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Jüdische Korrespondenz · 1917-02-22 · 7 (22.2.1917) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
7 (22.2.1917)
Date
1917-02-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JUdiscJne Korrespondenz Nr. 7. HB gleichzeitig den &at gab, die Tätigkeit des Komitees In dfen Wegen d«r Verweht mtd Gesetz* ntäSIgkeit «u halten* Ich habe die Ehre, Ihnen difi*e Mitteilung tu Ihrer persönlichen Kenntrttsnfttlmiä zu ma* chen. Für den Minister im Auftrage. Der Staatrat, bevollmächtigte Minister und Direktor. P a I e o 1 o g u e." Daß die britischen Behörden sich ihrerseits nicht der tatkräftigen Unterstützung der i evölutiöfläfeh Bewegung in den arabischen Gebieten der Türkei enthielten, geht aus dem folgenden Erlaß des französischen Ministerium» vom 5. Juni 1913 hervor: „Tunis, den 28. Mai 1913. An den Herrn Generairesidenten. Inhalt; Englische Politik im Orient. Der tunesischen Regierung ist eine Reihe von Briefen tunesischer Eingeborener aus Konstantinopel, Beirut und Medina bekannt geworden, denen zufolge die Vertreter der englischen Regierung Beziehungen mit gewissen Persönlichkeiten und mohammedanischen Chefs in Mekka und Meditia angeknüpft haben sollen, um eine Sympathien- und Interessengemeinschaft zwischen den religiösen Zentren des Islam und der englischen Regierung zu schaffen. Nach einigen dieser Briefe, und zwar solcher aus Beirut, übertreffen sich die Agenten der britischen Regierung in Syrien an Eifer, um den englischen Einfluß in Beirut, Smyrna und Damaskus triumphieren zu lassen, tm Zusammenhange damit hätten Mitglieder des englischen Parlaments beschlossen, im Laufe des nächsten Sommers Kleinasien zu bereisen, um direkt das Land und seine Einwohner zu studieren. Auf den Rat dieser Politiker wäre in Paris eine mohammedanisch - christliche Gesellschaft gegründet worden, die das Ziel verfolgte, das arabische Kalifat wieder herzustellen und die Kalifenwürde dem Sultan von Konstantinopel zu entreißen. Durch die englische Presse und Diplomatie ermutigt, hätte diese Gesellschaft die baldige Einberufung eines arabischen Kongresses beschlossen, um die Verwirklichung dieser Pläne zu beschleunigen. Endlich wird in London eine arabische Zeitung erscheinen, um diese Absichten zu betreiben." Besonders interessant ist es, zu beobachten, wie wenig sich die französische und englische Regierung im Hinblick auf ihre Absichten in Syrien gegenseitig trauten. So schreibt Herr Ottavi am 27. November 1913 an die französische Botschaft in Konstantinopel, indem er den Plan, einen ägyptischen Prinzen in Damaskus zum Wali zu ernennen, erörtert: „Es scheint mir unzweifelhaft, daß die Ernennung eines ägyptischen Prinzen nach Damaskus die beklagenswerteste Wirfegntf attf mmtä timAM Wißm hake« Wgfttg, Elitiso «tjch frfc die giitseteuig von dfkiHfthti. Inspektoren oder Beiräten/Dies wüflfi Ws Äensoviel oder yi$ik&ht sogar hoch mehr Ichjaden, als wenn matt Deaüfc&e hierher senden witr^f, Aber auch Fränkisch selbst blieb nfctft müßig. Nach der Aussage des Abd el-Ghani el-'Araisi versprach der französische Konsul in Kairo dem Komitee der La-Merkaziie für den Fall eines syrischen Aufstandes die Lieferung von 20.000 Gewehren, Entsendung dreier ffttrtzösi*cher Panzerschiffe zum Schutze der Insurrektion und endlich alles Geld, dessen die Aufständischen bedürfen würden. Auch die Italiener entfalten eine lebhafte Tätigkeit. Ihr Einmischungsgebiet war Südarabien, und zwar insbesondere Amr> wo Saijed ei idrtssi sich im Aufstande gegen die Pforte befand. Mehrere Briefe des italienischen Dragomans in Hodeida an Dr. 'Izzet ei - Dschihdi, einen der Führer der Dezentralisationsbewegung, bezeugen die italienischen Machenschaften. Des weiteren erbringt der Bericht eingehendes Material über die Wühlarbeit des Komitees in Zentralarabien und Mesopotamien. Der Zweck des Rotbuches ist, das gerechte Verfahren der türkischer) Regierurig gegen die Hochverräter nachzuweisen lind das törichte Gerede von der türkischen Gewaltherrschaft in Syrien aus der Welt zu schaffen. Für uns bringt es aber nebenher volle Klarheit darüber, was die Entente bei ihren Autonomie - Versprechungen für Palästina recht eigentlich Im Sinne hat: die Aufrichtung eines arabischen Staatswesens, in dem die Juden für sich jedenfalls wenig von Autonomie verspürt haben würden. Israelit. Hauptversammlung de» Zenlralverelns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In Berlin traten am 4. Februar die Vertreter der einzelnen Ortsgruppen des Zetttraivereins deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens zu einer Hauptversammlung zusammen. Nach eihet Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Justizrates Horwitz, hielt Geh. Justizrat Cassel-Berlin einen Vortrag über: „Die Juden im Heere". Zu Anfang des Krieges, betonte er, hat die jüdische Jugend sich begeisterurtgsvöll in den Kampf begeben, in dem Bewußtsein, ihre Schuldigkeit bis zum letzten Hauche zu tun. Der Tod hat reiche Ernte unter ihr gehalten, tm Verlauf des Feldzüges sind dann die Juden in höherem Älter elftgezogen worden und zu Tausenden dem tödlichen Blei Und dem Siechtum verfallen, feine Reihe von Feldpredigern wurde entsandt, deren er¬ Seite 2 der jungtürkischen Revolution entstanden waren. Sie hatte« ihren Site entweder im Lande selbst öder aber, und das Waffin «tle gefährlicheren, in Aegypten, wo sieh bereits seit den Zeiten der Herrschaft Abdul Hamids eine Reihe von syrischen Revolutionären aufhielten. Die Geschichte der einzelnen Gesellschaften zeigt fast immer dasselbe Bild. Unter dem Schein sozialer, wissenschaftlicher oder rein gesellschaftlicher Veranstaltungen wurden von einigen wenigen Führern, die fast allen Klubs gleicher Richtung angehörten, junge arabische Studenten oder Offiziere angelockt, die man erst später, wenn sie ihre Aufnahmefähigkeit für die revolutionären Ideen erwiesen hatten, in die wahren Ziele einweihte. Während diese Ziele anfänglich noch gemäßigte waren und im wesentlichen tatsächlich nur die Dezentralisation der Verwaltung für die arabischen Landesteile forderten, gerieten aber allmählich unter dem Einfluß französischer und englischer Agenten immer mehr in eine andere Richtung hinein, die auf die völlige Losreißung der arabischen Gebiete der Türkei hinarbeitete. Ueber die traurige Rolle, die Frankreich und England bei diesen revolutionären Umtrieben spielten, gibt zunächst ein im türkischen Rotbuche abgedruckter vertraulicher Erlaß des französischen Ministeriums des Auswärtigen vom 23. März 1913 Aufschluß: Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten an Herrn Ottavi, Generalkonsul der Republik in Damaskus. Der Herr Minister in Kairo häf mir unter dem 22. März telegraphiert, daß eine wichtige Zusammenkunft des ottomanischen Dezentralisations-Komitees der christlichen und mohammedanischen Syrer tags zuvor in Kairo stattgefunden habe. Herr Tueni, der Dragoman des Generalkonsulats in Beirut, der in seiner Eigenschaft als Delegierter des Komitees in Syrien an der Sitzung teilnahm, hat Herrn Defrance darüber Berieht erstattet. Alle Mitglieder des Komitees mit Einschluß der Mohammedaner sollen übereingekommen sein, für die wünschenswerteste Lösung der syrischen Frage die folgende anzuerkennen: Schaffung eines autonomen syrischen Fürstentums unter einem von der Bevölkerung frei gewählten mohammedanischen Fürsten unter französischem Protektorat. Die Anwesenden sollen beschlossen haben, aktiv an der Erreichung dieses Zieles zu arbeiten. Nachdem Herr Tueni Herrn Defrance erklärt hat, daß er von dem Komitee beauftragt worden sei, mir diesen Beschluß mitzuteilen, hat Herr Defrartce ihm für seinen Schritt gedankt und auf seinen Wunsch hin seiner Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben, dem Ministerium davon Mitteilung zu machen, indem er ihm Polen und Elsasser. Von Dr. M. Ghrsburger in Colmar. Selbst in den Kreisen der Fachgelehrter! ist die Tatsache noch wenig; bekannt, daß zwischen einem nicht unwesentlichen Teil der Bewohner Polens und Elsaß- Lothringens, nämlich der jüdischen, in früheren Jahrhunderten rege Beziehungen geherrscht haben. Es läßt sich sogar mit ziemlicher Sicherheit behaupten, daß der Ursprung eines Teils der polnischen Juden auf das Elsaß zurückgeht, wie anderseits feststeht, daß die Vorfahren zahlreicher elsässiseher und lothringischer Juden polnischer Herkunft waren. Es mag wohl nicht uninteressant sein, das im Folgenden des Näheren zu erörtern. In eitlem lesenswerten Buch. ..Die Ch;:zaren", hal der vor einigen Jahren verstorbene Frhr. Hugo v. Kutschera. der lange Jahre als Diplomat im Orient tätig war, über den Ursprung der Juden in Rußland und Polen eine Theorie aufgestellt, die sich allem Anschein nach im. allgemeinen als richtig erweisen dürfte. Danach hätten wir den Ursprung der russischen und polnischen Juden bei den Chazaren, jenem finnischen, mit den Bulgaren, Avaren und Ungarn verwandten Volksstamm zu suchen, der im 8. Jahrhundert zum Judentum übergetreten war. Nach dem Untergang des Chazarenreichs (im 11. Jahrhundert) seien von der Krim aus die Juden nach Rußland und Polen gewandert. Russische Historiker bezeugen ausdrücklich, daß die Juden schon in der Zeit des Wladimir Monomachos in großen Mengen aus Chazarien nach Rußland ausgewandert seien. Auch nach Polen scheinen Chazaren schon zur Zeit Boleslavs I. (also ebenfalls im 11. Jahrhundert)eingewandert zu sein. Mit dieser Einwanderung erklärt der Verfasser die Tatsache, daß in Rußland über fünfeinhalb Mill. Juden, in Oesterreich-Ungarn fast anderthalb Millionen leben, obgleich die Geschichte nichts über eine Masseneinwafide- Tv.m der Juden aus dem Westen nach dem Nordosten zu berichten weiß. De* »eiteren weist Kutschera hin auf die folgenden Ausführungen Karl Vogts: „Man hat auch der Juden erwähnt and dies ate Beweis angeführt für die Veränderlichkeit des Stamme«, selbst wenn er kl relativ großer Reinheit erhalten wird wie bei diesem Voüx. In der Tat findet man hauptsächlich im Norde«, in Rußland und Polen, Deutschland und Böhmen einen Jüdischen Stamm mit oft roten Haaren, kurzem Bart, etwas aufgeworfener Sturtipfnase, kleinen grauen Augen und von mehr gedrungenem Körperbau, mit rundem Oesicht und meist breiten Backenknochen, der mit manchen slawischen Stämmen, namentlich des Nordens, viele Aehnlichkeit hat. Im Orient dagegen und in der Umgebung des Mittemieeres, sowie von dort hinaus nach Portugal und Holland verbreitet, erblicken wir jenen semitischen Stamm mit langen schwarzen Haaren und Bart, großen, mandelförmig geschlitzten Augen mit länglichen Gesichtern, erhabener Nase. Die Verschiedenheiten scheinen viel mehr aus ursprünglichen StammeseigentiHnlichkeiten als aus Veränderungen hervorzugehen, welche durch die Lokalitätsveränderimg bedingt werden". Im Anschluß an diese zweifellos richtige Beobachtung meint Kutschera, daß nur die um das Becken des Mittelmeeres herum wohnenden Juden echte Hebräer, Nachkommen des alten semitischen Volkes sind. Die pomischen Juden dagegen hält er für Nachkommen der Chazaren. Daß aus dieser Meinung viel richtiges ist, dürfte auch aus einer Ueberlieferung hervorgehen, die riöch vor wenigen Jahren In vereinzelten jüdischen Kreiset) der hiesigen Gegend lebendig war. Danach wurde berichtet, daß der israelitische Friedhof in Jungholz gegründet wurde In der Zeit, als die „kleinen roten Juden" :m Elsaß eingewandert waren. Nun fand die Gründung des genannten Friedhofs, wie wir jetzt mit Sicherheit wissen, im Jahre 1650 statt, und damals und wenige Jahre Später hat tatsächlich eine starke Einwanderung polnischer Juden im Elsaß stattgefunden, wie noch gezeigt werden soll. Daraus eräiöt sich demnach, da/J man hierzulande damals diese „kleinen roten Juden" als fremdartige und van andrer Herkunft zu betrachtende Glaubensgenossen empfunden und beurteilt hat. Allein eine restlose Erklärung für den Ursprung der polnischen Juden haben wir in dem Gesatten dennoch nicht. Viermehr unterließt es keinem Zweifel, daß schon m ziemlich früher Zeit auch Jude« aus dem Westen nach Polen gekommen sind. Als in Deutschland infolge des Schwarten Todes und des Märchens der Brunnenverefftniig Tausende vo* Juden Ihrer Beb gewordenen Heimat den Rftüften kehren muffen, wandten sie sich nach Polen, wo damals Kasimir der | Große auf dem Throne saß, der schon im Jahre 1334 die judenfreundlichen Gesetze bestätigte, die beinahe ein Jahrhundert vorher von Boleslow Pius, Herzog von Kaiisch, und schon vor ihm von Friedrich dem Streitbaren, Erzherzog von Oesterreich, erlassen worden waren. In jene Zeit nun haben wir unzweifelhaft die erste Einwanderung elsässiseher Juden in Polen zu setsen. Dies im einzelnen zu beweisen, würde natürlich hier viel zu weit führen. Es mag genügen, auf die eine folgende Tatsache hinzuweisen. In den ältesten Jüdischen Gemeinden des Elsaß finden wir fast durchweg neben jüdischen Familien deutscher Herkunft auch solche, die aus französischen oder Italienischen Gegenden eingewandert waren. Diese nannte man tat Gegensatz zu den etsteren die welschen Jude« oder mit mitteldeutscher Bezeichnung walch. So wird unter den im Jahre 1837 zu Btraßburg ansässigen Juden ein Isak, der Walch, genannt, über den ein ziemlich umfangreiches Aktenmaterial vorhanden ist (Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland, V. 115—IM). Einzelne dieser welschen Juden waren vermutlich schon gleich nach dorn verhängnisvollen Jähre 1349 ebenfalls nach Polen ausgewandert und wurden mm dort slawisch „woteh" oder „Wloch" genannt, woraus dann spater hei den deutsch sprechenden laden die bekannten Namen Wahl, WoW und Bloch entstanden sind (Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Jildetftums 45, 92—94). Daraus ergibt sich mit unzweifelhafter Sieherhett, da« sämtliche Träger des Familiennamens Bloch auf pol» nischen Ursprung zurüctaiführen sind. Daß dies aBch noch bei einer ganzen Anzahl anderer Familien der Fall ist, läßt sich auf Qruftd vieler fn den Archiven zerstreuten Urkunden ebenfalls nachweisen. So waren m der zweiten Hälfte des IT. Jahrhuiutert* und auch noch bis tief in das 18. Jahrhundert hinein die meiste« »Mischen Lehrer und Kantinen krt Elsaß und ht Lothringen polnischer Herkunft, einzelne Gemeinden, wie tfagenaü und Metz, hatten sogar pomische Rabbiner, die ttfotg* des Kosakenaufstan*» Hit HefmatWnd hatten verlasse* mfSssen. (Au» der „Straßburger Post".)

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