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Jüdische Korrespondenz · 1917-02-22 · 7 (22.2.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
7 (22.2.1917)
Date
1917-02-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7. JUdiscfe«; K&nms&mmamim Seite 3 sprießtiche Tätigkeit von den obersten K»rorrjar»do«ieile« sowie von den evangetisefeen und katholische« Feldpredsgern anerkannt wurde. Hinsichtlich der Beförderung unserer Krieger wäre» B»a«che Hrndernisse zu beseitigen. Doch wurden immerhin Erfolge erzielt, namentlich durch Vorstellungen, die wir beim Kriegsraieister erhöhen. Jetzt zählen wir in Preußen etwa 850 höhere Offiziere jüdischen Glaubens, in Bayern 400 und in den übrigen Bundesstaaten rund 250, so daß in allen deutschen Heeren augenblicklich gegen 1500 jüdische Offiziere ihrer Kampfespflicht genügen. Wir dürfen hoffen, daß nach diesem Anfang sich der Grundsatz im Heere festsetzt, daß gleiche 1-fliehten auch gleiche Rechte bedingen. Aeußerst schmerzWch wurden wir berührt durch die behördlicherseits angeordnete Judenzähhing. Wir werden kn Frieden auf diese Statistik zurückkommen. Für jetzt wollen wir /eigen, daß wir deutsche .luden sind, wollen (•U:"ch unsere Klagen jetzt keinerlei Trübung an irgend einer Stelle veranlassen. Wir haben im geordnete» Verfahren Gelegenheit genommen, dem Kriegsminister unsere Beschwerden darzulegen. Uns wurde darauf der Bescheid, daß die Statistik im Interesse der Juden angeordnet worden sei, um Material zur Bekämpfung zahlreicher anonymer Denunziationen zu gewinnen. Wir sind der Ueberzeugung, daß der jetzige Krtegsroinister v. Stein bemüht ist, Gerechtigkeit walten zu lassen. Wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß die Gleichberechtigung künftig e«*e feste Grundlage unserer Verfassung bilden wir4. Die weitere Tagung befaßte sich mit internen Fragen. Rabbiner Dr. Goldmann- Oppeln sprach über „Aufgaben des Zentralvereins in und nach dem Kriege". Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Zur Lage «ter Juden in Litauen- Aus Wilna wird berichtet: Die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in Wilna beträgt etwa 57.000, darunter 22.000 einheimische und 35.000 Flüchtlinge. Die Notlage der jüdischen Bevölkerung ist deshalb besonders groß, weil die jüdischen Krankenhäuser, Volksküchen, Schulen usw. auf Grund alter Bestimmungen nicht als städtische Anstalten betrachtet werden. Ihnen kommt deshalb nichts von der Geldunterstützung zugute, die die Verwaltung den städtischen Anstalten zu Teil werden läßt. Die einzige Ausnahme bildet das jüdische Hospital in Wilna, das (ebenfalls auf Grund alter Bestimmungen) als städt. Anstalt betrachtet wird. Die Haupteinnahme des Wilnaer Hilfs-Komitees bilden die monatlich von Amerika zur Verfügung gestellten 100.000 Mark, Das Komitee verabreicht in seiner Volksküche Mittagsmahlzeiten zum Preise von 17 und 20 Pfennigen. Es können jedoch nicht alle Bedürfnisse dort befriedigt werden, und es gibt etwa 2000 „Kandidaten", d. h. Personen, die sich angemeldet haben, um bei Wegfall eines Mahlzeitempfängers durch Tod oder Abreise Berücksichtigung zu finden. Am schlimmsten ist die Lage der Kinder, von denen ein großer Teil nicht gespeist werden kann. Etwa 2000 Kinder müssen außerdem barfuß geben, können infolgedessen die Schulen nicht besuchen und verkommen, auch in moralischer Hinsicht, auf der Straße. Die Not der Bevölkerung wird durch den Mangel an Feuerungs¬ und Hewungstaaterial und das Fehlen von Kleidungsstücken erheblich vergrößert. Trotz dieser furchtbaren ökonomischen Lage herrscht ein reges geistiges jüdisches Leben in Wilna. Der Andrang zu den Schulen, Abendkursen und Vorträgen ist außerordentlich groß und tausend würden lieber noch mehr hungern, als es heute schon geschieht, als daß sie auf eine ihrer Schulen verzichten sollten. Aeufierst wichtig wäre es, wenn es ffelSfflge, der Jüdischen Bevölkerung, insbesondere den Handwerkern, Arbeitsmöglichkeiten zu scharfen. Dazu sind aber lti.000 Mark monatlich notwendig, über die das Komitee nicht verfügt. Was die übrigen Orte in Litauen betrifft, so ist ein großer Teil der Schwierigkeiten darauf zurückzuführen, daß fast überall die vfohlhabenderen unä atigeseheneren Elemente ifren Wohnort verlassen haben, so daß heute in einer großen Anzahl von kleineren Orten überhaupt nie*«and vorhanden ist, der imstande und geeignet wäre, der Behörde die Wünsche der jüdischen Bevölkerung vorzutragen. Andererseits *adht tffe Qrgatifeiefling der GterrteiBdea infolge der Reise- und Postverhättnisse die größte Schwierigkeit. "1*ü* A«gaben des Herrn Rechtsanwalt Rj»s*btt£fe<(fer sßitif»4fcs HflfeWOfk H Wtna sehr verdient gemacht hat, braucht man in Wirrra ztmiehsti L Monatlich 15Ü00 Mark, die zusammen mit dem Geld aas Amerika ausreiche» würden, um der bittersten Not zu steuern. 2, Einen einmaligen Betrag von 80.000 Mark, vm Schuhwerk. KoWen und Holz für die arme Jüdische Bevölkerung anzuschaffen, und 3. 30.000 Mark zur Gründung einer Gesellschaft m. b. H., zum Zwecke des Vertriebes verschiedener Fabrikate, die in Wilna durch jüdische Arbeiter hergestellt werden können. Herr Rechtsanwalt Rosenbanm erklärt, daß das Wilnaer Hilfs-Komitee eine große Anzahl jüdischer Arbeiter beschäftigen könnte, wenn ihm diese 30.000 Mark zur Verfügung gestellt werden könnten. Die erste Sitzung des Amerikanisch-Jlidlscnen Kongreß - Komitees. Aus New-York wird gemeldet: Am 25. Dezember 1916 trat nach zweijähriger Vorarbeit die erste Konferenz des Kongreß - Organisierungs-Komitees zusammen. Nach der Wahl des Präsidiums folgten die Berichte der verschiedenen Komitees. Als erstes berichtet das Komitee, das die Frage der Zeit und des Ortes des Kongresses zu lösen hatte. Auf Grund dieses Berichtes wurde beschlossen : 1. Daß der Kongreß in Washington abgehalten werde, 2. daß die Wahl von Delegierten zum Kongreß sofort beginnen solle, sodaß die gewählten Delegierten sich bereit halten können, auf Grund einer kurzen Verständigung zum Kongreß zusammenzutreten. Die Namen und Adressen der gewählten Delegierten sind sofort nach ihrer Ernennung dem Administrations-Komitee mitzuteilen. 3. Daß die Festsetzung des genauen Datums des Kongresses dem Administrations- Komitee überlassen werden solle, mit der Maßgabe jedoch, daß dieses Datum nicht später als auf den ersten Tag des Monats Mai falle, wenn nicht am oder vor dem 15. März 1917 das Administrations-Komitee durch Zweidrittel Stimmenmehrheit es für unzweckmäßig erklären sollte, den Kongreß vor dem 1. Mai 1917 einzuberufen; in diesem , Falle soll das Exekutiv- Komitee am ersten Sonntag des April 1917 zusammentreten und das Datum des Kongresses endgültig festsetzen. Der Bericht, der vom „Constructive- Relief-Comittee" (Hilfsarbeits-Komitee) erstattet wurde, rief eine Diskussion hervor, die sich im wesentlichen darum drehte, ob der Kongreß, der im übrigen in seiner Behandlung der wiederaufbauenden Hilfsarbeit unabhängig sein solle, sich in diesem Punkte mit den drei bestehenden jüdisch - amerikanischen Hilfs - Komitees in Verbindung setzen solle. Ein Antrag von Dr. Harry Friedenwald wurde schließlich angenommen, daß die Frage des ökonomischen Wiederaufbaues auf der Tagesordnung des Kongresses zu stehen habe und daß die Entscheidung über die Detail-Fragen dem Kongresse selbst überlassen werden solle. Auf der Abend-Sitzung wurde der Bericht des „Wahl-Komitees" entgegengenommen. Das ganze Land soll in Kongreß-Distrikte eingeteilt werden, und jeder Staat soll wenigstens eine Stimme haben. Jeder Jude und jede Jüdin über 21 Jahre hat das Recht zu stimmen. Die Wahl von permanenten Beamten wurde zum Teil in der Nachmittags-, zum Teil in der Abend-Sitzung durchgeführt. Das Nominierungs-Komitee erstattete abends seinen Bericht. Die Majorität des Komitees war für Adolf Krause als permanenten Vorsitzenden, während die Minorität die Ernennung von Louis Marshall empfahl. Beide traten dann freiwillig zugunsten von Nathan Straus zurück, der auch einstimmig gewählt wurde. Aufruf des Exeteuliv-Komitees des AmerUcanisch-jüdischen Kongreßes. (JAK) Wir sind in der Lage, den vereinbarten Text der Einladung zur Abhaltung eines allgemeinen jüdischen Kongresses mitzuteilen, <8e vom vereinigten Exekutiv-Komitee herausgegeben wurde. Der Kongreß soll bekanntlich spätestens am 1. Mai in Washington zusammentreten. „Kraft der uns als Exekutiv-Komitee des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses erteHtea Vollmacht er- SHCben wir eindringlich die Juden Amerikas, Vertreter zu einem amerikanisch-jüdischen Kongreß zu wählen, der au*sch#eBUch za« Zwecke der Feststellt»? der Meteoden zusammentreten wird, durch die in Zusammenwfrfrung mit den Juden der ganzen Welt für die J«dea ki allen Ländern volle Rechte gesichert und alle regen sie errichtetes BesSÄräakwigsgesetz« * geschafft «■Gra«» köimen. Bs *ird wrst«d*B, dal der km&tmck „volle Rechte" sinngemäß einschließt: t. Bürgerliche, religiöse und politische Rechte, und überdies 2. wo immer die verschiedenen Völker eines Landes ate solche Rechte besitzen oder diese ihnen zuerkannt werden soften, die Erteilung der gleichen Rechte für das jüdische Volk des betreffenden Landes, wenn sie von ihm gefordert werden, wie vom Kongreß beschlossen und festgestellt werden soll: 3. die Sicherung und Beschützung der jüdischen Rechte in Palästina. Keine Resolution soll bei dem Kongreß eingebracht, betrachtet oder behandelt werden, die auf irgend eine Weis« den Zweck oder die Tendenz hat, den Kongreß als Körperschaft oder seine Delegierten oder irgend eine der in ihm vertretenen Gemeinden oder Organisationen zu der Annahme, Anerkennung oder Unterstützung irgend einer allgemeinen Theorie oder Phylosophie des jüdischen Lebens oder irgend einen theoretischen Prinzips nationalen, ökonomischen, politischen oder religiösen Charakters, zu verpflichten, oder welche die Wiederholung eines derartigen Kongresses enthält. Die Einberufung und Abhaltung des Kongresses soll in keiner Weise die Autonomie irgend einer der bestehenden amerikanischen jüdischen Organisationen berühren. Aber insofern das von diesem Kongreß gewühlte Exekutiv-Komitee eine Aktion zur Sicherung der jüdischen Rechte unternimmt, wie in dem Aufruf für diesen Kongreß bestimmt ist, soll die Tätigkeit dieses Exekutiv-Komitees während der Dauer seines Bestehens anerkanntermaßen den Vorrang haben, über die irgend einer anderen Organisation, die an dem Kongreß teilnehmen wird. Der KongreH hat ein Exekutiv-Komitee zu wählen, das in Gemeinschaft mit den Juden anderer Länder die Verwirklichung der Ziele, für die der Kongreß einberufen wird, anstreben soll; dieses Komitee soll bis zum Ablauf eines Jahres nach dem Abschluß eines Friedensvertrages, durch den der gegenwärtige europäische Krieg beendet werden soll, im Amt bleiben und am Ende dieser Zeit oder, wenn nötig, früher den Kongreß wieder einberufen und ihm über seine Tätigkeit einen abschließenden Bericht erstatten. (Es folgen Bestimmungen über die Zusammensetzung des Exekutiv-Komitees und die Wahlen der Delegierten zurri Kongreß. Dem Exekutiv-Komitee wurde die Beschlußfassung darüber überlassen, ob die Fragen der ökonomischen Rekonstruktion der jüdischen Gemeinden in der Kriegszone auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werden sollen. Das Exekutiv-Komitee hat in seiner ersten Sitzflfig am 25. Dezember 1916 beschlossen, diesen Punkt in das Arbeits-Prograwm des Kongresses einzuschließen. Das Exekutiv-Komitee de« Kongresses setzt sich aus Vertretern sämtlicher jüdischer, sowohl bürgerlicher, wie i>roletarischer Organisarionen der Vereinigten Staaten Amerikas zosantmen. Als Vertreter der zwei Richtungen des jüdischen Sozialismus, der sogenannten „Vorwärts"-Richtung und der Poale-Zion, gehören Morris Hillquit und Dr. Isak Hourwitch als Vizepräsidenten dem Bureau des Kongresses an). jüdische Rundschau. Eine amerikanische Millionenspende für Juden in den besetzten Gebieten. Der amerikanische Botschafter in Wien, Mr. Frederic C. Penfield, ist unter Vermittlung des amerikanischen Staatssekretärs in Washington von bedeutenden jüdischen philanthropischen Gesellschaften ersucht worden, der Israelitischen Allianz in Wien den Betrag von ungefähr 250.000 Dollar auszuzahlen. Diese Summe ist hauptsachlich für die Unterstützung der Juden in den besetzten Ländern und für die jüdischen Flüchtlinge aus Oalizien zu verwenden. Ein kleinerer Teil der der Allianz zur Verfügung gestellten Summe ist auch bestimmt, für das jüdische Hilfswerk in den besetzten Gebieten von Rumänien und Serbien. Die Aufteilung erfolgt in der Weise, daß 225.000 Dollar für das Unterstützungswerk in den besetzten Ländern und für die Flüchtlinge, 20.000 Dollar für die Juden in Rumänien und 5000 Dollar für die Juden in Serbien verwendet werden. Angebliche Erleichterungen für die Juden? Nach „Skoja Wolja" beabsichtigt Minister Frotopopow ohne Ermächtigung der Duma die Beschränkungen gegen die .luden zum Teil aufzuheben. Die Juden sollen im Handel und Verkehr nicht mehr behindert werden, Kontrakte für Eisenbahnbauten abschließen und Aktiengesellschaften zu gründen dürfen, was früher verboten war. Wer's glaubt, wird selig! .... Zur Judenfrage to Polen. Auf dem Wege zum katholischen Kongreß in Zürich hat der bekannte polnische Politiker Graf Roniker in einer Unterhaltung mit dem „Diplomatic-os" - Mitarbeiter der „B. Z." sich auch zur Judenfrage geäußert. Graf Roniker ist einer der Fuhrer der sogenannten „Aktivisten", jener Partei, die für ein Zusammengehen Polens imt den Zentralmachten eintritt. Dieser Partei gehören vorwiegend die Elemente der Linken, demokratischen Gruppen des Polentums an, während die Rechte im wesent-

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