Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 30 (24.8.1916)
- Date
- 1916-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Seite___ des Krieges die Ruc-kkchr in die bürgerliche husten/ ermöglicht hat, erheili am besten aus Nachstehenden, -dem Prastdemeu des Verenas, Herrn kommer/Mlrat flunrich (jnmm, von einem im Felde erblindeten Soldaten zugekommetten Schreiben. Dieses lautet: „Wien, den 20. Mi 1916. fcuer Hochwohlgeboren! Hochverehrter Herr Präsident! Her Direktor unserer Anstalt, Herr kaiserlicher Rat Heiler, teilte mir mit, daß Sie die (iriadt hatten, auf seint Bitten mir 8000 K /ur r:nfeauimg eines Häuschens zu bewilligen. In diesem Herrn hefte ich zu Qott, verbunden mit meiner guten Frau, bei fleißiger Arbeit mein Lebensgiück wieder zu finden. Darum danke ich Ihnen und den hochgeehrten Herren des Vorstandes, darum segne ich Sic aus tiefstem Herzen. l>er AUgtüige vergelte Ihnen das Gute, das Sie mir erwiesen haben Ich verspreche Ihnen, mich dieser Wohltut durch ein ehrenhaftes Leben stets -wert und würdig zu erweisen. In tiefster Verehrung und Dankbarkeit Ihr untertänigst ergebener Mendel Seh. Kein üeld für Kußland in Amerika. Wegen Bedrückung der Juden. Die fVUiuclien-Augsburger Abendzeitung erhielt einen interessanten Bericht über Rußlands erneute Bemühungen, Anleihen in Amerika zu erhalten. Demnach verhandle Amerika in Zukunft überhaupt nicht mehr mit Rußland, sondern nur mit tiigland, seitdem ausnahmslos sämtliche jüdische Bankiers und die mit diesen verbundenen Institute es abgelehnt haben, Rußland, das ihre Glaubensgenossen so unmenschlich bedrucke, auch nicht gegen die höchsten Zinsen und Faustpfänder Geld zu leihen. Sie wollen Rußlands Staatsbankrott nicht aufhalten. Wie sie Mac Kenna erklarten, werden sie sich an englischen Anleihen auch nicht beteiligen, wenn Rußland aus diesen üeld erhalte. CltromK.;Erweiterung des iaraaUilschan Friedkotes In Wien. Der -für Beerdigungszweoke derzeit noch verfügbare Belegraum der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofvs reicht nur mehr fur emen kurz bemessenen Zeitraum. Die -Kultusgemeinde hat vor längerer Zeit von Anton Dreher einen großen Komplex im Ausmaße von ■67.714 Ouadratklaftern fur die Herstellung eines Kroßen rriedhofes erworben, «s mußte jedoch infolge der gegerwviirtigen Verhältnisse von emer Neuanlage vorläufig abgesehen und es wird mir eine kleme Friedhofsanlage zur Ausführung gebracht werden, deren Herstellung m kürzester Zeit erfolgen kann und dte dem augenblicklichen Bedurfnisse genügt. Die neue Anlage umfaßt fünf Grabergruppen und eine Zeremonienhalle. Der Stadtrat hat nach einem Antrage des Stadtrates Braun den hei der Kommission von den Vertretern der Gemeinde abgegebenen Aeußerrmgen hinsichtlich der neuen Herstellung zugestimmt. Das T.ls. Kreuz 1. Kl. für einen Rabbiner. Der als Feldgeistlicher beim Stabe einer fcrsatz-Division seine Tätigkeit ausübende Rabbiner Dr. Steinthal- Charlottenburg ist nun auch mit dem Eis. Kreuz 1. Kl. ausgezeichnet worden, fcr ist der 7. Feldgeistliche und zugleich der 1. Feldrabbiner der das E. K. 1. Kl. erhielt. Leutnant Wilhelm Frank). Leutnant Wilhelm Frankl. der m Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen als Fliegeroffizier nach seiner Beteiligung an den erfolgreichen Luftkampfen südlich von Bapaume am 9. August vom Kaiser Wilhelm mit dem Orden Pour le mente ausgezeichnet wurde, ist cm Hamburger und steht im 22. Lebensnahre. Der jüngste kitter des Ordens Pour le mente hat sich schon vor Beginn des Krieges als Sportemann und namentlich als Flieger .hfirvorgetan. Er hatte sich freiwillig zum Militärdienste gemeldet, strebte seine Zuteilung zur Luftschifferabteiluiig an und legte das Pilotenexamcn mit Auszeichnung ab. Als VizeteLdw.ebel begann seine Tätigkeit im Kriege, ein halhes Dutzend feindliche Flugzeuge hatte er bereits im Luftkampfe abgeschossen und war zum Leutnant befordert und mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse ausgezeichnet worden. Nunmehr hat die Zahl der von ihm unschädlich gemachten feindlichen Flugzeuge die Ziffer acht erreicht. Leutnant Wilhelm Frank] ist m Wien nicht fremd. Sowohl in den aeronautischen Kreisen als auch in der Oesellschaft ,zu der er gelegentlich wiederholter Besuche bei seinem Bruder in Wien Beziehungen land. ist der kühne iunge Flieger 'bekannt. Sem Bruder ist der Chef des an der Ecke deT Karntnerstraßc und der Schwangasse befindlichen Geschäftshauses, der mit persischen und antiken Teppichen Handel treibt. Auch Hermann Frankl war zu Beginn des Krieges eingerückt, wurde aber dann aus dem Kriegsdienste entlassen. Er sowie seine Umgebung veriolgen mit begreiflichem Interesse die Tätigkeit des jüngeren Bruders als Flieger. Achad Haans 60. Geburtstag. Am 16. ds. Mts. feierte der bekannte hebräische Schriftsteller Achad Haam (U. Oinsberg), der in Lonuim lein, mj»i;h to). <lebuxtstag. Iii allen Kreisen, denen uas AMbi ite.il des »udrschen Kulturlebens am Herzen lagt, ist der iVunten regt, dm Achad Haam noch lauge i:, sutier oisiit-T.igen frische weitersciianen möge. JLux Latin ui Palästina. Der tuwtitcne Oesandte m Bern, Sellin Fuad tiey, umpiing dieser läge den Herausgeber der „Schweizensclujn Jßlejrr»pbeii-lnformation , Paul Allheer* der aus der ihm m iiebenswurdiger Zuvorkommenheit gewahrten laiujeren Unterredung der „Züricher Post emjges mitteilt: Entschieden dementierte der Minister alle jene Nachrichten, die van eaer Spannung zwischen Amerika und der iurkei zu wissen sich den Anschein gaben. Line Spannung zwischen den beiden Staaten existiert nicht. lJjtnso kategorisch demcntitrtt der Gesandte die in den .Zeitungen erschienene Nachricht, daß die ottomanische Regierung dem früheren amerikanischen Botschafter Morgenthau versprochen habe, ein judisches Reich m Palästina zu genehmigen. Es ist jraT nichts an dieser Geschichte wahr. Was schließlich die Hungersnot in Palastina und in Syrien betrifft, von der letzthin die Blatter geschrieben haben, so ist von einer solchen nicht die Spur, denn die diesjährige Ernte ist viel besser ausgefallen als die Ernte des Vorjahres. Sie reicht weit über den eigenen liedarl hinaus, dank den Maßregeln, die die dortigen Behörden seit zwei Jahren getrotien haben. Der Minister bezeichnet das üerucht von einer Hungersnot in diesen Provinzen als Unwahrheit; er erinnert daran, daß er direkt aus diesen Ciebieten in die Schweiz gekommen ist und bestätigt aus personlicher Kenntnis der Verhaltnisse, daß alle die genannten Oeruchte falsch sind, aus welcher Ouelle immer sie stammen. Aus Spinozas Jugendzeit. Die üeden'kschnft. welche die portugiesische israelitische Gemeinde m Amsterdam anläßlich des dreihundertjahngen Bestehens ihrer Lehranstalten lalmud lhora und Ez Chajmn herausgegeben hat. bietet, wie die „rrankiurter Zeitung schreibt, mancherlei Bereicherung unserer spärlichen Kenntnisse über Spinozas Jugend- und Entwicklungsjahre. Die berühmte Schule, welche der Philosoph spater besuchte, ist bereits ani 20. Mai 1916 gegründet worden, als die Genossenschatt 1 almud 1 hora es übernahm, für ihre Erhaltung Sorge zu tragen. Die Mittel wurden ausschließlich durch freiwillige Beitrage aufgebracht, durch Selbstsbesteuerung und Spenden der Gemerademitglieder. Der Unterricht und die Lehrmittel waren für arm und reich unent lieh, jede der drei Klassen hatte ihren eigenen Le (in der oberen unterrichtete schon damals Chacham Morteira. der als Lehrer Spinozas bekannt ist, jede hatte auch eine eigene Bibliothek zur Verfugung. Eine zi diesem Zwecke eingerichtete hebräische Druckerei stellte die notwendigen Bücher her. Das erste Schulgebaudt wurde 1620 m der Houtgracht eingerichtet, wo Spinozas Litern spater gewohnt haben. Zu den Deputierter der Gemeinde, die den Grundungsakt vollzogen und dem neuen Institut die Wege ebneten, gehört Abraham Israel Espinosa, vielleicht der Großvater des Philosophen. Ur ter den zahlreichen ersten Mitgliedern, deren Namen; Unterschrift jetzt im Faksimile vorliegt, finden wir n< benemander vier „d Espinoza , freilich nicht Baruchs Vater Michael, der wahrscheinlich damals noch zu war. jedoch schon 1635 zu den Vorstehern des Instituts „lalmud Thora gehörte. Er hatte damals Gelegenheit, über bedeutsame Maßnahmen mitzuberaten. Um der weiteren Ausbau der Schule zu ermöglichen und begabten Zöglingen die Mittel zu gewahren, sich ohne Sorg« um ihren Lebensunterhalt dauernd der Wissenschaft zi widmen, wurde 1637 der Fond „Ez Chajim gebildet Wiederum war die Opferwilligkeit so groß, daß die fui damalige Zeit unerhörte Summe von 2500 fl. jahrlich an Gehältern und bis 1653 ebensoviel an Unterstutz gen für bedürftige Schuler gezahlt werden .konnte. Die Schule wurde siebenklassig ausgebaut und dem Schutz der 1639 gebildeten Gemeinde ubergeben, deren Stolz und Ruhmestitel sie bildete. Zu den ersten, welche als „Irmaos der neuen Genossenschaft beitraten, gehörte Michael d'Espinoza, er spendete 70 fl., davon 52 als Geschenk, 18 als Beitrag für sich und seine beiden im Knabenalter stehenden Sohne Isaak (gestorben 1649) und Baruch. 1641 wurde ihm die Ehre zuteil, zum sidenten der Schulverwaltung erwählt zu werden, der Name seines berühmten Sohnes aber wurde spater, wahrscheinlich als er aus der Gemeinde ausgestoßen war, in der Mitgliederliste gestrichen. Unter den ersten Zöglingen, die eine größere Unterstützung erhielten, befand sich Samuel de Casseres, der in den Amsterdamer Chefstandsregistern bei der Verheiratung mit Spinozas Schwester als „Studiosus" bezeichnet wird. Vielleicht muß auch die Spinoza von der Gemeinde angebotene Rente, m der man schlechtweg eine Bestechung sah, unter diesem Gesichtspunkt betrachtet und milder beurteilt werden. Auch er hat die Schule zweifellos besucht, obwohl sein Name nirgends in den Listen zu finden ist. Man wünschte nicht, daß sein Name genannt wurde, und dennoch hat die Schule es nur dem Ruhme dieses Namenlosen zu danken, daß ihrer hautig gedacht wurde, denn nie hat sie einen Zögling von annähernd gleichem Namen besessen. Neue Bttclxer. Ruhmestage der österreichisch-ungarischen Wehrmacht 1914/16. Dokumente von Mitkämpfern. Herausgegehen vom Je u. k. Knegsarchiv. Redigiert von Oberst Alois Vßltae, Vorstand der Schnftenabteiluug. Heft 1. Wien 1916. Mamz-Verlag. — Das vorliegende Heft, mit elchem der ruhrige und verdienstvolle Manz-Verlag ine neue vaterländische iPublikation eröffnet, reiht sich 'urdig der trüberen ähnlichen Ausgaben dieses Verlages ..Unsere Ofnziere , „Unsere Soldaten , „Unsere Nordtront" etc. an. Es enthalt hochinteressante und volle Materialien tur die vaterlandische Kriegsgeschichte. Das Buch verspricht, eines der besten Kriegsbucher zu werden und soll in keinem österreichischen Hause fehlen. Die Kämpfe in der Bukowina und In WoUtvalea sobei Madeaburgs Armee, dte nach wie vor unser lebhaftestes Interesse erregen, sind aaf den bekannt guten Freytagschen Kriegskarten: Bukowina 1:400.000, 40:55 Preis 50 h. Oesterrerehisch-Russische und Deutsch- Russische Grenzgebiete 1:1 Mill., 80:100 cm, Preis K mit Postzusendung K 1.30. Ostsee-Provinzen Kurland Livland -Estland 1 1 Mill, 70 80 cm, Preis K 1 20 Postzusendwng K 1.30, gut zu vertolgen. Zahlreiche marnen. eine sehr charakteristische, das Verständnis der kriegerischen Vorgange erleichternde Darstellung des Geländes (das namentlich bei der Freytagschen als der einzigen vorhandenen Karte der Bukowina in großem Maßstabe «ehr schon veranschaulicht ist) und eine schone, m vielfachem gehaltene Ausführung sind besonueie Vorzüge der frej-tagsohen -Karten, die gegen Fmseudtmg der Betrage nebst Porto von jeder Buchhandlung wie auch vom Verlage Q. Freytag & Berndt, Wien VII.. Schottenteidgasse 62 (Robert Friese, Leipzig, Seebtirgstr. 96) zu beziehen sind. Dr. Majer Balaban. Dzieje zydow w Galicyi l w Rzeczypospolitej Krakowskiej T772—1868. (Die Geschichte der Juden m Galizien und der Republik Krakau.) Lemberg. Verlag Ksiegarnia Polska des B. Poloniecki. — Das Buch ist eine Erweiterung populärer Vortrage, die der Verfasser in den sogenannten „Allgemeinen Vortragen" der Lemberger Universität im Jahre 1911 hielt. Der Zweck war (wie der Verfasser selbst aufklart), ..hundert Jahre jüdischer Geschichte auf diesem Boden in enge Rahmen zu fassen und das polnische lesende Publikum mit ihnen bekannt zu machen . Daraus folgt auch der Charakter dieser Arbeit. Sie ist eher eine Chronik zusammenhangender Begebenheiten, die für die Epoche besonders charakteristisch sind, als wirkliche Geschichte. Diese Chronik ist aber desto wertvoller, als sie sich auf eigene Untersuchungen des "Verfassers stutzt und also ein ernstes, auf Quellen beruhendes W erk ist, voll von wichtigem wissenschaftlichen Material aus erster Hand. Der kumtige Geschichtsschreiber des polnischen Judentums wird sie ebensowenig entbehren können, als andere Arbeiten Dr. Balabans auf demselben Gebiete. Eine gute Eigenschaft des Buches ist der leichte, lebhafte Vortrag, der unser Interesse bis zum Schluß ungeschwacht erhalt. Im Deutschen Reich. I-eklbucherei des Zentralvereines deutscher Staatsburger judischen Glaubens. Berlin SW. 68. Inhalt: „Der Krieg". Vortrage von Justizrat Dr. Horwitz. Geh. Justizrat Dr. Fuchs und Syndikus Dr. Holländer in Berlin. — Rabbiner Dr. Werner. München: ..Innere Mission" (Vortrag). — Dr. L. Jacob. Dortmund: ..Der Herr der Heerscharen" (Kriegsbetrachtung). — ..Ludwig Frank, ein deutscher Jude". — „Offiziers-Stellvertreter Immanuel Saul, Duisburg: „An meme Kinder' (Gedicht). im Deutschen Reich. FeLdbucherei des Zentralvereines deutscher Staatsbürger judischen Glaubens. Berlin SW. 68. Inhalt: Reichsratsabgeordneter Dr. Ludwig Haas. Karlsruhe: „Der deutsche Jude m der Armee (Vortrag). — Rabbiner Dr. Werner. Munchen: „Judentauten" (Vortrag). — Geh. Justizrat Dr. hugen Euchs, Berlin: „Die Zukunit der Juden (Referat). „Treue". 'Eine jüdische Samnielschrift. Herausgegeben von Leo Herrmann. Berlin 1916. Jüdischer Verlag. Die im Gange befindliche große Offenfive der Englander und Franzosen im Räume 13 a p a u m e—P e r o nn e laßt sich bequem und eingehend verfolgen auf dem soeben erschienenen Blatt 3 von Paasche's Spezialkarte der Westfront. Der große Maßstab gestattete die Aufnahme zahlreicher Einzelheiten und zweifeln wir nicht, daß die klare, reich und deutlich beschriftete Karte, die ausdrucksvoll die frühere und die gegenwärtige Frontlinie in Rotdruck zeigt, viel Liebhaber finden wird. Eine kurz gefaßte Textbeilage berichtet m großen Zügen über die gegenwärtigen und iniheren Kampfhandlungen an diesem Frontabschnitt. Preis 70 Pfg. Verlag von Paasche & Luz in Stuttgart. Aufruf. Der Verein „Agudas Jisroel" hittet um Zuwendung von entbehrlichen Gebetbüchern für die hohen Feiertage. Seitens von Tausenden Soldaten werden wir ersucht, Machsorim, Sitonm, Shchath's zu senden. Es finden sich solche Bucher hei vielen Familien, die, weil ererbt, nicht gebraucht werden. Diese raumraubenden, dem Vermorschen geweihten Ritualien, sowie sonstige hebräischenBücher können durch uns an Soldaten, Internierte, Flüchtlinge zugesendet werden. Den gutherzigen Spendern danken wir im Voraus. Agudas Jisroel Wien II., Große Pfarrgasse 23. Meraiageker und verantwrjrtttcheT Redakteur: Jonas Kreppe!. — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX., Pramergawe 6. (Verantwortlich & QrfiabaÜ