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Jüdische Korrespondenz · 1917-02-08 · 5 (8.2.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
5 (8.2.1917)
Date
1917-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5. Jüdische Korrespondenz Seite 3 .Aus der Tronfolgerzeil unseres Kaisers. Unter der Ueberschrift: „König Karl IV. und die Juden" schreibt „Egyenlöseg" u. a.: „Als er noch Thronfolger war, hatte König Karl IV. auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen vielmals Gelegenheit, den Heldenmut jüdischer Soldaten zu belohnen. Von ungefähr zweihundert solchen Fällen hat die Kriegschronik unseres Blattes, die jedoch schon wegen der Natur der Sache keinen Anspruch auf Vollkommenheit haben kann, Kenntnis, in denen der gewesene Anwärter der ungarischen Krone jüdische Soldaten auf den Kriegsschauplätzen persönlich dekoriert hat. Als die markantesten seien die folgenden Fälle hervorrgehoben: im Juni 1915 gratulierte er an der italienischen Front dem Militärarzt Dr. Sigmund Stern zu seiner Tapferkeitsmedaille in besonders warmen Worten. Am 25. September 1915 heftete der damalige Thronfolger dem Fähnrich Andreas Vertes die große, dem Fähnrich Eugen Qutmann die kleine und dem Fähnrich Arpad Engel die bronzene Tapferkeitsrnedaille persönlich an die Brust. Nachdem er ihnen die Hand gereicht hatte, erkundigte er sich der Reihe nach nach ihrem bürgerlichen Berufe, durch welche Waffentat sie zur Auszeichnung gelangten, und sprach dann zu jedem Einzelnen: „Sie haben sich sehr wacker, sehr tapfer benommen!" Am 16. Oktober 1915 heftete er dem Fähnrich Andor Abraham im . . Honv. - Infanterieregiment die Tapferkeitsmedaille zweiter Klasse mit folgenden Worten an die Brust: „Ich freue mich sehr, daß ich diese schöne Auszeichnung dem Herrn Fähnrich an die Brust heften konnte. Sie haben sich tapfer benommen, ihre Aufgabe schön durchgeführt. Ich gratuliere und bin sehr zufrieden". Dann reichte er ihm die Hand. Am 12. Oktober 1915 heftete er dem Oberleutnant Arpad Weiß auf dem nördlichen Kriegsschauplatze eigenhändig das Signum laudis an die Brust und sprach, während er ihm wiederholt die Hand drückte: „Auf Allerhöchsten Befehl drücke ich Ihnen für Ihre heldenmütige Tat meine höchste Anerkennung aus. Ihre Dienstleistung war von großer Bedeutung." Den Oberleutnant Paul Losonczi des . . Honv. - Infanterieregimentes zeichnete er aus Anlaß seiner Dekorierung mit dem Signum laudis mit einer Ansprache aus und gestattete, daß diese Szene photographiert werde. Eine Reproduktion der Photographie erschien seinerzeit im „Egyenlöseg". Losonczi, der nachher auch das Militärverdienstkreuz dritter Klasse erhalten hatte, ist am 11. Januar 1916 gefallen. Auch ungarische Rabbiner hatten im Laufe des Krieges die besondere hohe Ehre, vom Thronfolger ins Gespräch gezogen zu werden. Dem Marmaros - Szigeter sephardischen Oberrabbiner Dr. Samuel Danzig gegenüber, welchen der König am 28. Dezember 1914 mit einer Anrede auszeichnete, gab er seinem Beileid für die gefallenen Mitglieder der Marmaroser Kultusgemeinde Ausdruck. Einen Tag später spendete er in Huszt dem Rabbiner J. Grunwald, der die unendlich traurige Lage der Juden im Marmaroser Komitat schilderte, die gütigen Trostworte: „Hoffen wir, es wird alles wieder gut, sehr gut werden!" In den letztvergangenen Wochen wurde dem Thronfolger bei seinem Besuche der Siebenbürger Front der Marosvasarhelyer Oberrabbiner Dr. Franz Löwy vorgestellt. Er erkundigte sich bei ihm nach dem Schicksal der jüdischen Flüchtlinge. Bei demselben Anlasse wurden ihm die Oberrabbiner der Klausenburger und der Qroßwardeiner Neologengemeinde, Dr. Mathias Eisler und Dr. Leopold Kecskemeti, vorgestellt. Zur Zeit seines Aufenthaltes in Qalizien, im ersten Viertel des vorigen Jahres, machten Deputationen vieler galizischer Kultusgemeinden ihre Aufwartuns beim Thronfolger. Für jede dieser Abordnungen hatte er ein ermunterndes Wort, einen denkwürdigen Ausspruch." Rituelle Kost für jüdische Soldaten. Auf vielfache Anfragen veröffentlichen wir nachstehend eine offizielle Mitteilung bezüglich der Frage ritueller Kost für jüdische Soldaten. K. u. k. Israelitische Militärseelsorge in Wien, IX. Rossauer-Kaserne, Schlickplatz. Zahl: 2383. Betrifft: Rituelle Kost für israel. Mannschaftspersonen. An den Verein „Agudas Jisroel", Wien. Wien, am 15. Dezember 1916. Auf die dortamtliche Anfrage vom 14. XII. 1916 werden die Erlässe betreffend: „Rituelle Kost für israelitische Mannschaftspersonen" im wesentlichen wiedergegeben. Erlaß des k. u. k. KM. Abt. 12 Nr. 113483/15. vom 5. Januar 1916 und Nr. 31340 vom 1. April 1916: „Den Soldaten israel. Glaubens ist nach Möglichkeit die rituelle Kost durch Köche ihrer Konfession namentlich bei jenen Unterabteilungen zubereiten zu lassen, bei welchen ein größerer Perzentsatz dieser Mannschaft vorhanden ist. Das Zutragen rituell zubereiteter Kost wird nicht gestattet. Hingegen wird über vorgebrachte Bitte die Auszahlung des Menagegeldes auf die Hand, jedoch nur an den höchsten Feiertagen bewilligt. Mehrkosten dürfen keine erwachsen. Diese Verfügung hat für die Armee im Felde keine Gültigkeit. Feldrabbiner Dr. Frankfurter m. p. K. u. k. Israelitische Militär - Seelsorge in Wien. Eröffnung eines galizischen Kriegswaisenhauses. Dieser Tage fand die feierliche Eröffnung des Kriegswaisenheimes in Rzeszow statt, das seine Entstehung der gemeinsamen Arbeit des Wiener Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina und des galizischen Landeszentralkomitees für jüdische Waisenfürsorge (Sektion Krakau) verdankt. Die Kinder, die in diesem Heim Aufnahme finden, sind arme, kleine Kriegswaisen, die zumeist ganz verlassen und verwahrlost in galizischen Dörfern und Städtchen aufgefunden und gesammelt wurden und denen nun hier dauernd liebevolle Pflege und gute Erziehung zuteil werden soll. Wie bei den meisten anderen neuerrichteten Waisenhäusern in Galizien, wurde auch hier ein geeignetes Objekt gemietet und für den besonderen Zweck mit den nötigen Adaptierungen versehen. Während die organisatorischen Arbeiten vom Rzeszower Lokalkomitee durchgeführt wurden, stellte der Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien die gesamte Inneneinrichtung bei. Die Betten und sonstigen Möbel, Badewannen und Hausgeräte sowie die Hauswäsche und vollkommene Ausstattung der Kinder wurden auch für dieses Heim von dem Wiener Verein besorgt und hingesendet. Kleider und Wäsche für die Kinder wurden ebenso wie für die anderen galizischen Kriegwaisenheime in der Nähstube des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien hergestellt. * Ueber die Eröffnung dieses Kriegswaisenhauses wird uns aus Rzeszow geschrieben: Am 28. Jänner 1. J. wurde in Rzeszow in Anwesenheit der Spitzen der Militär- und Zivilbehörden unter Teilnahme vieler der angesehensten Bürger das Kriegswaisenhaus für israelitische Kinder feierlich eröffnet. Es waren anwesend: Der Stadtkommandant Oberst Schüler, der Präsident des Kreisgerichtes Hofrat Dobrowolski, Bezirksmarschall Dr. Krogulski und der Delegat der Landes-Zentrale für Rettung der israelitischen Kriegswaisen Dr. Rafael Landau. Nach der Einweihung durch Rabbiner Herrn Lewin, rief der Obmann des Rzeszower Rettungs-Komitees Dr. Reich ein dreifaches Hoch auf Seine Maiestät den Kaiser aus, das die Anwesenden mit Begeisterung wiederholten. Sodann ergriff das Wort der Delegat Dr. Rafael Landau und schilderte in einer schwungvollen, von den schönsten Ideen getragenen Rede, die mit großen Beifall aufgenommen wurde, die Tätigkeit unserer Regierung auf dem Gebiete der Kriegswaisenfürsorge, besonders die hervorragenden Verdienste des Statthalterei-Referenten Hofrat Brückner und des Wiener Vereines zur Rettung der verlassenen Kinder Galiziens, der hier zu Lande eine segensreiche Tätigkeit entwickelt. Redner drückte die Hoffnung aus, daß die Anstaltszöglinge zu edlen und nützlichen Bürgern des Landes - Staates erzogen werden. Zum Schluß wurde ein in herzlichen Worten abgefaßtes Telegramm an Hofrat Brückner und Hofrat Sare abgesandt. Jüdische Rundschau. Eine Abordnung der Judenheit Tirols vor Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin. Beim Empfange Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in der Hofburg zu Innsbruck wurde auch eine Abordnung der israelitischen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren: Landesrabbiner für Tirol und Vorarlberg Dr. Link, Kultuspräsidenten Dannhauser und dem Vizepräsidenten Louis Bauer. Seiner Majestät dem Kaiser vorgestellt. Seine Majestät hatte die hohe Gnade, jeden der Herren mit einer Ansprache auszuzeichnen und verabschiedete sich huldvollst mit einem Händedruck. Herrn Landesrabbiner Dr. Link wurde noch die besondere Gnade zuteil, auch von Ihrer Majestät 'der Kaiserin angesprochen zu werden, und durfte Ihrer Majestät der Kaiserin über die religiösen Verhältnisse der Juden in Tirol Aufschluß erteilen. Konferenz der jüdischen Gemeinderäte in Polen. Aus Lublin wird berichet: Ueber Anregung der hiesigen jüdischen Genieinderäte wird demnächst in Radom eine Konferenz sämtlicher jüdischer Stadtverordneten des k. u. k. Okkupationsgebietes stattfinden, mit der Aufgabe, ein gemeinsames Programm für die Haltung der jüdischen Genieinderäte bezüglich der diversen politischen und wirtschaftlichen Fragen festzustellen. Kriegsanleihe - Zeichnungsverein der „Agudas- Jisroel". Die Schlußziffer der Zeichnungen auf die fünfte österreichische Kriegsanleihe, die im Kriegsanleihe - Zeichnungsverein „Agudas - Jisroel" durchgeführt wurden, beläuft sich auf K 304.050, in Anteilen ä K 25.-. Das Resultat hat somit alle Erwartungen übertreffen. Kultusvorsteher Heinrich Mendl s. A. Nach längerer Krankheit ist vorigen Donnerstag der bekannte Großindustrielle Heinrich Mendl. Mitinhaber der Ankerbrot- Fabrik etc., gestorben. Der Verblichene gehörte auch seit einem Jahre dem Wiener Kultusvorstande an, entwickelte eine regsame Tätigkeit auf verschiedenen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens und zeichnete sich durch große, vornehmlich im Stillen geübte, Wohltätigkeit aus. Das Leichenbegängnis fand Sonntag vormittags unter zahlreicher Beteiligung weiter Bevölkerungskreise statt. Der Verblichene hatte sich das Halten von Leichenreden verbeten. Die „Ica" während des Krieges. Die Jewish Colonisation Association hielt Ende Dezember ihre Jahres-Versaimmlung in ihrem Londoner Bureau, unter dem Vorsitz von Claude O. Montefiore. Hiebei wurde folgender Jahresbericht erstattet: I. Argentinische Republik. Das Jahr 1915 war im ganzen günstiger für die argentinischen Kolonien als das vorhergehende Jahr. Die Lage der südlichen Gruppen hat sich — dank vorzüglichen Witterungsverhältnissen — wesentlich gebessert. Besonders in den Baron Hirsch- und den Narcisse Leven-Kolonien wurde eine bessere Ernte erzielt als je zuvor. Die Mauriccio - Kolonie hatte ebenfalls eine vorzügliche Maisernte. Im Norden — in Entre Rios. Clara und Lucienville — waren leider die Verhältnisse nicht so gut. Moisesville und Montefiore hatten wieder unter Ueberschwemmungen zu leiden. Die Verwaltung hat daraufhin Anordnungen getroffen, welche die Gefahr einer Wassernot künftig verringern sollen. Eine Anzahl von Montefiore-Kolonisten hat — entmutigt durch die vielen Unglücksfälle, die sie seit ihrer Absiedlung betroffen haben — die Kolonie verlassen. Die Zentralverwaltung hat den am schwersten betroffenen Kolonisten Mittel zur Verfügung gestellt, um ihre Verluste teilweise zu ersetzen und ihnen Saatgut für 1915/16 geliefert. Die Aussaat für 1915/16 erfolgte überall unter günstigen Bedingungen. Die mit Hafer und Korn bestellte Fläche war größer als im Jahre 1914, nämlich 224.675 Hektar gegen 168,014 Hektar. Die mit Weizen bestellte Fläche betrug 95.972 Hektar gegen 68.597 Hektar, Luzerne wurden auf 68.136 Hektar angebaut. Die Gewährung .von Darlehen für neue Ansiedler ist während des Krieges eingestellt worden: .IS Familien wurden ohne Darlehen angesiedelt. Kode 1915 waren von den 55H.OO0 Hektar, die den gesamten Landbesitz der Ica in Argentinien bilden. 371.025 Hektar für Kolouisationszu ecke benutzt. Die Zahl der Kolonisten betrug zu jener Zeit 2599 innerhalb einer Gesamtbevölkerung von 24.500 Seelen. Die Kolonisten beschäftigten sich wieder vorzüglich mit extensiver Wirtschaft. In der Viehzucht var kein besonderer Fortschritt festzustellen. Insgesamt gab es 127.424 Stuck Vieh (65.511 Rinder und 61.913 Pferde). Die Geflügelzucht entwickelte sich normal in allen Rios - Kolonien. Die Milch - Wirtschaft ist von dun Kolonisten immer mehr vernachlässigt worden, trotzdem sie von der Zentral-Verwaltung gewaltig unterstützt wurde Die Uehcrschweminungen in Moisesville und Montefiore, durch welche die Wege während eines großen Teiles des Jahres unpassierbar wurden, zwangen die Molkereien, bis Oktober die Arbeit einzustellen. Infolge der vorzüglichen Ernte in den südlichen Kolonien einerseits und einer Besserung des Rückzahlungssystems andererseits sowie einer engeren Verbindung der Kolonisten-Genossenschaften, hetmeen die Rückzahlungen 1915: 1.1S2.S25 Dollar, also mehr als je zuvor. 1914 hatten die Rückzahlungen 23S.244 Dollar betragen

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