Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 17 (4.5.1916)
- Date
- 1916-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. ■Hldlachc Korrespondenz Seitt 3 ner Lewin aus Sambor die strenggläubige Richtung repräsentiert. Wohl ist der Posten eines orthodoxen Rabbiners in Krakau seit vielen Jahren vakant — der Kultusvorstand wartete wahrscheinlich auf das Kriegsresultat, wo in den von Rußland befreiten Gebieten sich ein geeigneter Kandidat finden dürfte —aberdann muß man halt ebenfalls zur Provinz die Zuflucht nehmen. Diese Bemerkungen, die selbstverständlich keinen persönlichen Charakter haben, empfehlen wir der Aufmerksamkeit des Komitees und erwarten eine entsprechende Berücksichtigung der vorgebrachten Wünsche. N. ü. Die galiziscn-jüdisehen .Geiseln' In Rußland. Das Zentrai-Nachweisbüro für Kriegsgefangene in Wien veröffentlicht ein Verzeichnis von Zivilpersonen, welche während der Invasion von den Russen aus üalizien verschleppt wurden, wieauch ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort. Vorläutig hat das Büro eine erste Liste veröffentlicht, die 512 Namen enthält. Im nachstehenden bringen wir ein Verzeichnis der jüdischen „Geiseln" und ihres gegenwärtigen Aufenthaltsortes: In Perm (Gouvernement Perm) weilen: Max Anschein aus Stryj, Josef Augarten aus Przemysl, Ign. Czopp aus Lemberg, Chaitn Egert, Kaufmann aus Woszczance, Heinrich Lingroß aus Lemberg, Adolf Filipp aus Lemberg, Bensen Froszgang aus Dunkowice, Jakob Feld aus Lemberg, L. M. Goldschmidt aus Rud- Ki, Zygmunt Gellis aus Przemysl, Frau Goldberk und Frau Lrna Goldberg aus Brody, Johann Gruber aus Majdan lip., Wladyslaw Klein, bchüler aus Tarnow, Abraham Katz aus Sanok, Juda Katz aus Sanok, Josef Kammermann aus Lemberg, lsr. Kammermann aus Przemysl, Szama Konüto aus Mielec, Josef Münz aus Lemberg, Israel Schwarz aus Sloboda, Josef Steinbach aus Lemberg, B. Reitzenstein aus Zbaraz, Izaak Schenkelbach aus Czortkow, David Schild aus Przemysl, Elias Schindler aus Mikolajew, Jakob Statz aus Dohna, Moses Tiss aus Borowa Gora, Ungar aus Wroblik szlach., Lzriel Zimmermann aus Dohna. In Kiew weilen: Dr. A. Beck, Universitätsprofessor aus Lemberg, Dr. Alfred Bigelniayer, Alois Gürtler aus Zloczow, Dr. Karl Halpern aus Stanislau, Rabbiner Herz, Izaak Lorenz aus Wolica, Luba Reichler aus Lemberg, Simon Ungar aus Tarnow. In Taschkent weilen: Izaak Blech, Ad. Brettholz, Wolf Eichier, Bernard Fepper, Leo Fahrer, Mendel Gold, Franz Haas, Samson Halpern, Sender Hecht (alle aus Przemysl), David Katz, Markus Langsmann, Mechel Lipina, Mendel Mildwum, Mendel Mildwurm, Israel Nadel, H. Preiss, Schaje Schwarz, Baruch Strauss, Heinrich Reiner, Markus Rosenblüh, Nachmann Reben (alle 12 aus Przemysl), A. gewissermaßen ein Preis für den Sieg bei Przemyslany Die Jüdin H. F. sagt, das österreichische Militär habe den Juden Montag, 31. August, zur Flucht geraten. Als sie am Freitag heimkehrten, fanden sie ihre Hauser niedergebrannt. Auch sie weiß von den Bauern, welche geraubte Guter abfuhren. Eine Jüdin sah wahrend der Russenherrschaft die ihr geraubten Kleider am Leibe von Bäuerinnen. Zu sagen hat sie nie etwas getraut. Das war 1914. Die Juden haben sich über Winter etwas erholt und obwohl sie ihre Hauser nicht wieder autbauen konnten, haben sie in den Ruinen und unter brüderlicher Aushilfe ihren Handel und Wandel wieder aufgenommen. Um den 25. Juni 1915 mußten die Russen Bobrka räumen. Freitag, 25., sagt H. F., kamen zehn Kosaken mit roten Streifen und begannen zu plündern, hin Zwolfiähnger fuhr mit dem Messer auf sie los, als sie abwehren wollte. Am Samstag kamen sie wieder und bedrohten diesmal die Mutter mit dem Messer, weil sie Vorrate wegzuschaffen suchte. Freitag, 25. Juni, wurde der Jude S. Q. von Tscherkessen mit Säbeln geschlagen, weil er zwei fremde indische Mädchen gegen ihre Gewaltabsichten verteidigte. Mit zehn Rubeln konnte er die beiden Madchen loskaufen. Den verletzten Mann habe ich gesehen. Frau Witwe H. B. wehrte sich für die Ehre ihrer beiden Töchter. Sie erhielt Nagaika-Schläge ms Gesicht und Säbelhiebe auf Kopf, Arme und Beine. Dazu einen Stich in den Leib. Und eine der Töchter wurde geschlagen. Ihr Auge ist von einer schwarzen Beule uberdacht. Die wackere Frau deckte die Mädchen mit ihrem Leib, wie eine Hennenmutter. Die Scheusale mußten unverrichteter Dinge abziehen. Den Notverband legte Frau B. ein russischer Sanitätssoldat an, den späteren ein österreichischer Militärarzt. Ich sah die schrecklich zugerichtete Frau, von der ich ein Bild nahm. Erhaben auf felsigem Rücken, weit über die Lande schauend, liegt Szczerzec. Im Herbst widerfuhr ihm das gleiche Schicksal wie Bobrka. Hier wie dort Raub und Einäscherung. Niemand weiß, warum. Die Kirchenkuppcl auf dem Berge haben die Oesterreicher m den letzten Raab aus Sambor, Jakob Wohlmann aus Przemysl. In Pensa (Gouvernement Pensa) weilen: Jakob Bleicher aus Zurawno, M. Bertfeld aus ozortkow, K. Fischmann aus Zurawno, Maier Freund aus Mosciska, Festing aus Czortkow, Ben. Finkler, Kaufmann aus Buczacz, üottesteld aus Czortkow, Markus Hochfeld aus Czernowitz, Adolf Holz aus Rohatyn, Leib Krems aus Molodylow, Efraim Kohn aus Polowce, ivloses Krejma aus Bobrka, Moritz Lion (?), ur. Kehos Sciiulbaum, Advokat aus Kolomea, Abraham Stratmann aus Bolechow, L. Schuminer, Kaufmann aus Felsztyn, P. Prinz aus Zurawno, Emil Prinz aus Lemberg, Izaak Witaschko (?), Juda Wolf aus Pomorzany, Benzion Weinbach aus Bobrka, Samuel Wassermann aus Dobrotwor. In Nischnij Nowgorod weilen: Dr. Mendel, Advokat aus Zloczow, Leon Bucz aus Stryj, Josef Bloch aus Pasieczna, Bernh. Breitinann aus Lemberg, Baar aus Tarnopol, Bernfeld aus Stryj, Dr. Jakob Diamant, Advokat aus Lemberg, Freudellthal, Apotheker aus Tarnopol, Leo üoldmann recte Rausch aus Lemberg, Dr. Josef Gold aus Zloczow, Artur üoldmann aus Lemberg, S. Haber aus Przemysl, Leo lngber und Elias lngber aus Stryj, Jakob Klein, Kaufmann aus Tarnow, Salomon Klein aus Gorlice, Dr. Isidor Kozower aus Czortkow, Israel Lemberger aus Tarnow, Joachim Mutter, Bankdirektor aus Zloczow, Moritz Oberländer aus Lernberg, Chaim Schwimmer, Kaufmann und Klara Schwimmer aus Borszczow, J. Schreiber aus Lernberg, Jeebel Sperber aus Zurawno, Meier Sroka und Qutmann Schrank aus Pilzno, Moritz Sekler aus Lemberg, Jakob Reich aus Lemberg, Saul Rosenzweig aus Przemysl, Dr. Sigmund Rosenfeld, Advokat aus Tarnopol, David Reinhold aus Wierzbica, Dr. üsw. Zion, Arzt aus Lemberg. In O r e n b u r g weilen: David Taub aus Lemberg. In Blagowieszczensk weilen: Juda Asterbach aus Boryslaw. In S y m b i r s k (Gouwernement Symbirsk) weilen: Herzig Wiesenberg aus Sambor. In C z y s t o p o 1 (Gouvernement Kasan) weilen: Schmiel Bezem aus Dolne, Benzion Buxdorf aus Zloczow, Leo Fenig aus Lemberg, Jakob Faust aus Sariok, Oswald Hausmann aus Stanislau, David Haas, Lehrer aus Brzezina, Sal. Klein aus Dukla, Mendel Meiler aus Jaslo, Hersz Parnes aus Ostrow, Dr. S. Rabner aus Przemysl, Hermann Werfel aus Poltwie. In Buinsk (Gouvernement Symbirsk) weilen: Josef Brauner, Kaufmann aus Skole, Sigmund Hellmann, Kaufmann aus Stanislau, Hermann Ornstein aus Sambor, Wilh. F. Reitz (?). In Schadrinsk (Gouvernement Perm) weilen: Baruch Bürger, Osias Feuer. David lagen zusammengeschossen, weil die Russen dort ein Maschinengewehr angebracht hatten. Am 22. Juni 1915 mußten die Russen abziehen. Seit Freitag, dem 18., hatten sie mit der zweiten Plünderung begonnen. Auch trieben sie alle christlichen Männer vom IS. bis 50 Jahren zusammen, um sie nach Rußland abzuführen. Die Oesterreicher müssen unerwartet rasch gekommen sein; denn den zurückgelassenen Juden geschah kein Leu! mehr nach der Beraubung. In Bobrka und Szczerzec zählen die beraubten Familien nach Hunderten. Ich kann aui Einzelheiten gar nicht eintreten. In Komarno setzte ich mich mit dem Militärkommando, einem Bezirksnchter, einem Geistlichen, einem Gvmnasialprotessor und der jüdischen Bevölkerung in Verbindung. Die hier begangenen Scheußlichkeiten erfolgten am Schlüsse des Ruckmarsches der Russen an der Linie Dnjestr-Sambor-Drohobycz gegen Bobrka- Przemyslany. Die ersten Russen überhaupt waren in Komarno Gendarmen. Als am 23. Mai die ersten Soldaten einzogen, entfernten sich die Gendarmen, kehrten aber am 24. zurück. Arn 25. Mai bezog ein Divisionskommando des 11. Kosakenkorps, wahrscheinlich Orenburger (blauer Streifen an den Hosen) m Komarno Ouartier, die Infanterie nahm Stellung bei Kominski. Nach der Eroberung von Przemysl kam 10. Kosakenkorps nach Komarno. Em Divisionsstab belegte das Pfarrhaus. Die Truppe rückte dann nach Tuhglowy vor. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni kam Artillerie und Infanterie durch, die sehen früher in Komarno gesehen wurde. Komarno war aucii Etappenstation gewesen. Um 11 Uhr morgens begannen Sappeure zu plündern. Um 3 Uhr traf die Oueue der Kosaken ein. Zuerst zündeten sie den Meierhof tn Chlopy an, gleich darauf die Häuser. Das Fiuer wurde last uberall gleichzeitig gelegt. Es erschienen ie zwei Reiter. Wahrend einer die Pferde hielt, ging der andere ins Haus und legte den Brand, mit Stroh und Benzin. Er zerschlug die Lampen, daß das Oel ausfloß. Die Leute wurden gezwungen, Brennmaterial herbeizuschaffen. In der Vorstadt sind viele Strohhüttchen gestanden, in der Mitte, besonders am Ring, gemauerte Häuser mit harter Bedachung. Auch von außen zündeten sie an, mit einem ben- Glüek, Moses Hochwes (alle aus Przemysl), Chane Korzenik aus Gorlice, Leo Pernes aus Przemysl, Aron Weinfeld und Scheindler Weinfeld aus Gorlice. (Schluß folgt.) Die Kriegsschäden in Wesigalizien. Vom galizischen landesstatistischen Amte wurden nunmehr die durch die Kriegsereignisse in Westgatizien verursachten Schäden festgesetzt. Nach diesen amtlichen Erhebungen wurden in den von den Kriegsereignissen betroffenen Teilen Westtraliziens in den Dortgemeinden 11.10(1 Wohnhäuser, in den Städten 3297 Gebäude, auf den unterschiedlichen Gutsbesitzen 9/4 Baulichkeiten, zusammen also 15.374 Gebäude zerstört. Hiebei ist zu bemerken, da Ii die Erhebungen von den am schwersten betroffenen Bezirken, und zwar von Limanowo, Pilzno und Nisko noch nicht abgeschlossen sind. Im Bezirke Nisko allein wurden, soweit bisher festgestellt ist, über 3000 Wohnhäuser und 22.950 Wirtschaftsgebäude zerstört. Die Landwirtschaft verlor in den betroffenen Gebieten 40.000 Pferde und 178.000 Rinder. Streiflichter. zmgetrankten Schwamm an der Lanzenspitze. Sie sollen geschossen haben. Vielleicht mit Leuchtpistolen. Auch ein weißes Pulver (LycopodiumV) soll angewendet worden sein. Es ging sehr rasch. Am Ring, wo die Juden wohnen, erlag fast jedes Haus dem Brand. Bei der eisten Gefahr im Herbst floh der jüdische Bürgermeister. Die Russen setzten den Polen Advokat Picerskv ein. welcher die Juden als Verrater denunziert haben soll. (Das Letztere laut Mitteilung des Israeliten J. P.) von Rudki entlassen (2-ts. Juni) und wohnt bei Bekannten nahe der Meierei. Ich sprach ihn am 30. Die Not unter der Juden von Komarno ist groß. Am 17. Juni vermißte man 65 Männer ihrer Gemeinde. Am 22. waren 19 Leichen aui den umhegenden Feldern gefunden, am 30. Juni 27, am 1. Juli laut mundlicher Aussage des Herrn Zivilkommissars S., zugeteilt dem . . . Korps, 50! Dem Ausweis über die ersten 19 von den Russen ermordeten Juden entnehme ich: sechs waren ledig, einer Witwer, zwöll verheiratet. Der Aelteste zahlte 63 Jahre, der Jüngste 19, die andern 53, 51, 51, 47, 46, 44, 42, 40, 38, 37, 37, 37. 36, 25, 22, 22 und 20. Der Witwer hinterlaßt drei Kinder, die Verheirateten Frau und 7. 6, 5, 4, 4, 4. 3, 3, 2, 2, 2 und 2 Kinder. Die Verwundungen bestehen in Schnitten von Säbelhieben, Oiu-tschungen, Stichen, Brüchen, Schußwunden. Einige Beispiele: a) Schädel kreuz und quer gespalten. Linke Hand dreimal gebrochen. In Brust und Bauch .-.].ießstiche. Eingeweide ausgetreten. b) Blutunterlaufenes Gesicht. c) Linke Hand verbunden. Rechte abgeschnitten. Linke Brustseite mit erstarrtem Blut bedeckt. d) Blut auf der Brust. e) Kopf schwarzblau und angeschwollen. f) Schußwunde linke Schcitelseite. Auge ausge* g) Schußwunde durch den Kopf. Laut des von einem 1 ruppenoffizier und dem genannten Zivilkommissär (Militarbeamter, in Zivil Bezirkskommissär) auf Grund der beeidigten