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Jüdische Korrespondenz · 1916-01-27 · 4 (27.1.1916) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
4 (27.1.1916)
Date
1916-01-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 4. Minister des Innern Prinz Hohenlohe über die g alizischen Juden. Vor einigen lugen erschien eine jüdische Deputation aus (jalizien beim Minister des Innen) Prinzen Hohenlohe, um ihm die Wünsche der nickzubefördernden galizischen Flüchtlinge vorzubringen. Der Minister empfing die Deputation aufs freundlichste und bezeugte großes Interesse für ihre Ausführungen. Der Minister erklärte schließlich, daß er längere Zeit an der ostgalizischen Front weilte und Gelegenheit hatte, sicli von den vielen Opfern, die dieser Krieg der jüdischen Bevölkerung auferlegte, persönlich zu überzeugen. Er versprach, sich der jüdischen Bevölkerung (ializiens vvärnistens anzunehmen und insbesondere die Frage der Flüchtlings-Repatriierung in der liberalsten Weise einer Friedigung zuzuführen. In den Kreisen der jüdischen Flüchtlinge haben die Versicherungen des Ministers die höchste Zufriedenheit hervorgerufen. Chronik. Israelitische- Kultusgemeinde Wien. Vortrag. Donnerstag. den .1. Februar 1916, 'nX Uhr abends, tmdet im Ingenieur- und Architektenvereinssaale. I.. Eschenbachgas.se 9. ein Vortrag des Herrn Dr. S. (iandz statt. Thema: ..Die Uesamtorganisationeii der Juden in der Diaspora". Eintritt frei ..... ohne Karten. Generalingenieur Siegfried Popper. In der bedeutungsvollen Ansprache, welche Erzherzog Karl Stephan bei ,dcr Eröffnung der Schittsbautecliuischen Versuchsanstalt hielt, sagte er nach warinen Worten der Anerkennung ihr die Leistungen unserer heimischen Industrie wörtlich: „Diese Leistungen haben das Feindesland beunruhigt. Das ist die schönste Anerkennung! Nicht genug, vom Auslande aus wurde vor Jahren der Versuch gemacht, den Konstrukteur unserer neuen Schitistypen für eine dortige Werft zu gewinnen. Kr zerschellte am Felsen der Vaterlandsliebe." In der „Korrespondenz Wilhelm" bringt nun Präsident Dr. Aliied Stern den Namen des in so wurmen Worten geehrten Mannes in Erinnerung: Ueneralingenieur Siegfried Popper erhielt bekanntlich nach seinem Austritt aus österreichischen Staatsdiensten von der englischen Regierung die glänzendsten Anerbieten, die er aber zurückwies. Auszeichnung der Präsidentin Frau Sofie Grünfeld. Frau Sotie ürünteld, Präsidentin des Kaiser Franz Josef-Ferienheims in Tischnowitz und des österreichischen Seehospizes, erhielt das Ehrenzeichen 1. Kl. vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration. Der Generalgouverneur in der Warschauer Synagoge. Die Synagoge in der Tlumaczka-Uasse in Warschau hatte letzten Freitag Abend hohen Besuch. Am Tage erschien ein Offizier daselbst mit der Meldung, daß Sc. Kxz. der Ueiteral-Gouverneur v. Heselcr mit Begleitung zum Gottesdienste erscheinen werden. Uni 3 Uhr 50 Min. kam Exzellenz mit 2 Adjutanten, dem Gouverneur Exzellenz v. Etzdorff, dem Kurator der Hochschulen Grafen Hutten-Czapski. Polizei-Präsident Exz. v. Glasenapp und seinem Gehilfen Graf Lerchenfeld und Reichstagsabgeordneten Dr. Haas in Automobilen vor der Synagoge vorgefahren, in 2 anderen Wagen die Damen der Exzellenzen. Am Hauptportal empfingen die hohen Gäsie der Präses Dav. Przeworski und die 2 Comitee-Mitglieder Fayans und Henryk Welt und geleiteten sie in die Synagoge nach der ersten Reihe beim Almemor. während die Damen von Frau Prz. nach der oberen Frauen-Gallerie geführt w urden und dort Aufklärung erhielten. Die hohen Gäste verblieben in der Synagoge bis zum Schlüsse des Gottesdienstes und folgten mit gespannter Aufmerksamkeit dem herrlichen Gesänge des Obei kantors Siroto und seines Chors und statteten ihm zuletzt ihren Dank all. wie auch den Comitee-Mitgliedern. Eine grolle Menge hatte nicht nur die Synagoge, auch den weiten Platz vor derselben erfüllt. Menagegelder für rituell lebende jüdische Soldaten. Bayerisches Kriegsministerium vom 5. d. Mts. (Nr. 106.774): „Es ist nichts dagegen zu erinnern, daß einzelne Mannschaften israelitischen Bekenntnisses auf Antrag unter Beruuiug aut die Religionsgesetze -- soweit es die dienstlichen Verhältnisse nach dem Ermessen des Truppenkommandeurs gestatten — von der Teilnahme an den gemeinsamen Speiseeinrichtungen entbunden werden. Der Antragsteller hat jedoch glaubwürdig nachzuweisen, daß er auch vor seinem Dienstantritt nach den r-lgiösen Speisegesetzen gelebt hat. Wenn es die örtlichen Verhältnisse erlauben, und Unzuträgiichkeiteri daraus nicht entstellen, kann solchen Mannschaften auch gestauen werden, sich rituell zubereitete Speisen in die Kaserne zusenden zu lassen. Die Höhe der Geldabiinduug zur Selbstbeköstigung richtet sich nach Ziffer 3 des K. M. C. vom 21. 10. 1915, Nr. 99.063 — V. Bl. S. 962 %3. 1. V.: Frhr. v. Speiden" Eine Ehrung des Sultans für Professor Israel. Vor einigen Monaten wurde Professor Israel, der bekannte berliner Chirurg, nach Konstantinopel berufen, um an Sultan Malinied eine Gallensteinoperation vorzunehmen. Die schwierige Operation gelang auts beste, und der 65jähnge Patient wurde vollständig wiederhergestellt. Jetzt hat der Sultan seinem Danke für die Genesung einen besonderen Ausdruck gegeben, indem er rrotessor Israel sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschi in übersandte. Um die Ehrung doppelt eindrucksvoll zu gestalten, beauftragte der Sultan einen Sonderkuricr mit der Uebeneichung des Bildes, die kürzlich in leieruclier Weise stattfand. Dabei konnte der Kurier im Auitragc des Sultans Professor Israel mitteilen, daß der Beherrscher der Osmaneu seine vollständige Wiederherstellung als ein wahres Wunder betrachte, und daß er nicht müde werde, die unauslöschliche Dankbarkeit zu betonen, die er seinem Arzte gegenüber hege. Die lebendige Zeitung. in i.iibiui erscheinen keine jüdischen Zeitungen, darum gibt die jüdische literarische Gesellschaft und der iiiuiscne I urnverem eine lebendige Zeitung heraus. Die „Redakt.on ' imd die „Leser" versammeln sich allabendlich in einem Saale, dort werden von den Mitgliedern der „Redaktion ' ponusche und wirtschaftliche Artikel, reuiiletons, Depeschen usw. vorgelesen. Einmal wöciienUicn gibt die „Redaktion" in derselben Weise eine iiiiiiioi islische Wochenschrift heraus. Neue Heuschrecken in Palästina. Am 19. und 2(1. Dezember v. J. wurden in Jerusalem w ieder große Schwärme einer neuen Heuschrecken art gesichert. Die Heuschrecken übertrafen die früheren an Körpergröße und wiesen matt-rote, fast schwärzliche Färbung auf. Es wurden zahlreiche Einwohner in die Umgebung der Stadt geschickt, um die neuen Schädlinge zu vernichten. Aus Frankreich. Der Pariser Korrespondent der jüdisch-russischen Zeitung „Jewrejskaja Nedjelja" wandte sich an einen bekannten jüdischen Deputierten des französischen Parlaments, um ihn nach den Beziehungen der jüdischen Deputierten des französischen Parlaments zur jüdischen Lage in Rußland zu fragen. Der Deputierte antwortete folgendes: „Mir. als französischem Deputierten, fällt es sehr schwer, Ihre Frage zu beantworten. Das könnte als Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines iremden Staates gedeutet werden. Ich drücke der Sache, die S.e verteidigen, meine volle Sympathie aus; Sie müssen aber verstehen, welche Vorsicht ich dabei üben muß." Der Korrespondent behauptet, daß diese Angst vor öffentlichem Auftreten in jüdisch-russischen Angelegenheiten, das jetzt nicht ohne politische Bedeutung wäre, auch für die anderen fünf jüdischen Abgeordneten des französischen Parlaments charakteristisch sei. Der Suezkanal und der Auszug Israels aus Aegypten. Die gegenwärtige Kriegsbühne ist sehr drehbar und sie verlegt gar zu oft ihr Schwergewicht nach neuen Fronten. Die neuen großen Ereignisse werden sich vermutlich am Suezkanal abspielen, und auch bei den neuen Kämpfen werden die jüdischen Söhne Hand in Hand m.t den anderen Deutschen tapfer kämpfen. Da ist es interessant, daran zu erinnern, daß wir uns da auf klassischem Boden befinden, und daß die ersten Kapitel der jüdischen Geschichte von da ihren Ausgang nahmen. Denn, wo heute der Suezkanal fließt, waren einst starke Festungsmauern, die dem ägyptischen Reiche Schutz boten vor den angrenzenden W'üstenvölkern. Das Nilland w ar ja von jeher ein „Garten Gottes" und ein Gegenstand der Sehnsucht für alle Völker. Auch unsere Patriarchen suchten in Zeiten der Not Schutz in diesem befestigten Gebiete. Ja, das Schicksal unserer Ahnen in Aegypten war häufig mit diesen Mauern verknüpft. Denn das Land Gosen, das den Juden als Wohnsitz angewiesen wurde, war von dieser Mauer umgeben. Die Bibel erzählt uns, daß nach dem Tode Josephs die Juden zur Frohnarbeit herangezogen wurden. Sie mußten als Zwangsarbeit Festungen und Städte erbauen. Dies? Festungen - hielten ihre Erbauer umklammert, so da'J sie körperlich und seelisch zu Sklaven gestempelt wurden. Erst mit der Erlösung und dem Auszug aus Aegypten fing für die Juden wieder ein freies Leben an. und erst die Freiheit befähigte sie. ein großes Kulturvolk zu werden. Der Weg, den sie nahmen, war der. den die Türken jetzt nach Aegypten benutzen, nur in umgekehrter Richtung. So wiederholen sich alte historische Vorgänge in neuer Gestalt, und sie künden uns die Ewigkeit der sittlichen Wahrheiten. Jüdischer Humor. Fremdwörterreinigung. Mehrere Herren unterhalten sich über die Ausrottung der Fremdwörter im Deutschen, und einige behaupten, daß man da doch zu weit gehe: denn viele Fremdwörter könnten nicht ersetzt werden und seien im Deutschen auch schon vollständig eingebürgert, z. B. das Wort „Familie". „Nun, dafür gibt es doch einen sehr guten Ersatz." behauptete einer. — „Na welchen denn?" — „Mischpoche." Erzählungen russischer Gefangener. „Wie es geht mit de Sammlung vons russische rotte Kraiz? Wie mit a Eiszapfen! Man nimmt ihn, man gibt ihn, man nimmt ihn, man gibt ihn. Er ist geworden klainer und klaiuer — er ist geschmolzen aus. Und — alle haben raine Hände!" An der betiarabischen Front. „Ist das nun eigentlich ein Sigg, Brudderherz?" - „Müssen erst abwarten, Pawlowitsch! Wenn wird veranstaltet Pogrom, warr es Niederlage!" Pharao und der Zar. Was ist der Unterschied zwischen Pharao und dem Zaren? Pharao bekam erst Makkes, dann verjagte er die Juden aus Aegypten. Der Zar aber vertrieb erst die Juden, dann bekam er seine Makkes. Rangerhöhung. Die russischen Juden sind im Range gestiegen — sie werden genau so behandelt wie die Vierbund^Konsuln in Saloniki. Woher die Papierknappheit kommt. Hast Du schon gehört, Sorach? In Rußland herrscht großer Mangel an Papier. Das ist begreiflich. Die Militärintendantur hat ja das ganze Papier für Stiefelsohlen verwendet. Die P- T. Leser u. Freunde unseres Blattes werden höflichst ersucht, in allen öffentlichen Lokalen die Jüdische Korrespondenz zu verlangen. WhVhM:'UhVMWWJrmMU ■--^^ Sie nur die: Muheiten-Liste \Sdmftnster-DekorVorIagen wette VeHcaufsmethoden et im \SA. Jahroanq des Fachblattes »Oer Oesterr. Kaufmann^ lAionmrenSie/ur2fCnmietm Verlao [Kais. Rat. Auster litz.PraQlI 3 überraschend gute trtoJgFhtt Riedes Ünserat darin.* mmmmmmm Aktuelle Kriegsbroschüren Preis I K. Der Weltkrieg und die Judenfrage" von J. Kreppet. Österreich-Ungarn nach dem Friedensschlüsse" vonJ.Kreppel. Preis KU20. Xu baziahan durch dia Administration dar „JSidlmohan Korrampondanz ' sowia durch mlla Buchhandlungen. Wlmn, VIII. Almormlrmmmm 7, Herautgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppel. - Buchdruckerei „Melantrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünhut).

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