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Jüdische Korrespondenz · 1916-08-24 · 30 (24.8.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
30 (24.8.1916)
Date
1916-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30. Jüdische Korrespondenz Stite 3 sie mir jetzt in der Knegszeit Ott in den Sinn kamen. Es sind dies die zwei Stellen: Kapitel 21, 31 und 24.6. Das Roß wird für den Kriegstag gerüstet, den bieg aber verleiht nur üott üer Herr. — Nur durch weise Anordnung kannst uu den Krieg tuhren, durch reitere Ueberlegung erlangst Du den Sieg. Der Gedanke des ersten Satzes bietet nichts i\eues. tr wird auch m den Psalmen und im gleichen Bilde wiederholt ausgesprochen, so im Psalm 33, 17 und 147, Hl „Trügerisch ist das Roß in der Hilteleistung. iNicht durch starkes Heer wird der Krieg gerettet. „Nicht an des Rosses starke, nicht an üen bchenkeln des Mannes findet üott Wohlgeiallen. Gefallen findet er nur an jenen, die seiner ünade harren. Beide Stellen waren mir noch aus meinen Knabenjahren her bekannt, sie sind Bestandteile des täglichen jüdischen Morgengebetes. In all diesen Stellen gelangt nur der Gedanke zum Ausdruck, daß nicht die Uebermacht des Meeres für den Ausgang des Krieges entscheidend ist, sondern Gottes Hille; ein Gedanke, der wie ein roter taden sich üurch die meisten Psalmengesange zieht; ein Gedanke, der aus der vom lroninien Gottesglauben und Gottvertrauen erlullten Quelle der Psalmen lheßt. Das Bild der menschlichen Ohnmacht gegenüber der Allmacht Gottes spiegelt sich in den meisten Psalmen wieder und hat ihnen Eingang in den Gottesdienst aller monotheistischen Konfessionen verschallt; er ist ja nur der natürliche AusilulJ des irommui (johesglaubens Anders gc artet ist jedoch die zweite zitierte Stelle, die in keinem Gebetsstuck vorkommt, weder in den jumsehen noch in dem mir vorliegenden Missale lomanum. Das ist auch ganz natürlich, weil sie Gott außer bpiei laßt und sich rein au den gesuiiuen Menschenverstand, an die Erfahrung des praktischen Lebens halt, bie war nur iruher iremd, ist mir aoer jetzt im Gedächtnisse halten geblieben, sie zeigt klar, daß schon der alte Konig balomo vor mehr als 4ÜÜU Jahren vor der Lriindung des Pulvers die KnegsKunst nicht aui Rechnung der physischen Starke und Übermacht, sondern aui die geistige Ueberlegenlieit zu setzen verstand, welche vVahrheit gerade üer jetzige Weltkrieg oft genug und deutlich für alle vor den Augen auer Welt klar vordemonstrierte unü so zu Ehren einer rechten Erfassung der LriuudduiigsgLsdiichle m Lrscheinung treten ließ. Diese Melle aus den bpruchen üulomos verdient daher gegenwärtig besondere Beachtung, ts seien daher auch einzelne Übersetzungen wiedergegeben: 1. Vulgata: Quia cum dispositione niitiir bellum et erit salus, ubi multa consilia sunt. 2. Luther: Denn mit Rat muß man Krieg tuhren unü, wo viele Ratgeber sind, dort ist der Sieg. 3- Alhoh: Mit guter Anordnung tauge man üen Krieg an und der Sieg wird da sein, wo viele Ratgeber sind. 4. Metrisch: Nur durch Plane wohldurchdacht, kannst Du den Sieg bezwingen, und durch ües Planes kluge Ueberschau den Sieg erringen. Auch der Knegswucher, namentlich der Getreidewucher, den wir ja jetzt alle im Hmterlande so schwer beklagen und über den sich erst in den letzten lagen der König Ludwig von Bayern ottentheh ausgesprochen hat, u. z. unter vorwiegender Hinweisung nicht aut die gerne gescholtenen Zwischenhändler, die doch nur von ihrem Geschalt leben, sondern auf die Großgrundbesitzer, die doch schon von der Mutter trde genährt werden und die sich dabei gerne als Großmorahschen aufspielen und sich als die Generalpachter der Moral preisen lassen dieser Kriegswucher findet in diesen Sprüchen seinen Ausdruck in der Stelle 11, 2b. Wer das Getreide zunickbehalt, der wird verflucht von dem Volke. Aber Segen kommt auf das Haupt des Verkäufers. Nach meiner metrischen Uebersetzung: Wer Getreide aus Gewinnsucht zurückbehält, wird vom Volke laut verflucht. Wer zum Verkaut gern feil es bietet, dem vvirds von Gott zum Segen gebucht. Jüdische Aussichten in Rußland. Eine russische 1 ageszeitung brachte vor kurzem die Nachricht, das Ministerium des Innern habe die Absicht, in nächster Zukunft sämtliche Beschrankungen der Juden aufzuheben. Angesichts der Aeußerungen der Abgeordneten der Reichsduma und des Reichsrates, die aus dem Auslände zurückgekehrt sind, wurde dieser Nachricht in manchen Kreisen Vertrauen entgegengebracht. Der Korrespondent der „Rjetsch" besuchte daraufhin das Ministerium des Innern und erhielt darüber folgende Erklärung: „Nach Wiederkehr des Friedens wird die Judenfrage zweifellos auf die Tagesordnung gestellt werden, da die rechtliche Lage der Juden unbedingt geregelt werden muß. Der gegenwärtige Augenblick ist aber für die Erörterung der Judentrage nicht geeignet. Die russische Regierung ist jetzt mit anderen Angelegenheiten beschattigt. Das einzig Mögliche wäre die Sanktionierung des schtscherbatow sehen 1 rlasses über die Läuterung ues Ansieulungsravons. Aber auch m dieser Hinsicht sind vorläufig nur geringe Vorbereitungen getrolten worden: es ist daher auch die Losung dieser trage in der nächsten Zukuntt kaum zu erwarten. Jedemalls vertritt die Regierung den Standpunkt, daß den Juden das Autenthaltsrecht m den Dortern nicht gewahrt werden könne. Lbenso halt es die Regierung tur unmöglich, daß Juden Staatsamter bekleiueu und die Prozentnonn m den Bildungsanstalten aufgehoben wird, ts könne sich höchstens um die trleichterung einiger Beschränkungen handeln." Die Kriegsschulden in Galizien. Der Umiang der kriegssehaden in Galizien wird mimer mehr ersichtlich, seit die amtlich gerührte Statistik rort wahrend neue Einzelheiten hervorbngt. Line Zusammenstellung der Zahl der durch die Kriegsereignisse vernichteten Wohnhäuser und Wirtsehattsgebaude in Städten und Madtchen ist besonders charakteristisch. Nach Zusammenstellungen, die von Bezirkshauptmannschaften noch vor der neuen russischen Juni-Otlensive ausgefertigt wurden, sind 29 Bezirksstädte durch uen Krieg besctiadigt worden. Davon haben am meisten gelitten; Jordanow. m welchem o54 Wohnhäuser und ölte Wh. und 200 Wg. sovie Nisko mit 475 Wh. und 711 wg. In anderen Bezirksstädten stellt sich der beiladen wie lülgt vor: Bobrka a»6 Wohnhäuser unu 44 Wirtschattsgebaude, Brzezany 4a W h. und ,->o Wg.. Ueszanow 240 Wh. und 28, Wg., Dohna 45 Wli. und 97 Wg.. (jorlice 182 Wh.. und 1 Kalusz 11 Wii. und 5 Wg., kamionka 379 Wh. und 54U Wg., Kolomea ls4 Wh. und -'17 Wg., Kosow 2 Wh. und 2 Wg., Lisko 112 Wh.. Mielec 148 Wh. und 12 W'g.. Nadworna 38 Wh. und 33 Wg., JJrzemyslany 190 Wh. und dOU Wg.. kohatyn d80 Wh. und 1018 Wg.. Ropezyce lo W ii. und ö Wg.. Sanok 20 Wh., sniatyn 54 Wh., Sokal ,i42 Wh. und 501 Wg.. Stary ^ambor 70 Wh. und 4(1 Wg.. Stryj (Lany) 115 Wh. und 160 Wg.. Strzvzöw 8 Wh., larnobrzcg 1 Wh. und 1 Wg., Zolkiew 6 Wh. und 1 Wg.. Zvdaczow 53 Wh. und 124 Wg. Von den kleineren Städten und Stadtchen ist (außer Gorhce. bei welchen seltsamerweise die Statistik nicht iestgestellt ist, da sie nur 182 vernichtete Wohnhauser und keine Wirtsehattsgebaude ausweist) am meisten die Stadt Rudnik am San betroffen mit 581 Wh. und 632 Wg. wieauch Solotwina 500 Wh. und 181 Wg.. Ulanöw 490 Wh. und 129 Wg.. Sieniawa 460 Wh. und 97 Wg. In uen nbrigen Städten und Stadtchen Gabziens stellt sich die Statistik wie folgt dar: Nierniröw 382 Wh. und 191 Wg.. Dunajöw 375 Wh. und 1100 Wg., Radymno 324 Wh. und 396 Wg., Lubaezow 334 Wh. und 441 Wg., Magieröw 310 Wh. und 341 Wg.. Debica 307 Wh. und 290 Wg.. Ulmiany 300 Wh. und 820 Wg.. Dobroiwör 281 Wh. und 474 Wg.. Radlow 269 Wh. und 188 Wg.. Komarno 267 Wh. und 130 Wg.. Narol 262 Wh. und 912 Wg.. Beiz 260 Wh. und .-,90 Wg.. Bursztyn 223 Wh. und 382 Wg.. Hussakow 222 Wii. und 168 Wg.. Bukaczowce 220 Wh. und 541 Wg.. Janow 217 Wh. und 125 Wg., ZablotOw 2U8 Wh. . l/el 204 ' 127 > . Unat 174 Wh. und 45 Wg.. Ustrzyki Dolne 166 Wh. und 8 Wg.. Zurawno 157 Wh. und 95 Wg.. Chodoröw 150 Wh. and 99 Wg.. Gwozdziec 145 Wh. und 131 Wg.. Szczerzec 129 Wh.. Swirz 127 Wh. und 315 Wg.. Strzeliska Nowe 127 Wh. und 63 Wg.. Sedziszow 125 Wh. und 61 Wg.. Zarszyn 121 Wh., Jablonöw 113 Wh. und 69 Wg.. Batiatycze 108 Wh. und 294 Wg.. Zabno 107 Wh. und 6 Wg.. Jacmierz 103 Wh.. Wielkie Oczy 100 Wh. und 146 Wg.. Kuiiköw 98 Wh. und U Wg.. Mosty Wielkie 96 Wh. und 25 Wg.. Busk 91 Wh. und 150 Wg.. Stara Söi 90 Wh. und 40 Wg., Chyröw 81 Wh. und 23 Wg.. Lubycza Kröi. 8». Wh. und 27 Wg.. Bircza 80 Wh. und 4 Wg.. Ciezkowice 7ö Wh. und 103 Wg.. Korczvna 76 Wh. und 69 Wg.. Rohaczyn 75 Wh. und 140 Wg.. Laszki Murinv. 75 Wh. und 106 Wg.. Starv Sambor 70 Wh. und 40 Wg., Kladno 63 Wh. und 133 Wg.. Radomysl Wielki 5-s Wh. und 22 Wg., Tuchöw 54 Wh. und 86 Wg.. Nizunkowice 54 Wh. und 24 Wg.. Sniatyn 54 Wh.. Zvdaczow 53 Wh. und 124 Wg.. Wojniez 53 Wh. und 30 Wg.. Kolaczyce 50 Wh. und 132 Wg. Außer diesen 57 Städten und Städtchen mit bedeutenderen Schaden gibt es m Qahzien noch 11 Städte und Stadtchen, in denen 20—.->0 Wohnhauser und 22 solche, wo weniger als 20 W olmhauser vermeinet wurden. Natürlich hat die jetzige russische Invasion in Ostgalizien die bezuglichen Ziffern noch erhöht. Aus Amerika. Der „New-York Sun meldet aus Wildwood, N. J.: Auf der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner beantragte die Kommission für Pensionen die Schaffung eines Pensionsfonds von mindestens einer Million Dollars zu Gunsten in den Ruhestand versetzter Rabbiner und anderer religiöser Ffnktionäre. Die Kommission wird gemeinsam mit einem Ausschuß der Union Amerikanischen Hebräer-Kongregation arbeiten. In der Abend- Session wurde der Bericht eines Komitees geprüft, welches letztes Jahr gebildet wurde, um aas durch d suche christlicher Ueistlicher und Organisation« ueistudien und Religionsunterricht ui üllenthclie» icn emzutuliren. sich ergebende Problem zu sti t.llcll Geiietitshoi der Vi txeeuiiv-komuee < beschlossen, eine 1 einer Million Dollar Zionistischen ntlichen schuieu einzuführen. l:r seil Versuchen hegenden Geiahr :it unu ei Klarte, daß die Judenkoniessionen wichtigen Problem {eiiübergestanden sei.;e sich schließlich m seiner Mein - und New-York bereits wirksai wurde s gewählt, i allen t selber studieren und Mittel und Wege auszuarbeiten, um der indischen Schuljugend den Religionsunterricht zu sichern. Von der orthodoxen Judenschuit in Amerika. Wie die New-York Times berichten, beriet der dreizehnte jährliche Kongreß Orthodoxer Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas über Wege, wie durch den Krieg notleiuenden Juden, besonders den jungen Rabbmatskandidateii Hille gebracht werden konnte, welche nicht nur ihrer Subsistenzmittel beraubt, sondern deren marsch der deutschen und russischen Armeen zerstört wurden. Die versammelten Rabbiner beschlossen, an die Gläubigen zur Beschämung von l onds zu appehedie Vorbereitungen zur Druckjüdischen Kalenders in Newher in Deutschland gedruckten, welche alle das jüdische Jahr ielten, können infolge des Krieerschienene Kalender Die Woche. Des Kaisers Geburtstag. Der (jeburtstag Sr. Majestät ist in der ganzen Monarchie überaus festlich gefeiert worden. Die Judeiischatt hat sich an den heierliclikeiteu begeistert beteiligt. Ueberau sind testgottesdienste abgehalten geworden und die Rabbiner haben die großen Wohltaten gepriesen, die der greise Monarch den Juden stets erwiesen, unter dessen Herrschalt sie die vollste (jleichberecntigung erhalten haben. Ueberall wurden auch innige Oebete tur den endgültigen bieg der Monarchie im gegenwärtigen Kriege verrichtet. Spende des k. u. k. Generalgouvernements in Lublm für das jüdische Rettungs-Komitee. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers hat das k. u. k. Generalgouvernement in Lublm den Betrag von 250 00(1 K tur diverse tursorge v,ev.kc gespendet llitvon wurde dem jüdische Reitungskomitee 30.000 K überwiesen. Kultusprasldent Dr. Alfred Stern. In vollster physischer und geistiger frische feiert der Präsident der W iener Kultusgenieinde, Herr Dr. Alfred Stern, am 29. d. M. seinen 85. (jeburtstag. Dank eines erblindeten Kriegers an die „Kriegsblindenheimstätteii". Die großzügige Fürsorgetatigkeit des unter dem Protektorat des Admirals Erzherzog Karl Stephan stehenden Vereines „Kriegsblindenheimstatten", der sich unserer im Kriege erblindeten Helden in werktätiger und herzenswarmer Weise annimmt und schon vielen Opfern

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