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Jüdische Korrespondenz · 1916-03-30 · 13 (30.3.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
13 (30.3.1916)
Date
1916-03-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 JUdlsdfte Korr*»spöndene m. 13. Die „kalte Schul". Ueber zwei Drittel der Bevölkerung von Pmsk be¬ Gotteshaus sich stolz und mächtig über das Oewtrr der grungestnchenen f-j!echdacher der Umgebung hinaus erhebt, ohne allerdings tue Beziehungen zur Umgebung zu verlieren. Die alte Synagoge, die im Volksmund die „kalte Schul" heilst, weil der 5000 Menschen lassende, große Saal in dem bitterkalten Winter nicht geheizt werden kann, steht im ..Schulhot ". und der Jude, den man dort trifft, betont mit sichhchem Stolz, daß das merkwürdige Gebäude mit den meterdicken Wanden über 8U0 Jahre alt ist. Man steigt von der Straße aus eine Anzahl Stufen in die Synagoge hinunter, und durch das Tteflegen des Fußbodens ist im Innern des Raumes eine Höhe und Weite geschaffen worden, die in manchem doch wieder an die Wucht und Große der christlichen Kirchen erinnert. Rings um die große Synagoge herum stehen ein paar kleinere. Denn die Schneider und Schuster, die Fleischer und Pelzhandler, alle die einzelnen Gewerbe besitzen ihre eigenen Synagogen in Pmsk: die gebildeten Schichten, die kein Gewerbe treiben, haben m der Klause ihr gesondertes Gotteshaus, und da man im Gottesdienst hier keine Predigt kennt, sondern die Predig! am Sanistag nachmittag nach einem guten Mittagessen und ausgiebigem „Schabbes-Schlai- Ruhe noch zudem;e klei- Daß es unseren jüdischen Feldgrauen draußen an Humor nicht fehlt, zeigt tolgende launige Einladung, die ein judischer Soldat aus der östlichen Front einschickt. ..Alle Punmlust gen werden zu dem am Sonntag, den 19. März 1916. im großen Saale „Freies Feld" Sclmtzengrabengasse Nr. 26. stattfindenden Purimball hotlichst eingeladen. Die Mustk besorgt eine ausgezeichnete Schrapnellkapelle unter Leitung des Königlichen Kapellmeisters Schnellfeuer. . Gewehrfeuer I. Maschmengewehrfeu I. Handgranaten I. Sprung vorwärts i. 42er Konzert i. 1 rommclfeuer '. Plankenangriff ». Ruckzug der Kusse I. Umkränzung der Rt Polonaise. Schnellpolka. Apachentanz. Cakev alk Solo. Gemischter Chor. Tango. Quadrille. Galopp. Mexsis."" Ist der Cohen Militärpflichtig? Aus London meldet man: Die zur Entscheidung über die Heerespflichtigkeit eingesetzten Sondergerichtshofe sehen sich noch immer vor manche unvorhergesehenen Einsprüche gestellt. So war vor dem Citv-Gencht die brage zu erledigen, ob die Cohen militartrei seien. Die Cohen (oder in der hebräischen Mehrzahltorm die Cohanim) sind Nachkommen der alten hohenpriesterlichen Familien und genießen eine religiöse Vorzugsstellung, man konnte sagen, sie bilden einen kirchlichen Adel. Nim hat der Major de Rothschild vom Oberrabbiner cm Outachten eingeholt, wonach, wenn das Land m Getahr schwebt, der Anspruch aut Mihtartreiheit nicht auf die Eigenschaft eines Cohen begründet werden kann. Diese Entscheidung wird den Gerichten ohne Zweifel geniigen, um die Einsprüche abzuwiesen. Briefk-asien. „Der Israelit", Frankfurt. Ihre Aufregung darüber, daß wir in unserem Artikel „Hilfe für Kriegswaisen" einen Teil aus ihrem Artikel ohne Quellenangabe reproduzierten, ist umso weniger begründet, als Sie wiederholt ganze Artikel aus unserem Blatte ohne Quellenangabe nachgedruckt haben, wogegen wir wiederholt Ihr Blatt als Quelle verzeichnet haben. Selbst dann, wenn Sie es für richtig gefunden haben, au Blatte etwas zu zitieren, verschwiegen Sie den Namen desselben und begnügten sich mit der Bezeichnung: .Ein Wiener Blatt". Sie sollten daher wenigstens nicht einseitig empfindlich sein. Ihr Vorwurf über die Verschweigung der „Agudas Israel" als Arrangeurin der Waisen-Hilfsaktion ist eine häßliche Entstellung. Unser Artikel bezieht sich gar nicht auf diese Aktion, sondern auf eine selbständige Aktion der gulizischen Statthalterei, die demnächst ins Leben treten dürfte. Wir hatten demnach gar keine Veranlassung, die hauptsächlich in Deutschland betriebene Aktion der „Agudas tsroel" speziell zu erwähnen. Neue Bücher. „Verzeichnis jüdischer lyriegsschriiten", gestellt von Louis Lamm. Erstes Hett. 1916. Verlag von Louis Lamm, Benin C. 2. — Die judische Kriegsliteratur ist wahrlich ziemlieh bedeutend und der Gedanke, ein Verzeichnis derselben herzustellen, muß treudigst begrüßt werden. Wünschenswert wäre, daß in den weiteren Heften auch die größeren Autsatze in den wichtigsten Zeitschritten und Journalen, welche die Judentrage im Zusammenhange mit dem Kriege behandeln, verzeichnet werden sollen. „Die Entstehung des Shulchan-Aruch". Beitrag zur Festlegung der Haiaeha von Dr. Ch. rsehernowitz. Bern, Akademische Buehhandlung von Max üreehsel. 1915. — Em sehr lesenswertes Buch, m welchem der Gegenstand mit großer Sachkenntnis behandelt wird. „Europa aus der Vogelschau". Politische Geographie. Vergangenheit und Zukunft. Zeitgemäßer Neudruck der gleichnamigen Studie von Alexander von Peez. Wien und Leipzig 1910. Manz-Verlag. K 3;—. Es war ein glücklicher Gedanke des ruhrigen Manz sehen Verlages, dieses Buch des bekannten österreichischen Politikers jetzt m neuer Auflage erscheinen zu lassen. Der Neudruck ist wirklich „zeitgemäß . In dem Momente, da die politische Geographie weitgehenden Aenderungen entgegensieht, sind die Ausiuhrungen des Autors über Vergangenheit und Zukuntt Europas umso interessanter. „Ukraina, Land und Volk". Eine gemeinialiliehe Landeskunde von Stephan Rudnvckvj. Privatdozent der Geographie an der Universität Lemberg. Wien 1916. Verlag des Bundes zur Befreiung der Ukraina. — Der Weltkrieg hat auch das ukrainische Problem aut die Tagesordnung gebracht und eine reiche Literatur ist in den letzten Monaten über die Ukrama und das ukrainische Problem erschienen. Das vorliegende Buch ist eines der interessantesten aut diesem Gebiete und es bringt eine genaue Uebersicht über die physische und Anthropo-Geographie dieses überaus interessanten Landes und dieses überaus interessanten Volkes. Em ausführliches Literatur-Verzeichnis, ein Sachregister, zahlreiche Illustrationen sowie sechs färbige Karten erhöhen den Wert des Buches. «Weltkrieg und Aberglaube". Erlebtes und Erlauschtes von Amtsrichter Dr. Albert Hellwig z. Zt. im Felde. Leipzig 1916, Verlag von Wilhelm Heims. — Es ein Wiederstehen des Aberglaubens zutage gefordert hätte. Der Verfasser beschäftigt s.ch mit diesem Thema und kommt auf Grund von Erlebten und Erlauschtem zur Schlußtoigerung, daß der Staat der Ausbreitung dieser Kriegsplage einen Damm entgegensetzen sollte. „Alnianach wojsk polskieh'-, (Almanacli der polnischen Truppen), na rok panski 1916 pod redakeva Stamslawa Lama. Nakladem ksiegarni ..Stella w Cieszvme. — In überaus spannender Weise werden m diesem Almanach für die polnischen Truppen die Leistungen der polnischen Legionen im gegenwartigen Weltkriege geschildert. Der Almanach enthalt auch andere literarische Beitrage sowie einige gelungeneu Illustrationen. Unter dem Ittel „Die 7. Großmacht im Kriege", ein Umbhck über die Presse des feindlichen und des neutralen Auslandes und eine Untersuchung über das Wesen der Presse und ihre Bedeutung für unsere nationalen Interessen, laßt Chefredakteur Arthur Jung-Koln im Reichsverlag. Berlin W. 35. sein Buch herausgehen. 'ufen i ichzurufen. Nam Organisation der fremdländischen Presse herrscht bei uns große Unkenntnis. Wie es aber im militärischen Leben dringend geboten ist. den Feind, den man bekämpfen will, gründlich zu kennen, so ist diese Kenntnis m unserm Falle eine absolute Notwendigkeit, denn wir sehen ja den Feind selbst nicht, sondern nur sem Erzeugnis, das durch Hunderttausende von Augenpaaren sein Werk verrichtet. Es ist nun ein Hauptverdienst Jungs, daß er uns eine ausführliche Schilderung des Wesens der ausländischen Presse lieiert. das uns manchen Fingerzeig tur die Punkte gibt, an denen wir den Hebel ansetzen müssen. Der deutschen Presse als solcher wird ein sehr interessantes Kapitel gewidmet, das dem Laien manches Wissenswerte sagen wird. Vor allem aber dunte Jungs Broschüre uer Industrie, dem Handel, kurz allen Gebildeten ein Leitiaden werden, an dessen Hand das vielgestaltete Netz der Beziehungen der einzelnen Lander und Volker zueinander durch den Spiegel der Organe der „oiienthchen Meinung sehen lernt und versteht, wie diese „oiientliche Meinung entsteht, wie sie geleitet oder irregeführt wird. Eine vorzügliche Uebersicht der Westfront und eine gute Verfolgung der Ereignisse dort ermöglicht die neue erweiterte Ausgabe 1916 der Freytagschen Kriegskarte von Nordostfrankreich und Belgien 1:750.000, 80:100 cm. groß, mit Porto K 1.30 M. 1.10 vom Verlage ü. Freytag et Berndt, Wien VII. (Robert Friese, Leipzig, Seeburgstr. 9b) und jeder Buchhandlung zu beziehen. Im Westen bis Havre und London, östlich bis Straßburg i. E. und Basel reichend, im Norden über die holländische Grenze, im Süden bis Lyon und Genf sich erstreckend, mit zahlreichen Ortsnamen versehen, laßt die Karte die ganze Kampflime von der Nordsee bis zur :>chweizer Grenze mit einem Blicke ersehen. Zur besseren Orientierung ist die Frontlmie nach dem Stande Ende Februar vor Beginn der Kampfe bei Verdun eingezeichnet. Wir empfehlen die in sechs Farben ausgeführte schone Karte bestens. „Frontberichte eines Neutralen". Vom schweizerischen Maior 1 anner. II. Gahzien und Bukowina. Mit 112 Origmal-Autnahmen von der Front, z. T. aus den vordersten Schützengraben. Preis 3 Mark. Verlag August Scherl G. m. b. H.. Berbn SW 68. — Was des schweizerischen Majors 1 anner 1. Band seiner Kriegsberichte versprach, daß nämlich der 2. Band uns fesseln und packen wurde wie der erste, ist in vollstem Maße gehalten worden. Wir mochten sagen, daß 1 anner im 2. Bande sich noch ubertroffen hat. Er schreibt so, daß wir nach dem Lesen seines Buches das Land kennen, als seien wir personlich dort gewesen. Schönes und Reines. Häßliches und Unreines — alles zieht fast greifbar an unserem geistigen Auge vorüber. Wir kennen das Land mit seinen Schönheiten und Mangeln, wir kennen die buntgemischte Bevölkerung, als wären wir zwischen ihr aufgewachsen; denn bis in das Denken, bis ms kleinste Empfinden hinein fuhrt uns dieser Meister der Feder, der nur deshalb ein Meister werden konnte, weil er mit dem Herzen und nicht mit der Feder schrieb. Starke Nerven muß der Leser eines solchen Buches haben, welches nichts verheimlicht, nichts beschönigt, sondern m schwerer Zeit mit der kalten, entsetzlichen Wahrheit hervortritt. Wer die Leiden der Juden lesen kann.die die russische Soldateska ihnen antat, weil Vaterchen den Kampf gegen ..den Kaiser der Juden und die Juden verfugte, ohne erschüttert zu sein, der ist kein Mensch mehr. Wen der endlose Jubel Lembergs über seine Befreiung aus Russenhanden nicht mit tieter Rührung erfüllt, der muß ein Herz von Stein haben. Der Hauptwert des Buches hegt unseres Erachtens dann. da3 es von einem unparteiischen Offizier geschrieben wurde, dessen scharte Beobachtungen in der vordersten Front in militärischer Beziehung von außerordentlichem Werte smd.!l|lllli|||Ullll||lllitlj||lllll||! nos iv -irr r f nos iv irr I [ Weinu, Rotweine, als auch Szamerodner Tokajer j § kauft man am besten bei € | M. Klein, Weingrosshandlung, Moisburg. ] Ch. S. Frankel Steppdecken-Erzeugung Wien IXm Peregringasse 2 empfiehlt sieh bestens dam P. T. Publikum. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Janas Kreppe*. — Buchdrucker« „ttelantricb". V/ien IX.. Pramergasse 6. (Verantwortlich S. QrUntNri.)

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