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Jüdische Korrespondenz · 1916-05-25 · 20 (25.5.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
20 (25.5.1916)
Date
1916-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JUdlsche Korrespondenz Nr. 20. „Die jüdische Frage ist ein tieferes Problem, als es oberflächlich scheint und ihre Lösung hangt von vielen Faktoren ab, die sich uer Kontrolle der amerikanischen Judenheit entziehen; uesnaiu Kann jeue olientiiche Aeuüei ung, uie uiü punuscne unu diplomatische Lage mein in Kccimung zient, unveroesseriicneii oenauen zuiugen. i^esuaio ist es aucn ein r enier, jetzt ivuijiauu anzugrenen, aas sein Destes uiui. veispruzi, um uie Zivilisation yij unu uic lueaic von iieiiieit (ij vor Zerstörung vo zu icucu. (.wie weltverloren muii uieser i'roiessui scm.; . . . jueirn ersten ueuanken scneiui es, uau eine russiscne iNieuenage uen juuen Europas zum vorteil gereichen wurue. Diese /uaiassung ist mciiis als üas rund eines Kaenegeistes, ues Wunsches zu Straten, omie uei uciisicimguiig seiner Wirkung. Kuüianus iMieueuuüe wäre ein ociiiag V:; aui ueu un&iuchncneii juuen ues usiens, ein oieg ues juiikertuiiis, iviiinai ismus, rogroms unu Antisemitismus, in ueULiciuaiiu CAisuei i kein piiysisencs uue-uo, auer oui muiauscnes, uaa uuzcisturuui iSi; uenii jeuei uauci, jeder iruiessor, jeder Vinzier unu jeuei ooiuat ist uavon uuerzeugt, uau uie scunusciic Kasse eine ineui igere ist unu uu j«Ai^ciiUiiü um letzterer eme ueianr lur ueu ueuiSvueii v_ieiuus uei rvuuur ueueuic. len nunc juiiieuuiü Iii ivtiiiscuiaiiu stuuiert unu lim jetzt i luieöiui' uei ueuibCticu l'HHOsüpille UHU Haue uailci reiCiiilCil uoicgüliiielt, uleSe iTage zu SiUuieren. Anuers in i<ui>üuiu. dus russische vouv uenKt iiient so, nur uic i<egieruiigsoui'OKi'auc. oie ist »eiiUiu an uen Pogroms, wiru aber baiü uusKCwii tsciiunci Hauen unu uaini werden die juuen uurt neuen." viviaü niucuie uoer uic ivaivnui uicaca iiei'iu lacücu, wenn sie mein ml Aiiuiiciv uer unsäglichen Lciuen uer russischen juuen zum Weinen wäre.) i'iaüe ues Interviewers; „Was Können wir juuen nun tun, uin Uieicnoeiecniigung unserer uiuerurucKten russiscneu oruuer zu enangeii?' Aniwori: „i^s ist uie Pliicht uer enghschen unu iranzosisclien juüeu, sciioii wahrend des ivrieges emen Druck aui ihre Kegierungen auszuüben, um Rußland zu einer liberaleren Haltung gegen die Juden zu bewegen. Nach dem Kriege, und ialls uie Vereinigten Staaten als das machtigste und eimlutfreiehste neutrale Land zu den Friedensverhandlungen nicht zugelassen werden, müssen Frankreich, England und Italien für die .luden sprechen, wie sie es 187ö auf dem berliner Kongreß getan haben Unit welchem Frfolg?). Wenn Neutrale zugelassen werden, dann werden die V. St. Gelegenheit haben, für die Juden einzutreten und dabei durch obige Staaten unterstützt werden. In jedem Falle wird die jüdische Frage bei der Friedenskonferenz, die früher oder später kommen wird, Ueaelitung finden. Fs ist aber nötig, daß die Juden der verschiedenen Länder sich jetzt Uie Sommerzeit Von Dr. F. K.-Z. Am 1. Mai wurde in einigen europäischen Staaten die sogenannte Sommerzeit eingeführt. Die Sommerzeit besteht bekanntlich in der willkürlichen Verlängerung des Tages und Abkürzung der Nacht um eine Stunde, d. Ii. im Abweichen von der üblichen astronomischen Zeiteinteilung. Solche Verlängerungen und Abkürzungen des Tages resp. der Nacht bieten durchhaus nichts Neues; über solche astronomische Abweichungen wird in der Bibel dreimal berichtet, im Talmud und Midrasch sogar mehrmals. Nur werden sie in Bibel und Talmud ausnahmslos als Wunder bezeichnet. Bemerkenswert ist, daß die erste Umstellung der astronomischen Zeiteinteilung, über die uns die heilige Schritt berichtet, zur Kriegszeit stattiand. Im Kampfe gegen die Uibeoniter sprach Josua in Gegenwart des ganzen Volkes: „Die Sonne soll in Uibeon stehen bleiben und der Mond im Tale Ajalon." Und so geschah es auch. „Die Sonne blieb stehen und auch der Mond, bis sich das Volk an seinen Feinden rächte . . . und die Sonne blieb stehen beinahe einen ganzen Tag und beeilte sich nicht, unterzugehen" (Josua 10, 12 u. 13). Im Talmud (Aboda Sara 25 a) findet sich eine längere Diskussion darüber, um wie viel Stunden der Tag verlängert wurde. K. Josua ben Levi meint um 24, R. Elasar behauptet um 36. und nach R. Samuel bar Nachmani sogar um 48 Stunden. Dasselbe Wunder (das Stehenbleiben der Sonne, also die Verlängerung des Tages) geschah nach dem Talmud (Taanith 20 a) zur Zeit Moses, ebenfalls während eines der Kriege, die er geführt hatte. (Vergl. Raschi z. St.) Die heilige Schrift berichtet außerdem noch zweimal von der Umstoßung der astronomischen Zeiteinteilung, beide Male aber nach einem Kriege und beide Male von dem Zurückschieben der Uhr um einige Stunden. Nach der mißlungenen Belagerung Jerusalems durch Sanherib erkrankte der König von Juda, Hiskia, lebensgefährlich. Der Prophet Jesaja befahl ihm, sein Haus zu bestellen, da er sterben werde. König Hiskia betete zu Qott um Heilung und Genesung. Darauf verkündete ihm der Prophet im Namen Qottes, daß er gesund und am dritten Tage in das Haus Gottes gehen werde. Hiskia erbat sich ein Zeichen1) dafür, daß er tatsächlich darauf vorbereiten, ihre Forderungen der Weltfriedenskonferenz zu unterbreiten. Es erfordert die besten Gehirne der Juden, dieses Dokument auszuarbeiten. Der erste praktische Schritt wird sein, eine Vertreterschaft in jedem Lande zu wählen, der zweite, die schärfsten Geister zur Verfassung des Dokuments auszufinden. Die Körperschaft darf keine schwerfällige sein, höchstens 8—10 Personen in jedem Lande, besonders aber in Kußland, (wenn die Behörden es nicht hindern); denn seine Sache haben wir zu vertreten, deshalb muß es auch erklären, was es verlangt/' Jerusalem im Kriege. in der zu Jerusalem erscheinenden hebräischen Zeitung „Hacherout" ist vor kurzem ein erschöpfender Bericht über die Geschicke der heiligen Stadt im ersten Kriegsjahr erschienen, aus dessen erstem Teile hier (nach einer Uebersetzung des „Israelit") einige Auszüge folgen mögen. Der Verfasser dieses Berichtes, Herr J. M. Tukacinsky, bietet als Gelehrter und Schriftsteller die beste Bürgschaft für die Zuverlässigkeit seiner Mitteilungen. Nach einigen einleitenden allgemeinen Bemerkungen heißt es in diesem Bericht: Wenn das Weltunglück dieses Krieges, der in den größten Handelsplätzen und Industriestädten den entsetzlichsten Zusammenbruch herbeigeführt hat, auch in Jerusalem Hunger und Mangel zur Folge hatte, so hat das nichts Aunäiliges. Ist doch Jerusalem eine Stadt, in der auch in normalen Zeiten die Armut so groß ist, daß ihre jüdischen Bewohner auf die Unterstutzung von auswärts angewiesen sind. Merkwürdig dagegen ist folgendes: Jetzt, nachdem mehr als ein volles Kriegsjahr dahingegangen, beginnt in Jerusalem die Hoffnung wieder zu erstarken, daß es doch möglich sei, durchzuhauen. Während überall mit der Fortdauer des Krieges sich von Tag zu Tag seine Leiden steigern, ist hier in der heiligen Staut das Gegenteil der Fall. Beim Beginn des Krieges, als unsere ottomaiiische Regierung noch nicht aktiv an ihm beteiligt war, waren die Zeiten trüber und schlimmer als sie es heute sind. Man kann allerdings nicht sagen, daß sich die Lage im allgemeinen gebessert habe, aber der düstere Ausblick auf die Zukunft und die völlige Verzweiflung an ihrer Besserung, das hat wenigstens aufgehört. Damals in den Monaten Aw und Flui lag die Verzweiflung auf jedem Gesichte, die Ratlosigkeit und die Furcht vor dem sicheren Lude sprach aus jedem Zuge. Wenn man damais zwei Leute mit einander sprechen sah, so wußte man, daß die Unterhaltung der Zukunft galt. Jede Zusammenkunft, jede Aussprache galt lediglich der Frage: „Wie wird's werden?' Da keiner eine Antwort auf diese Frage wußte, die jedes Hirn gesund werde. Dieses Zeichen gab iluu auch der Prophet: Die Schalten auf der Sonnenuhr gingen um 10 Stuien zurück (2 Könige 20, 1—11 und Jesaja 38, 1—8). Das Zurückschieben der Uhr um 10 Stunden zur Zeit des Königs Hiskia fand nach taimudischcr Berechnung ungefähr um dieselbe Zeit statt, in der wir unsere Uhren um eine Stunde verschoben haben, also im Mai, d. Ii. kurz nach dem Petiachfcsie. Die Belagerung Jerusalems durch Sanherib fand nach Talmud Synhedrin 95 b am Rüsttage des Peßachfestes statt — worauf auch in der Tiagadah wiederholt hingewiesen wird — und nach dem Untergang Sanheribs erkrankte König Hiskia, und drei Tage später wurde die Sonnenuhr um 10 Stufen zurückgeschoben. Diese Zeit entsprach ungefähr unserem 1. Mai, zumal jenes Jahr ebenfalls ein Schaltjahr gewesen sein sollte. Nach dem Berichte der Könige soli Hiskia ausdrücklich gewünscht haben, daß die Uhr zurück geschoben und nicht vorgeschoben werde. Demi dies, meinte er, wäre ein Leichtes. Sehr begreiflich. Das Vorschieben der Uhr hätte einen vorzeitigen Einbruch der Dunkelheit zur Folge gehabt. Dies könnte nicht so leicht und nicht von jedem als „Zeichen" aufgefaßt werden, denn sehr oft beginnt es schneller als gewöhnlich zu dämmern, namentlich an trüben und regnerischen Tagen. Deshalb verlangte Hiskia, daß die Uhr zurückgeschoben, d. h. daß der Tag um einige Stunden verlängert werde. Ein ungewöhnlich langer Tag fällt jedem auf und ist auf keinen Zufall zurückzuführen. Als Achas starb, so bemerkt der Talmud (Synhedrin 90 b), war der Tag um 10 Stunden kürzer (damit keine Zeit bleibe, ihn würdig zu betrauern. Raschi). Diese 10 Stunden wurden nach der Genesung des Königs Hiskia wieder ersetzt. Jener Tag war 22 Stunden lang und dieser ungewöhnliche Tag veranlaßte Merodach Baladan, den König von Babylonien, Briefe und Geschenke an König Hiskia zu senden. *) Die Berichte in 2. Könige 20, 1—11 und Jesaja 38, 1—8 weichen etwas voneinander ab. Nach Könige soll Hiskia um das Zeichen gebeten haben und ausdrücklich verlangt, daß die Uhr nicht vorgeschoben, sondern zurückgeschoben werde. Nach Jesaja gab ihm der Prophet dieses Zeichen freiwillig. marterte, so führte die eigene Unzulänglichkeit dazu, Bekannte aufzusuchen und mit ihnen sich auszusprechen. Vielleicht ist der andere einsichtiger und weiß zu enthüllen, was die nächste Zukuntt bringen mag. Jeder hielt sich damals lür beschränkt und jeden anderen für klug. Wenn jemand damals auf die Straße ging, so natte er daiur keinen anderen urund, als Bekannte zu treuen und inre Ansicht über die Notlage zu ttoren. Die sich so Begegnenden iragten last gleicnzeitig einer den anderen: „Was ist Deine Meinung?" Die Phantasie tat dann das inrige und beherrschte maßlos alles Denken. l ypisch ist die Frage, die damals im Monat aw ein begabter, sonst sehr heiter veranlagter junger Mann an uns rienteie: „Was halten sie uavon, wie sich die zeit nach veriauf von zwei Monaten lür uns gestalten wird?" Der Sinn der Frage zielte am uie Zeit hin, in weicher unser letzter Pienmg unu der letzte Bissen Brot auigezehrt sein wird. Dann, meinte er, müssen wir, wie unsere väter in der Wüste, uie dort steroen mußten, uns zum Sternen niederlegen und so den Tod erwarten. Hat jemand eine rechte Vorstellung von einer solchen Zeit, was dann aus uns werden unu wie sich alles gestalten wird? ich war weder in der Lage, die Frage zu beantworten, noch dem Fragesteller ein Wort des Trostes spenden zu können, denn er merkte wohl, daß die gleiche Sorge an meiner eigenen öeeienruiie nagte. Der junge Mann war nichts weniger als ein phantastischer Schwärmer, denn er begleitete seine Frage mit iolgenden nüchternen Erwägungen: „Die Leitungen, die sonst Jerusalem seinen Bedarf zuführen, sind unterbrochen. Die Hauptqueile dafür, Rußland, ist zerstört und wir sind von der ganzen Welt abgeschnitten. Jerusalem, das nur von der außerpaiästinensischen Welt seinen Unterhalt hat, besitzt zu seiner Lrhaltung nichts als den kärglichen Rest seiner noch vorhandenen Lebensmittel. Sollte nun der Krieg wirklich, wie die Diplomaten versichern, zum ailei wenigsten ein Jahr dauern, dann handelt es sich nur darum zu berechnen, wie lange die wenigen Nahrungs¬ und Geldmittel noch vorhalten, um sicher angeben zu können, wann es mit uns zu finde geht.'- (Schluß folgt.) Scriolem-Alejcriem. Ein Radioteiegramin aus New York meldet die erschütternde Naciincht, daß dortselbst der berühmte jüdisciie Schriitsteller S. Rabinowitz, bekannt unter dem Pseudonym „Scholem-Alejeheni", gestorben ist. Das Ableben dieses hervorragenden Schilderers des ostjüdischeu Lebens bedeutet einen unersetzbaren Verlust nicht bloß für die jüdi- Nach Talmud Taanit 2u a (vergi. auch Aboda Sara 2ö a) geschah dasselbe Wunder auch viel später, wahrscheinlich zur Zeit, als Judäa von den Römern stark abhängig war. Nakdiman ben Gurion bewirkte durch sein Gebet, daß der Tag um einige Stunden verlängert wurde. Unser Stammvater Jakob hat hingegen ein doppeltes Wunder erlebt. Auf dem Wege nach Charan ging ihm die Sonne vorzeitig unter und die Nacht brach vor der Zeit heran. Und als er nach Peniel zog, da strahlte die Sonne um einige Stunden länger (Chulin 91 b). Nach Midrasch Rabba (Genisis Par. 22, 27) soll „das Zeichen", das Gott dem Kain machte, darin bestanden haben, daß er seinetwegen die Sonne länger strahlen iieß. Dadurch wolite Gott bekunden, daß er ihm Verzeihung gewährt habe. Aus diesen wenigen Beispielen, die noch um einige vermehrt werden können, geht deutlich hervor, daß die Verlängerung des Tages und Verkürzung der Nacht keineswegs als etwas Neues und noch nicht üagewesens sich präsentiert. Solche astronomische Abweichungen haben bereits mehrmals stattgefunden, früher allerdings durch Wunder, jetzt aus menschlicher Berechnung. Die Einführung der Sommerzeit kann man vom Standpunkte des Judentums nur freudig begrüßen, wenn auch zugegeben werden muß, daß diese neue Einführung in religiöser Beziehung anfangs einige Schwierigkeiten bieten dürfte. Bewährt sich nämlich diese neue Einführung, dann könnte man an eine andere Einführung denken, die speziell für das Judentum von außerordentlicher Wichtigkeit wäre: einen ganzen Tag einmal ausfallen zu lassen. Zum Beispiel den 29. Februar. Durch den einmaligen Wegfall eines einzigen Tages kann bewirkt werden, daß der jüdische Samstag mit dem christlichen Sonntag allzeit zusammenfällt. (Diese Maßregel müßte natürlich von nichtjüdischer Seite ausgehen. Der jüdische Samstag ist aus religiösen Gründen unverschiebbar. — Der Red. der J. K.) Welcher Gewinn nicht nur für das Judentum, sondern überhaupt für das ganze Wirtschaftsleben dadurch erzielt würde, läßt sich sehr leicht denken. Und es wäre zu wünschen, daß maßgebende Faktoren — natürlich nach dem Kriege — diese Anregung aufgreifen und vorläufig zur Diskussion bringen würden. Der Erfolg dürfte nicht ausbleiben. (I. Wochenblatt f. d. Schweiz.)

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