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Jüdische Korrespondenz · 1916-11-30 · 39 (30.11.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
39 (30.11.1916)
Date
1916-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39. JUdische Korrespondenz Seite 3 war. „Aber sein Andenken wird als em gesegnetes K.rt in unsrer Oernemde. m allen jüdischen (jeimemden Oesterreichs, m den Herzen unsrer Glaubensbrüder wr alle Zeiten leben!" 11 auergottesdienste der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Der Vonstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltete Sonntag den 26. d. nachmittags im Iempel der Inneren Stadt einen feierlichen lrauergottesdienst. bei welchem die üblichen Psalmen rezitiert und Gebete ttir das Seelenheil des verblichenen Kaisers verrichtet wurden. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Di. Ci u d e m a n n. Die kantoralen funktionell versah uer gegenwärtig in Brunn semer Militärpflicht obliegende und zu diesem Zwecke von dort berufene Oberkantor Don Fuchs. Zur selben Zeit wurden m sämtlichen Synagogen W iens 1 rauergottesdienste unter tinhaltung derselben gotte&diensthchen Ordnung abgehalten. In allen Synagogen, welche dem Anlasse entsprechend 1 rauerschmuck trugen, w ar die Beteiligung eine überaus grobe. 1 rauerkundgebungen in Galizien. Sowohl die israelitische Kultusgemeinde in Lem- I..,-g und in Krakau, als auch tast sämtliche Kultiisgemeinden Oahziens veranstalteten anläßlich des Hinsehe.dens Seiner Maiestal des Kaisers rrauerkundgebungeti und feierliche Gottesdienste. Jüdische Kaiser-Anekdolen. Kaiser hranz Joset war wohl eine der populärsten 1 arsonhehkeiten unter den Juden, nicht bloii seines Reiches, sondern auch aller Lander, fcr galt als einer der nii'entreundlichisten Herrscher und um sein Haupt hat sich geradezu ein Legenderrkranz gewoben. hnuge dieser Anekdoten u. Legenden, die besonders unter den Juden des Auslandes verbreitet sind, wolbn vir hier zum Abdruck bringen: 1. Der Kaiser und der jüdische Offizier. Oelegentlich einer militärischen Revue bemerkte der Kaiser einen heldwebel. dessen Brust mehrere militärische-Auszeichnungen schmückten. Der Monarch ließ sich vom Kommandanten näheres über die Heldentaten des Feldwebels mitteilen und tragte dann: ..Ja. verwirrt erwiderte dei Abraham schwarz und ist - Armee gibt es nur Soldaten i schiede! erwiderte der Kaiser den Offiziersrang erhalten! förder Ftw i Es \ . der c indische Oftizier i II. Der Rabbi und die Zigarre des Kaisers. hm hervorragender Rabbi Galiziens erschien Lüiiiial beim Kaiser in Audienz, um tur seine Glaubensgenossen in einer wichtigen Angelegenheit Fürbitte zu tun. Der Kaiser empfing den Rabbi überaus huldvoll, versprach gnädig, dessen Bitte zu erfüllen und verehrte ihm eine Zigarre, hs w ar alter gerade an einem Samstage und der Rabbi steckte die Zigarre rasch in die lasche, als er merkte, daß der Kaiser ihm nun auch denn die Zigarre nicht rauchend F-s ist ein sehr temes Maut: — nagte der Kaiser. „Line Zigarre des Kaisers erwiderte der Rabbi etwas verlegen - ich werde sie in Gold einlassen lassen und zum ewigen Angedenken mit groHer Huld. Als ihm'aner spater der Adjutant den wahren Beweggrund des Rabbi aurklarte. soll der .Monarch gerufen haben: Welch merkwürdig Volk. d:ese Juden! selbst m den Momenten höchster Belangenheii vetgessen sie ihre religiösen Vorschriften III. Der Kaiser und das Kol-lNidrei-Oebet. Gelegentl eh großer Kaisermanover m Galizien weilte der Kaiser am Vortage des Jom-Kipur in einer kleinen gahzischen Stadt. Vor dem Hause, m welchem sich das kaiserliche Hauptquartier befand, wurde gegen Abend em indischer Soldat zur Wache kommandiert, ltt der Nahe befand sich jedoch eine Synagoge und als der Soldat die rührenden Jone des Kol-Nidrei-Gebetes vernahm, vergab er seine Dienstpflicht, legte das Gew ehr hm und eilte ms Gotteshaus. Bald daraut i Kusu eikte e darüber Berich! i zu seinem schritte veranlal.it hatte .tilgen, horte aber, dali das Urteil s isgettmrt werden sollte. Ohne /er IV. Der Kaiser und der ludische Restaurateur. hin russischer Jude kam ernst nach W len. einem alten Herr im Garten, den er um Auskunft bezüglich des Ausganges ersuchte. Der aJte Herr gab ihm freundlich die notigen Aufklärungen. Da tragte der Jude, ob der Herr ihm nicht auch sagen konnte, wo da m der .Nahe ein indisches Restaurant sich befinde, d.i et nur streng rituell speise. ..Hier in dieser Lntimd es durfte sich da auch kein indisches Gasthaus befinden. Ich werde ihnen aber die Adresse eines feinen Koni hier :he Inhaber, wem er die tmpiehlun erdanken habe. I ags darauf ließ t .okales ein Schild mit der Aufschrr V. Der Kaiser und die Juden von Jerusalem. Ji'sei bei den Juden von Jerusalem. Bei jeder freudigen übermitteln. Der Kaiser war stets von diesen Beweisen .'er 1 reue und Anhänglichkeit überaus ergriffen und .üimal aulieite et sieh zu seinem Adjutanten: Die Anhänglichkeit der Juden zu Jerusalem gibt mir wohl unstreitig das Recht, den I itel ..Konig von Jerusalem VI. Die Prophezeihune des Rabbi. Als Kaisei ("tanz Joset am 2. Dezember 1S4H den Ihron bestieg, soll ein damaliger berühmter galizisclier i^abbi sieh folgendermaßen geauUert haben: Der neue \aiser ist am IS. August geboren und gelaugt im Alter von ls Jahren zur Herrschaft. Die Ziffer 18 ist nti .ebraischen eine Gluckszitter. denn sie bedeutet ..Uhai . Leben). Der Kaiset wird ein langes Leben und eine uige Regieruugsdaucr haben. Genau die Lebensdauer nid die Regieriuigszeit darf wohl nicht angegeben ,\ erden, aber einen Fingerzeig darüber zu geben, ist :cstatiet. Also: Der Kaiser bestieg den Ihron am! läge des 12. Monats. Diese beiden Zahlen zusammeniestellt, ergeben 2 ' \2 - 14. Der Kaiser wird so lange inel seiner Rcgieriingsiahre im Oiierschmtt ebenfalls die Zitier 1-t ergeben werden. Die l'rophczeihung des Rabbi ist nun eingetroffen. )er Kaiser regierte bX Jahre und erreichte ein Alter eon 8<> Jahren. Der Oiierschmtt dieser beiden Zahlen h i X. s -t (,) ergibt eben die Zahl 14. r Juden Österreichs 1 pB Zum fünften Male ergeht an 2 Euch der dringende Appell, Euch an s den Zeichnungen auf die I m i rege zu beteiligen. Wir wollen wiederum, wie bei den früheren Anleihen, unsere Vaterlandsliebe, unsere Opferwilligkeit und grenzenlose Hingabe an die großen Ziele dieses Krieges, welcher auch für uns Juden von großer Tragweite ist, imposant dokumentieren. Wer auf die Kriegsanleihe zeichnet, beweist seinen unerschütterlichen Glauben an Österreichs Sieg! ■ i Jüdische Rundschau. Zur Sonderstellung Galiziens. Die angekündigte Sonderstellung Galiziens hat, obwohl die diesbezüglichen näheren Details noch völlig unbekannt sind, in allen politischen Kreisen eine lebhafte Diskussion hervorgerufen. Neben den Ruthenen, die sich mit gewissen formellen Verwahrungen beeilt haben, hören sich auch Stimmen zur Lösung der Judenfrage im Lande und die maßgebenden Kreise werden mit Memorialen und Vorschlägen, dieses Problem betreffend, überhäuft. Bei den Ruthenen ist es zu einer gemeinsamen Kundgebung aller Parteien und Gruppen gekommen, bei den Juden sind es Einzelpersonen und Einzelparteien. die da aut den Plan treten, hs kann wohl keinem Abgeordneten, keinem Publizisten und keiner Partei verwehrt werden, den maßgebenden Kreisen Memoriale und Lösungsmodalitäten zu unterbreiten, nur muß gesagt werden, daß weder die einen, noch die anderen sich etwa das Recht anmaßen dürfen, im Namen des Gesamtjudentums Galiziens zu sprechen. Dasselbe ist vielfach gespalten und kann schwerlich zu einem einheitlichen Meinungsausdruck kommen. Die große Masse der Orthodoxen hat wohl andere Forderungen, als die Nationalisten, diese wieder haben andere Wünsche als die sogenannten Assimilanten und Sozialisten usw. usw. Zur Sache selbst läßt sich folgendes sagen: Insofern es sich um die Sicherung der politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung der Judne in Galizien handelt, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Zentralregierung gelegentlich der Durchführung der Sonderstellung alles tun werde, um die jüdischen Rechte zu schützen und zu sichern. Galizien bleibt ja auch weiterhin ein integrierender Bestandteil der Monarchie und es werden dort keine anderen als österreichischen Gesetze und Bestimmungen Geltung haben. Es ist auch kaum anzunehmen, daß die Polen selbst trotz der gegenwärtigen Spannung es darauf ankommen lassen würden, gegen die Juden Ausnahmsgesetze zu schaffen. Bezüglich der anderen Probleme, die da aufgerollt werden, wäre zunächst eine Einigung im jüdischen Lager selbst notwendig, sonst müßte auch der beste Vorschlag auf Hindernisse stoßen. Die maßgebenden Kreise sind doch nicht dazu berufen, über strittige Fragen im innerjüdischen Leben zu entscheiden. Im übrigen läßt sich im Rahmen einer Ausgestaltung des Kultusgemeindewesens diesbezüglich sehr vieles praktisch erreichen. Da jetzt die Frage eines Gemeindebundes auf der Tagesordnung steht, so könnte bei dieser Gelegenheit auch nach dieser Richtung das nötige veranlaßt und durchgeführt werden. Infolge der bevorstehenden Sonderstellung Galiziens ist übrigens diese Frage ziemlich vereinfacht worden. Die Befürchtungen der Orthodoxen Oaliziens, die auch jüngst bei einer jüdischen Konferenz in Krakau so lebhaft zum Ausdruck gekommen sind, daß ihre religiösen Interessen durch einen derartigen Bund beeini rachtigt werden konnten, ließen sich aus der Welt schalten, falls tur Galizien eine spezielle Organisation mit vollständiger Autonomie vorgesehen sein sollte. Für alle Fälle werden alle jüdischen Kreise gut tun, die aufgeworfenen Probleme mit etwas mehr Ernst zu behandeln und sich nicht von einseitigen Schlagworten leiten zu lassen, die zumeist nur Parteiinteressen dienen können. Der Zar protestiert. Jahrzehnte lang hat die gesamte Kulurwelt sich von Zeit zu Zeit gezwungen gesehen, gegen den Zaren Proteste zu erheben. Bald waren es jene fürchterlichen Pogrome, die jedes menschliche Gefühl aufwallen machen, bald das unsinnige Blutmärchen, bald die gewaltsame Unterdrückung jeder Freiheitsbewegung und deren Erstickung in Blut und Feuer, die die Kulturwelt zur Empörung und Entrüstung veranlaßten. Der Zar pflegte sich aber um diese Proteste wenig zu kümmern. Er stützte sich auf seine Macht und glaubte, einer ganzen Welt spotten und trotzen zu dürfen. Heute ist wieder die Reihe au dem Zaren, zu protestiren. In seiner ohnmächtigen Wut ob der Proklamierung des Königreiches Polen versteigt er sich zu einem flammenden Proteste und spricht im Namen von Recht und Oesetz. Diese Proteste können aber in der ganzen Welt nur ein mitleidiges Lächeln erregen. Daß der einst mächtige Zar protestieren muß, ist ein drastischer Beweis dafür, daß seine Macht gebrochen sei. Sein Wille schreckt heute niemanden und die zwei Millionen Juden, die nunmehr seinen Klauen entrissen wurden, zittern nicht mehr vor seiner Rache und vor seiner ohnmächtigen Wut. Der Zar protestiert — diese Rolle steht heute dem Beherrscher aller Reussen wohl zu Gesicht. Die lieben Juden des Zaren. Die antisemitische ..Semstschma" vom 14. 27. Scaumber bringt unter der Ueberschritt ..Aus offiziellen Ouellen" eine Anzahl Berichte über verräterische Taten der Juden. So wird unter vielen anderen G< - schichten erzählt, wie am 15. August vorigen Jatires ein Jude aus dem Dorfe Borisowka deufsche Truppen;.uf einem Waldwege in den Rucken einer russischen Kompagnie führte, die von den Deutschen gänzlich vernichtet wurde. (Aus den Angaben der Bauern des Dorfes Sagorje, Gouvernement Orodno.) Ein andere-

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