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Jüdische Korrespondenz · 1916-03-02 · 9 (2.3.1916) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
9 (2.3.1916)
Date
1916-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Jüdische Korrespondenz Das Abkochen der Menage erfolgt diesfalls in einer eigens hiefür gewählten Küche durch die judische Mannschaft selbst. In solchen Stationen wird es sich empiehlen. die Mannscimit israel. Ulaubens der ganzen Uarmssoii zu vereinigen und dieselbe an eine einzige Küche zu . In j. iiieindeirntgliederl. richtung einer .kui Ii) entwehr sind neue Kessel, lilechg. fcßbcsteclve zu \erw enden, oder die gebt diesen i,uc» durch heißes chen sich israelitische st so vorzugehen, wie leiten die Gesamtzahl die Zahl 20 nicht ererKüSiigung m eigener jer Heeresverwaltung : Anbote einzelner Uennt üluhstem zu wachen: »t und alles, was Oarung hervorbringt, dart :he nicht vorhanden sein: rituell geschlachtete Heisch ist nach den allkannten religiösen Speisegesetzen zuzubercii.) ais üeuiuse waren vornehmlich Kartoltein zu verwenden, aber auch jeüe Art von hulseniruchteii ist mit KucKsicht aut die bchwere der Zeit in diesem Jahre zuiassig; t) alle anderen Vorschriften, die bei jedem glaubigen Juden als bekannt vorauszusetzen sind, wie: i>onderung von Milch- und Heischspeisen, sind an diesen acht lagen besonders strenge zu beobachten. Etwa sonst noch wissenswerte Daten können bei der israel. Mihtarseelsorge in Wien direkt eingeholt o. Speziell für die üarnison Wien gelten folgende Bestimmungen: Das Piatzkommando hat die Anzahl der mit ritueller Kost zu verpflegenden israel. Mannschatt einschließlich der Kranken und Kriegsgefangenen zu erheben und der israel. Mihtarseelsorge tunlichst bald bekanntzugeben, ebenso auch die Unterkunftsobjekte, wo sich derlei Mannschaft beilüdet. Mierauf hat sich die israel. Mihtarseelsorge mit der " Yotesspeisenafle „Einheit''. 2. Bez.. Matzgasse 12. die auf Massenausspeisungen eingerichtet ist, ms fcmvernehmen zu setzen, den Detailvorgang bei den Ausspeisungen zu regeln und dem Platzkommando bekanntzugeben, welches diesfalls die verschiedenen 1 ruppenkorper und Anstalten verstandigen wird. Jene 1 ruppenkorper oder Anstalten, welche die Verkostigung m eigener Regie durchfuhren können, haben dies selbstverständlich zu tun und dem Platzkommando hievon zu melden, welches die israel. Mihtarseelsorge sogleich verstandigen wird. Als Vergütung haben die betreffenden 1 ruppenkorper und Anstalten pro Mann das Menagegeld und das Brotrelutum der israel. Mihtarseelsorge in Wien zu ubersenden, welche die Bezahlung der Volksspeisehalle be- 7. In den Kriegsgefangenenlagern (für Kriegsgefangene und Wachmannschaft) ist der im Punkte 2, beziehungsweise 3. vorgezeichnete Vorgang einzuhalten. h. fcs wird ausdrücklich bemerkt, daß durch die Verabreichung der rituellen Kost Mehrauslagen nicht erwachsen dürfen. Sollte dies dennoch aus irgendeinem unvorhergesehenen Grunde nicht durchführbar sein, so sind derlei Mehrauslagen zu berechnen und dem Militärkommando zeitgerecht, spätestens aber bis Ende Februar 1916, im vorhinein nachzuweisen. Die „lieben Juden" des Zaren. 1 las in Lausanne (Schweiz) erscheinende „Bulletin Juif" bringt eine ganze Reihe Nachrichten und Korrespondenzen aus Rußland, welenc ein schreckliches Bild der verzweifelten Lage unserer dortigen Brüder wiedergeben. fcmer Korrespondenz aus Smorgon ist folgende Schilderung entnommen: Am 11. September, als der Befehl zur Evakuierung der Juden anlangte, sprach der Jude Leib Sobol beim kommandierenden Kosakenolfizier vor und fragte, ob er die Stadt verlassen müsse, da sein greiser Vater lebensgefährllich krank ist und nicht allein zurückgelassen werden kann. Der Offizier forderte den Sohn auf, ihn an das Bett des Kranken zuführen. Dort angelangt, jagte er dem Kranken eine Revolverkugel durch den Kopf und sagte zu dem Sohne: „Jetzt kannst du schon ohne jede Störung die Stadt verlassen." Nicht einmal dem Leichenbegängnisse des Vaters beizuwohnen wurde dem verzweifelten Sohne erlaubt. Der Vorfall wurde dem Gouverneur gemeldet, mit der Bitte, eine Untersuchung einzuleiten; bisher ist jedoch diesbezüglich nichts Näheres bekannt geworden. Wahrend der Evakuierung wurden die Hauser angezündet, obwohl sich dort noch zahlreiche Bewohner, besonders Greise und Kinder, betanden Mehrere Personen fielen den Flammen zum Opfer. Aut dem Wege wurden die Männer ausgeraubt, und die Frauen vergewaltigt. Vorerst entriß man einer Frau die Kinder, nachher wurde sie geschändet. Dies war auch das Los von mehreren Frauen jüdischer Soldaten. Die Frau des Reservisten Treiner, der sich in einem Spital in Petersburg befand, wurde von Kosaken /wciiiul ausgeraubt. Das erste Mal vermochte sie sich noch mit 30 Rubeln loszukaufen, weil sie beweisen konnte, die Frau eines Reservisten zu sern; das zweite Mal wurde ihr alles weggenommen, was sie besaß. Die Jüdin Schneider hatte bei sich zwei Kosaken versteckt, welche sie mit Zivilkleidern versah. Als die Deutschen heranrückten und die Kosakenpferde im Hofe sahen, verlangten sie die Auslieferung derselben, widrigenfalls die Frau gehangt würde. Nichtsdestoweniger bestritt diese entschieden die Anwesenheit irgendwelcher Personen in ihrem Hause. Nachdem sich die Deutschen zurückgezogen hatten, wurde die Frau von den Kosaken vollständig ausgeraubt. 1 )ies geschah unter den Augen ihrer Vorgesetzten. Emern anderen Berichte aus Rußland ist zu entnehmen, daß die Evakuierung der Juden aus den dem Kriegsschauplätze nahe gelegenen Städten, welche zeitweilig unterbrochen war, wieder im Begriffe ist, aufzuleben. Der Gouverneur von Pskow hatte einen Befehl erlassen, daß alle Juden, die in das Gouvernement nach dem 21. August, und alle jüdischen Flüchtlinge, die aus den diversen Gegenden des Reiches angekommen sind, binnen sechs Tagen das Gebiet des Gouvernements zu verlassen haben. Im Pinsker Kreise wurde die gesamte jüdische Bevölkerung aus 35 Ortschaften vertrieben. Von einer Mitnahme des Besitztums war keine Rede und so wurde in den meisten Ortschaften das Vermögen der Juden unter den Augen der Behörden ausgeraubt. In vielen Ortchaften, so in Ostrowitschi und Lemeschewitschi, wurde die gesamte jüdische Bevölkerung ohne jeden Grund arretiert und verschickt. Am ^4. Oktober ordneten die Behörden von Berditschew die Austreibung aller jüdischen Flüchtlinge, welche in Merbegen, Asylen etc. Wohnung genommen haben, binnen vierundzwanzig Stunden an. Die Mehrheit derselben stammte aus den Gouvernements Kowno und Grodno und hatte sich schon mehr weniger in Berditschew Existenzmöglichkeiten verschafft. Ein großer Teil derselben wurde nach dem Gouvernement Orel verschickt und neuen beschwerlichen Wanderungen preisgegeben. Der Gouverneur von Poltawa ordnete die Verschickung von 12.000 jüdischer Flüchtlinge nach dem Osten Rußlands an. 30.000 anderer jüdischer Flüchtlinge, welche in Tambow eingetrotfen sind, mußten die Stadt verlassen und im fernen Osten des Zarenreiches Aufenthalt suchen. Trotzdem der Minister des Innern am 15. August Stils an alle Gouverneure und Stadtpräsidenten ein Zirkular gerichtet hat, mittelst welchem den Juden der Aufenthalt in den Städten außerhalb der Ansiedlungsrayon gestattet wurde, wird die Austreibung der Juden aus diesen Städten fortgesetzt wie aus nachstehendem Erlaß der Polizei-Direktion von Tula zu ersehen it. „Polizei-Direktion der Stadt Tula. 20. August 1915. Nr. 2675.-Tula. Bestätigung der Ausweisung, von der Verwaltung der städtischen Polizei in Tula an den Juden Leib Tisselewitsch Ryskin, Kaufmann der zweiten Gilde aus Orscha, ausgestellt, der kein Recht hat, in Tula sich aufzuhalten, ihit der Weisung; nach Or^clia (Goti^erhement- Mohilew) abzureisen und sich dort unmittelbar nach der Ankunft der Polizei zu melden." Aehnliche Dokumente können in Hülle und Fülle zur Verfügung gestellt werden. So ist das Los der russischen Juden auch w ährend des Krieges. Unsere Glaubensgenossen in den neutralen Ländern können daraus ersehen, was von all den Versprechungen des Zaren an seine „lieben Juden" zu halten ist, Eine Flüchtling sbiblioihek in Wien. Den in Wien weilenden Flüchtlingen das Leben zu erleichtern, ist schon eine Reihe praktischer Maßnahmen unternommen worden. Die erste Sorge für diese bedauernswerten Menschen war natürlich, für Unterkunft, Verpfle- Feuilleton. Kriegsleiden russischer Juden. (Aus dem Tagebuch eines polnischen Juden.) Nichts kann erschütternder die Leiden der jüdischen Bevölkerung Rußlands während des Krieges veranschaulichen, als die kurzen, schlichten Tagebuchauf Zeichnungen eines polnischen Juden, einer im öffentlichen Leben der polnischen Judenschaft bekannten und geachteten Persönlichkeit von Vertrauenswürdigkeit. Die Blätter, die wir auszugsweise wiedergeben, gelangten im Fcbnurhcit der Süddeutschen Monatshefte (München) ,.Ostjudeü" zur Veröffentlichung. Der Verfasser ist kurz voi Ausbruch des Krieges aus Amerika nach Polen zurückgekehrt, sein Name muß aus begreiflichen Gründen Er schreibt am _>. Februar 1915: Einer der Flüchtlinge aus Sochaczow berichtete mir heute von dem Martyrium der jüdischen Bewohner dieser Stadt in den letzten Wochen. Die Gewaltherrschaft der russischen Soldaten überstiege jedes Mali Plünderung, Schläge und Vergewaltigungen von Frauen waren au der Tagesordnung. Diejenigen, denen es gelang, aus der Stadt zu fliehen, wurden meist auf den Wegen von Soldaten überfallen, die Männer aller Habe beraubt, viele Frauen vergewaltigt. Sehr stark litt auch die gesamte Bevölkerung der Stadt unter dem furchtbaren Schmutze der russischen Truppen. Die Häuser, in denen russische Soldaten einquartiert waren, glichen förmlich Ställen, und es dauerte oft wochenlang, bis sie einigermaßen wieder gereinigt werden konnten. >*. Februar 1915 : 5000 jüdische Flüchtlinge aus den Städtchen links der Weichsel kamen dieser Tage nach Warschau. Ihr Anblick ist erschütternd. Es ist furchtbar, die endlosen Reihen der Wagen zu sehen, die sich durch die Straßen der Stadt bewegen und die mit Frauen, Greisen, Kindern und Kranken und armseligem Gerumpel aller Art angefüllt sind. Furchtbarer ist aber noch, von diesen Flüchtlingen zu hören, was sie von den Zehntausenden jener Unglücklichen erzählen, die in Kälte und Nässe jetzt auf den Landstraßen und Wegen der JProvinz umherirren und von denen viele vor Hunger und Not auf der Wanderung sterben. 10. Februar 1915: Die Austreibungen der Juden nehmen einen immer größeren Umfang an. Ich frage mich immer, welches die Motive sein können, die das russische Militär zu diesen ebenso sinnlosen wie grausamen Maßnahmen veranlassen mögen. Ich glaube, daß neben ihrem Wunsch, die jüdische Bevölkerung Polens auszurotten, vor allem ein gewisses Bewußtsein ihrer jahrhundertelangen Schuld gegenüber den Juden mitwirkt. Sie empfinden instinktiv, daß die Juden, die sie seit Jahrhunderten in der schlimmsten Weise vergewaltigen, tyrannisieren und verfolgen, unmöglich Rußland wahrhaft lieben können, vielmehr hassen und verabscheuen müssen. Aber sind wir schuld, daß sie uns so brutal behandeln und es uns unmöglich machen, unser Vaterland wahrhaft zu lieben? 31. März: Am zweiten Tag des Pessachfestes besuche ich das Flüchtlingsasyl im Saal des „Hasomir". Ich traf dort zwei Greisinnen, eine 102 Jahre alt aus Wischograd und die andere 90 Jahre alt aus Schiradow, heikle aus „Spionagefurcht" aus ihrer Heimat vertrieben. Ich unterhielt mich mit der einen der beiden und sah, daß sie ftberhaupt nicht wußten, daß Krieg ist. Und eine solche Frau treibt man aus ihrer Heimat, weil sie den Deutschen eine Spionin sein könnte! Ich traf dort auch zwei verwundete jüdische Soldaten, die als dienstuntauglich entlassen wurden, und da ihre Heimatstadt Petrikau von den Deutschen besetzt ist, hier im Asyl Unterkunft gefunden haben. Sie erzählten mir von ihren Kriegserlebnissen. Der eine hatte bei lwangorod gekämpft und erklärte, daß es unmöglich sei, gegen die Deutschen einen Sieg zu erringen. Wo die Russen zwei Kanonen hätten, habe der Gegner sechzig. „Eines Tages", erzählte er mir „stürmten wir eine Vorstellung des Feindes, aus der man uns tagelang mit einem Granatenregen überschüttet hatte. Wir dachten, daß sich dort eine große Zahl von Soldaten befinden müsse. Als wir sie aber gestürmt hatten, fanden wir nur drei deutsche Soldaten vor. Kaum aber hatten wir die Stellungen besetzt, da wurden wir von der dahintergelegenen deutschen Batterie beschossen und von unserer Kompagnie blieben nur siebzehn am Leben. Nach einigen Tagen las ich in unserem Generalstabsbericht, daß wir bei Jwangorod eine feindliche Stellung erobert und 1000 Gefangene gemacht hätten". Der andere Soldat berichtete, daß er nach seiner Verwundung in ein Lazarett nach Smolensk gebracht wurde. Nach? dem er wieder hergestellt und als dienstuntauglich ent? lassen worden war, wollte jhn ein Bekannter in seinem Geschäft anstellen. Er reichte darauf ein Gesuch an den Gouverneur von Smolensk ein, daß man ihm den Aufenthalt in dieser Stadt erlauben möge, da er in seine Heimatstadt, die von den Deutschen besetzt sei, nicht zurückkehren könne und völlig mittellos sei. Sein Gesuch wurde abgelehnt. „Jawohl", rief, er empört, „mein Blut für das Vaterland zu vergießen, wurde mir gestattet, aber in ihm zu leben, wird mir verwehrt!" Einige Beamte, die dabei standen, wandten sich beschämt ab und einer von ihnen riet ihm. sich an den Gouverneur selbst zu wenden. Aber auch dieser lehnte seine Bitte ab.

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