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Jüdische Korrespondenz · 1915-09-23 · 7 (23.9.1915) · page 3

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
7 (23.9.1915)
Date
1915-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 Jüdische Korrespondenz Seite 3 kontrolle unterwerfen. Aber der Vorschlag, gewissermaßen die russischen Juden zu „verwerten", taugt nichts: weil das Pfand dabei in den Händen des Schuldners bleiben würde, statt zur Verfügung des Gläubigers zu stehen. Man rühmt den Juden einen besonders entwickelten Geschäftssinn nach. So könnte man von Lord Rothschild sagen: Er wird zu sehr Jude sein, um so sehr Jude zu sein, daß er gutes Geld für diese schlechten Versprechungen wagen würde. Eine Anleihe gegen Judenrechte gewähren, hieße nicht, diese Rechte sichern, sondern vielmehr die russischen Juden zu einem nie versagenden Ausbeutungsobjekt der russischen Regierung machen: Die Drohung, die für die erste Anleihe gemachten Zugeständnisse zurückzunehmen oder einzuschränken, würde eine zweite Anleihe erpressen, und so fort. Herr Bark wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, wenn er Lord Rothschild seinen Besuch abstattet, nicht den Juden, sondern bloß den Bankherrn zu Hause finden. Und der wird „schlecht zu sprechen" sein. Das Haus Romanow ist noch immer eines der größten, aber es hat nie als ganz solid gegolten, und nach den großen Verlusten, die es in der letzten Zeit erlitten hat, ist das Vertrauen vollends erschüttert. Auf dem Felde der Ehre. Der Pflicht des Staates, für seine invaliden Krieger zu sorgen, dem Rechte seines Herrschers, besondere Taten und Verdienste zu belohnen, steht die heilige Verpflichtung der Mitwelt zur Seite, aller jener zu gedenken, die nach dem Kriege nicht mehr sind, die auf dem Altar des Vaterlandes das hohe Opfer ihres Lebens darbrachten. Das Armeeoberkommando hat dem k. u. k. Kriegsarchiv den Oedanken nahegelegt, alle jene, die auf dem Felde der Ehre gebliebenen oder später ihren Verwundungen oder Erkrankungen erlegen sind, in einem Werke zu verewigen. Der Oedanke ist ebenso schön, als die Durchführung einfach erscheint. Und doch stellen sich seiner Ausführung große Schwierigkeiten entgegen. Vor allem gilt es den Kampf mit der Masse. Niemals noch hat ein Krieg solche Hekatomben an Menschenopfern gefordert, wie das gegenwärtige Völkerringen, das fast das ganze Europa in Brand setzte und mit blutiger Fackel über alle Weltteile leuchtet. Erheblichen Widerständen begegnete schon die Absicht, die Namen all der Tapferen aufzuzählen und erst lange Zeit nach erfolgtem Friedensschluß wird es möglich sein, der Wahrheit und Vollständigkeit die richtige Bahn zu ebnen. Auch der dem pietätvollen Empfinden so naheliegende Plan, nebst den Namen der Gefallenen ihre Bildnisse der Nachwelt zu überliefern, wurde durch mannigfache Hindernisse gehemmt. Vor allem durch die Schwierigkeit, überhaupt in den Besitz einer Photographie des Gefallenen zu gelangen. Ein Versuch, durch Vermittlung der Presse solche zu erhalten, hatte nur recht mäßigen Erfolg. Hingegen hat das k. k. Ministerium für Landesverteidigung eine Aktion eingeleitet, welche alle Ersatzkörper damit beauftragt, sowohl Bildnisse der gefallenen Helden als auch, was nicht minder wichtig ist, ihre biographischen und sonstigen Daten herbeizuschaffen. Und dieses Eingreifen hatte guten Erfolg. Das Kriegsarchiv hat nunmehr angeregt, daß sowohl von Seite des k. u. k. Kriegsministeriums als auch des k. ungarischen Landesverteidigungsministeriums ähnliche Zum Trotz aller seiner Widersacher ist diesmal Schlemihl ausnahmsweise kein Pechvogel gewesen und seine leichte Verwundung erhielt er gerade in einem Momente, in welchem er sich außerordentlich auszeichnete und für tapferes Verhalten im Felde die Tapferkeitsmedaille erhielt. Er befand sich in einer nordungarischen Ortschaft, als die Russen den Einbruch über die Karpathenpässe unternommen hatten. Eine kleine Abteilung, zu der er gehörte, erhielt die Aufgabe, einen wichtigen Punkt zu halten. Ganz unerwartet tauchte dort eine Kosakengruppe auf, und der Wachposten versuchte, die Unmöglichkeit des Widerstandes einsehend, zu flüchten. Schlemihl feuerte jedoch seine Kameraden zum Ausharren an, unterhielt — soweit es ging — ein heftiges Feuer gegen den Feind und es gelang, denselben so lange aufzuhalten, bis entsprechende Verstärkung angelangt war und den Feind gefangennahm. Im Laufe des Gefechtes wurde Schlemihl leicht verwundet, hielt jedoch bis zum Schlüsse aus und verdiente sich durch sein Verhalten die Tapferkeitsmedaille. Einige Tage später brachten die Zeitungen ausführlichen Bericht über dieses Gefecht sowie die Nachricht über die hohe Auszeichnung, welche sich der Held desselben, der Infanterist Josef Gruber aus D. in Oalizien erworben hat. In der kleinen Kolonie seiner Vaterstadt ist nun der Name „Schlemihl" mit einem Male wie verschwunden. Groß und Klein stolzierten mit ihrem Landsmann Josef Gruber, der sich freiwillig zur Armee meldete und sich die Tapferkeitsmedaille erwarb, seiner Vaterstadt, allen Freunden und Bekannten große Ehre bringend. Auch „Schlemihl Nr. 2" erlebte eine Freude an ihrem Ehegatten, der tapfer und mutvoll für Kaiser und Vaterland kämpfte und so eine hohe Auszeichnung sich erworben hat. Natürlich stolzierte sie jetzt ganz anständig mit ihrem Josef Gruber. Und So glückte es unserem Schlemihl, wiederum seinen ehrlichen bürgerlichen Namen in Ehre zu führen. Niemand wagte es mehr, ihn Schlemihl zu nennen - er war der Stolz seiner Familie, seiner Vaterstadt, seiner Glaubensgenossen. Auf dem Felde der Ehre wurde er rehabilitiert. Ben-Zwi. Schritte unternommen werden mögen, damit jene feste Grundlage geschaffen werde, auf welcher das geplante Werk einer erprießlichen Vollendung entgegenreifen könne. Wohl wird es auch jetzt nicht möglich sein, alle Bilder in ihrer Gesamtheit zu bringen; es soll aber vorläufig getrachtet werden, wenigsten bei den Offizieren und Offiziersaspiranten eine lückenlose Reihe herzustellen, unterdessen aber auch alle einlangenden Mannschaftsporträts ohne Ausnahme zu verolfentlichcn Ganz vollzählig sollen hingegen die Namen aller Gefallenen mit den darzugehörigen Daten sein. Innerhalb der einzelnen Hefte wird die alphabetische Ordnung beibehalten werden; eine chronologische Reihenfolge ist bei dem willkürlichen Einlauf der Bilder ausgeschlossen. Der bei offiziellen Werken sonst selbstverständliche Maßstab unbedingter Zuverlässigkeit kann diesmal nicht angewendet werden. Beruhen doch manche Daten nur auf dürftigen Angaben der Angehörigen, die bei dem Mangel oder dem Versagen der Quellen nicht immer nachgeprüft werden konnten: ähnlich verhalt es sich auch mit den Ortsnamen. Immerhin glaubt das k. u. k. Knegsarchiv auf dem eingeschlagenen Wege den Geboten pietätsvoller Gesinnung möglichst nahe gekommen zu sein. Es ergeht nun auch auf diesem Wege die Aufforderung, Bildnisse von Gefallenen an die untenstehende Adresse gelangen zu lassen, wobei betont wird, daß auf Wunsch die Photographien nach erfolgter Reproduktion wieder rückerstattet werden. K. u. k. Kriegsarchiv Wien, VII.. Stiftgasse Nr. 2. Streiflichter. Versöhnung siag im Baracken' Spital. Der „Pester Llo\ d schreibt Das Fest des Versöhnungstages, das die israelitische Bewohnerschaft heute feierte, hat sein feiertagslicht hinausgestrahlt in die Barackenlager, die an den Grenzen der Hauptstadt und in ihrem Inneren den Kriegsverwundeten und Kranken Herberge und Heilstätte bieten. Im Mane-Valerie-Barackenspital sahen wir dieses Feiertagslicht so eindrucksvoll die Herzen der Verwundeten erwärmen, daß wir nicht ohne ein Wort der Erinnerung dieses Bild vorbeiziehen lassen können. Im Barackenspital, das heute etwa 3000 Kranken Aufnahme bietet, wurde zum Versöhnungstage eine besondere Baracke als Synagoge eingerichtet. Aus leuchtend-weißer Seide war ein Tuch über den Kasten gespannt, der als Thoraschrein diente, und Ausschnitte aus Goldpapier zierten diese weiße Decke, auf der eine Krone umwunden war mit Bändern in den Färbet], dej u.ngarisp^ejfi Trikolore. ^Lichter und Lampen waren fiagsSerürij aufgestellt und auch sonst alle Vorkehrungen für den Bedarf der religiösen Zeremonie getroffen. Auf den Sitzreihen, die rechts und links von dem Vorbeter aufgestellt waren, sah man Soldaten im inbrünstigen Gebet. Man sah Honveds und bosnische Soldaten, Artilleristen und — russische Gefangene. Da an Gebetbüchern augenscheinlich Mangel war, sah man hier und dort zwei und drei Mann über ein Gebetbuch gebeugt und es waren oft genug russische Gefangene und heimische Soldaten aneinandergelehnt, um aus einem Gebetbuch den Gott der Heerscharen zu loben. Die russischen Soldaten werden diesen Tag gewiß nie vergessen. Dieser heutige Gottesdienst wird den russischen Gefangenen zeigen, wie sehr die österreichisch-ungarische Monarchie, wie sehr die führenden Stellen unserer Kriegsinstitutionen das religiöse Bekenntnis auch im Feinde achten. Wie beten die „lieben Juden" des Zaren heute in Rußland und wie beteten sie bei uns! Anleihe und Judenfrage. Die „Nowoje Wremja" schreibt in ihrer Ausgabe vom 4. d.: Eine Reihe von Beratungen, die bei dem Reichsratsmitglied Maxim Kowalewski stattfinden, streben die Bildung eines sogenannten Fortschrittlichen Blocks an, in den sämtliche Reichsdumaparteien mit Ausnahme der äußersten Linken (Arbeiterpartei und Sozialdemokraten) und der äußersten Rechten (Nationalisten und Ultrakonservativen) eintreten sollen. Jetzt sind die Verhandlungen bei der sehr schwierigen Judenfrage angelangt, die von den fortschrittlichen Parteien an erste Stelle gerückt wird. Sie verlangen die sofortige Aufhebung der jüdischen Ansiedlungszone auch im Wege der Gesetzgebung, nachdem sie tatsächlich bereits gefallen ist, verlangen auf gleichem Wege auch die Aufhebung aller anderen noch bestehenden Beschränkungen, wie die Prozentnorm der Zulassung zu den Unterrichtsanstalten, Wohnrecht in den Residenzen usw. Die vollständige Gleichstellung der Juden wird zwar von den Fortschrittlern angestrebt, jedoch soll sie aus taktischen Gründen in einem ruhigeren Tempo allmählich eingeführt werden. Die Gruppe der iortschritthchen Nationa-; listen ist vorlautig iur eine bestimmte Lut- : Scheidung uieser rrage nicht zu haben. Als j einer der schwerwiegendsten Beweggründe iur die sotortige politische Entscheidung wird die I Möglichkeit angerührt, alsdann in Amerika eine Anleihe von zwei Milliarden Dollar zu erhalten. Obgleich bei Beratung des Notenausgabe- Ueseizemwuries vom i manziniiuster m der Duma ausgeführt wurde, daß nicht nur Rußland, sondern auch die anderen Staaten mit großer Muhe in Amerika Geld tmdeti. und auch das nur in beschrankten Umlang, wird doch am Grund geheimer, im übrigen aber ganz bestimmter lntormationcii \on der Yl< glid kut ci Y\üharüenanleihe gesprochen. Die Entscheidung in der Judentrage wird m den nächsten lay<.:n geirotien werden. Der Stockholmer Korrespondenz des „Berl. Iugebl meldet lnlolgt dei ablehnenden Haltung, die die Rothschild-Gruppe schon wahrend des ganzen Vorlautes des Krieges gegenüber jenen vorschlagen einnahm, die die russische Regierung m Angelegenheit der Abwickelung der linanziellen 1 ransaktionen unterbreitete, sahen sich die russischen Amtskreise mit Rucksicht am die Unentbehrhchkeit der Unterstützung der Rothschild-Gruppe bei der Verwirklichung der nächsten ausländischen Anleihen veranlaßt, den Chef des Bankhauses von der Riclimngsaiidertmg telegraphisch zu verständigen, die die russische Politik zugunsten der .Iiidenschan eintreten ließ. Der Präsident dei Pcicisnuigci Intcinationalen Handelsbank VVischuegradski verstandigte im Auftrage der russischen Regierung Rothschild, daß die Regierung die hauptsächlichsten Forderungen der russischen .ludenschatt akzeptierte und ihnen das Recht der freien Absiedlung und der Anwerbung von Grundbesitz, und zwar uberall mit Ausnahme der Residenzstädte gestatte. Weiter wurde ihren Kindern das Recht des Schulbesuches eingeräumt. Wischnegradski erklärte noch, daß nach seiner Meinung die russisch! Regierung nach dem Kriege der indischen Bevölkerung noch weitere Konzessionen gewähren werde. (Siehe Artikel „Rothschild im Romanow"). Die Woche. Wilna. Nun ist auch Wilna den Russen entrissen worden. Zahlenmäßig nimmt die Wilnauer Judengemeinde unter den jüdischen Großgemeinden Rußlands wohl erst die vierte Stelle ein, an historischer Bedeutung, an Geistesaristokratie gebührt ihr wohl der erste Platz. Das „litauische Jerusalem" wird Wilna genannt — der Titel ist nicht unverdient. In vergangenen Zeiten konzentrierte sich hier jüdische Gelehrsamkeit und Religiosität in hervorragendster Weise und der „Wilnaer üaon" Rabbi Eliahu, gehört zu den größten Kapazitäten des Ostjudentums. Später, in der sog. Aufklärungsperiode, konzentrierte sich in Wilna wiederum das moderne jüdische Geistesleben und eine große Zahl berühmter Schriftsteller und Literaten lebte und wirkte in dieser Stadt. Hier erschien auch eine große Zahl hebräischer Zeitschriften und Journale. Bei all dem gehörte die Wilnaer Judengemeinde zu den frömmsten und die dortige „Jeschiwa" genoß einen Weltruf. Bis in letzte Zeit zählte Wilna zu den angesehensten Judengemeinden des Zarenreiches. Was mit den Wilnaer Juden während der von den Russen angeordneten Räumung der Stadt geschah, ist vorläufig nicht näher bekannt. Wahrscheinlich wurde ein großer Teil derselben nach dem Innern verschleppt; diejenigen, die geblieben sind, sind nunmehr frei — hoffentlich für immer. Die verschleppien g anzischen Juden. Aus Kopenhagen kommt die Nachricht, daß das judische Wohltatigkeits-Koinitee m Petersburg die Meldung erhalten habe, daß Son indische Familien, welche aus Oalizien verschlepp* wurden, sich aut dem Wege nach Nischnn \-.<- wogrod beiluden Diese Nachricht c si 1 tersburg umso größere Überraschung, ar es ia hieß, daß die aus Gahzien verschleppten Juden wieder in ihre Heimat zurückbeordert werden. Auch aut dem Wege nach Ischernigow beiludet sich eine große Zahl uidisch-gahzischer Familien. Obwohl ein großer f eil derselben über genugende Geldmitte! verfugt, wird es ihnen Drucku. Verlags- AnslaU »MELANTRICH« SÜSSES! Wien IX. Bezirk, Pramergasse 6. Telephon Nr. 17.424. speziaiusi-. Fremde sprachen.

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