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Jüdische Korrespondenz · 1917-01-30 · 4 (30.1.1917) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
3 (1917)
Issue
4 (30.1.1917)
Date
1917-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4. JUdische Korrespondenz Seile 3 neue Legitimation dient als Identitätskarte. Die i Unterstützung wird für 14 Tage im voraus ausgezahlt. Denjenigen Flüchtlingen und Evakuierten,; welche militärische Unterhaltsbeiträge be- | ziehen, wird, falls dieselben die Höhe der Rej gierungsunterstützungen nicht erreichen, der; Unterschied beglichen. Wenn jemand aus was , immer für einem Grunde zeitweise den mili-! tärischen Unterhaltsbeitrag nicht bezieht, so i steht ihm das Recht zu, volle staatliche Unterstützung zu erhalten. Die Flüchtlinge, welche ständige Beschäftigung erhalten haben, beziehen die Unterstützung, doch wird ihnen hievon die Hälfte des täglichen Verdienstes abgezogen. Die Auszahlung der Unterstützung wird nur dann gänzlich eingestellt, wenn das Verdienst die doppelte Höhe der Unterstützung erreicht. Die Kosten der Wohnung bestreiten die Flüchtlinge, aus eigener Tasche, wobei um die Höhe des Zinses die Bezirkshauptmannschaften 7i\ verhandeln haben. Der Zins wird von der Unterstützung abgezogen. Im Falle wirklichen Bedarfes können die Flüchtlinge Anzüge, Schuhe, Wäsche, Decken. Matratzen usw. erhalten. Diesbezügliche Forderungen sind gleich bei der ersten Meldung bei der Bezirkshauptmanuschatl bekanntzugeben. Nach Ankunft im Aufenthaltsorte unterliegen die Flüchtlinge ärztlicher Untersuchung und stehen überhaupt ständig unter sanitärer Kontrolle. I>ie ärztliche Fürsorge ist kostenlos. Die Flüchtlinge, welche bereits in neuen Aufenthaltsorten angesiedelt sind, dürfen dieselben nur ganz ausnahmsweise wechseln. Hiezu ist eine spezielle Erlaubnis der politischen Behörden nötig. Denjenigen, welche diese Erlaubnis erlangt haben, steht das Recht auf freie Fahrt per Eisenbahn zu. Nach einem Wechsel des Aufenthaltsortes hat sich der Betreffende sofort bei den Behörden zu melden. Gesuche um Umsiedlung nach Wien, Prag und Brünn werden in der Regel nicht berücksichtigt. Interessant sind auch die detaillierten Angaben des Komitees über die Einnahmen aus der Selbstbesteuerung der Stadt Moskau. Wir übergehen die Einzelheiten über die Verteilung der Steuerzahler nach Berufsgruppen. Die absoluten Zahlen zeigen, daß die Zahl der zur Serbstbesteuerung Herangezogenen von 2100 im Jähre 1915 auf 379(1 im Jahre 1916 gestiegen ist. Die' Einnähmen aus diesem Spendenzweig betrugen monatlich 80.500 Rubel im Jahre 1915, dagegen zirka 110.000 Rubel im Jahre 1916. Jüdische Kundschau. Der Kaiser und der Rabbiner von Baden. Aus Baden wird uns berichtet: Anläßlich der letzten Anwesenheit des Kaisers in [Jaden wurden auch die Honoratioren der Kurstadt vom Monarchen in Audienz empfangen, darunter die Vertreter der verschiedenen Konfessionen, die vom Bezirkshauptmann dem Kaiser vorgestellt wurden. Als nach einer Ansprache des Bürgermeisters die einzelnen Herren vom Monarchen mit einer Ansprache ausgezeichnet wurden, wendete sich der Kaiser auch an den Qberrabbiner Reich, dem er die Hand reichte und den er fragte, wie lange er schon in Baden sei. Oberrabbiner Reich antwortete: „Euer Majestät zu Befehl, seit dem Jahre 1880. Jedoch während der 37 Jahre meiner Amtstätigkeit ist der heutige Tag der glücklichste, der mir durch die Gnade Gottes beschieden ist.'* Der Kaiser fragte weiter, wie groß die Gemeinde sei, worauf Oberrabbiner Reich erwiderte: „Euer Majestät, meine Gemeinde Baden zählt etwas mehr als tausend Seelen: die Bedeutung der jüdischen Gemeinde hängt jedoch mit der des Weltkurortes zusammen, so daß alljährlich Tausende meiner Glaubensgenossen an den jüdischen Gemeindeinstitutjonen teilnehmen. Auch gehört das Rabbinat der jüdischen Gemeinde Neunkirchen hieher, in welcher auch Reichenau, das Tuskulum Euer Majestät, sich befindet, worauf wir besonders stolz sind." Der Kaiser verabschiedete sich hierauf von dem Oberrabbiner, indem er ihm die Hand reichte. In der nächsten Zeit beginnt die Umsiedlung der Flüchtlinge und der Evakuierten, die sich noch in Ungarn befinden. Jüdische Hilfsarbeil in Rußland. Das Moskauer Jüdische Hilfs-Komitee für Kriegsopfer veröffentlicht in seinem Bulletin einige höchst lehrreichen Zahlen über den Umfang seiner Arbeit. Der Rechnungsabschluß für die Zeit vom 1. August 1914 bis 1. Mai 1916, also für 22 Monate, ergibt folgendes Bild: Es wurden eingenommen: durch Selbstbesteurung 1,038.060 Rubel, einmalige Eingänge aus Moskau 228.000 Rubel, aus der Provinz 108.000 Rubel; vom Petrograder Zentral-Komitee erhielt der Moskauer Rayon, umfassend 10 Gouvernements, eine Subvention von 500.000 Rubel. Dazu kommen diverse Einnahmen von speziellen Veranstaltungen, aus Büchsen und für Spezialzwecke von über 42.000 Rubel. Die vereinnahmten nahezu 2 Millionen wurden in folgender Weise verwendet: Die Ortskomitees der Gebiete erhielten für Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Wohnungen und Kleidern 650.000 Rubel, wovon rund 5000 Rubel für Darlehen gewährt wurden. Die Rayon-Komitees erhielten 366.000 Rubel, davon die Gesellschaft zum Schutz-e der Gesundheit der jüdischen Bevölkerung zirka 229.000 Rubel (für Kinderheime, medizinische Hilfe, Speisehallen u. a. m.). die Gesellschaft zur Förderung des Handwerks 53.000 Rubel (für Arbeitsbureaus, Werkstätten und Darlehen), die Bildungsgesellschaft 65.000 Rubel für Schulen und Abendkurse. Der Rest entfällt auf die Gesellschaft der Freunde der hebräischen Sprache und andere Anstalten. Die unmittelbaren Ausgaben des Moskauer Komitees in der Stadt sowie in der Provinz betrugen über 477.000 Rubel, verwendet hauptsächlich für Nahrung (zirka 100.000 Rubel), Wohnungshilfe (43.000 Rubel), Versorgung mit Kleidern und Schuhwerk (260.000 Rubel), für medizinische Hilfe, persönliche Unterstützungen, Darlehen und Ausgaben in Verbindung mit der Evakuation. ferner wurden für die Familien der einberufenen sowie für verwundete Soldaten 123.000 Rubel aufgewendet. 1 Der gesamte Verwaltungsapparat erforderte über 142.000 Rubel, ein angesichts der Größe der Eingänge und der Menge der geleisteten Arbeit sehr geringer Betrag, was nur damit erklärt werden kann, daß sich freiwillige Kräfte, vor altem die jüdische Jugend, in weitgehendem Maße dem Komitee zur Verfügung stellten. "■' - Jüdischer Kongreß in Stockholm. Aus Stockholm wird berichtet: Ein jüdischer Kongreß, zum großen Teil besucht von Flüchtlingen aus den kriegführenden Ländern, ist hier eröffnet worden. Vertreter aus Kopenhagen, Christiania. Bergen, Trondiem, Stockholm. Gotenburg und Malmö sind erschienen. Der Stockholmer Rabbiner hielt die Begrüßungsrede. Der Kongreß soll über die Mittel zur Linderung der Not der Juden in den kriegführender. Ländern verhandeln und für die Lösung der jüdischen Probleme nach Friedensschluß arbeiten. Er findet auf Initiative des skandinavischen Zentralkomitees für die Hilfe für Juden, die durch den Krieg Not leiden, statt. Kaiserlicher Dank. Den Herren Jacob Broch und Max Nebenzahl in Frankfurt a./M. ist von dem österreichisch - ungarischen Botschafter in Berlin, Prinzen zu Hohenlohe, folgendes Schreiben zugegangen : „Erhaltenem Allerhöchsten Auftrage entsprechend, beehre ich mich, den gesamten in Frankfurt ansässigen österreichischen und ungarischen Juden den Dank Seiner k. und k. Apostolischen Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin für die Glückwunschkundgebung anläßlich Allerhöchst ihrer Thronbesteigung zum Ausdruck zu bringen, (gez.) Gottfried Prinz zu Hohenlohe." Zur gegenwärtigen Lage der Juden in Rumänien. Seit der rumänischen Kriegserklärung gab es keine Möglichkeit, zuverlässige Nachrichten über die Lage der Juden in Rumänien zu erhalten. Die Gerüchte über Pogrome in Galatz und Jassi, wie die bald darauf folgenden Dementis trugen wenig zur Aufklärung bei. Nun veröffentlicht der in New - York erscheinende hebräische „Ilatoren" einige Mitteilungen aus einem jüdischen Privatbriefe aus Bukarest, der der rumänischen Zensur entgangen ist. Diesem Brief zufolge glaubten ursprünglich auch die rumänischen Juden, daß dieser Krieg, der die Anstrengung aller Kräfte des Landes verlangte, jede antisemitische Bewegung im Lande unmöglich machen werde. Aber schon die ersten Tage brachten die Enttäuschung. Am selben Tage, an dem Tausende von Juden aus Galatz, Bukarest und Jassi ins Feld zogen, veröffentlichte das „Neomzal Romaneze" einen Appell an die militärischen Behörden, den jüdischen Soldaten, die moralisch und politisch unzuverlässig seien, keine verantwortungsvollen Posten anfBvertrauen, Die Behandlung der jüdischen Soldaten seitens der rumänischen Vorgesetzten ~ heißt es weiter in dem Briefe ist eine ausgesprochen feindselige. Amisemitische Reden sind eine Alltagserscheinung. Die gefallenen jüdischen Soldaten werden als „vermißt" angegeben, um dadurch die Legende von der jüdischen Untreue zu erzeugen. Wie einige zurückgekehrte Soldaten erzählen, sei auch eine ausgeprägte antisemitische Stimmung unter den Äerzten zu verzeichnen. Die rumänischen Sanitäter verweigern den jüdischen Verwundeten die medizinische Hilfe. Bei Tutrakau sollen Hunderte von jüdischen Verwundeten dein Antisemitismus der rumänischen Feldärztc zürn Opfer gefallen sein. Nach dem Sieg hei Hermannstadt wurden mehrere jüdische Soldaten als Verräter verleumdet und ohne jegliche Untersuchung standrechtlich erschossen. „Wenn vor dem Kriege die Juden in Rumänien als „Fremde" betrachtet wurden --- schließt der Schreiber dieses Briefes ■ so werden sie während des Krieges als regelrechte Feinde betrachtet". Die jüdische Anleihe in Amerika. In amerikanisch - jüdischen Kreisen betrachtet man die Verwirklichung des von Dr. Magnes in einer großen Volksversammlung näher ausgeführten Projektes der Millionen- Anleihe mit Optimismus, nachdem auch das „Joint Distribution - Comitee" sich für die Anleihe ausgesprochen hat. Der Präsident, Herr Louis Marshall, äußerte folgendes: l.lh. Magnes' Plan für die endgültige Lösung des Problemes betreffs der Zukunft der leidenden Juden in den Kriegszonen hat meine vollkommene Billigung. Im gegebenen Zeitpunkte werden w ir uns den Details des Planes widmen. Heute jedoch müssen alle vor allem der Hunderttausende denken, die ohne Kleider sind, die hungern, und die von uns erwarten, daß wir ihnen sofort Hilfe bringen sollen. Das „Joint Distribution - Comitee" will daher während des Jähers 1917 für augenblickliche Hilfeleistung 10 Millionen Dollars aufbringen. Dieser Aktion werden wir alle unsere Energie widmen müssen, aber ich bin überzeugt, daß das jüdische Volk in Amerika seinen Brüdern nicht nur in der bitteren Not des Augenblicks helfen wird, sondern auch dazu beitragen wird, daß sich die Juden der Kriegszonen, wenn der Krieg vorüber ist, wieder ihre eigene Existenz aufbauen können". Eine weitere Kabeimeldung aus New-York berichtet, daß auf einem großen Meeting in New - York, mit dem die neue Aktion des Amerikanisch - Jüdischen Hilfs - Komitees zur Aufbringung von 10 Millionen f^ollars eingeleitet wurde, fast 3 Millionen, also fast ein ein Orittel der Gesamtsumme, gezeichnet wurden. Arbeil fUr Flüchtling s~Prauen und -Mädchen. Der (ializische Hilfs-Vcrcin (gegründet im Ja.br« 1(/01). errichtet für Flüchtlings-Fraueri und -Mädchen aus den östlichen Ländern in Wien, IX., Bcrggassc 4, neuerlich einen Kurs zum f.rleruen von File-larbeiten. Aufgenommen werden mir solche Personen, welche die Arbeit zu Erwerbszwecken erlernen wollen. Bedürftige Schülerinnen erhalten wahrend der Unterrichtszeit, die bloß wenige Wochen dauert, Unterstützungen. Ausgelerrue Arbeiterinnen werden, solange der (iarnvorrat reicht, dauernd beschädigt. Auch nach Rückkehr in ihre Heimat können sie mit dieser Technik Ki wert) finden. Anmeldungen in den nächsten Tagen persönlicri im Unterrichtslokale zwischen lt) und 12 Uhr vormittags. Der Oalizische Hilfs-Verein hat stets für die Beschäftigung von Ffiichtlings-Frauen und -Mädchen sowohl in Wien, als auch außerhalb Wiens Sorge getragen. In Wien hat er zwei Nähstuben geführt. In der ersten wurden 85.982 MilrtärwäscTiestücke hergestellt und dem k. k. Oewerbe-Förderungsamte in Wien abgeliefert, sowie aus dem dem Hilfs-Vereine geschenkten Material 3369 Wäschestücke verfertigt und gemeinnützigen Anstalten zugewendet. Die zweite Nähstube wurde auf Wunsch des k. k. Ministeriums des Innern errichtet und darin 116.111 Wäschestücke für Flüchtlinge erzeugt. Ueberdies fand eine große Anzahl Frauen und Mädchen durch den Ffilfs-Verein in der Häkelei und WeiBstrlckerei längere Zeit Beschäftigung. In den Filetkursen in Wien wurden bisher 48 Schülerinnen zu Filetarbeiterinnen ausgebildet. Für die in Böhmen und Mähren weilenden Flüchtlinge hat der Jiilfs-Verem in einer Reihe von Orten und deren Umgebung verschiedene Hausindustrien eingeführt und zwar: Haarnetzerei: in Aussig, Brandeis, Douba, Oablonz, Karlsbad, Krumau, Melnik, Rokitzan, Schlan und Vysocan, sämtlich in Böhmen;

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