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Jüdische Korrespondenz · 1915-09-23 · 7 (23.9.1915) · page 4

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
7 (23.9.1915)
Date
1915-09-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Korrespondenz Nr. 7 berg hat am dreihundertsten Jahrestage der Standeserhöhung der Familie, durch göttliche Fügung zugleich 8 4. Qeburtstag Seiner Kaiserlich und Königlichen Apostolischen Majestät Franz Josef I., den Beschluß erbracht, den Erlös des expropriierten Familienheiligtums zur Kreierung einer gemeinnützigen Stiftung zu verwenden; angesichts der unvergleichlichen Leistungen unsrer glorreichen Armee jedoch jetzt verfügt, daß diese Stiftung in erster Linie der Kriegsfürsorge, und zwar der Heilung kurbedürftiger Waisen gefallener, versterbe ser. verschollener und gefangener Krieger und auf Kurgebrauch angewiesener Kriegsinvaliden, resp. der Erhaltung von Hospizen in Thermal- und Luftkurorten gewidmet werde und demgemäß mittels freiwilliger Beiträge der Familienmitglieder im Kurort Lipik in Slavonien ein Kriegswaisen- und Invalidenhospiz errichtet. Dieser Verfügung gemäß hat die gegenwärtige Verwalterin des Expropriationserlöses der vom Stammvater der Familie, dem kaiserlichen Minister und freien Hofjuden Jakob Bassevi v. Threwenberg auf Qrund des Privilegiums vom 18. Januar 1622 in Prag für sich und die Seinigen erbauten Großen Hofsynagoge, die Prager israelitische Kultusgemeinde, resp. deren Jubiläums-Synagogenkomitee, den übernommenen Expropriationsbetrag samt mittlerweile aufgelaufenen Zinsen und Zinzeszinsen an die Kassa des k. u. k. Kriegsministeriums unter der Bezeichnung „Ablösungspreis der demolierten autonomen Familiensynagoge, Großen Hofsynagoge, in Prag samt Zinsen und Zinseszinsen" unverzüglich abzuführen, wo dieser Betrag im Sinne des Stiftungsbriefes verwaltet werden wird. Budapest, 28. Juli 1915. Für den Familienrat des reichsunmittelbar freien Geschlechtes der Bassevi v. Threwenberg der Senior-Syndikus: Michael Maximilian Vajda m. p." * Jakob Bassevi v, Threwenberg, hatte sich durch seine großen Verdienste um en Staat und die Öffentlichkeit sowie namentlich durch sein wohltätiges Wirken in Prag die Anerkennung dreier Kaiser erworben, und zwar Kaiser Rudolf IL, der ihm im Jahre 1590 ein Privilegiumsbrief erteilte, der von Kaiser Matthias bestätigt wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh ihm den Adelstand mit dem Prädikat „von Threweberg". Der Adelsbrief ist kontrasigniert von dem damaligen Kanzler Popel von Lobkowitz und vom Geheimschreiber Philipp Fabrizius. Dieser Fabrizius ist die historisch bekannte Figur, die im Jahre 1618 mit Graf Martinitz und Slawata zusammen aus den Fenstern des Altstädter Rathauses geworfen wurde. Der Fenstersturz war bekanntlich mit ein Anlaß zum Dreißigjährigen Krieg. Bei den Judenverfolgungen mußte auch Bassevi von Prag flüchten, und er starb außerhalb Prags und wurde in Jungbunzlau begraben. Seine Gattin, Hendel Bassevi v. Threwenberg, kam dann wieder nach Prag zurück und betätigte ebenfalls in hohem Maße ihren Wohltätigkeitssinn. Täglich ließ sie Arme und Waisen beköstigen, teilte Kinder aus und unterstützte Gelehrte. Sie starb im Jahre 1628 in Prag und ist auf dem Altstädter Judenfriedhof begraben. Ihr Grabstein bildet auch eine der Sehenswürdigkeiten dieses alten Friedhofes. Als jüngst Erzherzog Leopold Salvator in Prag weilte und den alten Judenfriedhof besuchte, interessierte er sich besonders für diesen Grabstein und für das Wappen auf diesem Grabstein. schute im Zusammenhang mit dem Beschluß des Bürgerkomitees, den Schulzwang in Warschau einzuführen, befaßte. Es wurde einstimmig folgendes beschlossen: 1. Der Schulzwang muß für die Gesamtbevölkerung obligatorisch sein. 2. Über Programm, Organisierung und Leitung der jüdischen Schule bestimmt die jüdische Bevölkerung allein. Zu diesem Zweck ist ein von der gesamten jüdischen Bevölkerung gewählter Schulrat zu schaffen. Die gegenwärtigen Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Bildungsabteilung beim Bürgerkomitee können nicht die Ansichten der jüdischen Gesellschaft vertreten, da sie dem jüdischen Volke fremd gegenüberstehen. 4. Die Erhaltung der jüdischen Schule hat auf Kosten der Stadt zu geschehen. Zur Beratung über die inneren Schulfragen wird noch eine dritte Versammlung einberufen werden. — Auch die maßgebenden chassidischen Kreise haben eine Beratung abgehalten. Zweck dieser Versammlung war, sich über Maßnahmen zur Erhaltung des Cheders klar zu werden. Es wurden jedoch vorläufig keine bestimmten Beschlüsse gezeitigt. Von der Russenherrschafl in Lemberg. Über die Schreckensherrschaft der Russen in Lemberg wird uns folgender charakteristische Fall mitgeteilt: Der Buchdruckereibesitzer O. Wilf ist vor der russischen Invasion nach Wien geflüchtet und überließ seinem Schwager die Beaufsichtigung der Druckerei. Dieser wurde von der Russen zuerst gezwungen, einige Maschinen an eine russophile Druckerei zu verkaufen, später wurde er wiederholt unter den nichtigsten Vorwänden verhaftet, bis die ganze für die Maschinen erhaltene Summe eis „Lösegeld" erpresst wurde; schließlich wurde er beim Abzug der Russen aus Lemberg nach Rußland verschleppt. Auch sonst haben die Russen in dieser Druckerei arge Verwüstungen angerichtet. Der Tempel von Zurawno. Der Kriegsberichterstatter Erich Köhrer schreibt: Die Macht des russischen Feuers zeigt Zurawno. Außer an der ein wenig seitlich gelegenen Straße nach Luka, die in der Richtung des Dnjestr südöstlich führt, und an der ein paar Hütten erhalten sind, steht in dem ziemlich großen Orte kein Haus mehr. Nein — das stimmt nicht: es stehen drei Häuser, die Häuser der beiden katholischen und der jüdischen Gemeinde! Wie ein Wunder wirken diese Gotteshäuser, die mitten unter Trümmern und Brandstätten stattlich in der Sommersonne stehen. Die beiden Kirchen sind wenigstens unmittelbar von kleinen Gärten umgeben, der jüdische Tempel aber steht frei und aufrecht mitten zwischen den Ruinen, und da die Russen sicher am wenigsten an seine Erhaltung gedacht haben, ist man fast geneigt, an Wunder zu glauben. Während mein Fahrer eine Aufnahme macht, kriechen aus den Trümmern doch ein paar Leute hervor. Eine junge Jüdin, die fast jargonfrei Deutsch spricht, erzählt: „Als die Deutschen zum ersten Male Zurawno nahmen, war wenig zerstört, und wir waren glücklich, daß die Russen fort mußten. Aber als dann die Russen wiederkamen, begann eine böse Zeit. Alles haben sie uns gestohlen aus den Häusern, zwei Juden haben sie aufgehängt, weil sie die russischen Telephondrähte durchschnitten hätten, viele haben sie fortgeschleppt als Geiseln. Und dann sind wiedergekommen die Deutschen und haben erobert Zurawno, und die Russen weit, weit vertrieben. Aber es war schlimm, als wir in den Kellern saßen und die Russen Tag und Nacht schössen. Und wie wir dann herauskamen aus den Kellern" — sie zeigte mit den Händen um sich, — „der Herr sieht ja selbst, was wir behalten haben. Nichts als das Leben und den Tempel. Aber es schadet nichts, wenn nur die Russen nicht mehr wiederkommen.. Müssen wir eben wieder aufbauen die Häuser, und w'rd eine neue Brücke gebaut werden über den Dnjestr". Arabische Kriegsliierarur Uber Palästina. Die Palästinafrage nimmt in der Kriegsliteratur einen ziemlich großen Platz ein. So weist L. M. im Budapester „Egyenlöseg" auf ein Buch eines arabischen Autors, Abdallah al Fahra, hin, welches den Titel „The relation betwenn Turkey and Russia". (Die Beziehungen zwischen der Türkei und Rußland) führt. Sehr bezeichnend für die arabische Auffassung ist es, daß der Autor in seinem Buche Rußland anklagt, daß es die Juden in Palästina ansiedle, um auch auf so'che Weise sich in Palästina eine Interessensphäre zu schaffen. Die gerade entgegengesetzte Ansicht vertritt ein türkischer Autor, Osman Arani, der in einer „Les juifs en Turquie" betitelten Broschüre auseinandersetzt, daß ganz gut davon gesprochen werden könne, daß das Türkentum ein jüdisches Palästina schaffe, weil dadurch ein Damm gegen das arabische Element errichtet würde und die ineinander greifende Verbindung zwischen den ägyptischen, mesopotamischen und syrischen Arabern eine Unterbrechung erfahren würde. nicht erlaubt, auf der Reise die Waggons zu verlassen und sich Lebensmittel zu kaufen. Es ist darauf zu ersehen, welchen Wert die offiziellen russischen Versprechungen haben. Aktion der amerikanischen Juden. Aus New-York wird geschrieben: Die Ausweisung und die vielfachen Dr ngsalierUnheil, die jetzt in Rußland über die Juden hereingebrochen sind, haben in der jüd. Bevölkerung der Vereinigten Staaten vo i Amerika eine große Empörung hervorgerufen. Die amerikanischen Juden sind zu einem großen Teil aus Rußland eingewandert oder es sind Nachkommen von jüdischen Familien, die früher aus Rußland eingewandert sind. Die Mißhandlungen, denen jetzt die russischen Juden besonders in den nach Deutschland und Österreich-Ungarn zu gelegenen Gouvernements ausgesetzt sind, treffen also in großem Umfange auch nächstverwandte Glaubensbrüder der in Nordamerika angesessenen jüdischen Bevölkerung. Um der weitem schändlichen Behandlung ihrer Glaubensbrüder in Rußland entgegenzutreten, hat sich soeben in Newyork das „Internationale Jewish Emancipation Comitee" gebildet. Diese Vereinigung hat gleich nach ihrem Zustandekommen eine Entschließung angenommen, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten beim Friedensschluß nach dem großen europäischen Kriege aufgefordert wird, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit in die Friedensverträge auch Bestimmungen aufgenommen werden, die eine fernere Drangsalierung der Juden nicht mehr zulassen. FlUcbJUngsriirsorge in Bulgarien. Aus Sofia meldet man: Die Zerstörung, die durch die Austreibung unter den bessarabischen Juden angerichtet wurde, ist vielleicht noch größer als bei den litauischen und polnischen. Sie haben in Rumänien Schutz gesucht, aber verschlossene Türen gefunden. Darauf wandten sie sich nach Bulgarien. Den bulgarischen Juden ist es gelungen, den jüdischen Flüchtlingen zu Hilfe zu eilen. Sie haben bei ihrer Regierung die Erlaubnis durchgesetzt, daß die vertriebenen bessarabischen Juden sich an bestimmten Plätzen unter der Bedingung aufhalten dürfen, daß die bulgarische Judenheit sie mit allem Notwendigen versorgt, damit sie nicht dem bulgarischen Staate zu Last fallen. Frei. Auf den Boden — leichenweiß — Liegt schön Mägdelein; Ihm zu Häupten seufzen leis Totenlidrtelein.... Und sein Vater steht dabei Und -- es Jauchzt sein Herz: „Teures Kind, du bist nun frei! Frei von Schand' und Schmerz! Steh nun auf, mein süßes Kind! Sieh', die Feind' sind fort! öffn' die Äuglein auf geschwind! — Doch--du sprichst kein Wort____ Kind! mein Kind! mein gutes Kind! Reiche mir die Hand: Sieh, schon ist in alle Wind' Die Kosakenband'!..." — Und — als er die Hand ihr bot — Brach sein Herz entzwei; Ach! sein Kind war wirklich tot — War für immer frei.... Jakob Diamand. Familienbeschru© des Geschlechts Bassevi v. Threwenberg anläßlich der Siege der verbündeien Armeen. In vaterländischer Gesinnung hat der Familienrat des Geschlechtes Bassevi v. Threwenberg ein Beispiel gegeben, das dankbar anerkannt werden soll. In der letzten Sitzung des Familienrates wurde unter dem Vorsitze des Seniorsyndikus Michael Maximilian Vajda beschlossen, den Erlös des expropriierten Familieneigentums einer Stiftung zuzuwenden, die der Heilung kurbedürftiger Kriegswaisen und invalider Krieger zugute kommen soll. Mittels freiwilliger Beiträge der Familienmitglieder soll, im Kurorte Lipik in Slavonien ein Kriegswaisen- und Invalidenhospiz erhalten werden. Die im Amtsblatte der „Wiener Zeitung" enthaltene Kundmachung lautet: „Der Familienrat des reichsunmittelbar freien Geschlechtes der Bassevi v. Threwen- |Pi||||iiiiipiKpii|t)||wi[piuiMmi^ Dar Feiertage wegen erscheint ttie nächste Kummer der „Jüdischen Korrespondenz" am Bonnerstag d. 7. Oktober 1915. UliuiUJtuitllUiulUliiiHtliliHllltttiilllllitllJlliuillIliiltrtlluiillllliulilltittlllliiiilllliiiitl hiiiiflfliDilTlnfiiliiliiiill ClwoniR. Adelsverlelhung. Der Kaiser hat dem Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Geheimen Justizrat Regierungsrat Dr. Adolf Bachrach den Adelstand verliehen. Dr. Lajsanr Zlpser s. A. Vorige Woche ist in Wien der bekannte Landesadvokat aus Kolomea Dr. Lazar Zipser nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Der Verblichene nahm in seiner Vaterstadt regen Anteil am öffentlichen Leben. Er war seit vielen Jahren Mitglied des dortigen Gemeinderates, des Bezirksausschusses, des Bezirksschulrates und der israel. Kultusgemeinde, Vorsteher des israel. Schülerheimes sowie Mitglied vieler humanitäter Vereine. Aus Warschau. Vor einigen Zeit fand eine Versammlung von Pädagogen, Schriftstellern und Vorstehern jüdischer Vereine statt, die sich mit der Frage der jüdischen Volks- Slipendien. Der Vorstand der Israelischen Kultusgemeinde in Wien schreibt folgende Stipendienkonkurse aus: Dr. Max Bardach'sche Stiftung für israelitische Witwen und Waisen nach Zahnärzten. 2 Plätze zu je K 60--. M. L. Biedermann-Stiftung für Religionsschüler. 2 Plätze von je K 120--. Ludwig Brettauer-Fonds zur Armenbeteilung. Plätze unbestimmt, zusammen im Betrage von K 440-—. Dr. Adolf Jellinek-Widmung für Bibel-- und Talmudschüler. 2 Plätze von je K 100-—. Stiftung zur Unterstützung israelitischer Studierender, gewidmet von Dr. Sem. Plohn zum Andenken an seinen Vater Jakob Plohn. Plätze unbestimmt, zusammen im Betrage von K 690-—. Dr. Adolf Schmiedl-Widmung für Talmudschüler. Vier Plätze von je K 400—. Komponist Oskar Straus-Stiftung für dürftige Mittelschüler in Wien, aus Anlaß des 60. Regierungsjahres Sr. Majestät des Kaisers errichtet. 1 Platz von K 60-—. Samuel Süssermann-Stiftung für Talmudschüler. 2 Plätze von je K 225'—. Kaiser Franz Josef Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung israelitischer Waisen, errichtet von Philipp Torsch. 2 Plätze von je K 300--. Einreichungsfristen: bis zum 15. Oktober 1915. Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichsstelle (I. Seitenstettengasse 4, II. Stock, Einreichungsprotokoll) unentgeltlich zu haben sind; die Gesuchsbögen enthalten auch nähere für die Einreicher wichtige Bestimmungen. Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jon*« Kreppet. — Buchdruckerei „Metentrich", Wien IX., Pramergasse 6. (Verantwortlich S. Grünhut). i

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