Jüdische Korrespondenz
- Journal
- Jüdische Korrespondenz
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 13 (30.3.1916)
- Date
- 1916-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. JUdische Korrespondenz Seite 3 zur Verwirklichung über Ziele mittelst einer Aktion, die daraul ausgeht, im Lande einen Zustand der Verwirrung zu schauen. Das Polizeidepartement teilt Ihnen das Vorstehende zu Ihrer Information mit. Folgen die Unterschritten. (Rute: Welche Schande; Welche lntarnie!) Der Direktor Kaialow. Der Sekretär Boretzky. Registrator Vmogradow. (Lachen am der Linken. Rodischew: Das sind die, lür welche die Erbschaft Asews fallig ist!) In schartster Weise hat Ischeidse danach die Iaten der zarischen Regierung und ihr völliges Unvermögen, den wirtschattlicheii und politischen trlordermssen zu entsprechen, gegeißelt. Aus seiner Rede geben wir noch die tolgenden Mellen wieder: In einem Lande, das uber die größten Naturreichtumer der Welt vertilgt, erleben wir eine üetreideknse, einen Mangel an Holz. Butter und Kohlen! Dans dem systematischen kampie gegen icde Initiative entbehrt das Land eines genugenden Eisenbahnnetzes.Fabrikenundtechnischgut ausgestatteter Werkstatten. Datur haben wir eine Verwaltung, die ein Muster der Unfähigkeit und der Bestechlichkeit ist. Wenn man die Luxus- und Verschwendungsorgie sieht, die in der Welt der unsauberen Agenten, der Bankiers und der üeschattsleute herrscht, dann ist es erlaubt, zu sagen, daß wir nicht eine Mobilisation der Industrie, sondern eine Mobilisation der Rauber des Volksgutes hatten. (Zuruf von rechts: Das ist sehr wahr!) Wohin haben die iruheren und jetzigen Versprechungen der Munster geführt.'' Zu den Fusilladen von Iwanow-Wosnessensk, der Vorfallen von lula und allem, was sich jetzt in Petersburg zutragt: Verbannungen, tagtagliche Verhaftungen, Unterdrückung der Gewerkschaften, Abschaltung der Bestimmungen des Kinder- und Arbeitermnenschutzes, Verfolgungen gegen die Redakteure und Verkaufer der Arbe.terzeitungen. Vorschlage zur Militarisierung der Arbeit: alles was die Unterwerlung der Arbeiterklasse unter die Kapitalisten bedeutet . . . Streiflichter. Die jüdische Gemeinde in Gorz. Die Stadt üorz, die gegenwartig im Kriege eine solch wichtige Rolle spielt, hat seit langer Zeit auch eine judische, blühende Gemeinde. Schon vor lüüü Jahren wohnten dort Juden, die zum größten I eile aus Italien kamen und dort Handel trieben. Sie wohnten in einer besonderen Straße, unter dem Kastell, heute nennt man diese „Coeevia". Spater wohnten sie in einem Ghetto, in dem Gebiete der heutigen Via Ascoh. Es durften hinter Mauern nur eine bestimmte Anzahl Juden wohnen, doch hielt sich ein Teil derselben, namentlich die Reichen, außerhalb dieses Ghettos auf. In neuerer Zeit befanden sich unter der Bevölkerung von 30.000 Seelen zirka 300 jüdische Personen. Die Gemeinde besitzt eine 150 Jahre alte Synagoge, die monumental hervorragend ist und auch jetzt noch, trotz des Bombardements der Stadt durch die Italiener, glücklicherweise unbeschädigt geblieben ist. Noch birgt die Synagoge etwa 40 Thorarollen, wozu noch vor etwa 10 Jahren die Thorarollen von Gradiska hinzukamen, da die dortige Gemeinde wegen Fortzug aufgelöst wurde. Das Gemeindeleben war vor dem Kriege ein recht reges und religiöses. Es bestehen dort gute Religionsschulen und Chewres für das Thorastudium. Als Rabbiner fungierten dort in letzter Zeit die Herren della Bergola (jetzt in Alexandrien) und Herr Friedenthal. Aus Görz stammen die Gelehrten lsaac Abram Reggio, Professor Lolli und Professor Graziodio Ascoli, die sich in der wissenschaftlichen Welt eines hohen Rufes erfreuten. Die Regierung hat alljährlich der Gemeinde einen höheren Beitrag für Schulzwecke geleistet. Die jüdische Sprache in Rußland. In der Debatte über die Kriegszensur hat die Kadettenpartei, wie „Rjetsch" vom 7. d. meldet, den Zusatzantrag gestellt, daß die Sprache der Zeitung für den Armeekommandanten keinen Anlaß zur Einstellung des Blattes bieten dürfe. Diesen Antrag unterstützte der jüdische Abgeordnete M. Bomasch, welcher erklärte, am 5. Juli 1915 habe man die sechs Millionen jüdischer Bevölkerung ihrer Sprache beraub: und die ganze jüdische Presse unterdrückt. Es seien sieben Tagesblätter, ein Wochenblatt, eine Halbmonatsschrift und zwei Monatsschriften eingestellt worden. Noch vorher, in den Monaten März, und April, seien im Kiewer Militärbezirke alle jüdischen Publikationen und in Odessa die Journale in hebräischer Sprache sistiert -worden. Später, im September, sei manchen Blättern erlaubt worden, in Petersburg zu erscheinen, aber schon im November habe man sie eingestellt. Das Organ der jüdischen Flüchtlingsfürsorge, „Pomoschtsch" durfte nicht eher erscheinen, bis alle jüdischen Texte entfernt waren. Ebenso wurde das Journal „Jewresjkaja Kooperacya" sistiert. — Der Redner der Trud('Vski-Partei, A. Suchanow, vertritt den Standpunkt, dem Armeekommandanten solle überhaupt kein Recht der Einstellung der Blatter zustehen, und legte u. a. die Venolgung der ukrainischen Presse dar. Am 20. Juli wurde das lagblatt „Roda" und spater wurden auch alle übrigen ukrainischen Blatter eingestellt. Ein neuer, starker Strom der jüdischen Emigration In Amerika. Laut dem „Jewish Chromcle ist im Monat Januar e.n neuer fetrom der judischen Lmigration aus Rußland m Nord-Amerika angelangt. Beinahe jeden Tag kommen russische Juden in Seattle, nahe von San Francisko an, um von dort ihre Reise weiter nach New-York tortzusetzen. Der größte Teil dieser Emigranten sind nach obigem Blatte Juden aus Polen und Litauen, welche wahrend der Ruckzuges der Russen aus ihrer Heimat vertrieben wurden, hast alle kommen in jammervoll- „lch habe , schreibt der Korrespondent dieses Blattes, „einige dieser unglücklichen Wanderer, welche bereits 4—5 Monate unterwegs sind, um die Vereinigten Staaten zu erreichen, betragt, und sie haben mir die schaurige Leidensgeschichte geschildert, die sie in ihrem Heimatlande beim Vordringen der Deutschen und durch den wilden Ruckzug der Russen zu ertragen hatten, tiner von ihnen, Sohn eines hervorragenden Rabbiners, gab mir folgende Daten uber die Verluste, die der schreckliche Krieg den Juden verursacht hat, an: Die wahrend der letzten 7 Monate des Krieges erlittenen materiellen Verluste an Eigentum allein werden auf zirka 2 Milliarden Rubel berechnet. Mehr als 500 jüdische Städte und Städtchen in Polen und Litauen sind von der Obertlache verschwunden und die Bevölkerung der unversehrt gebliebenen Staute ist von Hunger und Krankheiten dezimiert worden. Nur ein kleiner I eil der judischen Städte der Ansiedlungszone ist unversehrt geblieben. Der größte leil ist durch das Feuer der Kriegfuhrenden gänzlich vernichtet oder teilweise zerstört Die bemittelten Schichten des russischen Judentums, besonders in Moskau und Petrograd, haben die größten Anstrengungen gemacht, um die Leiden der Unglücklichen zu erleichtern. Sie haben bereits über sieben Millionen Rubel gespendet und sind bereit, noch Die Woche. bine Judendebatte in der Duma. Aus Stockholm wird berichtet: In der letzten Sitzung der Reichsduma, in der das Budget des Innern beraten wurde, kam es zu stürmischen Szenen. Der Abgeordnete Stanislowski erklärte zu dem Dringlichkeitsantrag wegen der Judenverfolgungen, daß die Juden sich im Kriege schmachvoll benommen und das Land verraten hätten. Die Duma dürfe daher den Antrag nicht annehmen. Dieser Aeußerung folgte ein ungeheurer Lärm. Viele Abgeordnete sprangen auf und bedrohten den Redner. Ein sozialistischer Abgeordneter beklagte sich darüber, daß man in einem solchen Ton in der Duma sprechen dürfe. Darauf wurde er zweimal zu Ordnung gerufen. Ais Stanislowski seine Rede fortsetzte und die Pogroms verherrlichte, rief ihm ein Abgeordneter der sozialistischen Partei zu: „Huligau!" Darauf wurde dieser Abgeordnete ausgeschlossen. Sozialist Skobelew rief darauf: „Ich will auch nicht dort sein, wo Huligans reden dürfen." Darauf wurde auch Skobelew ausgeschlossen. Mit ihm verließen sämtliche Sozialisten und Arbeiterparteiler den Saal. Ein Abgeordneter rief noch an der Türe, daß die Regierung dadurch, daß sie in der jetzigen Zeit eine Beschimpfung der Juden gestatte, einen Mordanschlag gegen das Gewissen des russischen Volkes begehe. Stanislowski wurde bezeichnenderweise wegen seiner Beschimpfungen das Wort erst entzogen, als er seine Rede schon geschlossen hatte. Die Agunaus-Frage. Aus Budapest wird geschrieben: In einem von den Oberrabbinern Koppel Reich, Budapest und Silberstein, Waitzen unterzeichneten Rundschreiben an die Rabbiner Ungarns, werden diese aufgefordert, zur Lösung der Agunaus-Frage zu ihrem Teile in der Weise beizutragen, daß sie^ mit Hilfe der Feldrabhiner zu den jüdischen* Soldaten im Felde und in den Lazaretten iw4tähere Beziehung treten, um so Todesfälle zweifelsfrei festzustellen. Im Operationsgebiet wohnende Rabbiner sollten die in Gefahr sich befindenden verheirateten jüdischen Krieger zur Ausstellung eines „bedingten Get", dessen Formular dem Rundschreiben beigegeben ist, veranlassen. Des weiteren ist die Wirksamkeit der Rabbiner nach dieser Richtung in acht Punkten testgelegt. Zum Schlüsse heißt es: „"Vor Ablaut eines Jahres nach dem Friedensschluß bleibt die Wiedervernialilung einer Kriegswitwe unzulässig. Es sei denn, daß ganz zuverlässige Zeugen den I od des Ehemannes mit aller Entschiedenheit ueglaubigen. Zweiielliatte Falle können nur von einem Besdm, in dem mindestens eine allgemein anerkannte rabbinische Autorität Sitz hat, entschieden werden. Nachrichten uber Zivilinternierte in Rußland. Dem Ministerium des Aeußem sind über die nachstehend genannten, in Rußland internierten Zivilpersonen österreichischer, beziehungsweise ungarischer Staatsangehörigkeit Nachrichten zugekommen: Naclnm Berg. Adolt Berkovver. Isaak Eigenleld, Alexander l ink, Markus Frankel, Moses Uolder, Moses Leih Hausner. Meier Kleiner, Nathaniel Maier, Ludwig Metz, Dawid Narzissenleid, Heinrich Neumaun, Abraham Pohorvles, Berl Radniaiin, Abraham Markus Riniald, Meier Rotenberg. I.eizer Schildknuit, Richard Spieler, Isaak Weg, Leib Weiser. Interessenten hatten sich wegen näherer Auskunft unmittelbar an das Departement 11 des Ministeriums des Aeußem zu wenden. Criroriik:. Höchstpreise lur Mazzoth. Line Verordnung des Statthalters lur Niederosterreich regelt die Abgabe von ungesäuerten Weizenbroten (Mazzoth) wahrend der israelitischen Osterfeiertage des Jahres 1916. Beim Verkaufe von im Inlande erzeugten ungesäuerten Weizenbroten (Mazzoth) im Kleinhandel, das ist bei der unmittelbaren Abgabe an den Verbraucher, dart der Preis von 2 K 41) H. per Kilogramm nicht überschritten werden. Die bei der Berechnung der Höchstpreise mr Mengen unter 1 Kilogram sich ergebenden Bruchteile von Hellern haben für einen ganzen Heller Mazzoth und Mazzothprodukte (Urieß) dürfen nur in üewiclitsinengen von 5U üramm oder eines Vielfachen dieser Menge und nur gegen Abtrennung je eines Brotkartenabschmttes lur je 50 üramm Mazzoth oder Mazzothprodukte entgeltlich abgegeben werden. Die entgeltliche Abgabe von Mazzoth dart nicht vor dem 8. April 191b enolgen. Uebertretungen dieser Verordnung werden, insoweit mein die stratgereclithche Verfolgung eintritt, von der politischen Bezirksbehorde mit einer üeldstrate bis zu /UU0 K oder mit Arrest bis zu drei Monaten, bei erschwerenden Umstanden aber mit einer üeldstrafe bis zu ,->000 K oder mit Arrest bis zu 6 Monaten bestraft. erbeberec liest, Vcr erden. : der Kund- Dolla Das Hilfswerk in Amerika. as Vereinigte Hilfskomitee beschloß auf seiner i Sitzung eine neue Sendung von 614.000 Dollar : indischen Knegsnotleidenden zu schicken. Diese e wird in folgender Weise verteilt: Für Ruß- - 20U.000 Dollar: für Polen und Litauen — 200.000 : für Cializien und Oesterreich-Ungarn — 180.000 Dollar Juder ordgri« chenland — 2500 Dollar um Dardanellen -- 1000 Dollar. Insgesamt sind also bis jetzt aus Amerika uber 3','s Millionen Dollar tur judische Kriegshilfszwecke geflossen. Line Deputation des jüdischen Hilfskomitees, bestehend aus den Herren Dr. Uroßmann, Dr. Peiser. dem Führer des amerikanischen ..Misrachi M. Berlin. L. Lukaß und Rabbiner Llkalas wurde am 17. Februar vom Präsidenten Wilson emptangen. Die Deputation überreichte dem Präsidenten eine mit goldenen Buchstaben geschriebene und m einem kostbaren Rahmen gefaßte Dankresolution des jüdischen Hilfskomitees für die Einrichtung des ..Judentages . Der Präsident begrüßte die Deputation herzlich und dankte gerührt fur das Ge- 350.413 Juden in Warschau. Eine von der jud sehen Gemeinde Warschau veranstaltete Volkszählung ergab, daß sich am \x Februar 350.413 Juden in der Stadt befanden. Die Zahl der Juden. Dem soeben erschienenen „American jewish Yearbook" 1915/16 ist zu entnehmen, daß die Zahl aller Juden 13.277.542 beträgt und zwar leben in Europa 9,988.197 (hiervon im europäischen Rußland 5,939.770 und m Oesterreich-Ungarn 2.258.262), in Asien 356.617, Atrika 413 259- Australien 10.415 und in Amerika 2,500.054 (allein im Staate New-York 2.258.262) Juden. Den Angaben liegen d e Resultate der letzten Volkszahlungen