Mannheim
Compact Memory

Jüdische Korrespondenz · 1916-04-27 · 16 (27.4.1916) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
16 (27.4.1916)
Date
1916-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3495278-3495300-3495316--0180-3520795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JDdische Korrespondenz Prets per Nummer 10 Heller. \\r^nU__U\~4-4- «ii^. «Jl J?„^t-^ 1^4.____ Redaktion und Administration: Vierteljahrlich K 120 WOCheflblatt füT JU(llSChe IntereSSen. j Wien, VIIl. A«serstraße 55. Nachdruck mit »oller Qu Menjugate jestattet. Redakteur: Jonas Kreppel. | Erscheint jeden Donnerstag Nr. 16. Wochenblatt für jüdische Interessen.; Redakteur: Jonas Kreppel. Wien, 27. April 1916. Redaktion und Administration: Wien, VIIl, Alserstraße 55. jeden Donnerstag 2. Jahrgang. Iii! Juden Österreichs! |jj Zum vierten Male ergeht an ... Euch der dringende Appell, Euch an jäj •jg den Zeichnungen auf die llr. öslerr. KritpsanlHihf! rege zu beteiligen. Wir wollen wiederum, wie bei den früheren Anleihen, unsere Vaterlandsliebe, unsere Opferwilligkeit und grenzenlose Hingabe an die großen Ziele dieses Krieges, welcher auch für uns Juden von großer Tragweite ist, imposant dokumentieren. Wer auf die Kriegsanleihe zeichnet, beweist seinen unerschütterlichen, siegesgewissen Glauben an Österreichs Zukunft. Die Blllschrlf t der amerikanischen Juden an den Papst i>ie „F. Z." schreibt: im Namen der drei Millionen in den Vereinigten Staaten ansässiger Juden hat sich der Vorstand des „Amerikanischen jüdischen Ausschusses" in New York mit einer Bittschrift an den Papst gewandt, worin er die Vermittlung des Papstes nachsucht, daß den in gewissen Kriegführenden Ländern an den .luden verübten Grausamkeiten Einhalt getan werde. In dem vom 30. Dezember 1915 datierten Schreiben, das der Temps jetzt veröffentlicht, heißt es: Die Bittsteller, Bürger der Vereinigten; 'Staaten Amerikas und Anhänger des jüdischen i Ciiaubens, haben mit wachsendem Entsetzen die j namenlosen Grausamkeiten und Härten erfah- \ ren, die gegen ihre Glaubensgenossen in ver- I schiedenen kriegführenden Ländern seit Beginn des Weltkrieges verübt worden sind. Weit über | die Leiden hinaus, die dieses Unglück den Ani dersgläubigen zugefügt hat, und außer den Zeri Störungen, die durch den Aufeinanderprall der kämpfenden Armeen allen verursacht werden, | die sich im Bereich der Feindseligkeiten befinj den, sind die Juden für eine besondere Veriolj gung bezeichnet und Unterdrückungsmaßregeln j unterworfen worden, die ihre Landesleute an- I derer Religionen nicht erlitten haben. Die Leij denschaft und Vorurteile sind gegen unsere unj glücklichen Brüder entfacht worden oft von de- , neu, welche demselben politischen Huldigungscid unterlagen, bis ihr Los nicht mehr erträglich war. In einigen Ländern, wo sie seit langern wohnten, haben ihre nächsten Nachbarn ihre Vernichtung betrieben, gegen sie die ausgesuchtesten Grausamkeiten angewandt und in vielen Fällen sie dann mittels ihres wirtschaftlichen Boykots zum Hungertode verurteilt. Wir lügen dieser Bittschrift ein Verzeichnis beglaubigter Tatsachen bei, die nur einen kleinen Teil der scheußlichen Wahrheit sagen. Davon überzeugt, fährt die Bittschrift fort, daß der Papst sofort seinen großen moralischen, ethischen und religiösen Einfluß gegen diese Verfolgung der Juden, an der sich leider auch Katholiken beteiligt hätten, geltend gemacht hätte, wenn er darüber unterrichtet gewesen wäre, bitte der jüdische Ausschuß Benedikt XV. dies jetzt noch zu tun, insbesondere auch durch Vorstellungen an die Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe und Priester der katholischen Kirche, daß sie ihren Gläubigen den Abscheu vor solcher Verfolgung der Juden predigen. Im Namen des Papstes beantwortete Kardinal Gasparri die Bittschrift am 9. Februar, indem er bekannte, daß der Papst nicht in der Lage sei. sich über die in der beigegebenen Denkschrift berichteten besondern Tatsachen auszusprechen, aber im Grundsatz als Haupt der katholischen Kirch* getreu ihrer Lehre und ihren ruhmreichen Uebcrlieferungen alle Menschen als Bruder ansehe und deshalb jede Vergewaltigung der natürlichen Rechte der Kinder Israels ebenso \eiurteile, wie die aller andern Menschen. Schmerzlicher als jemals fühle der Papst angesichts des gewaltigen schrecklichen Krieges die Notwendigkeit für alle Menschen, sich wieder;.:u erinnern, daß sie Bruder seien. Er bete zu Goit. damit der Friede endlich erscheine zum Glück der Menschheit. Es ist schade, daß der Temps zu der Bittschrift des mflSrikanisch-jüdischen Ausschusses nicht auch noch nähere Kenntnis von dem ihr neigefügten Verzeichnis der beglaubigten an Juden begangenen Grausamkeiten gibt. Daraus hätte man mit Bestimmtheit ersehen können, gegen welche kriegführenden Nationen insbesondere der Ausschuß seine Anklage hierüber richtete, und welcher Nation die Katholiken angehören, denen er auch den Vorwurf macht, sich daran beteiligt zu haben. So kann man nur annehmen, daß seine Anklage sich zunächst gegen Rußland richtete, dessen Heere allein sich solcher planmäßigen Verfolgung der Juden in seinem und im österreichischen Gebiet schuldig gemacht haben. Weshalb, muß man aber auch weiter tragen, hat der jüdische Ausschuß von New York sich wegen dieser planmäßigen, an den Juden begangenen Grausamkeiten, von denen er ein Verzeichnis beglaubigter Falle in Händen hatte, nicht an den Präsidenten des eigenen Landes, Herrn Wilson gewadt, der doch sonst als Präsident der großen amerikanischen Republik es für seine erste Pflicht halt, die „Gebote der Menschlichkeit" bei den Kriegführenden, wo er sie planmäßig für verletzt halt, ebenso spontan wie hartnäckig zur Geltung zu bringen? Der Temps weiß zu der Bittschrift mitzuteilen, daß sie zunächst der Genehmigung der Bundesregierung in Washington vorlegen habe und erst abgesandt worden sei, als Staatssekretär Lansing erklärt habe, daß er nichts dagegen einzuwenden habe. Welch merkwürdige Gleichgültigkeit hat man also notwendigerweise bei dem Auswärtigen Amt in Washington und dem Präsidenten Wilson gegenüber dieser ihnen in tatsächlichen Beweisen von den Burgern des eigenen Landes vorgelegten fürchterlichen Verfolgung der Juden festzustellen! Sollte sie nur durin ihre Ursache haben, daß diese namenlosen Grausamkeiten in Rußland begangen wurden und die russische Regierung, der Bundesgenosse Englands, dafür verantwortlich zu machen wäre.-' Herr Wilson, der seine Pflicht der Menschlichkeit entdeckt und mit den spitzfindigsten Begründungen zu betätigen strebt, wenn Deutschland sich durch seine Unterseeboote gegen die englische Unmenschlichkeit verteidigt, das ganze deutsche Volk durch den wirtschaftlichen WeltbovKot dem Verhungern zu überliefern, der seine eigenen amerikanischen Bürger aber an den Papst verweist, wenn diese sich über denselben wirtschaftlichen Boykott beschweren, der in Rußland die Juden dem Verhungern überliefert, möge sich über diese seltsame Verschiedenheit seines Pflichtbewußtseins gegenüber dem Gegner und dem Bundgenossen Englands erklären. fRettel die verlassenen Kinder Galizlens! Der langwährende Krieg hat dem Königreiche Qa- Hzien tiefe Wunden geschlagen. Ein großer Teil seiner Bewohner hat infolge der feindlichen Invasion Hab und Out verloren, unzählige sind ihrer Wohnstatten berauht, in die Gefangenschaft verschleppt — viele getötet. Diese traurigen Verhältnisse haben die Jugend, den kostbarsten Schatz des Landes, hart betroffen und em ungeheures Kinderelend verursacht. Leider nur allzugroß ist die Schar der Kinder, oft im zartesten Alter, die elternlos, verlassen, nun von fremder Mildtätigkeit Obdach, Hahrung und Pflege erbitten müssen. Hier helfend einzugreifen ist nicht bloß Aufgabe des Staates, sondern auch die Pflicht aller mitfühlenden Menschen, irgstc Not zu lindern, hat das Kricgshiiisbureuu ucs M lislcriums des Innern bereits vor Monaten allen u.ui lauen Betrag iur /wecke der galizisclicn JugeimiuiM« je zur Vertilgung gestellt, der seitens der gait/iseln stattlialterei zur Unterbringung von verwaisten und ,.| Lieblosen Kindern m Heimstätten und Ptlegetainilk .reerwendet wurde. Diese UelduntteJ sind nahezu e .ehoptt. Ls mus daher unbeschadet des weiteren bor langes des staatlichen hursorgeaktion auch an die brei i, dies Wohltätigkeit zu fördern und zu stutzen. Im Hinblick aut die eigentümlichen Verhältnisse üahziens und die dort notwendige Berücksichtigung der konicssioneileu und rituellen Bedurmisse wurde die ivriegswaiseiilursorge von der Regierung m drei komessionell getrennte Sektionen gegliedert. Die enorderliche Hilfsaktion soll unter werktätiger Anteilnahme der Kirchenfürsleu. der beelsorge und der Lehrerschait des Landes organisiert werdeii- Die Unterzeichneten halten es lür ihre Pflicht, die gesamte Oettentlichkeit zur Anteilnahme an diesem Werk der Nächstenliebe autzuruien, dem innerhalb der Bestrebungen zur Wiederauirichtung Galiziens eine besonders hohe Bedeutung zukommt. In tieter Not, in einem tlend, desseugleichen die menschliche Geschichte nie gekannt, harrt das Land liahzien der Hille, die es aus eigener Kraft nicht mehr finden kann, und die ihm aus den andern Kronländern kommen muß, für die es ja tatsächlich das Blutopfer gewesen ist. Wie konnte besser für dieses heimgesuchte Land gesorgt werden, als durch Rettung trhaltung und Kräftigung semer Jugend, welche die Zukunftshoffnuiig des Reiches bildet! Spenden ohne konfessionelle Widmung (fcinzahlungsstelle Kriegshilisbureau des k. k. Ministeriums des Innern. Wien. 1. Bezirk. Hoher Markt Nr. 5. Postsparkassekonto Nr. 1496U2, oder Wiener Bankverein, Wien. 1. Bezirk, behotteiirmg Nr. werden dem gemeinsamen sionelle Oruppen werden nach der Widmung des Spenders dem betreuenden Spezialzwecke zugeführt. Spenden tur Kinder christlichen Ciiaubens sind mit diesem Vermerke versehen an die Bank- und Wechselstubeii- A. O. „Mercur", Wien, 1. Bezirk. Wollzeile Nr. 1. Spenden für Kinder mosaischen Glaubens smd, mit r Rettu verlassener indischer Kinder Oaliziens und der Bukowina .Wien, 1. Bezirk, Umverstätsstratte Nr. 4. oder an die priv. Allgemeine Bodenkreditanstalt, Wien. 1. Bezirk, 1 einfaltstralie Nr. 8 (österreichisches Postsparkassenkonto Nr. 2H37, ungarisches Poslsparkasscnkonio Nr. 6597), zu senden. Die Redaktion des Blattes nimmt Spenden mit und ohne spezielle W idmung entgegen, rr. O. Kardinal Piffl, Fürsterzbiscliot von Wien: Zdzislaw v. Morawski, k. k. Minister: Dr. Lduard Prinz Liechtenstein. Hofrat und Leiter des Kriegshilfsbureaus des k. k. Ministeriums des Innern: Dr. Josef Maria Baernreither, Minister a. D.. Präsident der Zentralstelle tur Jugendfürsorge; Stanislaus R. v. Niezabitowski. Landmarschali von Ciahzien: Max Graf Wickenburg. Präsident des k. k. Oesten cicliischen Militärwitwen- David R. v. Abrahamowicz, k. u. k. (ieheimer Rat: Stephan v. Auspitz: Dr. Max Wladimir Freiherr v. Beck. Präsident des k. k. Obersten Rechnungshofes: Andreas Bielecki. griechisch-katholischer Ocncralvikar von Lemberg: Dr. Josel Bilczewski. rohmisch-katholischer Lrzbischof von Lemberg: Leon R. v. Bilinski, Obmann des Polenklubs; Bischoi Kmmerich Bielik, Apostolischer Feldvikar: Philipp Broch. Direktor der k. k. priv. Allgemeinen Verkehrsbank. Wien; Kduard (Jraf CIioio- HLWski sr Maicsttt Ob r/ertmouiumicisttr Di I d wig Cwiklinski. k. k. Sektionschet: Dr. Julius v. Derschatta, Präsident des Oesterreichischen Lloyd; Dr. s Lhrmann. k. k. w. a. ö. Universitätsprofi Lphrussi: üräiin Füntkirchcn-Lieclitenste Oelber; Agenor Grat Cjoluchowsm, Mm Philipp R. v. Qomperz, k. k. Universität« rat Dr. Karl S. Qrünhut, Heri üudemann. Oberrabbiner d meinde in Wien: Max R. v. Outmann, Präsident des Zentralverhaudes der Industriellen Oesterreichs: Ph. Dr. Bertold Hatschek. Universitatsproiessor, k. k. Hotrai: Samuel Mler v. Horowitz. Präsident der Handels- und Oewerbekammer in Lemberg; Universitatsproiessor Regierungsrat Dr. Wilhelm Jerusalem; Isidor Kaufmann. : Kra iischen Kul

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.