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Jüdische Korrespondenz · 1916-04-27 · 16 (27.4.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
16 (27.4.1916)
Date
1916-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JUdische Korrespondenz Nr. 16 akademischer Maler; Adolt Klein, üeneralrat der Angloosterreichischen Bank; trau Berta Konscher; Dr. Witold H. v. Korytüwski; Stanislaus v. Kozmian; Dr. Josei Kranz, Präsident der Allgemeinen Depositenbank; Dr. Karl Ural Lanckurunski, Ssr. Maiestat Oberstkammerer; Kudülf K. v. Levvicki; Alois Prinz zu Liechtenstein, k. k. Hoirat 1. hurst«! Marie Adam Lubomirska; hemricli Mendl; Ludwig Neurath, Direktor der k. k. priv. Ucsterreichischen Kreditanstalt; Dr. Aüam Politzer, Umvcrsitutsprotessor, k. k. Hofrat 1. P.; Leopold PonacK nu Bankvereines; Ingenieur Josei Popper-Lynkeus. achrutsteller; Oraiin Potocka geb. Prinzessin Kadziwill: Louis rreiherr v. Rothschild; Julian Romanezuk, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses; Dr. Adam hurst ba- , pieha, lurstbischot von Krakau: hoirat Umversitatsprotessor Dr. Joset rreiherr v. bchey, rierrenhausimtsdied; Dr. Artur t-chnitzier, bcnrmsteller; Paul von behoeller, Präsident der Handels- und Uewerbekammer in Wien; Ministerialrat Universitatsprotessor Dr. Richard Schüller; l'ürstiii Therese zu Schwarzenberg: Dr. Alired Stern, Präsident Oer israelitischen Kultusgemeinde Wien; kaiserl. Rat Julius Stern; Dr. Josei leodorowicz. | armenisch-katholischer trzbischof von Lemberg; Dr. Altred Thorseh; Dr. J. Ritter v. Twardowski, Ministerialrat: Alexander W einer, Direktor der k. k. priv. Allgemeinen österreichischen Bodenkreditanstalt: Alois Weishut, Direktor der Unionbank, Wien; Alexandrine Prinzessin zu Windischgratz. Hilfsaktion des R. k. Ministeriums des Äußern für Palästina. Außer den bereits gemeldeten Spenden 1111 Gesamtbetrage von öb.UUÜ K, sind bisher eingegangen: Präger Lokalkornitee für i'alastinahiltc 71)1)0 K; Ungenannt (G. W.) 2000 K; Theodor und btephan v. Auspitz, Ungenannt (b. Sp.i. bmaiiuel Ritter v. Grab, Alexander breiherr v. Popper je 1000 K; Charlotte Freiiii v. Komgsw arter, Gebmder Ma\ Israelitische Kultusgeinenide 1 eschen je 5UU K; büuard Ritter v. Doktor 300 K, kaiserlicher Rat Wilhelm Anninger, Rudolf Ritter v. Kahler, kaiserlicher Rat saiomon Pollak (neuerliche Spende; je 200 K; Bohmisch-Kamnitzer Papierfabriken, Robert Puchs, ü. Marburg und Sohne, israelitische Kultusgeineinde (Jraz, Israelitische Kultusgeinemde Neutitschein je 50 K; Israelitische Kultusge- nieinde Molleschau 150 K; Israelitische Kultus- | gemeinde Oberhollabrunn, A. Goldberger de i Buda je 1U K. j Die Allgemeine österreichisch-ungarische i israelitische Gemeinde in Jerusalem, Saffed. Ii- I benas und Hebron (Palästina) hat am 27. Jan- , ner d. .1. an das k. u. k. Ministerium des kaii serhclien und königlichen Hauses und des Aeu- , liern m Wien lolgendes Dankschreiben ge- | richtet: | Die Untertertigten beehren sich, einem ho- | hen k. u. k. Ministerium des Äußern den Ausdruck ihres tietgetuhlten Dankes zu unterbreiten. Unsere Notlage war auf das äußerste gestiegen, wir drohten buchstäblich zu verhungern. Da wandten wir uns hilfeflehend an unser Vaterland, und dank dem hochherzigen Vorgang eines hohen Ministeriums ist uns die erbetene Unterstützung zuteil geworden, der verbrecherischen Brotpreistreiberei wurde in den Arm gefallen, und unsere vaterländischen Kolonien sind von dem Untergänge bewahrt. Wir bitten ein hohes Ministerium, die Versicherung unsrer tiefsten Ergebenheit und treuer patriotischer Gesinnung entgegennehmen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenster H. Brecher. C. S. K 1 i n g e r." Die Judenfrage inTder Duma. Der N. Z. Z. wird telegraphiert: Die Debatten in der Duma, die die Interpellation wegen der beiden gegen die jüdische Bevölkerung gerichteten Zirkulare des Ministeriums des Innern zum Gegenstand hatten, nahinen einen sehr stürmischen Verlauf. Die Interpellation wurde von der Mehrheit des Hauses dringlich erklärt. Der Deputierte Samyslowsky hetzte in seiner Rede geradezu zum Pogrom. Die Annahme der Interpellation — sagte der Deputierte — wird als ein für die Juden günstiger Akt gedeutet werden. Aber die Haltung der Juden berechtigt keineswegs zu günstigen Erklärungen der Duma. Pas Judentum verkauft uns im Kriege. (Rufe links: Das ist eine Lüge!) Es ist möglich, daß sich einzelne Juden ausgezeichnet haben, doch benahm sich das ganze Judentum schmählich. Wenn die Armee in irgendeine Ortschaft kommt, so ist ihr erster Gedanke, sich der Juden zu entledigen; die Soldaten beeilen sich, die Juden zu hängen, und Ihr nehmt in der Duma eine jüdische Anfrage an! j Die weiteren Worte des Deputierten, der i die verächtliche Bezeichnung „Schidy" für die Juden anwendet, werden von dem sozialistischen Angeordneten Ischenkeh unterbrochen, der bainysiowsky zurutt, andere Ausdrücke zu gebrauchen, da seine Reden eine Schmach für die Duma seien, bs entspinnt sich ein heftiger Wortwechsel zwischen Samyslowsky und | Iscueiikeii, in den auch der den Vorsitz führeni de Vizepräsident der Duma, Protopopow, einj greift. Der ivauettciituiirer i schingarew ruft seinerseits Samyslowskv zu: „Was Sie da sa- | „cn, ist ckelhaitcs Zeug1' Die Debatte führte I endlich zur Ausschließung des Deputierten j I schenken unu seines Genossen bkobolew für die Dauer einer Sitzung wegen eines von ihnen dem Ruiner /tigcruieneu beleidigenden Wortes.!m Saale dauerten die Entrüstung und der Lärm noch einige Zeit fort. Auf die Rede Samvslowskys antwortete der Kadett Schingarew. Er nannte den Inhalt der beiden Zirkulare des Ministeriums des Innern eine Verleumdung gegen ein ganzes Volk. Einzelne halle von Verrat kamen in verschiedenen Nationen und Volksschichten vor. Es genüge, sich der Namen Suchomlmow, Mjasojedow und Grigorjew zu erinnern. Schingarew geißelte das Vorgehen der Regierung gegen die Juden und sagte: Es gibt keine Niederträchtigkeit, keinen Schrecken, keinen Unfug, der von der Regierung den Juden gegenüber nicht begangen worden wäre. Schingarew meinte zum Schluß, Kamptmittel, wie die beiden Zirkulare, konnten von einem Samyslowsky angewendet werden, aber nicht von der Regierung. In der nächsten Sitzung, die sich wieder mit derselben Frage befaßte, gab der Vizedirektor des Pohzeidepartements, Kafafow, der die Zirkulare unterzeichnete, eine Erklärung ab, m der er betonte, daß sich die Zirkulare auf Nachrichten stutzen, die ihm von hoher autoritativer Seite zugegangen seien. Die Zirkulare katten keineswegs Pogromziele verfolgt und seien geheim gewesen. Um seinen Standpunkt m dieser Frage klarzulegen, zitierte der Vertreter der Regierung zwei aridere, ebenfals von ihm unterschriebene Zirkulare an die Ortsbehorden, die diesen befahlen, den Pogromversuchen energisch entgegenzutreten und den Ausbruch von Judenpogroms zu verhindern. Die Zirkulare seien durch gewisse, dem Ministerium zugegangene Nachrichten uber eine m vielen Ortschatten des Reiches herrschende Gärung gegen die Juden hervorgerufen worden. Kaiatows Rede luhrle zur Zurückziehung der Interpellation durch deren Urheber, so daß keine Diskussion uber die Erklärung der Regierung stattfand. Die stürmische Sitzung fand ihren Epilog in einem Protestschreiben der Arbeitsgruppe, das sich gegen das Vorgehen des Vorsitzenden auflehnte, der Samyslowsky gestattete, unzweifelhaft unparlamentarische und die Duma entwürdigende Ausdrucke zu gebrauchen. Die jüdische Kongreßfrage. In Amerika werden bereits energische Vorbereitungen für die Einberufung eines jüdischen Kongresses gemacht. In Philadelphia fand am 26. März diesbezüglich eine Vorkonferenz statt, über deren Verlauf folgender Bericht vorliegt: Dr. Louis Rubinsohn, Großmeister des unabhängigen Orden Brith Sholom, eröffnete die Vorkonferenz zum amerikanisch-jüdischen Kongreß, am 26. März in Philadelphia. Es waren anwesend: 357 Delegierte, welche 28 nationaljüdische Organisationen in 81 Städten und 28 Staaten und 3381 angeschlossene Vereine vertraten. Nach Erstattung einiger Referate und eingehender Debatte wurden folgende Resolutionen angenommen: I. Das Programm des Kongresses. 1. a) Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage, den Juden volle bürgerliche, politische und religiöse Gleichberechtigung in allen den Ländern zu sichern, wo ihnen diese Rechte vorenthalten werden, b) Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage, den Juden nationale Rechte in den Ländern zu verschaffen, in denen solche Rechte überhaupt anerkannt sind oder anerkannt sein sollten. 2. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemen der jüdischen Entwicklung in Palästina in allen ihren Phasen. 3. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Zusammenarbeit mit den Juden in allen anderen Ländern betr. der Förderung des Kongreß-Programmes. 4. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Schaffung einer Kommission, welche die Beratungen des Kongresses der Friedens- Konferenz unterbreiten soll. 5. Der Kongreß beschäftigt sich mit der Frage der Zweckmäßigkeit, einen Kongreß als eine permanente Institution einzusetzen. 6. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemen wirksamer Hilfeleistung in den Ländern, die vom Kriege betroffen sind. 7. Der Kongreß beschäftigt sich mit den Problemem der jüdischen Wanderung in allen ihren Formen. 8. Der Kongreß bechäftigt sich mit der Frage der finanziellen Verpflichtungen, welche aus der Kongreß-Bewegung entstehen. II. Datum des Kongresses. 1. Es liegt im Sinne dieser Konferenz, daß der Kongreß, so schnell es ausführbar ist, zusarmnenberufen werden soll. 2. Das Exekutiv-Komitee soll sofort dazu schreiten, die nötigen Vorbereitungen für die Zusammenberufung des Kongresses zu treffen. Diese Vorbereitungen sollen am 3. September 1916 durchgeführt und beendigt sein. 3. Vom Exekutiv-Komitee wird verlangt, den Kongreß für ein Datum zwischen dem 3. September und dem 31. Dezember 1916 einzuberufen. 4. Der Kongreß soll unter keinen Umständen später als am 31. Dezember 1916 abgehalten werden, wofern nicht der Exekutiv-Council mit dreiviertel Majorität seiner Mitglieder einen entsprechenden Beschluß faßt. 5. Im Dringlichkeitsfall ist das Exekutiv- Komitee berechtigt, den Kongreß innerhalb von 3(1 'lagen nach seiner Ankündigung einzuberufen. HI. Ort des Kongresses. Es wurde einstimmig beschlossen, den Kongreß in Washington abzuhalten. IV. Die Wahl der Delegierten. 1. Die Konferenz akzeptiert das Prinzip eines demokratischen und allgemeinen Stimmrechts in beziig aur den indischen Kongreß und ine Wahl hierzu. 2. Die Mitgliedschaft eines leden ludischen raannes oder einer teden ludischen Frau m einer lokalen jüdischen Organisation soll em solches Mitglied zu einem rechtmäßig eingetragenen Wähler machen. Eine jede solche Stimme kann am Wunsch von ihm oder von ihr mittels der lokalen Organisation abgegeben werden. ,■>. Das Exekutiv-Komitee ist berechtigt, * itui 'i d Wege /u Midcn. um die leilnahme cuij K( ngieß-W ahlcn icdein udischui Mann i. iQ leder jüdischen Frau, die einer lokalen Organisation nicht angeschlossen sind, zu ermöglichen. \. Der Executiv-Council. I »er Exekiitiv-Couucil soll aus 70 Mitgliedern bestehen, außer einem Ehren-Vorsitzenden und einem Sekretär, und nur Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika sollen wahlfähig für dieses Komitee sein. Die Flüchtlinge in den russischen Wäldern. Ein erschütterndes Bild von einer Reise jüdischer Flüchtlinge in die inneren Gebiete kußiands entwirft das „Lodzer Volksblatt". In der Uegenu. von Pmsk wurden viele Juden kurz vor dem Einzug der Deutschen gezwungen, ihre v\ ohnorte zu verlassen und sich hinter die russische Front zu begeben. Wochenlang hielten sie sich in den russischen Wäldern auf, wo sie wie Naturmenschen lebten, sich von Pflanzen und Waldbeeren ernährten und immer noch von der Hoffnung beseelt blieben, in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen. Vor kurzem erging aber der Befehl der russischen Macht an die Flüchtlinge, sich zum Transporte nach dem Innern bereit zu halten. Die Szenen, die sich beim Abschiede vom Walde in der Nähe der geliebten Heimat abspielten, sind unbeschreiblich. Kniefällig flehten die Greise, man möchte sie doch im Walde lassen, wo sie unter Verzichtleistung auf alle Behaglichkeit des Lebens, in der Nähe der alten Schul und des Friedhofes und aller anderen heimatlichen Heiligtümer verbleiben wollten. Die weite Reise nach dem schrecklichen Rußland, zu weidfremden Menschen, die andere Sprachen und andere Sitten hatten, stand wie ein Schreckensgespenst voi den Augen der Vielgeprüften. Es nützte aber nichts. Den Tag vor der Abreise, es war Montag, hatte man zum allgemeinen Fasttage gemacht, an dem die ganze Waldgemeinde, Frauen, Kinder und Greise nicht ausgenommen, keine Speise noch Trank zu sich nahmen, und herzzerreißend hallten die Slichausgebete durch die Baumreihen. Am Dienstag Morgen wurde der letzte öffentliche Waldgottesdienst, unter heftigem Schluchzen, abgehalten. Darauf rezitierte der Rabbiner die Wegegebete, in die alle einstimmten, und betend verließ die Gemeinde den Wald mit einem langen Abschiedsblick nach der Richtung, wo sich im Horizonte die schwachen Umrisse des geliebten Heimatsstädtchens abzeichneten. Drei Wochen dauerte die Reise ununterbrochen, Tag und Nacht, bis man in einer großen, unbekannten Stadt Halt machte,

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