in anderen Ländern war sein Ruf groß und sein Name heilig für seine Chassidim. Rabbi Isak Friedmanh s. A. war auch ein großer Gelehrter und pflegte oft tagelang im Studium der Thora zu verbringen. Seine Wohltätigkeit Überstieg alle Grenzen und der größte Teil seiner nicht unbeträchtlichen Einnahmen wurde zur Aushaltung t!e <mHmSS&WkA rani f*nau<# Däten ä£; * . 1 mkk tum «röfteö- ,„ Waisen- und fcirder-Fiftsof^lthd fAMäietf ifc die Schaffung einer Zentralstelle für Kinder- und Säuglings-Fürsorge. Hofrat Dr. Löwner widmet seine Ausführungen dem Religionsunterrichte. Wiewohl die Verhältnisse sich ein wenig gebessert hätten, sei doch der Ausblick in die Zukunft wegen des Indifferentismus der modernen lügend hinsichtlich der Religion ein sehr trister. Dem müsse mit aller Kraft entgegengearbeitet werden. Für die kommende schwere Zeit solle unsere Jugend mit religiösen Fühlen beseelt sein, um dem Anstürme des Ahtisehiftisrnus standhaltet) zu können. Dr. Schwarz-Hilter erklärt, die Judenschaft müsse froh sein* daß die Regierung deit Wirkungskreis der Kultusgemeinde nicht einengen wolle. Redner wünscht keinesfalls, daß die Kultusgemeinde die Lasten de* Waise»- and Kinder-Fürsorge aus Eigenen zur Gänze trage« aber die Initiative zu derartigem, müsse von ihr ausgehen. , wpfers Redner über, seine Erfahrung gung von Waisenkindern nn Trennung in nationaler un< Richtung unbedingt notwendig sei, Einschränkung der Kerzenbeleuchtung ie den Beihäusem Im Auftrage der ehrwürdigen Großrabbiner und Rabbiner finden wir uns hiermit veranlaßt, an unsere Glaubensbrüder den Appell zu richten, sich angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse in der Kerzenbeleuchtung in den Synagogen und Bethäusern an den Samstag- und Feiertags-Abenden die weitgehendsten Beschränkungen aufzuerlegen. Dasselbe soll auch bezüglich des Kerzenanzündens gelegentlich der Seelenanndacht (Haskoras - Neschomaus) am bevorstehenden Pessachfeste der Fall sein. Die hiefür bestimmten Beträge sollen für wohltätige Zwecke verwendet werden. In den Bethäusern soll man sich mit dem Anzünden der vorschriftsmäßigen 2 Kerzen am Vorbeterpulte begnügen. Wohl ist die Kerzenanzündung beim Beten und besonders bei „Haskaras - Neschomaus" eine streng-religiöse VorseSffft imd"es dürfte jedem frommen Juden schwer fallen, darauf zu verzichten. Es ist jedoch unsere heiligste patriotische Pflicht, gegenüber unserem Allergnädigsten Kaiser, dessen Schutz und Gnade wir genießen, sowie gegenüber unserem teuern Vaterlande, für welches wir Gut und Blut opfern, angesichts des gegenwärtigen Mangels an Beleuchtungsmaterial, auch die größten Opfer zu bringen, um dem Vaterlande das Durchhalten im Kriege und die Erringung des Endsieges zu ermöglichen. Wir wollen hoffen, daß es unserem gnädigen Kaiser gar bald beschieden sein wird, seinen Völkern die Segnungen eines siegreichen und ehrenvollen Friedens zu bringen und dann wird auch uns die Sonne des Friedens leuchten und wir werden in der angenehmen Lage sein, im Sinne unserer religiösen Vorschriften ohne ieder Einschränkung zu leben und die Gebote der heiligen Thora voll und ganz zu beobachten. Wien .im Adar. 5677. Landesorganisation „Agudas - Jisroel". Das Wiener Kuliusbudgel. In der Plenarsitzung vom 4. März wurde die Budget-Debatte fortgesetzt. Dr. Ehrmann verwies auf die schweren Verluste, die besonders die Judenschaft in diesem Kriege erlitten habe, die mindestens 2—3fach im Verhältnisse größer seien, als die der anderen Konfessionen. Diese Verluste können nur dadurch wettgemacht werden, daß die Kindervor allem die Säuglingssterblichkeit herabgesetzt wird. Dr. Schreiber vertritt die Ansicht, daß die Kultusgemeinde eine sehr harte Steuerveranlagung hat. Es gibt außer den direkten noch ganz beträchtliche indirekte Abgabesteuern, wie bei Trauungen, Leichenbegängnissen usw.. außerdem ist bei der Steuerbemessung die Selbsteinschätzung jede Mitwirkung der Zensiten ausgeschlossen. Ein schärferes Anziehen der Steuerschraube sei unter solchen Verhältnissen nicht immer am Platze, jedoch scheine es angezeigt, zur Bewältigung der großen Aufgaben der Kultusgemeinde ein Zeitabschnitt zu erstellen. In der Frage der Feldrabbiner erblickt Redner das Uebel darin, daß eben nicht genügend geeignete Persönlichkeiten vorhanden sind. Durch das Fehlen eines Oberrabbiners sei eine große Kalamität entstanden. Eine hervorragende Persönlichkeit an der Spitze des Rabbinates hätte gewiß die leidige Frage der Feldrabbiner zur Zufriedenheit geordnet. rtgen htete rsoretee Jonglier Mit aller Entschiedenheit wendet sich Dr. Schwarz-Hiller gegen die Abgabe von Kindern an Pflegeparteien, nur bei Unterbringung in eigenen Heimen sei eine rationelle Fürsorge möglich. Die Debatte wird hierauf unterbrochen. Die Juden in Oesterreidiu Dem im Verlage der k. k. statistischen Zentralkommission erschienenen österreichisch«! „Statistischen Handbuch" für 1914 (Preis 4 Kronen) entnehmen wir die folgenden statistischen Daten: Anwesende Bevölkerung Oesterreichs nach Religionen. Länder Israeli'en Von je 100 Einwohnern waren Israeliten Niederösterreich 184.770 5.23 Oberösterreich 1.215 0.14 Salzburg 285 0.13 Steiermark 2.285 0.20 Kärnten 341 009 Krain « 146 0.03 Triest 5.598 2.40 Götz und Qradiska 338 J.n Istrien 667 ~.17 Tirol 1.624 0.17 Vorarlberg 126 9.09 Böhmen 85.826 1.26 Mähren 41.158 1.57 Schlesien 13.442 1.77 Galizien 871.895 10.86 Bukowina 102.919 12.86 Dalmatien 523 .0.08 Summe 1910 1,313.687 4.60 Summe 1900 1.224.711 4.69 Geschlecht | m ■ w' 1 zus. I m. Religionsbekenntnis und Umgangssprache. jütisches Anwesende iligions- Bekennt is völkerung 171.017 4,876,266 168.964 5,074.412 J39.981 9,950.678 24.774 3,134.588 25.896 3,278.411 zus. 50.670 6,412.999 m. 393.135 2,391.534 w. 418325 2,564.993 zus. 810.460 4,956.527 m. 11.324 1,757.917 w. 12.291 1,755.330 zus 23.615 3,513.247 th. 8 609.443 w. 8 460.261 zus. 16 1,249.704 m. 39 389.675 w. 31 391.258 zus. 61 780.933 m. 1.402 373.445 w. 1.540 392790 zus. 2.942 7e6.235 m. 490 137.028 w. 534 136188 zus. 1.024 273.216 m. 10 5.297 w. 12 5.182 zus. 22 10.289 m. 697 36.682 w. 435 10.886 zus. . 1.132 47.598 m. 43.066 310.405 w. 40.646 288.899 zus. 83.212 609.304 Umgangssprachen und Staitsfremde deutsch....... böhmisch-mährischslowakisch . . . polnisch...... rutbenisch . ... slowenisch..... serbisch-kroati*ch . italienisch-'adinisch . rumänisch ..... magyarisch..... ohne Umgangssprache Staatsfremde . . . im ganzen 1910 dagegen 1900 m. w. zus. JS ] zus. 644.033 668.682 U13.635 599.898 634.813 1,224711 14,032.010 14,538.610 28750.800 12,852.693 13,298.015 26,150708 Israelitische ReHgionsgenossenschart. Zahl der Ku 11usgetneinden. Niederösterreich 16, Oberösterreich 2, Salzburg —, Steiermark —, Kärnten —, Krata —, Triest 1, GS« und Gradiska 1, Tirol —, Vorarlberg 1, Böhme« 2ö7, Mahren 50, Schlesien 11, Galizien 253, Bukowina. 17, Dalmatien 2. Zusammen 562.