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Jüdische Korrespondenz · 1915-11-11 · 13 (11.11.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
13 (11.11.1915)
Date
1915-11-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdische Korrespondenz Nr 13. dien. Man muß zu verhindern suchen, daß Waren zu Neutralen versandt werden, die sie dann unseren Feinden weiter senden. Die Zeitung bemerkt dazu: Es sind viele Nichtjuden entdeckt worden, die ebenfalls mit dem Feind Handel treiben. Wenn aber ein Jude dabei ist, werden alle dafür verantwortlich gemacht Die alte Geschichte. — So weit das Antisemitische. Was das allgemein Jüdische betrifft, dürfte eine Begebenheit Interesse finden, die sich, wie es scheint, am Versöhnungsfest hei einem Gottesdienste, der im Pariliontheater stattfand, ereignete. Während der größten Andacht erschien unter Führung des Lord Major eine theatralisch aufgeputzte Gesellschaft, ein Herr Lipton nennt sie eine Schau, und unterbrach den Gottesdienst — wahrscheinlich zu Rekrutierungszwecken. Darob natürlich eine fürchterliche Entrüstung in Israel. — Am 17. Oktober fand eine Versammlung des „Board of Deputies" statt, in der beschlossen wurde, ausländische Angelegenheiten vertraulich zu behandeln. Wahrscheinlich handelte es sich um die russischen Greuel. Herr B. S. Strauß lenkte die Aufmerksamkeit auf den neuen Armeebefehl, daß Söhne, nicht in England geboren, nicht zum Heeresdienst zugelassen werden sollen. — Die Missionäre entfalten in England eine große Sammeltätigkeit für die notleidenden russischen Juden und halten den jetzigen Zeitpunkt zu realer Missionstätigkeit unter ihnen für geeignet. (Man darf sich vielleicht über diese antisemitischen Erscheinungen in England nicht wundern. Die Engländer wollen sich ihrer russischer Verbündeten in jeder Beziehung würdig erweisen.) EIn*Brief Jüdischer Soldaien. P ..... 6. November. Hochverehrter Herr Redakteur und Glaubensgenosse! Wir, mehrere im hiesigen Spitale krank und verwundet liegende, wie auch zu Diensten zugeteilten Juden, verfolgen mit sehr großem Interesse die sehr guten Ausführungen Ihrer w. Zeitschrift und freuen uns über die so sachlich zum Ausdruck gebrachten Argumente. Verzeihen Sie nun, sehr verehrter Glaubensgenosse, wenn wir uns nun erlauben Ihnen einige kleine Anregungen zu machen. Wie wir aus Ihrer w. Zeitschrift ersehen, versuchten und versuchen die Ententejuden die neutralen Juden dazu zu bewegen, daß dieselben für die „gerechte" Sache der Entente überall propagieren. Wenn wir auch voll und ganz davon überzeugt sind, daß die Juden der neutralen Staaten, wie nicht minder auch jeder besser denkende Jude, sich dazu nicht hergeben werden, wissend, daß dieser finstere Zarismus, dieser Weltenhenker dem Kleeblatte, dieser so verlogenen, blutrünstigen Entente, angehört, sich dieser Meinung und Ansicht anzuschließen, geschweige mit derselben zu sympatisieren oder für sie gar zu propagieren, möchten wir doch der Gegenwart und der Zukunft die Augen öffnen und zeigen, wie dieser Ententeverbündete gehaust hat und wie er die Brüder dieser Ententejuden behandelte, während die Entente sich in der Welt als Vorkämpfer für die Weltenfreiheit ausgab. Wir nehmen an, daß ein solches Blatt, wie das Ihrige, in den weitesten jüdischen Kreisen verbreitet ist und würde es Ihnen leicht fallen, die meisten in ihrer Heimat während der Russeninvasion zurückgebliebenen Juden aufzufordern, ihre oder auch ihrer Bekannten Erlebnisse schriftlich zu schildern. Diese Schilderungen sollen von Ihnen als Beilage zu Ihrem gesch. Blatte in einer solchen Form ausgegeben werden, daß die Beilagen als Buch gebunden werden können. Wir glauben, daß diese Bände — denn zu solchen würde es heranwachsen — mehr als alle anderen Argumente sprechen würden. Auch wir für unseren Teil werden überall hiefür Propaganda machen und sind dessen gewiß, daß Ihnen aus allen betroffenen Ländern (Galizien, Bukowina, Ungarn und Deutschland ev. auch Kaukasus) Unmassen von Zuschriften zukommen werden. Weiters möchten wir anregen, daß den jüdischen verwundeten und kranken Soldaten mehr Gelegenheit geboten wird, jüdische Lektüre während ihrer Krankheit zu lesen. Genau so, wie andere Nationen für die Verbreitung ihrer Nation, durch Ausgabe von die Vergangenheit und Gegenwart betreffenden Geschichten, die um ein billiges Geld Jedermann zugänglich sind, sorgen, so könnte es auch bei den Juden der Fall sein. Eine glorreiche Geschichte haben die Juden ohne Zweifel, viele Werke sind erschienen und erscheinen jeden Tag, wem also ist es leichter, als den Juden, eine billige Bibliothek zu schaffen! Wir glauben, daß auch bei uns in der Kraft und in dem Selbstbewußtsein die Größe der jüdischen Nation liegt, nicht aber in der Selbstverleugnung. Eine solche berühmte Vergangenheit, Gegenwart und gewiß auch Zukunft, wie wir es haben, soll der Jugend beigebracht werden und dazu gehört eine billige Bibliothek. Und wissen Sie, jetzt, wo die Juden gleich allen anderen Nationen ihr Bestes für die gerechte Sache unserer Heimat getan haben, jetzt, wo der Jude sich nicht schämt offen zu sagen, daß er ein Jude ist, in dem Bewußtsein, allen Nationen gleich gehandelt zu haben, jetzt ist die Zeit dieses Bewußtsein zu vergrößern, ja groß zu ziehen und zu erhalten. Wir sind in der Lage Ihnen hunderte von Fällen zu erzählen, wo die jüdische Jugend sich geschämt hat, sich Jude zu nennen, weil sie unter diesen Worten nichts anderes als Schande dachten, und wie ihnen zum Teile von der jüdischen Geschichte erzählt wurde, sie nur die Worte sagten: „ja wenn wir das gewußt hätten, und woher sollen wir das wissen, wenn es uns niemand gesagt hat und wir nie Gelegenheit hatten jüdische Geschichten zu lesen, weil die Bücher nur zu Antiquitätpreisen zu erstehen sind." Wir bitten Sie also im Namen aller Juden, die Sache richtig anzupacken und sind wir dessen gewiss, daß Sie der gesammten jüdischen Welt einen großen Dienst erweisen, wenn Sie gerade die jetzige Gelegenheit benützen, um die Juden sich selber zu geben. Empfangen Sie nun namens der hier, in anderen Spitälern liegenden und auf der weiten Welt lebenden Juden, den besten Dank im Voraus mit dem Wunsche des besten Gelingens entgegen. Viele kranke und verwundete, aber stolze, jüdische Soldaten. (Anmerkung der,Redaktion: Wir veröffentlichen diesen Brief vollinhaltlich und erklären unsere Bereitwilligkeit, an der Verwirklichung dieser Anregungen mitzuwirken.) Zu den Massenausweisungen der russischen Juden. Aus den russischen Grenzprovinzen bringt die „Tägl. Rundschau*4"iOlgendes „Kurländisches Stimmungsbild": „Das Schrecklichste, was wir erlebt haben, war die Judenausweisung, eine ähnliche stand übrigens den Deutschen bevor, und nur dort, wo ein charaktervoller russischer Kreischef waltete, ist es den Deutschen gegenüber nicht zu dem Entsetzlichsten gekommen. Der Ausweisungsbefehl wurde den Juden drei Stunden vor seiner Durchführung (d. h. 1 Uhr nachts) bekanntgegeben. Wer 4 Uhr nachts nicht zu Fuß den Ort verlassen, wurde von Kosaken niedergeknüppelt. Verständige Kreischefs gaben 25 Stunden Zeit. In der nächsten Bahnstation drängte sich die Masse der Juden zusammen; einigen gelang es, dastehende Viehwagen gegen teures Geld noch zu besteigen. Sie waren ungereinigt und noch voller Dünger. Tausende von Juden konnten aber nicht unterkommen, da plötzlich alle verfügbaren Wagen für russisches fliehendes Militär bestimmt wurden. Von den im Walde liegenden jüdischen Familien sind unzählige vor Hunger umgekommen, da ringsum nichts Eßbares aufzutreiben war. Endlich wurde unter uns organisiert. Es war aber auch allerhöchste Zeit, denn Hunderte waren schon verschmachtet. Um die Ohnmächtigen kümmerte man sich kaum, aber entsetzlich anzusehen waren die vielen Wahnsinnigen; es gibt ein schreckliches Wort in der russischen Sprache, das heißt pogolowno — Kopf über Kopf — so traf es die Juden: Greise, Krüppel, Lepröse, Schwangere, Säuglinge, Soldatenfamilien, und selbst jüdische Soldaten, die zur Erholung in der Heimat weilten, dazu alle Insassen von Armen-, Siechen- und Irrenhäusern — ein ganzes Volk wurde so ins Elend gejagt, in fünf schon an Juden übervölkerte Gouvernements, wo, wie es heißt, Judenhetzen sie erwarten. Außerdem war durch die lettische und russische Presse der lettische Pöbel zu Aus-, schreitungen gegen die Juden aufgestachelt worden. Man schrieb da, dieser Massenmord sei die gerechte Strafe für begangene (nie erwiesene) Verräterei einzelner Juden und ein Vorbeugungsmittel gegen zukünftige. Keinem Juden wurden von den Letten vor der Vertreibung die Schulden bezahlt. Für seine Waren wurde ihm ein Zehntel des Wertes geboten, und der Jude mußte verkaufen, denn er brauchte Bargeld und rechnete damit, daß die Geschäfte doch über kurz und lang geplündert würden. Und zu all dem materiellen Schaden, dem körperlichen und seelischen Leid der Spott und Hohn der Letten. Dafür ein Beispiel: Ein Wagen, vollgestopft mit ärmlichsten Kindern und Bündelchen fährt vorüber — ein Elend, daß einem sich das Herz zusammenkrampft, da lachen lettische Burschen roh und höhnisch: „Das Vieh fährt zu Markt, sieh da, wieviel kostet ein Pfund Judenfleisch?" Die Deutschen waren fassungslos vor Empörung und Mitleid, die Hände waren uns ja gebunden. Was haben schließlich die gesammelten Tausende und Zehntausende und Hunderttausende genützt, es war ja nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Die Juden selbst haben ihr Unglück wie Helden getragen: Einer für alle, alle für einen. Die jüdischen Aerzte waren nicht mit ausgewiesen worden, weil sonst halb Kurland ohne Aerzte blieb; da war aber keiner, der zurückblieb; die Schande ihres Volkes trugen sie als Ehre. Uns Zurückbleibenden aber packte der Ekel gegen das Lettengeschmeiß. Es war großer Abendmahlsgang in der deutschen Gemeinde angesagt, aber es fand sich fast niemand, der des Hasses in seinem Herzen Herr werden konnte und am Abendmahl teilnahm." Polnische Juden. (Schluß.) Das jüdische Haus ist sofort kenntlich. Bei der EingaBgstür findet man stets' am rechten Türpfosten ein schräg angenageltes Blechröhrchen mit einem kleinen, kreisrunden Ausschnitt, in dem einige hebräische Zeichen zu sehen sind. Das ist der Haussegen, die Mesusa. Oeffnet man die Blechrolle, so findet man einen hebräisch bedruckten Zettel, der ein Gebot aus dem Pentateuch enthält. Das lautet: „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Hab und Gut. Diese Worte, die ich dir heute befehle, sollen in deinem Herzen und in deiner Seele sein. Du sollst sie deinen Kindern einschärfen und sollst sie bei deinem Unterwegsgehen, beim Sitzen im Hause, beim Schlafen und beim Aufstehen im Sinne haben, du sollst sie binden als Zeichen auf deine Hand und sie sollen dir ein Denkmal vor deinem Auge sein. Und sollst du sie an deines Hauses Pfosten schreiben und an die Tore u. s. f." Dieser Streifen fehlt an keiner Tür des Hauses, auch nicht des allerärmsten. Zumindest ist ein mehrfach zusammengelegter Papierstreifen angenagelt, auf dem der Name Gottes gezeichnet ist. Jeder gute polnische Jude besitzt sämtliche heiligen Bücher, den Talmud und auch andere in großen schönen Ledereinbänden, die säuberlich in einem Kasten mit Glasfenstern nebeneinanderstehen. Ich habe sie oft, unbemerkt vom Hausherrn, durchgesehen. Sie sind sehr schön mit farbigen Titelblättern ausgestattet und mit großen Lettern bedruckt. Auf diesem Kasten steht der silberne, siebenarmige Leuchter. Reichere haben auch an der Zimmerdecke einen oft sehr schweren silbernen Leuchter hängen, der immer die gleiche vorgeschriebene Form hat. Der Arme, der sich all das nicht leisten kann, hat wenigstens auf einem einfachen Bücherregal den Pentateuch liegen, daneben das Gebetbuch. Li Uberall tax haben! Schicht-Wäsche - Kriegs-Wäsche billigste, schonendste and wirksamste Waschart: Weiche die Wäsche mit Wasch-Extrakt ,Frauenlob( einige Standen oder Aber Nacht ein. Wasche dann wie gewöhnt weiter. Nur wenig Seife — am besten Schicht-Seife, Marke „Hirsch", - ist noch nötig, die schönste Wäsche zu erzielen. Erspart Arbeil, Zeil, Geld und Seife. Ominol ist das beste zum Reinigen der Hände «od zum Scheuern in Küche und Haus.

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