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Jüdische Korrespondenz · 1916-03-02 · 9 (2.3.1916) · page 1

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
9 (2.3.1916)
Date
1916-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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indische Korrespondenz Preis per Nummer 10 Heller. flU«i«. IKAlo^U* 1*.+«.*««««*. i Redaktion und Administration: Vierteljahr»^ k 120. Wochenblatt tur jüdische Interessen. \ wien, vm. Aise^e «». Nachdruck mit «olte7ou«llnaB|Bbe gestattet Redakteur: JOHÜS Kreppet, j Erschei nt jeden Donnerstag Wien, 2. März 1916. 2. Jahrgang. UMilUMlIliraiMül M M •4m 16. März erscheint Wl jj eine spezielle, humoristische j| | &urim~ Nummer | M der M j| „Jüdischen ^Korrespondenz", j§ Wt m mmMmmmmMmMmmmMmmmm Materielle SiUlze und moralische Hilfe. (Zum „Judentag" in Amerika.) Zugunsten der durch die Kriegsereignisse so hart in Mitleidenschaft gezogenen Juden wurde in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ein offizieller „Judentag" veranstaltet, der ein sehr glänzendes materielles Ergebnis gebracht hatte. Die Schlußziffer dieser Sammlung ist wohl noch nicht bekannt, sie hat jedenfalls über drei Millionen Dollar, d. i. etwa fünfzehn Millionen Kronen, gebracht — ein Betrag, der zwar im Verhältnisse zu der Not einer Millionenbevölkerung nicht als übermäßig erscheint, jedenfalls aber eine ganz respektable Höhe erreicht hatte. Der Judenschaft Amerikas gebührt Dank und Anerkennung. Dank gebührt auch dem amerikanischen Senate und dem Präsidenten Wilson, welche in offizieller Weise diesen „Judentag" durchführen ließen und nicht unwesentlich zu dem großen Erfolge beigetragen haben. Indem man nicht umhin kann, diesem Schritte der leitenden amerikanischen Kreise die verdiente Anerkennung auszudrücken, muß jedoch bemerkt werden, daß Wilson und der amerikanische Senat wohl einen Schritt weiter gehen müßten, um ihrer Pflicht voll und ganz zu entsprechen. Die materielle Stütze, welche sie den durch den Krieg betroffenen Juden angedeihen ließen, ist eine sehr beträchtliche und dürfte Manches zur Linderung der großen Not beitragen. Aber die leitenden amerikanischen Kreise, besonders Präsident Wilson, der keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um die moralischen Attribute in Bezug auf Amerikas Haltung im Kriege feierlichst zu betonen, sollten es sich angelegen sein lassen, diesen Juden nicht bloß materielle Stütze, sondern auch eine moralische Hilfe zuzuwenden, deren Tragweite viel größer als diejenige der drei Millionen Dollars sein dürfte. Angesichts der großen Abhängigkeit, in welche Rußland gegenwärtig in seinem Verhältnisse zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika in der Munitionsfrage geraten ist, hätte es Wilson und seine Regierung wohl in der Hand, zugunsten der Millionen russischer Juden ein wirksames Wörtchen dreinzureden. Die Lage dieser Juden ist ja auch in normalen Zeiten eine schreckliche. Sie ist jetzt, während des Krieges, noch hundertmal schrecklicher geworden. Die brutale Hand des Zaren lastet schwer auf diesen Unglücklichen, deren einzige Schuld es ist, daß sie Juden sind. Die Petersburger Kosakendiplomatie, der Erfolge auf anderen Gebieten versagt blieben, setzt ihren Ehrgeiz daran, wenigstens über die wehrlosen Juden Siege zu erringen. Die Lage dieser Millionen Juden ist in Amerika wohl bekannt und wenn es dem Präsidenten Wilson mit seinem moralischen Programme in der Politik ernst ist, so müßte er da energisch eingreifen. An einem voranleuchtenden Beispiele fehlt es ihm kenesfaüs. Sein Vorgänger hat ja den Handelsvertrag mit Rußland gekündigt, weil die Petersburger Regierung den jüdischen Bürgern Amerikas die Bewegungsfreiheit in Rußland nicht gestatten wollte. Ein Wort Wilsons, daß er die Munitionslieferungen an Rußland nicht gestatte, insolange dieses sich nicht menschlicher mit seinen jüdischen Bürgern begehe, hätte genügt, um diesen Jaden ein menschenwürdiges Dasein zu gewähren. Die Munitionslieferungen an die Entente sind ja ohnehin eine höchst anfechtbare Handlungsweise und Präsident Wilson könnte ohne jedweder Bedenken einen derartigen Schrift unternehmen. bisher ist in dieser Beziehung von amerikanischer Seite nichts .geschehen. Im Gegenteile, in der amerikanischen Oeffentlichkeit macht sich letztens neuerdings eine scharfe Anti-Emigrationsbewegung bemerkbar und zwar unter der ausdrücklichen Betonung, daß nach dem Kriege ein starker Emigrationsstrom nach Amerika zu gewärtigen ist, dem man rechtzeitig vorbeugen müsse. Daß dieser Emigrationsstrom in erster Linie von jüdischer Seite erfolgen dürfte, ist jedem Kenner der Verhältnisse klar. Die anderes, durch den Krieg betroffenen Völker denken nicht nur an keine Emigration nach dem Kriege, sondern haben im Gegenteil eine Repatriierung ihrer nach Amerika ausgewanderten Konnationalen in die Heimat im Auge, um die Lücken, die der Krieg in der Volkswirtschaft gerissen, ausfüllen zu können. Eine stärkere Auswanderung ist demnach nur von jüdischer Seite zu erwarten und gerade diesen Unglücklichen möchte man rechtzeitig die Pforten Amerikas versperren. Ja, noch mehr, tn Amerika gehen Gerüchte herum, daß gerade jetzt neue Verhandlungen mit Rußland über den Abschluß eines Handelsvertrages gepflegen werden und zwar werden diese Verhandlungen von amerikanischer Seite deswegen forciert, weil man glaubt, Rußland dürfte jetzt gezwungen sein, größere Konzessionen zu gewähren — natürlich nicht in der Juderrfrage, die»Becii immer für das Zarenreich eine noli me tangere ist. Sollten sich diese Gerüchte bestätigen, dann wäre dies wirklich eine Ungeheuerlichkeit, der gegenüber die Arrangierung des Judentages bloß als eine Art Opfersühne erscheinen müßte. Präsident Wilson und die leitenden Kreise Amerikas mögen es sich gesagt sein lassen, daß so hoch die Gesamtjudenheit die den Juden zuteil gewordene materielle Stütze einschätzt, sie damit ihre Pflicht gegenüber der Menschlichkeit noch nicht erfüllt haben. Wie groß die Not der durch die Kriegsereignisse betroffenen Juden auch sein mag, eine moralische Hilfe wäre ihnen viel erwünschter und diese könnte momentan nur von amerikanischer Seite kommen, da Amerika gegenwärtig die einzige neutrale Großmacht ist, die es noch dazu in der Hand hat, auf Rußland einen Druck auszuüben. Unseren Glaubensgenossen jenseits des Ozeans fällt die Pflicht zu, diesbezüglich mit einer Aktion einzusetzen. Auch sie können sich mit der „Judentags"-Aktion nicht begnügen und seilten einen Schritt weiter gehen. Sind sie nun einmal in der glücklichen Lage, von den Kriegsereignissen weniger als ihre europäischen Brüder berührt worden zu sein, so müßten sie ihre Pflicht voll und ganz erfüllen. Ihren ganzen Einfluß auf die öffentliche Meinung Amerikas müßten sie geltend machen, um ihren Glaubensbrüdern im Osten Europas nicht bloß materielle Stütze, sondern auch moralische Hilfe angedeihen zu lassen. Spectator. Die Juden In dem k. u. k. Okkupationsgebiete. Berichte aus denjenigen Gebieten Polens, die von der k. u. k. Armee okkupiert sind, besagen, daß die Lage unserer dortigen Glaubensgenossen sich erfreulicherweise zusehends bessert und daß diese, welche so viele Jahre unter der russischen Knute geseufzt hatten, erst jetzt frei aufatmen und die Segnungen einer humanen, gerechten Verwaltung genießen. Ganz besonders kommen die k. u. k. Behörden den Juden in Bezug auf ihre speziellen religiösen Forderungen entgegen. Wie bekannt, wurde vor einiger Zeit im k. u. k. Okkupationsgebiete das Tabak-Monopol eingeführt. Bei der Verteilung der Trafik-Konzessionen wurden auch die Juden entsprechend berücksichtigt. Ein großer Teil derselben konnte jedoch die Wohltaten dieser Konzessionen nicht genießen, indem er sich nicht entschließen wollte, die Trafiken, wie vorsehriftsgemäß, am Samstag offen zu halten. In letzter Zeit empfing, wie dem Lemberger Tagbiatte gemeldet wird, General-Gouverneur Freiherr von Düter eme jüdische Deputation aus Nowo-Radomsk, welche Sr. Exzellenz die Bitte unterbreitet hatte, den jüdischen Trafikanten die Erlaubnis zu erteilen, die Trafiken am Samstag gesperrt zu halten. Der General-Gouverneur versprach, diese Bitte zu erfüllen. Hoffentlich wird dasselbe auch in den anderen Städten des Okkupationsgebietes geschehen. Ein ähnliches Entgegenkommen haben die k. u. k. Behörden den Juden auch in einer anderen Angelegenheit erwiesen. Bei den Kreiskommandos Piotrkow und Nowo-Radomsk wurden Arbeitsvermittlungs-Stellen eröffnet, um den Arbeitswilligen und -fähigen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Auch Juden nehmen zahlreich diese Vermittlungsstellen in Anspruch. Sie scheuen die schwersten Arbeiten nicht und finden besonders beim Straßenbau Beschäftigung. Nur war ihnen zunächst der Umstand hinderlich, daß sie aus religiösen Gründen am Samstag nicht arbeiten wollten. Um ihnen entgegenzukommen, wurde ihnen diesbezüglich eine Konzession gewährt und sie werden schon am Freitag nachmittags von der Arbeit befreit. Freilich müssen sie dann bis Montag früh ruhen und arbeiten nur fünfeinhalb Tage in der Woche, aber sie nehmen dieses Opfer gerne auf sich, um nur nach den religiösen Vorschriften leben zu können. Wenn man bedenkt, wie traurig die Lage dieser breiten jüdischen Volksmassen unter der russischen Herrschaft war, wo sie nicht einmal frei atmen durften^ s©«kaiin man bogreiieHy mitwelch dankbaren Gefühlen sie die neue Wendung der Dinge begrüßen und mit welchem Vertrauen sie der Zukunft entgegensehen. Bei dieser Gelegenheit können wir nur nochmals wiederholen, daß es die Pflicht der österreichisch-ungarischen Judenschaft ist, ihren Brüdern im Okkupationsgebiete ein größeres Interesse zuzuwenden und ihnen materiell wie moralisch Hilfe angedeihen zu lassen. Rituelle Osterkosf für die Jüdischen Soldaten. Das k. u. k. Militärkommando hat einen Befehl erlassen, mittelst welchem angeordnet wird, den Soldaten israelitischen Glaubens während des ganzen Osterfestes vom 17 April nachmittags bis 25 April Abends rituelle Kost zu verabreichen. Dieser Schritt der k. u. k. Militärbehörden wird seitens aller jüdischen Kreise mit der größten Genugtuung begrüßt und die leitenden Armeekreise können der Dankbarkeit aller Juden Oesterreichs-Ungarns versichert sein. Der betreffende Befehl hat nachstehenden Wortlaut: Militärkommando-Befehl Nr. 38 vom 17. Februar 1916. I. Nr. 4348. — I. Nr. 3213, L. Q. Rituelle Osterkost. Laut Meldung der israel. Militärseelsorge in Wien, Z. 84, vorn 19. Januar 1916, beginnt das israelitische Osterfest am 17. April 1916 nachmittags und endet am 25. April 1916 abends. Während dieser Zeit ist den Soldaten israelitischen Glaubens die rituelle Kost zu verabreichen. Im allgemeinen gelten hiefür die Bestimmungen der Verordnung 1, Nr. 2188/1693 L. Q. vom 28. Januar 1916 (verlautbart im Mil.-Kmdo.-Befehl Nr. 23/16). Im Besonderen wird verfügt: 1. In allen jenen Stationen, in welchen sich Kultusgeme^nden befinden, kann die Ausspeisung durch dieselben im Wege der Vereinbarung mit dem Stations- Kommando gegen Entrichtung einer Vergütung in der Höhe des täglichen Menagegeldes und Brotrelutums erfolgen. 2. In jenen Stationen, in welchen sich zwar Kuitusgemeinden befinden, der Vorgang nach Punk! 1 aber aus irgendeinem Grunde nicht durchführbar ist, muß die rituelle Verköstigung in eigener Regit durchgeführt werden. In diesem Falle wird die Beistellung der Osterbrote sowie des rituell geschlachteten Fleisches rechtzeitig durch Handkauf seitens der betreffenden Truppenkörper und Anstalten bei der zunächstgelegenen Kultusgemeinde

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