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Jüdische Korrespondenz · 1916-01-13 · 2 (13.1.1916) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
2 (1916)
Issue
2 (13.1.1916)
Date
1916-01-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2. JUdische Korrespondenz Seite 3 Jeder muß jetzt seine Pflicht bis aufs äußerste tun, jeder hat etwas übrig für seine leidenden Glaubensgenossen jenseits des Wassers." Die neue Organisation, deren Name „Busineß Men's League" ist, wird erst in einigen Tagen ein Komitee wählen und das Hauptbureali bekanntgeben. Die Juden in Kurland. in dem Ber.chte eines deutschen Kriegskorrespondenten linden wir folgende Schilderung der Juden in Kurland: Das kurländische Judentum ist ein in sich geschlossener und selbständig zu erachtender Volksteil, man darf es aber doch in gewissem Sinne als deutsch ansprechen. Solange die Juden das aktive und passive Wahlrecht zu den Kommunen hatten, wählten und stimmten sie mit den Deutschen. Es war eines der Mittel der Russifizierungspolitik, den Deutschen diese Stütze dadurch zu entziehen, daß man den Juden das Stimmrecht nahm und nur noch präsentierte und vom russischen Gouverneur zu bestätigende jüdische Vertreter zuließ, deren deutsche Gesinnung und Abstammung freilich die gleiche blieb. Die Juden sind an Zahl ungefähr den Deutschen gleich, ihre Sprache ist auch nicht das polnischrussische „Jiddisch", sondern ein reineres, verständlicheres Deutsch. Das kurische Judentum hat auch das Gefühl der kulturellen Ueberlegenheit über das russische und blieb, da, ja die Freizügigkeit nach Rußland oder auch nur nach Livland nicht bestand, ein in sich geschlossenes Volkstum, das sich in ähnlicher Lage wie das Deutschtum befand. Es herrschte viel Zusammenhalt und starke Geschlossenheit. Als z. B. die Russen vom Memeler Raubzug nach Libau zurückkehrten, verbot der Oberrabbiner in der Synagoge seinen Juden, etwas von der durch Mord und Plünderung zusammengekommenen russischen Beute zu kauten und das wirkte so stark, daß die russischen Soldaten goldene Uhren iür einen Rubel an die lettischen Bauern verkaufen mußten, um Geld zu bekommen. Und als in der Gegend von Talsen das Gut e nes reichsdeutsch gewordenen Deutsch-Balten von den Russen beschlagnahmt wurde, und wertlosere Gegenstände des von den Umwohnern, Deutschen und Juden, inzwischen großenteils weggebrachten und zur späteren Rückgabe an den Besitzer aufbewahrten Mobiliars versteigert werden sollten, da waren zwar über 100 jüdische Kaufleute und kleine Händler,anwesend, aber keiner öffnete den Mund zu einem Gebot. „Wir hatten uns verschworen, nicht zu bieten", sagten sie später, „und wir hätten den verprügelt und geächtet, der es gewagt hätte, anders zu handeln". Die Juden erfreuen sich in Kurland durchwegs guter Achtung, sie gelten, von ganz geringen Ausnahmen abgesehen, als ehrlich, reell und anständig in Handel und Wandel. Sie sind Groß- und Kleinhändler und spielen eine ausschlaggebende Rolle in manchen Gewerben und Handwerken, wie der Schneiderei. Auf jedem Gute gibt es „Hof-Juden", ohne daß man unter diesem Worte etwa einen kleinen verächtlichen Nebenklang vermuten dürfte. Das Gut liegt etwas abseits vom Verkehr und hat Bedürfnisse, der Jude sorgt in seiner vom Gutsbesitzer ihm überlassenen „Bude" für den kleinen Bedarf an Kolonial- und Schreibwie Schnittwaren, er handelt auch mit Schmuckgegenständen und fährt mit seinem Wagen regelmäßig zur Stadt, um besondere Bestellungen auszuführen, die ihm Gutsherrschaft wie Bauern und Knechte auftragen, er vermittelt den üetreideverkauf usw. Ich sprach gar manchen Gutsbesitzer und vor allem deren Frauen, die mit großer Anerkennung ihrer Hofjuden gedachten. Die Juden waren politisch radikaler als das konservative Deutschtum, dem trotz aller Russenpolitik der Gedanke der Loyalität und der Treue zum russischen Herrscherhaus tief im Innern wurzelte. Der Jude dachte zu sehr an die schändliche Bedrückung seiner Glaubensbrüder in Rußland, als daß solche Gefühle seinen Haß hätten beeinflussen können. Er war revolutionär und radikal. Er sah in der Revolution des Jahres 1905 die Befreiung und die Zukunft und er beteiligte sich daran ganz zweifellos auch mit hohem persönlichem Mute, mit Menschen wie mit Geld. Daß sich diese Revolution dann so stark gegen das Deutschtum und die Gutsbesitzer kehrte, konnte er nicht ändern. Aber der dadurch geschaffene Gegensatz verschwand doch sehr rasch wieder in den folgenden Jahren des gemeinsamen Kampfes gegen das Russentum, und wo Stachel zurückgeblieben waren, da sind sie ganz allgemein durch den heroischen Auszug der Juden bei der Vertreibung im jetzigen Kriege beseitigt worden. Die wahre Heldengröße dieses Auszuges hat einen tiefen unauslöschlichen Eindruck auf den deutschen Bürger und Edelmann gemacht, und wo man heute vom Juden spricht, geschieht es in ehrlicher Betrübnis, daß das tüchtige und solide Handelselement fehlt und dem Lande dadurch großer Schaden entstanden ist. Der Krieg in der Bibel. Ueber dieses Thema hielt jüngst in Zürich Professor Dr. J. Hausherr einen fesselnden Vortrag. Einleitend führte er aus, daß bei allen Völkern auf einer primitiveren Kulturstufe, vor Jahrtausenden wie heute, Krieg und Religion in einem ganz bestimmten Verhältnis zu einander stehen; die Gottheit als der Mittelpunkt der sozialen und kultischen Gemeinschaft hat an Bestand und Machtenfaltung des Volkes ein besonderes Interesse, das sie zum persönlichen Eingreifen in seine Geschicke veranlaßt. So erhielt die Gottheit ein vorwiegend kriegerisches Gepräge: man denke neben Beispielen aus neuerer Zeit, an den furchtbaren Kriegsgott Huitzilopochtli der Azteken in Mexiko mit seinem bluttriefenden Kultus, an den gewaltigen vedischen Schlach'.engott lndra, an den auch als Kriegsgott vereinen Ahura Mazda der Perser, zu dem sich Dar us bekannte, und dessen Wagen—mit dem insichtbar darauf thronend gedachten Gotte - - bei des Xerxes Zug gegen Griechenland dem Meere vorausfuhr. Wie sehr Leben und Krieg bei den Griechen, Römern, Germanen von religiösen Vorstellungen durchsetzt war, bedarf keiner besonderen Eri wähnung, ebensowenig wie die Rolle, die dem Gott des Islams in seine:] kriegerischen Unternehmungen zukam. Bis in Einzelheiten verfolgbar wird das Bild, wenn wir die Verhältnisse betrachten, wie sie die Schriften des Alten Testaments schildern. Jahve war für das Bewußtsein des Volkes Israel vornehmlich In den älteren, auf den Auszug aus Aegypten folgenden Zeiten der Gott des Krieges, der unsichtbar in den Reihen der Krieger selbst mitkämpfend sein auserwähltes Volk zum Siege führte. Jahve, der Lokalgott, dessen Wohnsitz man sich auf dem Sinai dachte, war es, in dessen Namen Moses sein Volk zum Bewußtsein des Zusammenhanges erweckte, unter dessen Schutz er es aus dem Lande der Knechtschaft durch das Rote Meer führte, in dessen Namen er ihm Freiheit und seine Gesetze verkündigte. Wie sehr man ihn als mächtigen Kriegsgott und Kämpfer verehrte, zeigt aufs deutlichste der Lobgesang, den das Volk anstimmte, nachdem das verfolgende Heer der Aegypter von den Fluten des Meeres verschlungen war. So war durch geschichtliche Erfahrung Israel mit seinem Gott Jahve unlösbar verbunden, und die späteren Kriege, die es mit den Einwohnern des „gelobten Landes" zu führen hatte, bestätigten die Hoheit und Macht des Sinaigottes. Wenn auf Josuas Bitte Jahve Steine regnen läßt am die Feinde seines Volkes; wenn Sonne und Mond stille stehen, um die Vernichtung des Gegners vollenden zu lassen, so spricht daraus ebenso der Glaube an den Kriegsgott Jahve, der mitten unter seinem Volke kämpfte, wie zur Zeit der Philisternot aus der Weisung, Saul zum König zu salben, d. h. ihn zu einem Streiter Gottes zu weihen, und aus der ganzen Autfassung der Königswürde als eines Gnadengeschenkes Jahve's, der sein Volk zu Sieg und Macht führen wollte. Daneben fehlt es nicht an äußeren Zeichen, kultischen Formen und Wendungen, die Jahve als Kriegsgott charakterisieren. Er ist unmittelbar im Feldlager gegenwärtig; die Bundeslade ist ursprünglich nichts Anderes als sein Sitz, ein Kriegs- und Lagerheiligtum, eine tragbare Wohnung Jahve's; sie zog mit in den Krieg und repräsentierte so die Gegenwart des Gottes. Bezeichnend sind die Worte, die beim Aufbruch zu ihr gesprochen wurden: „Mache Dich auf, Jahve. damit Deine Feinde zerstieben, und Deine Widersacher vor Dir fliehen", und bei der Ankunft auf dem neuen Lagerplatz: „Kehre wieder, Jahve, zu den zehntausendmal Tausenden Israels". Als die Lade um die Mauern Jerichos getragen wird, stürzen diese um; als die von den Philistern Geraubte in deren Tempel aufgestellt wird, bricht das Götzenbild Dagon's vor Jahve's Macht zusammen, alles deutliche Beweise — neben vielen anderen — daß der Gott Israels als ein persönlich gegenwärtiger Kriegsgott, als ein Heerführer, ein „Herr der Heerschaaren" gedacht wurde, als der er den Namen „Zebaoth" träge. Zwei Vorstellungen waren es, die sich hier miteinander verbanden: einmal dachte man sich Jahve als unsichtbaren Anführer der menschlichen Kämpfer, sodann aber auch als den Herrn überirdischer Heerschaaren, die unsichtbar, wie er, mit dem Volk des Gottes dessen Feinde bekämpfen; so schaute Elisa ein Heer feuriger Rosse und Wagen. Der Vorstellung von diesem furchtbar-streitbaren Gotte entsprach es, daß man ihm vor und nach der Schlacht Opfer bringen mußte; die furchtbarste Form nahmen diese Opfer an mit dem sogenannten „Bann", d. h. dem Gelöbniß, alles Lebende des feindlichen Volkes und all seine Besitztümer Jahve zu weihen. So wurden nach dem mit Jahve's Hilfe errungenen Siege nicht nur Männer, Weiber und Kinder schonungslos niedergemacht, sondern auch — unter strengstem Verbot jeder Privatbeute — ihr ganzer Besitz einschließlich aller Kulturarbeit der Vernichtung preisgegeben, das Land in eine Wüste verwandelt. Aber auch da, wo dieser grauenhafte Bann nicht ausgesprochen war, bewegte sich die Kriegführung ganz in den grausamen echt orientalischen Formen. Diese Vorstellung von Jahve als dem streitgewaltigen Kriegsgott, der eifersüchtig über der Macht seines erwählten Volkes wachte, so lange es ihm treu ergeben blieb, war die allein herrschende bis in die Zeiten der früheren Könige, so lange die Macht Israels im Aufstieg begriffen war; eine schon durch die steigende Kulturentwickelung eingeleitete Umwandlung bildete sich mit den Jahrhunderten der assyrischen und babylonischen Eroberungen in voller Stärke heraus. Die Erkentnis, daß Jahve sein Volk seinen Feinden preisgegeben hatte, ließ ihn selbst mehr und mehr zum Problem werden. Zwei Folgen ergaben sich aus dem durch, die assyrisch-babylonische Herrschaft besiegelten Zerfall des israelitischen Staates: auf der einen Seite ein Abfall von Jahve. der die Seinen im Stich gelassen hatte, und eine Hinneigung zu den Göttern der siegreichen Völker, am der anderen Seite eine Umbildung der Uottesvorstelhmg. Das Festhallen an dem Jahvegiaubeu, das, von den Propheten und.ihren Kreisen gepredigt und gestützt wurde, war nur möglich, wenn man mit dem Wesen des Gottes neue Vorstellungen zu verbinden begann. Einmal machte sich bei denen, die von Jahve nicht lassen wollten, der Glaube geltend, daß Jahve nicht helfen wolle, sein Angesicht verborgen habe, aus Laune oder erzürnt über ein Versehen; durch Opfer und Feste müsse man daher versuchen, ihn zu versöhnen. Auf keinen Fall aber wollte man die Hoffnung auf die Zukunft schwinden lassen; gestützt auf alte Sagen, glaubte man an eine nahe bevorstehende Katastrophe, an einen ganz als kriegerisches Ereignis gedachten „Tag Jahve's", an dem er die Herrschaft seines Volkes und sein Ansehen wieder herstellen werde. Demgegenüber erfuhr durch die Verkündigung des großen Propheten die Vorstellung Jahve's eine Umbiegung ins Ethische. Aus der Enge des streitbaren israelitischen Lokalgottes wurde Jahve zu einer sittlichen, heiligen, universalen Gottheit erweitert. Er war nicht launenhaft, nicht durch Opfer bestechlich, sondern der Gott der Gerechtigkeit und Reinheit, ein Weltgott, der seinen Willen in der Geschichte durchsetzt. Als gerechter Gott macht er keinen Unterschied unter den Völkern; wohl hat er Israel erwählt, aber nicht zur Nachsicht, sondern zur Erfüllung seines Willens. Das erwachte Gefühl sittlicher Verantwortlichkeit erkennt in dem Unglück, das über Israel hereingebrochen ist, die Zuchtrute, die strafende Gerechtigkeit Gottes, die es selbst zulassen kann; daß sein erwähltes Volk von fremden Völkern zur Strafe für seine Unwürdigkeit vernichtet wird, ebenso wie diese Völker bei Ueberschreitung ihrer göttlichen Aufgaben gestraft weröeni'dVI^r Und mehr bildet sich die Vorstellung von Jahve als Weltengott, von dem Weltenplan Jahve's heraus, in dessen Verwirklichung Israel die Rdlle des auserwählten Volkes spielt. Trotz der überragenden Stellung, die der Krieg im Denken der alttestamentlichen Israeliten einnahm, wäre es nun aber doch irrig, die hier niedergelegte Weltanschauung als im eigentlichen Sinne kriegerisch, den Krieg als Ziel, zu betrachten. Er war vielmehr trotz Allem dem Alten Testament nur ein Weg, ein Mittel: Ziel und Hoffnung jedoch war der Friede. Mythische Ueberlieferungen von einem Götterland nährten den Glauben an ein goldenes Zeitalter, in dem Friede, Glück und Wohlstand dauernd herrschen würden. Sfreiflicliler. Geheime russische Militärbeiehle. I. Befehl des Generals Janow 30. März 1915. Nr. 3803. In Anbetracht der offenen Erklärung der Frontkommandeure, daß die Juden als Kriegsmaterial untauglich seien und es sehr wünschenswert wäre, wenn der Zufluß von Juden bei der Kompilierung von Korps .vermindert würde, hat der Stab des Höehstkommandierenden wegen dieser Frage mit dem Generalstab verhandelt. Es hat sich herausgestellt, daß es augenblicklich keinen Ausweg gibt, so daß die Frage über die Unfähigkeit der Juden zum Militärdienst und die Notwendigkeit, sie zu lösen, sofort nach dem Kriege behandelt werden muß. Sie zwingt uns jetzt schon, Material zu sammeln, wonach festgestellt werden kann, daß die Anwesenheit von Juden in der Armee nicht wünschenswert ist. Der Höchstkommandierende hat daher befohlen, die Kommandeure der einzelnen Armeeabteilungen wegen dieses Materials jetzt schon anzutragen. Dieses soll für die Untauglichkeit der Juden als Kriegsmaterial zeugen. Es ist notwendig festzustellen, wieviel von den Juden desertier! sind und sich freiwillig in Gefangenschaft hegeben haben. Diese Fragen müssen möglichst allseitig hvieuctitei werden, und sowohl durch einzelne Tatsachen wie durch allgemeine Ausführungen belegt werden. Das ganze Material ist sodann zusammen mit dem Gutachten des Korpskommandeurs dem Stabe der Armee zuzustellen. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Frage hat der Höchstkommandierende befohlen, das oben Erwähnte sofort und genau auszuführen. Auf der Rückseite „Eilig". „Geheim". II. Der Hauptkommandeur der ersten Reserve-Infanterie: Brigade 8. Juli 1915. Nr. 7383. Es ist niemandem ein Geheimnis, daß jeder Jude mit allerlei Mitteln bestrebt ist, sich dem Militärdienst

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