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Jüdische Korrespondenz · 1917-02-15 · 6 (15.2.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
6 (15.2.1917)
Date
1917-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6. Jtidlsche Korrespondenz Seite 3 Die jüdischen Zeitungen wurden eingestellt — und es entstanden in Petrograd jüdische Almanache. Auch diese mußten bald eingestellt werden. Doch wurde vor einem Monate in Odessa eine jiddische Tageszeitung („Unser Leben") begründet. Nun begann in Moskau eine ihebräische Wochenschrift „Hoom" zu erscheinen. Die ersten Nummern dieser Wochenschrift überraschen durch die Vielseitigkeit der literarischen Beiträge, worunter auch die Tagesfragen einen gebührenden Platz einnehmen. Die Redaktion des „Hoom" faßt die gegenwärtige politische Situation in Anbetracht der Judenfrage eher pessimistisch als optimistisch auf. Jüdische Rundschau. Umsiedlung der Flüchtlinge und der Evakuierten. Unser Bericht in vorletzter Nummer bezüglich einer Umsiedlung der Evakuierten nach Galizien hat in den Flüchtlingskreisen großes Aufsehen erregt und die Redaktion ist vielfach um nähere Erklärungen ersucht geworden. Auch die jüdische Presse hat mehrfach unseren Artikel reproduziert und die Angelegenheit ausführlich erörtert. Andererseits hat die Jüdische Zeitung konstatiert, daß es sich um eine angeblich irrige (?) Meldung handelt. Unsererseits können wir nur erklären, daß uns die diesbezügliche Zuschrift von maßgebender Stelle zugeschickt wurde, und daß auch mehrere polnischen Blätter einen analogen Bericht veröffentlicht haben. Näheres bezüglich der Details könnte man nur in der Leitung der Flüchtlings-Zentrale erfahren. Privatinformationen können hier wenig maßgebend sein. Unserer Ansicht nach geht aus dem Text des zitierten Regierungs-Erlasses hervor, daß es sich hiebei nur um eine eventuelle Umsiedlung derjenigen Flüchtlinge und Evakuierten handelt, die sich in den Baracken befinden und die selbst eine Aenderung ihrer Lage wünschen und teilweise auch fordern. Diese sollen nun im Sinne des Regierungs - Erlasses nicht mehr in den westlichen Kronländern der Monarchie, sondern in Westgalizien untergebracht werden. Daß es sich nicht um eine Umsiedlung sämtlicher Flüchtlinge handelt, geht schon aus der Bestimmung hervor, daß Gesuche um Uebersiedlung nach Wien, Prag und Brünn nicht berücksichtigt werden. Diese Bestimmung wäre ja vollständig tiberflüssig, falls auch eine Umsiedlung der Flüchtlinge aus diesen Städten in Aussicht genommen sein sollte. Immerhin würde es sich empfehlen, daß eine Flüchtlings - Deputation an maßgebender Stelle authentische Aufklärungen einhole, um nicht später von eventuellen Ereignissen überrascht zu werden. Organisation der galizischen Juden. Unsere Berichte über die seitens der Großrabbiner aus Czortkow und Husiatyn eingeleiteten Schritte behufs Schaffung einer allgemeinen interparteiischen Organisation der Juden Galiziens haben in allen jüdischen Kreisen das lebhafteste Interesse erweckt und vielfach wird der Wunsch geäußert, näheres bezüglich der Details zu erfahren. Wir können leider diesen Wunsch nicht erfüllen, da die bisherigen Beratungen einen vertraulichen Charakter hatten und wir nur über manche Aeußerlichkeiten berichten konnten, Wir glauben aber, daß, sobald die Aktion ein positives Resultat ergeben haben wird, die Leiter derselben es nicht unterlassen werden, der Oeffentlichkeit näheres in geeigneter Form bekanntzugeben. Bei dieser Gelegenheit bringen wir hiemit berichtigend zur Kenntnis, daß laut Versicherung eines Teilnehmers an der vorwöchentlichen Montag - Konferenz, Herr Stand derselben bis zum Schlüsse beigewohnt hat. Gemeinderat Karl Moritz Mayer. Montag nachmittag ist hier Gemeinderat Karl Moritz Mayer im 73. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene gehörte mit einer kurzen Unterbrechung durch dreißig Jahre als Vertreter der Leopoldstadt dem Wiener Gemeinderat an. Er zählte zu den sachkundigsten und erfahrensten Mitgliedern der Gemeindevertretung und war insbesondere auf dem Gebiete der städtischen Finanzverwaltung eine allseits anerkannte Autorität. Karl Moritz Mayer erfreute sich seines konzilianten Wesens wegen bei allen Gemeinderatskollegen sowie in den weitesten Schichten der Bevölkerung aufrichtiger Wertschätzung' und Sympathien. Gemeinderat Mayer gehörte in der liberalen Aera durch einige Jahre auch dem Stadtrat an. Für sein verdienstvolles Wirken wurde er durcn die Verleihung des taxfreien Bürgerrechtes geehrt. Vortrag über das Land der Bibel. Der bekannte Radierer und Bibellustrator E. M. Lilien, der als Freiwilliger jetzt in Wien Militärdienste leistet, wird in der „Urania" demnächst über das Land der Bibel sprechen. Lilien schöpft aus den Eindrücken seiner mehrfachen Reisen durch das heilige Land und seine Darstellung wird durch Vorführung seiner Radierungen illustriert werden. Lilien gehört zu den begabtesten jüngeren Graphikern. Die »Ica« während des Krieges. (Schluß.) Die bras lianischen Kolonien befinden sieb im Zustande der Reorganisation. Die im Jahre 1915 erzielten Resultate gestatten es, mit Vertrauen der Zukunft entgegenzusehen. Die Philippson - Kolonie umfaßt 70 Familien (356 Seelen); 58 sind als Kolonisten angesiedelt; 8 sind Verwandte von Kolonisten und helfen ihnen bei der Arbeit, 4 sind Einwandereriamilien. Eine dieser Familien beschäftigt sich ausschleßlich mit Zigarettenmachen. Die Kolonisten, ermutigt durch die hohen Preise, die ihre landwirtschaftlichen Produkte infolge des europäischen Krieges erzielten, haben etwa 363 Hektar bestellt, also mehr als 6 Hektar pro Kolonist. Der Wert der Getreide- und Gemüse-Ernte war über 400 Dollar pro Kolonist. Im Jahre 1915 wurde zum ersten Male dank der Zigarettenfabrikation, der gesamte angebaute Tabak verkauft. Die zweite Einnahmequelle der Philippson-Kolonisten ist ihr Vieh, wovon es 1915 1086 Stück gab. Es gibt zwei Schulen mit 96 Schülern. Die sanitären Verhältnisse in der Kolonie sind befriedigend. Im Jahre 1915 machte sich ein starker Abfluß der Mitglieder der Quatro Jomaos-Kolonie nach den Städten Brasiliens und Argentiniens geltend. Am 31. Dezember waren nur noch 73 Kolonisten (im ganzen 516 Personen) übrig. Die Aussaat für 1915/16 war ziemlich bedeutend, wenngleich die erste Hälfte des Jahres für landwirtschaftliche Arbeiten nicht in Betracht kam. Die Zentralverwaltung half den Kolonisten, indem sie ihnen Saatgut lieferte und ihnen gestattete, Landgebiete, die von ihren früheren Besitzern verlassen worden waren, zu benutzen. Die Kolonisten bauen Getreide und Gemüse an, und jeder hält sich Geflügel für seinen eigenen Gern auch. Das Vieh, besonders die Kühe, sind in guter Verfassung. Die Kolonisten erzielten bessere Einnahmen als im Jahre 1914. Zu Jahresbeginn bestanden 5 Schulen; nach dem Abgang der Kolonisten waren im Juni nur noch 3 Schulen geöffnet, die im Dezember von 49 Schülern besucht wurden. 3. Vereinigte Staaten von Amerika. Die „Jewish Agricultural and Industria! Aid Society" gewährte 1915 396 Darlehen für landwirtschaftliche Zwecke (für 190.036 Dollar) gegen 327 Darlehen (176.811 Dollar) im Jahre 1914. Ein neuer Staat (Vermont) ist dem Tätigkeitsbereich der Gesellschaft hinzugefügt worden. Durch das Farm-Arbeitsamt wurden 1017 Leute (gegen 937 im Jahre 1914) als Landarbeiter angestellt. 1821 Personen, die 1915 von dem Industrie-Verteilungsbureau Unterstützungen erhielten, wurden in 241 Plätzen untergebracht, davon 278 in Michigan, 272 in Ohio, 239 in Illinois und 172 in Kalifornien. Etwa 77 Prozent der Einwanderer stammten aus Rußland. 362 Schüler der Gewerbeschule in New - York beendeten 1915 ihre Studien. Die Landwirtschaftsschule in Woodbine hatte am 31. Dezember 87 Schüler. Von 102 Absolventen (im Vorjahr) wurden 70 auf Farmbetrieben angestellt. 4. Canada. Dank vorzüglichen Witterungsverhältnissen hatte Canada 1915 eine vorzügliche Ernte. Die Getreide- Ernte überstieg 3 Milliarden Bushel. Die jüdischen Kolonien nahmen natürlich an dem allgemeinen Wohlstand teil. Das Montreal-Komitee der Ica versorgte einzelne Stellen mit Saatgut. Die Ernte war nicht nur reichlich, sondern erzielte auch vorteilhafte Preise. Da es sich aber hier um Ausnatanszustände handelt, kann man dieses Jahr nicht als Basis der wirtschaftlichen Bedingungen überhaupt betrachten. Nach Ansicht maßgebender Persönlichkeiten ist die gemischte Wirtschaft die aussichtsreichste Form der Kolonialwirtschaft; Vereinigung von Extensivkultur und Viehzucht. Die meisten jüdischen Kolonisten scheinen sich diese Anschauung zu eigen zu machen. Außerdem haben sie ihre. Arbeitsmethoden erheblich verbessert. In 14 Kolonien leben jetzt 1816 Personen. 1915 wurden 23.215 acres bebaut (gegen 20.333 acres im Jahre 1914). Der Wert der Ernte betrug 378.655 Dollar (gegen 170.135 Dollar 1914). Der Viehbestand betrug 1496 Pferde und 1588 Kühe. 5. Rußland. Infolge der schwierigen Verhältnisse hat die Ica nur allgemeine Nachrichten über die Tätigkeit ihrer Untersuchungen im Jahre 1M5 erhalten. Die kriegerischen Ereignisse haben die Tätigkeit in den nordwestlichen Gouvernements unterbrochen, während sie in anderen Teilen des Landes zum Teil fortgesetzt werden konnte. In den Kolonien des Gouvernements Cherson gab es 1915, dank den Witterungsverhältnissen ein gutes Jahr. Die Welzen-, Gerste-, Roggen- und Weinerte war ungewöhnlich gut Infolgedessen konnten Rückzahlungen bis zur angesetzten Summe von 60.000 Rubel geleistet werden. Nur ein Teil der im Budget vorgesehenen Ausgaben, nämlich 24.169 Rubel (von 41.210 Rubel) wurde gebraucht. Unter den herrschenden Umstanden wurde es für ratsam erachtet, nur unbedingt notwendige Ausgaben zu machen und von neuen Unternehmungen ganz abzusehen. Die genossenschaftlichen Darlehenskassen setzen ihre Arbeit in diesen Kolonien fort. Auch im Gouvernement Jekaterinoslaw war die Ernte in den Kolonien gut. Getreide erzielte vorteilhafte Pieise, ebenso Wein und Milchprodukte. Trotzdem wurden statt 40.000 Rubel nur 27.680 Rubel zurückgezahlt. Dieses Ergebnis erklärt sich ans der moralischen Depression der Kolonisten, die in der Erwartung schwerer Zeiten so sparsam wie möglich sind. Statt 26.930 Rubel wurden nur 15.500 Rubel ausgegeben, da verschiedene Ausgaben erheblich gekürzt wurden. Iii den Kolonien von Beßarabieu und Podolieu beschäftigten sich die Kolonisten vorwiegend mit Wein- und Tabakbau. Es wurden gute Ernten und hohe Preise, besonders für Tabak, erzielt. Der Geschäftsgang war durch die herrschenden Verhältnisse beeinträchtigt. Es waren Kredite von nur 17.855 Rubel vorgesehen, von denen aber nur 11.125 Rubel ausgegeben wurden. An Darlehen wurde nur gewährt: 600 Rubel für den Ankauf von Kühen und 3750 Rubel an 32 Tabakjpflanzer. Bemerkt sei jedoch, daß der Darlehensfonds in Resina einen besonderen Fonds von 50.000 Rubel besitzt, aus dem 450 Pflanzer Darlehen erhalten konnten. Die Rückzahlungen von 21.674 Rubel übersteigen den Schätzungsbetrag. Diese Ergebnisse erscheinen umso günstiger, als die Kolonien dem Kriegsschauplatz so nahe sind. Der Gemüsegarten in Soroki ergab infolge der allgemeinen Verhältnisse nur mäßige Resultate. Er hatte nicht nur unter Verkäufen zu schlechten Preisen zu leiden, sondern auch unter der Requirierung der Transiportmittel durch das russische Heer, so daß häufig Aufträge nicht ausgeführt werden konnten. Das Einkommen betrug 5781 Rubel statt des im Budget angesetzten Betrages von 8400 Rubel. Trotz beschränkter Ausgaben war ein Defizit von 4274 Rubel vorhanden. Der Einfluß des Krieges machte sich auch in der jüdischen Darlehens- und Sparkasse fühlbar. Einige Filialen in der Nähe des Kriegsschauplatzes mußten geschlossen werden, andere ihre Tätigkeit vermindern. Die meisten arbeiten jedoch weiter. Wenngleich die Mobilisation das Wirtschaftsleben störend beeinflußte, ist doch andrerseits durch Arbeiten für den Heeresbsdarf das industrielle und kommerzielle Leben gehoben worden, was den obigen Kassen zu Gute kam. Leider befindet sich ein Teil dieser Kassen, 277, von denen 85 einen Betrag von 365.000 Rubel schulden, im okkupierten Gebiet. Um denjenigen ihrer Mitglieder, die Handwerker oder Arbeiter sind, Arbeit zu verschaffen, haben einige der Kassen Heereslieferungen ausgeführt. Andrerseits mußten andre Kassen ihren Mitgliedern das zum Leben Notwendigste zur Verfügung stellen. Die Kassen für landwirtschaftliche Kolonien gewährten Darlehen auf Getreide, damit die Kolonisten ihre Ernte zu den besten Preisen verkaufen konnten. Die Warschauer Bank hielt es nicht für notwendig, den Kassen ihre Unterstützung zu entziehen, obgleich sie neue Darlehen nur mit großer Vorsicht gewährte. An neuen oder versprochenen Krediten zahlte die Bank im Laufe des Jahres 810.000 Rubel aus, während sie 378.700 Rubel aus Rückzahlungen erhielt. Diese Zahl beweist, daß trotz der ungünstigen Verhältnisse die Genossenschaftskassen ihre Pflichten genau erfüllen. Zwei Kassen wurden 1915 außerhalb des Ansindlungsrayons errichtet, die eine in Jekaterinenburg, die andere in Perm. Weitere Gründungen sind geplant. Der Elementarunterricht hat durch den Krieg gelitten. Einige der Ica-Schulen sind im besetzten Gebiet: bei andren verringerte sich die Unterstützung durch die ansässige jüdische Bevölkerung. Damit diese Institute nicht geschlossen zu werden brauchten, erhöhte die Ica ihre Subvention. Die Grodnoer LehrerseminarkuTse wurden bei der Einnahme der Stadt erst nach Charkoff verlegt. Sie werden fortgesetzt, obgleich sich durch den Heeresdienst die Zahl verringert hat. 6. Cypern. Die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Arbeit in den Kolonien auf Cypern im Jahre 1915 waren befriedigend. Der Durchschnittsbetrag von 115 Franken per Hektar ist in den letzten Jahren selten erreicht worden. Dieser Betrag wurde eher durch günstige Verkaufsbedingungen als durch größere Ernten erzielt. Die Kolonisten hatten freilich von den höheren Preisen keinen Vorteil, da sie den größten Teil ihrer Ernte für eigenen Gebrauch und als Viehfutter zurückbehalten mußten. Sie konnten daher ihre Schulden an die Gesellschaft nicht zurückzahlen. Die ungünstige Lage der Kolonie und Differenzen zwischen der Verwaltung und den Kolonisten machten es notwendig, einen Inspektor nach Cypern zu senden. Dank seinem Eingreifen wurden verschiedene Maßnahmen getroffen, die sich hoffentlich als günstig für die Kolonisten erweisen werden. JUdische Dichter im Wellkriege. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" zu Breslau hielt Herr Justizrat Magnus aus Berlin einen Vortrag, der viel Anregendes und Wissenswertes bot. Ei hatte es sich zur Aufgabe gestellt, zu zeigen, welche scharfe Waffe das Wort in dem schweren Ringen ist, in dem wir stehen, welche Bedeutung denen zukommt, die mit Gedichten und Gedanken in des Feindes Flanken

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