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Jüdische Korrespondenz · 1916-02-24 · 8 (24.2.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
8 (24.2.1916)
Date
1916-02-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 8. jüdische Korrespondenz Seite 3 „Mau wurde sich irren, wollte man m der lal- I mudiscneu Jurisprudenz die bcharte und Klarheit der I romiscncn Keuitsicili er und die naive Große der deutschen iveuitsbiieiiei sueiien. Uen lalmudisten tehlt üie i MogucuKen uer z.urucivlulirung aut teste Grundsatze, i aus ucucu ein Konstruktiver Aulbau hergestellt wirü. ^ie sind Viel zu sehr Epigonen. Allerdings haben aucli die Konier den Konstruktiven Autbau nicht beendet, sondern nur mächtige Bausteine gestaltet, aber m ihren scnoptungen war immerhin die Grundlage tur die moderne Jurisprudenz gegeben, welche wir in Deutschland zur Wissenschaft herangebildet haben. Bei den man zenasert sich in Einzelheiten, die bchultulle, welclie zu losen sind, werden nicht aut einlache prinzipielle Grundlagen, sondern aul 1 raditionen und geschichtliche Vorgange gegründet. Und doch enthalt der lalmud eine Fülle juristischer Feinheiten, zu gleicher Zeit aber auch eine Menge humaner Bestimmungen, die dem römischen Kecnte fremd waren, und das btrairecht bietet nebst aller s-chane eine Keine milder Zuge. Man sucht die 1 odesstrate möglichst zu vermeiden und wendet sie nur an. wenn der Verbrecher in völlig zweifelloser Weise ubertuhrt wird, m einer solchen Weise, die selten zu erreichen ist: m anderen Fallen soll der Verbrecher nur eine arbiträre htrafc erleiden: an btene der 1 odesstrate kerkerstrate mit Wasser und Brot. Manches klingt außerordentlich modern: gewerbliche Anstalten sollen nur m der Weise errichtet werden, dal:, die Nachbarn nicht zu sehr belästigt werden, die Kundschaft soll nicht durch Geschenke an die Kinder angelockt, der Arbeiter nicht über die übliche Zeit hinaus zurückgehalten werden, auch soll er seinen Lohn in Geld, nicht in Materialien bekommen, und der Lohn soll nach vollendeter Arbeit am gleichen Tage ausbezahlt werden. Auch der batz. daß der gutgläubige trwerber einer bache regelmäßig tigentumer werden soll, tindet im lalmud seine Grundlage, ts ist ein grober Gedanke, daß. wenn es dem Eigentümer nicht gelingt, seine bache weiter zu verfolgen, der Verkehr irei sein soll: das individuelle Interesse muß dem sozialen weichen. In manchem allerdings ist das mdische Recht unseren modernen Anschauungen widersprechend. Uie Polygamie ist im I almud nicht verboten, die beliebige tntlassung der Frau durch den bcheidebnet gestattet, das Beweissystem mit dem Ihoraeid ist unvollkommen. Aber gerade dann zeigt sich die Bedeutung des ungeheuren Werkes, daß es spatere bedeutungsvolle Bildungen nicht abschnitt, sondern ihnen den Weg bahnte. Denn hier uberall hat die rabbimsche hntwicklung eingesetzt: sie hat die Ehe tieter erlabt, die Polygamie beseitigt, die Ehescheidung der Willkur des Mannes entzogen, durch Einfuhrung des Rabbuieneides das Beweissvstem vervollkommnet. Auch die weitere Gestaltung der Wertpapiere ist bache des Rabbinenrechtes gewesen." ..Allerdings kann ich den Urtext nicht verfolgen und muß die 1 extkntik, ebenso wie die tinzelstudien den talmudischen Fachkundigen überlassen; doch habe ich langst versucht, namentlich m der Zeitschritt für vergleichende Rechtswissenschaft, die jüdischen Gelehrten heranzuziehen, um das grobe Kulturwerk in seinen zahlreichen Einzelheiten zu verarbeiten, und hotte hier aut reichliche Beihilfe. Aber das btudium des 1 almudrechtes darf nicht eine spezielle Klassen- und Kastensache bleiben: jeder universelle deutsche Jurist wird sich damit zu befassen haben. Die Gedankenarbeit, die Tausende und Abertausende aut dem Weg durch eine tanze Welt geleitet hat, muh dem Juristen und Kulturhistonker vertraut werden, und der Emversahsmus der Deutschen, dem die Geistestaten der indischen Rechtsgelehrten und Philosophen nicht fremd geblieben sind, muß auch die Ideenwelt eines Volkes zum Gegenstand des Studiums machen, das uns einst die Psalmen geschenkt hat. in Ueberemstitnmung mit dem Antrag des Senats vom 27. Januar 1916 als einen lag zu proklamieren, an dem die Burger aer Vereinigten Staaten nach Neigung Beitrage leisten sollen, urn den unglücklichen Juden Hille zu bringen. Spenden können an das „Amerikanische Rote Kreuz m Washington gerichtet werden, uas daraut achten wird, daß das Geld dem richtigen Zwecke zugeführt werde. t lege heu in \\ asliington ls De/emb 191 -> W o o d i o w W i 1 s o n. .Nach der neuesten Nachricht hat die Sammlung des Judentages 2 Millionen Dollar ergeben. klarte, daß ihm die patriotische Haltung des gaiizischen Juden bekannt ist und verspraen, üic ihm m einem Memonale vorgelegten \\ midie eingehend zu prulen und nach Möglichkeit : berücksichtigen. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer. Ein „Judenlag" in Amerika. Den New Yorker judischen Tageszeitungen geht unterm 13. Januar folgender telegraphischer Bericht aus Washington zu: Präsident Wilson erließ gestern m aller Form eine Proklamation, in der ein „Judentag" für den 27. Januar festgesetzt wird, an welchem läge Sammlungen zugunsten der jüdischen Kriegsopfer im ganzen Lande veranstaltet werden sollen. Wie bereits gemeldet wurde, war die Bestimmung eines „Judentages durch den Präsidenten das Resultat einer durch den Senatoi Martin aus \ew-ltrse\ aut ^suchen des Mr. Harry Fischel. Schatzmeister des „Central Jewish Relief Commitee in New York in den Senat eingebrachten Resolution. Der Präsident fuhrt m seiner Proklamation den Wortlaut der Senatsresolution an. der daraut hinweist, daß von den 9 Millionen Juden, die sich gegenwartig m den kriegführenden Landern befinden, der größte I eil Hunger und Not preisgegeben sei. daß Millionen aus ihrer Heimat vertrieben wurden und fahrt fort: „Da ich das sichere F.mptmderi habe, daß das amerikanische Volk gern den Kriegsopfern einer Rasse Hilfe bringen wird, die den Vereinigten Staaten so viele würdige Bürger geschenkt hat, tühle ich, Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, mich bewogen, Streiflichter. Die „lieben Juden" des Zaren. i I )ie Untersuchungen gegen die die Moskauer : Börse besuchenden judischen Kautieute weri den tortgesetzt. Die Polizei achtet strenge darj aut, daß nur solche Personen dort verkehren; durten, die das Wohnrecht m Moskau besitzen.! Lbenso wurden in Odessa aui der Börse Poh- | zei-Untersuchungen vorgenommen, angeblich | m der Absicht, die Militärpflicht der Borsen- I besucher testzustellen. „Rjetsch schreibt zu I diesen \ orkommmssen: Diese Maßnahme wird | wohl in allen Handelszentren stattfinden und I steuerlich zu einer weiteren Desorganisation des Handelsverkehrs fuhren Der General- I rat des „Russischen Volkes . der vom beruchi tigten Antisemiten Dubrowin geleitet wird, bereitet jetzt eine Broschüre vor, m welcher Protestresolutionen vieler Provinzfihalen dagegen enthalten sind, daß Geistliche jüdische Lazarette. Herbergen, Synagogen usw. besuchen. Der „Denj bemerkt hiezu: ..Bekanntlich haben sich dessen „schuldig gemacht nur l Hierarchen: der Metroiwht Pitirim und der Bischof Konstantin, Vikar zu Witcbsk. ....... Zu der Angelegenheit der jüdischen Reclitsanwaltsgehilfen schreibt die „Jewr. Medeha": „Ungefähr 100 Personen m ganz Rußland werden durch das Danaer-Geschenk beglückt. Indessen werden lausende junger Kratte, Studenten und Advokaten gezwungen sein, in der Gegenwart wie auch in der Zukunft ohne Rechte und „Beruf" dahinzuleben, in der Hoffnung, daß an der Neige ihres Lebens, nachdem ihre Kräfte verbraucht sein werden, die Reihe in der Prozentnonn vielleicht an sie kommen werde. — „Rußkoje snamja schreibt am \2Ao. Januar: Wenn die Sludvs sich noch so bemuhen, ihre freundlichen Gefühle gegenüber den Deutschen zu verstecken, so treten dieselben doch auf jedem Schritte hervor und Wilhelm belohnt sie, sie bekommen den Lohn nach Verdienst. In der Nummer vom 10. Januar brachte die „Birsh. W jedomosti eine Depesche aus Minsk, m der mitgeteilt wurde, daß die von den Deutschen okkupierte Stadt Ostrolenka fast völlig vernichtet sei und daß dort nur 300 Juden verblichen sind, Ferner heißt es, daß als Bürgermeister der Jude M. Aron Katschur eingesetzt wurde, hs ist doch schwer, anzunehmen, jammert die „Russkoje Snamja . daß unter allen Finwohnern der Stadt Ostrolenka der würdigste und vertrauensvollste der Jude Katschur sei. Die einzigen, die das Vertrauen der Deutschen verdienen, sind die Shidvs usw. Also eine gemeine Hetze gegen die Juden, deren Deutschfreundhchkeit der Regierung verzeigt wird. — „Golos Russr beklagt sich, daß die russischen Schulen von den Juden uberflutet werden, weil an der Petrograder Universität der Jude I. L. Shirtnunski als Privatdozent für die Geschichte der westeuropaischen Literatur bestätigt wur- | de. Dies, jammert die Zeitung, ist der zweite derartige Fall im abgelaufenen Jahr, da unlängst der Jude I. Lewin als Dozent tur Nationalökonomie zugelassen wurde. — Als Antwort auf das Gesuch der in Kiew sich befindenden gaiizischen Geiseln, sie aus der Haft zu entlassen und ihnen die Ruckreise in die Heimat zu gestatten, hat der Oberbefehlshaber der Sudwestfront folgendes befohlen: 1. die judischen Geiseln müssen nach Sibirien verbannt werden; 2. die christlichen Geiseln können sich außerhalb des Kriegsplatzes ihren Wohnort beliebig wählen. Die Woche. Minister Prinz Hohenlohe in Galizien. Aus Lemberg wird berichtet: Gelegentlich seines vorwochigen Besuches in Lemberg empfing Minister des Innern Prinz Hohenlohe unter anderen auch eine Deputation des judischen Kultusvorstandes sowie eine Delegation des jüdischen Hilfskomitees. Der Minister ließ sich einen ausführlichen Bericht über die Lage uer Juden im Lande vorlegen, eri'ei Kaiser hat den Kultusvorsteher Dr. Markus spitzer zum jüdischen Vertreter im mcüerosterreicluscneu Landesschulrate an Stellt des^ veisioi tienen \ izeprasidenten Dr. Gu- Hetr Dr. spitzer im langjähriges Mitglied des Kultusvorstandes und des \ ertreter-Kollegiunis, besitzt grobes jüdisches und hebräisches W lssen und hat seit jeher cm große-. Interesse dem jüdischen Religionsunterrichte gewidmet. Seme trnennung zum Mugiiedc des Landesschulrates wird m allen Kreisen nm großer Befriedigung begrüßt. Aktivierung der Advokatorischen Kriegskreditkasse in Wien. Mit Rücksicht darauf, daß der größte leii der Bezirke tiahziens und der Bukowina tur die Rückkehr der fluchtigen Bevölkerung wieder freigegeben worden ist, wurde die Advokatonsclie i\negskreditkasse reg. U. m. b. H„ deren Hauptzweck in der Gewährung von Repairuerungskrediten tur die lluchtigen Advokaturskandidaten besteht, am 17. Februar aktiviert. Die Kreditgesuche sind an die mit der Verwaltung der Kasse betraute Niederosterreiclnsche Knegskreditbank, Wien, I. Bezirk, Wallnerstraße 9. zu richten, wo auch alle erforderlichen Drucksachen erhältlich sind- Die neun Wiener Großbanken haben einen dem voraussichtlichen Bedan entsprechenden Kredil von i Millionen Kronen zur Verlugung gestellt. Dazu kommen die Anteile der Kreditneimiei sowie deren Auslallsburgschaft bis zur tu'he von in Prozent des eigenen Kredits, die Daianiien der Advokatenkaininern Gahziens und der Bukowina sowie eine weitgehende Haltung des Finanzministeriums. Allerdings verdient der gemeinnützige Zweck dieser Anstalt, daß noch weitere freiwillige Anteilzeichnungen oder Reservelondsbeitrage von selten wohlhabender Advokaten aus den vom Kriege nicht unmittelbar betroffenen Gebieten erfolgen, damit die Kasse gegen alle Lventtiahtaten gesichert sei. Die Judentrage aut dem Bristoler Arbeiterkongresse. Die Pariser „Humanite druckt an hervorragender Stelle folgende Resolution des Bristoler Kongresses über die Judentrage ab: „Der Kongreß wünscht seine Befriedigung uber die Anstrengungen auszudrucken, die daraul abzielen, die Gleichheit der Juden vor dem Gesetze in allen Landern zu erzielen. „Lr beauftragt den Labour Partv damit, sowohl im Parlamente wie im Lande allen nur möglichen Druck aul die öffentliche Meinung auszuüben, um den Verfolgungen der Juden sofort ein Lnde zu machen, auf daß man bei den Friedensverhandlungen ein Regime erörtere und schaffe, das den Juden gleich anderen Nationalitäten, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, ihre soziale, politische, wirtschaftliche und nationale Lntwicklung Das mit Lngland verbündete Rußland braucht nicht erst die Friedensverhandlungen abzuwarten, um den Wünschen der englischen Arbeiterpartei in der Judenfrage gerecht zu werden. Und was sagt man in Rußland dazu? Der Antisemitismus in der französischen Armee. Unter dem I itel ..I >arf man es sagen unter dem Gustave Herves Blatt ..Victoire"" (Iriiher „Guerre Sociale ") alle m Frankreich jetzt begangenen Ungereimtheiten verzeichnet, erschien in der Nummer vom y. Jänner lolgenf de Notiz: [ „Darf man es sagen, daß wir einen imi! I sehen Oberleutnant im Alter von 49 Jahren | kennen, der freiwillig wieder in die Armee c:n- J getreten ist, trotzdem er gänzlich vom Waffendienste enthoben worden war/ | Darf man es sagen, daß dieser Onerlein- | nant von seinen Untergebenen vergotten und von seinem Vorgesetzten schikaniert wird, der sich gegen jedes Recht weigert, ihn zu emer Auszeichnung einzugeben und ihn tur die Beförderung zum Hauptmann vorzuschlagen? Darf man es sagen, daß. nachdem der Oberleutnant Blum verwundet war. dessen Vorgesetzter sich, als die Blessiertentrager den Schwervervundeten aul eine Bahre betteten. | zu folgender Aeußerung herbeiließ: „Laßt ihn i doch, höchstens gibt es einen Juden weniger."

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