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Jüdische Korrespondenz · 1916-02-24 · 8 (24.2.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
8 (24.2.1916)
Date
1916-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische -Ktmrcssp onrtemz: Nr. 8. Chronik. Rabbiner Dr. rrankl-Grun s. i Jai Dt tenkn-isen Oesterreichs und Deutschlands kannten Namen. Wahrend seiner tunfunddreißigjahngen Amtstätigkeit in der geschichtlich interessanten Stadt kremsier durchforschte er alle Archive und Bibliotheken der größeren Städte Mahrens. Als bedeutendstes l'.rgebms seiner wissenschaftlichen Arbeiten entstand Jit dreibändige „Geschichte der Juden in Kremsier und den Nachbargemeinden", mit der er dieser Gemeinde in ihren Beziehungen zum Ofmutzer hrzbistum und in ihrer inneren Tätigkeit ein würdiges Denkmal setzte und der jüdischen Lokalgeschichte neue W ege wies. Weiter erschien eine Geschichte seiner Heimatstadt Ungarisch-Brod und eine jüdische Zeitgeschichte, die bewußt an den Historiker Grätz anknuptt. Von seinen anderen Arbeiten sind in Fachkreisen am bekanntesten eine Sammlung von hxhorten und die der kaiserlichen 1"amihenbibliothek einverleibten Reden „Des Kaisers Jubel- und Trauertage", die im Zusammenhang mit seinen Empfängen wahrend der Anwesenheit des Kaisers in Kremsier (1885) und anderen mährischen Städten entstanden. Beim Leichenbegängnis würdigte Oberrabbiner Dr <iiidemann die Bedeutung des Verstorbenen. Im Namen der Kollegen sprach am Grabe Rabbiner Dr. Der achtzigste Geburtstag von Mendele Mocher Sforim. Vor kurzer Zeit leierte der Senior der jüdischen Schrittsteller S. J. Abramowitsch (Mendele Moeher Stonm) seinen achtzigsten Geburtstag. Wegen der gegenwärtigen schrecklichen Zeit und der Leiden der Juden tand aut Wunsch des Dichters keine öffentliche 1"eier statt. Doch wurde in literarischen Kreisen in Odessa, Petersburg, Moskau und anderen Orten dieser Festtag der indischen Literatur durch Sonder-Versammlungen geleiert. Judische Arbeiter aus Polen. Das kaiserlich Deutsche Arbeitsamt in W arschau hat bisher 70U0 Arbeitern Beschäftigung m Deutschland verschafft, davon war die größere Hälfte Fabrikarbeiter. Für Bergwerke wurden 3000 Personen verpflichtet. Die Arbeiter werden dreimal wöchentlich nach Deutschland befördert, Eine Fabrik m Deutschland, deren Besitzer ein Jude ist. verpflichtete 600 Arbeiter, ausschließlich Juden. Die Stettmer Automobihabrik Gebrüder Tauever. hat eine besondere koschere Kuche für die indischen Arbeiter eingerichtet. Die Fabrik verlangt noch hundert jüdische Schlosser. Diese sind auch bereits in Warschau verpflichtet worden. Aus Palastina. Unter der Redaktion des bekann indischen Geschichte in Palästina. H ist der XX. Band seines Hebräische ders (Luach Erez-lsrael) für die Jali vor kurzem erschienen. Wie halt auch dieser Doppelband handlungen und Urkunden zu wie auch belletristische und eine ausführliche Chronik im lastinensischen Ereignisse e 5075 und 5070; Vorgänger ent¬ Jahr alle eine Anzahl wichtiger Ab- ■ jüdischen Palastinakunde dichterische Beiträge um: J Uebersicht über die pawahrend der beiden verdieses Doppelbandes belli J e r u s a 1 e in sind in der letzten Zeit zwei neue hebräische Verlagsanstalten unter den Namen „Maschtela und .. lalpiot entstanden. Die neuen Anstalten widmen sich in erster Reihe der Herausgabe von Kinderbüchern. Das Verhältnis der Juden von Saloniki zur Entente. Die Konstantmopeler Zeitung ,. I erd-schuman-i-Hakikat bringt folgenden Bericht über die Salomker Juden: „Alle Salomker Juden sind Parteiganger Deutschlands. Um diese deutschlreuiidhche Gesinnung der Julien zu ändern, begab sich Baron Rothschild (Paris) nach Saloniki. Baron Rothschild stellte seine Yacht in den Dienst der Verwundetentransporte und spendete einen Betrag von .Ul.ooo Fres für die armen Juden. Der Großrabbiner von Saloniki erklarte aber Baron Rothschild, daß, solange Frankreich der Bundesgenosse Rußlands sei, die Juden keine freundschaftlichen Gefühle für Frankreich hegen konnten. Diese Erklärung gewinnt noch an Bedeutung durch die sie begleitenden Um¬ Stande. Baron Rothschild hatte nämlich die tüdische Bevölkerung zu euer Massenversammlung in die Hauptsvnagoge von Saloniki emberuteti. um den Juden darzulegen, welche politische Haltung seiner persönlichen Ueberzeugung nach fur sie die gunstige wäre. Die Synagoge war ubertulit. Der Baron bestieg die Rednertribüne und verfocht mit großer Beredsamkeit ihre Sympathien den Ententemachten zuzuwenden. Als er geendet hatte, betrat der Oberrabbiner das Podium. Die Ueberraschung des Barons war nicht gering, als der ehrwürdige Rabbi Jacob Meir mit der ganzen Kraft seiner patriarchalischen Persönlichkeit dem Baron die oberwahute Antwort erteilte. Im alten Judenviertel von Wilua.! Nur selten tuhrt der Weg des Fremden ms arte : Judenviertel Wilnas, das ehemalige Ghetto, uas ais eine i Welt tur sich, zwischen Großer-, Deutscher- und Do- > mmikanerstraße sich hinzieht, fcs kann sich an Berühmtheit nicht mit den Juden vierteln von Prag oüer Amsterw uruigkeit, die selbst noch manchen tinheimischen uberlaschen kann. Inmitten all seiner kleinen, holperigen, krummen und bunten Gaßchen liegt ein altes Heiligtum, die Synagoge. Aeußerlich ein eigenartiges Bauwerk, von anen Seiten wie beklebt mit farbigen Häusern und verzwickeltem Gemäuer. Man muß sich hier schon genau auskennen, um sich zurechtzufinden: desto grobei abei ist die Ueberraschung für jeden Fremden, der es unternimmt, in den 1 empel hineinzugehen, freunden guter alter synagogaler Musik ist es vielleicnt sogar interessant, zu erfahren, daß man hier Gelegenheit hat, am Sonnabend einen leistungsfähigen, gut geschulten Knabenchor zu hören. Das Stimmmatenal und besonders der Diskant des Solisten sind ausgezeichnet. Jeder wird hier einen großen fcmdruck erleben; die Zeremonie selbst hat noch den alten gestrengen Charakter bewahrt, Es ist ein sehr eigenes Bild m der großen machtigen Halle, die noch imposanter durch die massigen Säulen m der Mitte wirkt, die Andachtsubungen der Manner und oben die Frauen m ihren besonderen Gemächern m den hochgelegenen Logen, von denen aus sie durch kleine Fenster hindurch an ailen Geschehnissen teilnehmen können. Unweit der Synagoge, architektonisch allerdings uninteressant, hegen die Schulen und Gebethauser. Hier entwickelt sich nicht nur an den Feiertagen, sondern auch in den gewöhnlichen Morgenstunden ein reges Leben. Die ganze alte Bibel wird man hier lebendig wieder tmden. Die alten würdigen Patriarchen sitzen beisammen und studieren in alten Banden, und die kleinen schwarzäugigen Buben erhalten hier ihre ersten Lehren: biblisches Leben spricht hier wie auf Blattern von Rembrandt. tin Jüdischer Held aus dem Freiheitskrieg 1812/13. Heute, wo das Heldentum Deutschlands sich in so herrlicher Weise erneuert und wo uns die große Zeit geschichtlich denken lehrt, durlte es interessant sein, das Bild eines schlichten judischen Helden aus dem Freiheitskriege vorzufuhren. Das Material, das wir einem Großneffen dieses Kriegers. Herrn Paul Oppler in Dortmund, verdanken, zeigt uns. daß Patriotismus und lapierkeit schon vor hundert Jahren keine seltene» 1 ugenden innerhalb der deutschen Judenheit waren. Hirschel Neißer aus Katscher in Schlesien war einer der ersten, die dem Rufe des Königs Friedrich Wilhelm III. ..An mein Volk" im Jahre 1812 gefolgt waren. Er meldete sich als Freiwilliger in Breslau zu den Fahnen und machte den ganzen Feldzug mit. tr kehrte nach Vollendung des Krieges als Wachtmeister, geschmückt mit dem fcisernen Kreuz, nach Katscher zurück. 1815 gründete er dort den Kriegerverem. dessen eifriges Mitglied er sein ganzes Leben hindurch blieb. Er starb 1842 und wurde mit militärischen thren und unter Glockenläuten der katholischen Kirche zu Grabe geleitet. Dieses Glockenlauten hatte eine ganz eigenartige Geschichte. Der Vorstand des Kriegervereins, dessen Mitglieder zum Teil auch dem Vorstände der Kirchengemeinde angehorten, beschloß in Würdigung der Verdienste des Verstorbenen, daß die Beerdigung nicht nur durch militärische thren. sondern auch durch Glockenlauten sich auszeichnen sollte. Gegen diesen Beschluß protestierte nur ein Mitglied, der Apotheker Eike, mit der Begründung, daß trotz aller Verdienste des Kriegers es uuchristlich wäre, beim Leichenzug eines Juden die Glocken einer katholischen Kirche lauten zu lassen, tr wandte sich, als sein Einspruch nicht half, mit einer Beschwerde an die Königliche Regierung in Oppeln. Die Regierung entschied aber, wenn die Burger den Verstorbenen fur würdig erachten und beschlossen haben, die Glocken zu lauten, habe sie keine Veranlassung, dagegen einzuschreiten. Die Beerdigung fand also mit Musik. Fahnen und Glockenlauten statt. Die ganze Gemeinde und Umgegend beteiligte sich an der Trauerteier. Da die indische Gemeinde orthodox war. so durften die Fahnen und die Musikkapelle den Friedhof nicht betreten und mußten vor dem Tore ihre Aufstellung nehmen. Der Apotheker Eike gab sich übrigens mit dem Bescheide der Regierung in Oppeln nicht zutneden. und er wandte sich mit einer Klage an das Kabinett Konig Friedrich Wilhelms IV. nach Berlin, dem Juden Neißer seien bei der Beerdigung zu viele thren erwiesen worden. Die Antwort des Königs aber lautete, man könne einem verdienstvollen Veteranen nicht Ehren genug Neue Blicher. „Oesterreich-Ungarn im Weltkriege". Wirkhchkeitsaufnahmen. ausgewählt und zusammengestellt von Max Bauer. Herausgegeben von Walter Stein. Erster Band. Hermann Montanus Verlagsbuchhandlung. Siegen. Leipzig. Berlin. 1915. Das Buch enthält eine große Reihe überaus gelungener Aufnahmen über Oesterreich-Ungarn im Kriege, samt einer in begeisterten Worten geschriebenen Einleitung über die Leistungen der Monarchie in diesem großen Weltenringen. Die Ausstattung des Buches ist eine glänzende. „Deutschlands Eroberung der Luft". Die Entwickelung deutschen Flugwesens an Hand von 315 Wirklichkeitsaufnahmen, dargestellt von Ingenieur Willi Hakkenberger. Mit einem Geleitwort von Hellmuth Hirt. Erster Band. Verlag Hermann Montanus. Siegen. Leipzig. Berlin. 1915. „Deutsche Rundschau". Februarhett 191b. Verlag von Gebrüder Paetel. Berlin. — Aus dem überaus reichen Inhalte sind folgende Artikel hervorzuheben: ..Die Bedeutung einer vlamischen Hochschule . ..B. B. Ephraims Pariser Geheimsendung von 1790/91. Das tnde einer politischen Legende, „Klopstock der Patriot und Revolutionär . „Nordamerikas imperialistische Bestrebungen . ..Graf Iba Tolstoi. Erinnerungen . ..Literarische Rundschau etc. etc. „Bulgarien und die Bulgaren'". Von Dr. Kurt lioencke. Mit zahlreichen Abbildungen, einer Reliefkarte von Bulgarien und einem farbigen Umschlag. Preis geheftet M 1.—. gebd. M 1.80. Stuttgart. Franckh sche Verlagshandlung. „Krieg und Soldat in der Spruchweisheit, von Heraklit bis Hmdenburg" nennt der bekannte Vertasser Dr. E. M. Kronfeld seine wertvolle Sammlung von Sentenzen aus drei Jahrtausenden, die soeben im Verlag von Hugo Schmidt m München zum Preise von M 1.50 geheftet. M 2.50 gebunden, erschien. Es ist außerordentlich interessant, die große Zeitspanne in den bezeichnenden Aussprüchen der großen Heerführer. Staatsmanner. Gelehrten. Fürsten. Schriftsteller zu durchgehen. Die Sammlung zeigt, daß von vorchristlicher Zeit an bis in unsere gewaltigen Tage ..Krieg und Soldat" immer die Welt regieren und ihr Schicksal bestimmen werden. Bezeichnende ..Waffeninschriften vervollstand.gen die dauernd wertvolle Arbeit. ..Guilliver's neue Reise". Von Dr. M. Ascher. (Concordia. Deutsche Verlagsanstalt. Berlin S. W. 11). Preis: Geheftet M 1.50, gebunden M 2.50. ..Guilliver's neue Reise" ist ein selten schönes Werk, voll an tiefen Gedanken und herzerhebenden Ausführungen. Der Leser findet dann wahre Erbauung und eine unversiegbare Ouelle der Weisheit und des Rats in allen Lagen und Verhaltnissen des Lebens. Die gegebenen Ideen über trziehungskunst, Armenwesen, Naturwissenschaft, Philosophie und Religion, über Krieg und Frieden, die Ehe, die Stellung der Frau. Konzentrationskraft, Kunst. Zeit und Ewigkeit regen machtig an und gewähren .große Befriedigung. Das Buch will uns in ernster Zeit lehren, wie wir die Freuden dieses Seins nach Gebühr zu schätzen haben, wie wir uns von den kleinlichen niedrigen Sorgen freizuhalten und zur wahren Gluckseligkeit erziehen können. Es verfolgt den Zweck, die Mahnung m die Welt hinauszurufen: „Laßt Sonnenschein hinter euch, laßt Sonnenschein hinter euch! ..Oesterreichischer Almanach auf das Jahr Hlfi'. Herausgegeben von Hugo v. Hortmannsthal, im Insel- Verlag zu Leipzig. — Ein Kriegsbuch von überaus gewähltem Inhalte ist dieser Almanach. dessen Lektüre Jedem empfohlen werden kann. „Mitteilungen zur Judischen Volkskunde". Herausgegeben von Dr. M. Grunwald, Rabbiner der isr. Kultusgemeinde in Wien. 18. Jahrgang. Hefte 1—4. Wien, 1915. — Wie die bisherigen Hefte, enthalten auch die vorliegenden überaus interessantes Material. Ganz besonders ist aut die ...Indischen Volkserzahlungen aus Polen" sowie auf die ..Aelteren ludischen Frauengebete zu verweisen, welche tur die Psychologie der Ostjuderi sehr charakteristisch sind. „Die Geschichte der kleinen Fliege", bin Heine- Roman, von Doris Wittner. Grethlein & Co., G. m. b. h. Leipz(g. — Der überaus reichen Heine-Literatur reiht sich dieser Roman sehr würdig an. Die Gestalt Heines bildet den Mittelpunkt des Werkes und die bedeutsamen Ereignisse se nes so wechselvollen und zerklüfteten Lebens werden durch die hohe Kunstlerschaft einer Frau zu einer lebensstarken Dichtung verwoben. „Geschichte Polens in allgemeinen Umrissen", von Prot. Dr. August Sokolowski. Krakau 1915. Centrai- Verlags-Bureau des poln sehen Obersten Nationalkomitees. — Bei dem großen Interesse, welches die polnische Frage gegenwartig uberall erregt, durfte dieses Buch fur das deutschlesende Publikum sehr wiilkom- „Groß-Polen und die Zentralmachte", von Dmytro Donzow. Berlin 1915. Verlag Carl Kroll. - Der Verfasser behandelt die polnische Frage vom ukrainischen Standpunkte. „Der Krieg im Lichte der Biologie", Vortrag von Dr. Jozef Nussbaum-Hilarowicz. o. o. Prof. an der Universität Lemberg. Jena, 1916, Verlag von Gustav Fischer. „Der Krieg und die Volkswirtschaft". 2. Autlage mit dem Zusatzkapitel: Zwischen Zukuntt und Vergangenheit nach 16 Monaten Wirtschattskrieg. Von Prof. Dr. Johann Plenge. Munster 1. \V„ 1915. Verlag von Borgmever & Co. -- Em höchst aktuelles Buch, mit großer Sachkenntnis geschrieben, das jedem intelligenten Leser als interessante und belehrende Lektüre aufs wärmste empfohlen werden kann. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jörns Kreppet — Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX., Pramergaaae 6. (Verantwortlich S. Oräntat;.

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