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Jüdische Korrespondenz · 1916-01-27 · 4 (27.1.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
4 (27.1.1916)
Date
1916-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4. Jüdische Korrespondenz Seite 3 land sein, das nicht müde wird, im Wege phantasievoller Erfindungen seiner Presse über den Niedergang von Handel und Wandel in Oesterreich-Ungarn zu berichten, um die eigene, bereits zaghaft gewordene Bevölkerung über die sich täglich nachdrücklicher häufenden fiiobsposten von den verschiedenen Kriegsschauplätzen hinwegzutäuschen. Dem Grundgedanken der Exposition entsprechend, wird das Hauptgewicht auf die Schaustellung von Objekten gelegt werden, die geeignet erscheinen, inmitten des friedlichen Rahmens ein, wenn auch nur ilüchtiges Bild der wichtigen, entscheidenden Ereignisse zu ergeben, wie sie der Weltkrieg in so reichen Maße gebracht hat. Der Beschauer soll durch die Zusammenstellung von Siegestrophäen und Beutestücken, der Behelfe aus dem Arsenal unserer brillanten technischen Truppen, der Requisiten der Sanitätsmannschaft und der Verproviantierungskolonnen, der Flieger und Mihtärautomobilisten vor seinem geistigen Auge lebendige Szenen aus den Operationsgebieten erstehen sehen, er soll einigermaßen Einblick in das ungeheure Räderwerk gewinnen, das unsere Heerführer durch Wort und Blick nach ihrem Willen in zweckentsprechendem Betriebe erhalten, er soll die junge Geschichte des Weitkrieges wieder an sich vorüberrollen lassen. Auch die Großtaten unserer bewunderungswürdigen Flotte werden die verdiente Verherrlichung finden, und eine eigene Marineausstellung wird im Wege der Schaustellung von Schiffsmodellen, Torpedo- und Marinegeschossen sowie durch eine Flaggenschau dem Stadter ein Bild des Seemannslebens in Kriegszeiten vor Augen führen. Die Durchführung des schwierigen Programmpunktes der Kriegsausstellung erscheint durch das dankenswerte Entgegenkommen unserer für das Unternehmen in hohem Grade eingenommeneu Kriegsverwaltung gesichert, die zum erstenmal seit dem Bestehen von Ausstellungen sozusagen als Aussteller auftreten wird. Das Heeresmuseum wird einen Teil seiner Schätze zur Verfügung stellen, die Zeugs- und Munitionsdepots, die Heeres- und Marinearsenale werden ihre sorgsam behüteten Schätze be stellen, und kunst- und sachverständige Offiziere des Kriegsministeriums werden sich der komplizierten Aufgabe unterziehen, den militärischen Teil der Kriegsausstellung fachmännisch zu arrangieren. Die Ausstellung der Erzeugnisse unserer Industrie und unseres Gewerbes wird dem neutralen Auslande dartun, welcher Anpassungsfähigkeit unsere heimische Produktion fähig ist, der ein großer Teil des Verdienstes für die glänzenden Erfolge unserer Heere zukommt. Die Exposition wird auch in hohem Maße dazu beitragen, unserer eigenen Bevölkerung das eminent patriotische Wirken der produzierenden Stände klarzumachen und sie über deren Leistungen für Armee und Flotte zu orientieren. Auch die zahlreichen Beziehungen der Kunst und des Kunstgewerben zum Kriege werden in der Ausstellung zur vollen Geltung gelangen, und es erscheint Vorsorge dafür getroffen, daß die Vertreter der bildenden Kunst in der Exposition entsprechend zum Worte kommen. Die Kriegsausstellung wird auf den Gründen des Kaisergartens im Prater erstehen. Als Architekt wurde Professor Karl Witzmann gewonnen, der sich, was die bauliche Ausgestaltung der Exposition anlangt, für eine totale Abschwenkung von dem bisher üblichen Pavillonsystem entschieden und zu einer Neuerung entschlossen hat, die der allgemeinen Zustimmung sicher sein darf. Er schafft nämlich eine Kette geschlossener Hallen, die miteinander verbunden sind und den Gast durch die verschiedenen Gruppen der Ausstellung geleiten, also einen förmlichen gedeckten Promenadeweg rund um das ganze Ausstellungsgebiet. Die einzelnen Hallen werden natürlich architektonisch scharf voneinander geschieden sein und in ihrem Baustil den Zwecken künstlerisch angepaßt werden, denen sie zu dienen haben. So wird der Kaisergarten, in dem die Demolierung der bisherigen Baulichkeiten schon demnächst beendigt sein wird, ein vollkommen neues Bild und ein stimmungsvolles Milieu für die Oertlichkeiten darbieten, in denen sich das gesellige Leben und Treiben der Residenz während der nächsten Sommersaison abspielen wird. Das Erträgnis der Ausstellung ist wohltätigen Zwecken gewidmet. Der Ehrenpräsident Kriegsminister FZM. Freiherr v. Krobatin hat sich vorbehalten, die ihm nach Schluß der Ausstellung zur Verfügung gestellten Summen in der ihm geeignet erscheinenden Weise für die Kriegsfürsorge zu verwenden. Die Kriegsausstellung wird also zu gleicher Zeit patriotischen, politischen, volkswirtschaftlichen und charitativen Zwecken dienen. Die Woche. Die Ostjudenfrage und der Deutsche Nationalverband. Am 19. d. M. fand im Wien eine Vollversammlung des Deutschen Nationalverbandes statt, welche die Richtlinien der künftigen Politik des Verbandes festgesetzt hat. Bei den Verhandlungen gelangte auch die sogenante Ostjudenfrage zur Sprache. In dem über die Versammlung ausgegebenen Berichte findet sich nämlich folgende Stelle: So wurde insbesondere auch die Notwendigkeit betont, für den Fall der Angliederung eines Teiles von Russisch-Polen die Ostjudenfrage zu regeln, und es wurde dabei hervorgehoben, daß eine solche Regelung nicht nur im Interesse der Gesamtheit der Staatsbürger, sondern namentlich auch im Interesse der Staatsbürger jüdischer Konfession gelegen sei. In weichem Sinne der Deutsche Nationalverband die Regelung dieser Frage versteht, ist aus dieser etwas unklaren Formulierung des Berichtes nicht zu ersehen. Die „lieben Juden" des Zaren. <M Der russische Minister des Innern, A. N. Cliwostow, empfing vor kurzem wieder einmal die Vertreter der Presse, um sie über die gegenwärtige politische Lage aufzuklaren. Unter anderem berührte er auch die Judenfrage, von der er folgendes sagte: „Das Ministerium bemüht sich jetzt, die Gesetze, die sich auf die rechtliche Lage der Juden beziehen und von meinen) Vorgänger, Fürst Schtscherbatow, festgelegt wurden, allseitig zu erweitern. Alle Juden, die das Wohnrecht in den neueröffneten Städten erhielten, haben von jetzt an auch das Recht, ihren Handel in diesen Städten zu betreiben, da Menschen, die irgendwo Wohnrecht haben, auch dort eine Möglichkeit erhalten müssen, sich ernähren zu können." „Ich werde nicht erlauben — sprach der Minister weiter — daß ein Unterschied zwischen der Politik des Ministeriums und der Praxis der einzelnen Gouverneure bestehe. Die lokalen Behörden sind verpflichtet, sich den Verordnungen des Ministeriums zu fügen. Die einzelnen Fälle von Mißverständnissen, die in der Provinz vorgekommen sind, können jetzt als erledigt gelten und werden sich nicht mehr wiederholen." Zusammen damit versprach Chwostow auch, daß „keine Unordnungen, sei es auf nationalem, politischem, wirtschaftlichem oder gesellschaftlichem Gebiet, meinerseits zugelassen sein werden. Dies betrachte ich als meine Hauptaufgabe." Also sprach der Minister zu den Vertretern der Presse. Die Tatsachen sprechen aber eine andere Sprache. Derselbe Minister wandte sich nämlich an das Justizministerium mit der Anfrage, ob die Juden, die auf Grund des Erlasses vom 13. August das Wohnrecht in allen Städten des Reiches besitzen, dort unbewegliche Güter kaufen dürfen. Der Minister des Innern äußerte dabei dem Justizministerium seine Meinung, die dahin ging, daß diese Frage verneint werden müsse. Das Justizministerium erklärte sich denn auch damit einverstanden, so daß die Veröffentlichung einer solchen Erklärung demnächst zu erwarten ist. Die erste Konferenz des „Zentralen Kriegsindustriellen Komitees" in Rußland faßte, wie in russischen Blättern berichtet wird, u. a. eine Reihe von Resolutionen bezüglich der Aufhebung aller für die Juden bestehenden Beschränkungen im Handel und in der Industrie. Auf Grund dieses Beschlusses richtete das genannte Komitee durch Vermittlung des Ministers des Innern an den Ministerrat das Gesuch, die Juden in ihren bürgerlichen Rechten der Hauptbevölkerung gleichzustellen. Dieses Gesuch ist unbeantwortet geblieben. Es stellt sich überhaupt heraus, daß das Ministerium des Innern sich Gesuchen dieser Art gegenüber grundsätzlich ablehnend verhält. So hat denn letzhin der Minister zahlreiche ähnliche Gesuche des „Zentralen Kriegsindustriellen Komitees" bezüglich des Rechtes der jüdischen Fabrikbesitzer, ihre „evakuierten" industriellen Betriebe an Orten außerhalb des Ansiedlungsrayons einzurichten, rundweg abgewiesen. Die Juden in Rumänien. Aus Bukarest wird geschrieben: In dem letzten Mittwoch und Donnerstag abgehaltenen Landeskongreß der rumänischen .lugen wurde die derzeitige unerträgliche Lage der rumänischen Juden besprochen und eine Resolution beschlossen, in der die Regierung ersucht wird, die Juden der staatsbürgerlichen Rechte teilhaftig werden zu lassen, da sie so wie alle anderen Bürger die Pflichten gegen das Vaterland erfüllen. Endlich haben wir eine offizielle Statistik der rumänischen Juden. Das statistische Bureau des Ministeriums bringt genaue Angaben über die jüdische Bevölkerung Rumäniens vom Dezember 1912. Danach zählte die rumänische Judenheit 239.967 Seelen, davon 115.30« Männer und 124.659 Frauen. Dies ist die Gesamtzahl der in Rumänien wohnenden Juden ohne Unterscheidung der Staatszugehörigkeit. Davon gehen 30.000—40.000 Juden fremder Staatszugehörigkeit ab, so daß es also höchstens 210.000oJudcn rumänischer Staatsangehörigkeit (d. i. 3% der Gesamtbevölkerimg Rumäniens) gibt. Interessant ist, daß die Zahl der Fremden nach dem neuesten „Arbeitskalender" von 1916 in Rumänien 792.000 beträgt, wovon 276.000 Bulgaren sind. Gegen diese, die Zahl der Juden um 40.000 übertreffende bulgarische Bevölkerung Rumäniens wurde noch nie ein Wort der Intoleranz geschrieben. Im Jahre 1899 betrug die Zahl der Juden 266.652, also ungefähr 4%. Die Abnahme dieser Zahl ist durch die große Auswanderung vom Jahre 1900 zu erklären.

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