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Jüdische Korrespondenz · 1915-08-26 · 3 (26.8.1915) · page 2

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Journal
Jüdische Korrespondenz
Volume
1 (1915)
Issue
3 (26.8.1915)
Date
1915-08-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite Jüdische Korrespondenz Nr. 3 tusvorstandcs werden beschuldigt, speziellen Motiven zuliebe gewisse Kandidaturen justernent zu forcieren. Ks heißt auch, daß im Vorhinein sämtliche gegenwärtigen Wiener Rabbiner von der Bewerbung um diese Stelle ausgeschlossen sein sollen. Andererseits tuschelt man sich zu, daß gewisse Wiener Rabbiner diesen gegen den Kultusvorstand gerichteten Aktionen nicht ferne stehen sollen, da sie auf diese Weise ihre eigenen Kandidaturen in den Vordergrund schieben möchten. Ohne näher auf all dieses üerede und teilweise auch Getratsch eingehen zu wollen, möge zunächst erklärt werden, daß die ganze Lntwickelung, welche die Angelegenheit genommen hat, nur dazu geeignet sei.i kann, üen zukünftigen Überrabbiner von Wien apriori in eine unbequeme Lage zu bringen. Ein Rabbiner, der unter solchen Umständen sein Amt anträte, wird im Vorhinein einen sehr schweren Stand haben und infolgedessen nicht in der Lage sein, die Stellung, die das Oberrabbinat in der größten Judengemeinde Österreich-Ungarns bietet, entsprechend zu repräsentieren. Im Interesse des Judentums und der Würde des Rabbinerstandes wäre es demnach zu wünschen, daß diese Frage in einer ernsteren, würdigeren Weise einer Lösung zugeführt werde. Der Oberrabbiner der Judengemeinde Wiens soll vor allem ein hervorragender jüdischer Gelehrter, eine Persönlichkeit fester, entschiedener Grundsätze, ein Mann breiter zelredner sein, er soll die Fähigkeit besitzen, die Judenschaft nach Innen und Außen entsprechend zu repräsentieren. Solche Männer sind allerdings nicht dicht gesäet. Wenn aber erklärt wird, daß von den gegenwärtig in Wien wirkenden Rabbinern kein einziger f ii r diese Würde prädestiniert ist, so stellt sich damit die Gemeinde nur ein Armutszeugnis aus. Eine Gemeinde wie Wien soll doch »ei der Wahl ihrer Seelsorger etwas vorsichtiger vorgehen und jedenfalls für eventuellen Nachwuchs sorgen. „Jeder gute Soldat trägt den Marschallsstab in seinem Tornister" - sagte Napoleon 1. Jeder Rabbiner soll dazu befähigt sein, eine höhere Stelle einzunehmen. In seinem engeren Wirkungskreise muß er sich eine derartige Position schaffen, daß ein Aufsteigen zu höherer Würde wenigstens nicht im Vorhinein als ausgeschlossen betrachtet werden soll. Sollte dies in Wien nicht der Fall sein, sollte keiner unserer Seelsorger für die Rabbinerstelle im Seitenstätten-Tempel die Eignung haben, dann wäre es andererseits vielleicht nicht zum t eriugsten ihre eigene Schuld, daß sie sich in ihrer bisherigen Tätigkeit nicht die entsprechende Stellung verschaffen komiten. Am w enigsten aber könnten sie ihre Position damit verbessern, wenn sie sich auch nur indirekt in irgendwelcher Form an einer Agitation gegen ihren künftigen Kollegen beteiligen sollten. Sollte sich jedoch von auswärts ein geeigneter, allen Anforderungen entsprechender Kandidat finden, dann darf die Frage, wo seine Wiege gestanden ist, am wenigsten entscheidend sein. Vom Standpunkte der politischen Geographie darf diese Angelegenheit sicherlich nicht behandelt werden. In Galizien gebürtige Rabbiner fungieren in den größten Gemeinden des Auslandes, andererseits haben wir in Österreich gar manche Rabbiner aus dem Auslande und es sind gerade nicht die schlechtesten. In dieser Beziehung ist das Judentum wirklich universell und kennt keine Grenzpfähle. Entspricht der Kandidat sonst allen Anforderungen, dann möge er berufen werden ohne Rücksicht darauf, woher er käme. Ist die Kultusgemeinde der Meinung, daß die Oberrabbinerfrage ohne Rücksicht auf die gegenwärtigen Kriegs- \ erhältnisse schon jetzt einer Lösung zugeführt werden soll, dann möge dies in einer solchen Weise geschehen, daß die Würde und die Position des zukünftigen höchsten religiösen Repräsentanten der größten Judengemeinde Österreichs nicht durch eine Art Wahlagitation geschmälert und erschüttert werde. Dies mögen sich sowohl der Kultusgemeinde-Vorstand als auch die ganze öffentliche Meinung vor allem vor Augen halten. N-n. Denkmäler russischer Schande. Wir haben in vorletzter Nummer einige Sätze aus der Rede des Kadettenführers Miljukow in der russischen Duma über das unmenschliche Vorgehen der Russen gegen die Juden zitiert. Außer Miljukow hat auch der jüdische Duma-Deputat Friedmann die Lage der Juden in Rußland in den düstersten Farben geschildert. Die Rede des Abgeordnelen Friedmann. Ungeachtet ihrer schwierigen Lage, ungeachtet ihrer Rechtlosigkeit haben die Juden es verstanden, sich auf die Höhe der Bürgerpflichten zu steilen und im Laufe des verfloss nen Jahres einen beträchtlichen Anteil am Kri-'ge zu nehmen. Sie sind in keiner Weise hinter den Anderen zurückgeblieben. Sie haben a:le ihre Dienstpflichtigen mobilisiert, nur mit dem Unterschied gegen die Anderen, daß sie auch die einzigen Söhne in den Krieg geschickt haben. Die Zeitungen haben zu Anfang des Krieges eine beträchtliche Zahl von jüdischen Freiwi ligen gemeldet. Die jüdische Jugend, die wegen der Prozentnorm im Auslande ihre Bildung suchen muß, ist in die Heimat zurückgekehrt, als der Krieg erklärt wurde oder ist in die Armeen der Verbündeten eingetreten. Nicht wenige judische Studenten sind bei der Verteidigung Ltittichs und der anderen Orte der Westfront zugrunde gegangen. Die zionistische Jugend hat, als sie vor der Frage stand, entweder türkische Untertanen zu werden oder aus Palästina verjagt zu werden, es vorgezogen, nach Alexandrien zu fahren und in das englische Heer einzutreten. Die Jud^n haben Lazarette eingerichtet, Geld geopfert und haben an allem Anteil genommen was die übrigen Bürger getan haben. Viele Juden haben im Kriege Auszeichnungen erhalten. Vor mir liegt der Brief eines Juden, der aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist. „Ich riskiere mein Leben ', schreibt er, „und wenn ich trotzdem nach Archangelsk gefahren bin, so ist dies deshalb geschehen, weil ich meine Heimat mehr liebte als mein Leben und jene amerikanische Freiheit, die ich genoß, ich wurde zum Kriegsdienst genommen und verlor meinen linken Arm fast bis zur Schulter. Man sandte mich nach Kurland. Kaum kam ich in die Nähe von Riga, als ich auf dem Bahnhof meine Eltern und Verwandten sah, die an demselben Tage von dem heimischen Herd auf Befehl der Militärbehörden in die Verbannung geschickt wurden. „Sagen Sie den Herren, die auf den Bänken der Rechten sitze n'" so schließt er seinen Brief, „daß ich den verlorenen Arm nicht bedaure, aber daß ich die verlorene Menschenwürde bedauere, die ich in der Fremde geno ß". Das ist die Stimmung oer Juden, wie sie in vielfachen Aufrufen, Manifestationen, in der Presse und endlich hier in diesem hohen Platze ihren Ausdruck findet. Man sollte deuten, daß es schwer sei, diese Stimmung nicht in Betracht zu ziehen. Man sollte denken, die Regierung müSte Maßregtin zum Schutze des schweren Loses der Juden ergreifen, die sich im Mittelpunkt der kriegerischen Unternehmungen befinden. Man sollte endlich mit dem Geiühl und den Stimmungen der Hunderttausende von Juden rechnen, die ihr Blut auf dem Schlachtfeld vergießen. Trotzdem sehen wir vom Beginn des Krieges ab, daß die Repressalien gegen das jüdische Volk nicht nurnicht vermindert, sondern im Gegenteil verstärkt wurden. Man hat in die Verbannung geschickt die Juden sowohl wie die Judinne i, deren Männer, Kinder und Brüder ihr Blut für das Vaterland vergossen haben. Ein verwundeter Soldat, Alexander Roschkow, der eine Verwundung an den Augen erhalten hatte, fuhr nach Charkow, um sich dort auszuheilen. Aul sei iem Paß wurde der Vermerk gemacht „Zur Verschkkung". Einen Soldaten Godiewsky mit einem amputierten Bein, der sich zur Ausheilung in Rostow ü. Don befand, wollte man in seine Heimat in das Gouvernement Kaiisch zurückschicken, wo schon die Deutschen saßen. Nur auf energische Schritte des Landschaitsverbandes hin wurde er in Rostow belassen. Einem Apoihekergehilfen, der im Krieg verwundet war, erlaubte man nicht, sich in Petersburg auszuheilen, und nur auf ein besonderes Gesuch hin wurde ihm gestattet, zwei Monate in Petersburg zu bleiben, wobei hinzugefügt wurde, daß nach Ablauf dieser Frist kern längerer Aufschub gewährt werden würde. Sie werdju zugeben, daß man dies nicht anders als eine Schmach nennen kann. Es ist richtig, daß bald darauf ein Zirkular des Ministers des Innern erging, wonach die Familien der Einberufenen an ihren Autenthaltsorten bleiben durften, aber das Zirkular betrifft nur die Familien der Verwundeten, gilt aber nicht für die Verwundeten selbst. Schon der Erlaß eines solchen Zirkulars charakterisiert lebhaft unsere Gesetzgebung. Ich möchte ferner nicht unerwähnt lassen das Verhalten der Regierung zu der jüdischen Presse. Erst ' ------- Tagen erfolgte eine Verfügung übe Un Die jüdischen Massen sind so der Möglichkeit beraubt, durch ihre Presse von den Ereignissen unterrichtet zu werden. (Rufe von rechts: sie können russisch lesen!). Nein, es gibt sehr viele Juden, welche nicht russisch lesen können. Nehmen Sie ferner die Politik des Ministeriums der Volksaufklärung. Früher wußten wir, daß ein Jude, um in eine Unterrichtsanstalt aufgenommen zu werden, entweder eine erstklassige Zensur oder ein glückliches Los erhalten mußte, aber gegenwärtig muß er entweder einen gefallenen Vater oder einen verwundeten Bruder haben. Was haben wir gestern von dem Chef der Regierung selbst gehört? Das Recht auf Gerechtigkeit hat er nur für die Polen in Aussicht gestellt. Den übrigen Nationalitäten, die ihr Blut auf dem Schlachtfelde vergossen haben, wurde nur ein wohlwollendes Verhalten versprochen, und was ein wohlwollendes Verhalten in einem Polizeistaat bedeutet, das wissen wir. In der Reichsduma wurden viele herzliche Worte an die Adresse Polens gesprochen. Das ist natürlich gerecht und in der Ordnung. Aber man darf auch nicht vergessen, daß auf der polnischen Erde und in den übrigen ürenzbezirken auch das Blut der übrigen Nationalitäten fließt, daß dort auch das jüdische Blut vergossen wird und unglücklicherweise nicht nur durch die Hände des Feindes! Jetzt, wo eine elementare Völkerwanderung der jüdischen Massen vor sich geht, wo die Juden von einem Teil des Reiches in den andern verjagt werden, wo die berüchtigte Ansiedlungszone ihre Bedeutung verloren hat, wo die Juden zu Tausenden in das Tambowsche Woronische Gouvernement und nach Sibirien verschickt werden, da findet es die Duma nicht für zeitgemäß, diesem leidenden Volke das Recht der Freizügigkeit zu gewähren. Auf diese Weise bleibt hinsichtlich der jüdischen Frage alles beim Alten. Dieser Zusiand wurde sogar noch besonders betont. Dies ergab sich aus allen Maßregeln, welche die Regierung angewandt hat. In dem lange dauernden Krieg wechseln die Erfolge mit den Mißerfolgen ab, und es erschien für jeden Fall nützlich, in der Reserve Leute zu haben, die an den Mißerfolgen schuld sind, einen Sündenbock bereit zu haben. Für diesen Zweck besteht eine alte Firma, das ist der Jude. Kaum hatte der Feind die Grenze überschritten, als sich schon Gerüchte verbreiteten, daß das jüdische Gold in Aeroplanen, in Särgen und in den Ein¬ Leute geweiden der -Gänse zum Feinde wanderte. Sobald sich der Feind näherte, erschien überall der traditionelle Jude auf dem weißen Pferde, wahrscheinlich derselbe, welcher zu irgend einer Zeit auf einem weißen Pferde in den Städten herumritt, um ein Pogrom hervorzurufen. Die Juden fingen an, Telephone anzulegen, die Telegraphen zu zerstören. Die Legende wuchs, sie wurde mit Hilfe der Regierung verbreitet und die Agitation in den offiziellen Kreisen erreichte unerhörten Umfang. Gegen die Juden wurde eine Reihe von Maßregeln ergriffen, die an der Schrecklichkeit und Ungeheuerlichkeit in der Geschichte der Menschheit unerhört und nech nie dagewesen sind. Diese Maßregeln, die vor den Augen der ganzen Bevölkerung in Ausführung gebracht wurden, haben der benachbarten Bevölkerung und der Armee das Bewußtsein beigebracht, daß die Juden von der Regierung wie Feinde behandelt werden, daß das jüdische Volk außerhalb des Gesetzes gestellt wird. Zunächst fanden diese Maßregeln ihren Ausdruck in der Verbannung der ganzen jüdischen Massen aus vielen Orten. Im ganzen wurde zum Elend und zum Umherirren fast '/j Million von Leuten verurteilt. Wer gesehen hat, wie diese Aussiedelungen vor sich gingen, der wird sie sein ganzes Leben lang nicht vergessen. Zur Aussiedelung wurde ein Tag, manchmal auch 2 Tage Frist gegeben. Es wurden sowohl Frauen wie Greise, Kinder und Kranke verschickt. Man hat sogar die Irrsinnigen aus den Irrenanstalten herausgejagt und die Juden gezwungen, ~:" mit sich zu nehmen. In Mogilnitza wurden 500L) Laufe eines Tages in die Verbannung vcisi.iih.ki, ihr Weg ging nach Warschau über Calvaria. Man zwang sie indessen, auf abseits liegenden Wegen nach dem Gouvernement Lublin zu ziehen und nahm ihnen zugleich die Möglichkeit, ihr Eigentum mitzunehmen; viele mußten zu Fuß wandern. Als ich nach Lublin kam, waren für sie von dem jüdischen Komitee Brot und Nahrungsmittel bereitgestellt, aber man erlaubte ihnen nicht, Halt zu machen, sie mußten weiter wandern. Auf dem Wege kamen Unglücksfälle vor. Ein öjähriges Kind fiel hin und schlug sich zu Tode, aber man gab den Eltern keine Erlaubnis, das Kind zu beerdigen. Ich habe die Verbannten aus dem Kownoer Gouvernement gesehen. Leute, die gestern noch wohlhabend waren, sind in einem Tage zu Bettlern geworden. Ich sah unter den Verbannten jüdische Damen und Mädchen, die noch gestern zusammen mit den russischen Damen arbeiteten, Wäsche nähten und Liebesgaben sammelten, heute liegen sie auf den Schienen der Eisenbahnen. Ich sah die Familien der zum Hetre eingezogenen Reservisten, ich sah unter den Verschickten verwundete Soldaten mit Georgskreuzen. Man berichtet, daß die jüdischen Soldaten, wenn sie durch die Städte Polens zogen, mit eigenen Augen zusehen mußten, wie ihre Frauen und Kinder in die Verbannung geschickt wurden. Man verschick;* e die Juden in GUI erwägen, wie das Vieh mit Frachtbriefen. Es wurde auf einen solchen Frachtbrief geschrieben: „Güter, nämlich 450 Juden, werden dort und dorthin geschickt". — Es sind Fälle vorgekommen, wo die Gouverneure die zu ihnen geschickten Juden nicht übernommen haben. Ich selbst bin in Wilna gewesen, als ein ganzer Zug voller Juden auf der Station Nowowi iesk 4 Tage lang gestanden hat. Dies waren Juden, die vom Gouvernement Kowno in das Gouvernement Poltawa verschickt wurden, aber der Gouverneur hatte sie nicht übernommen, sondern nach Kow ederi eh Pol tawa dirigierte. Denken Sie nur, das alles iu ... ^. selben Zeit passiert, als wir Waggons brauchten zur Beförderung der Geschosse, als von überall her Klagen kamen wegen Mangels von Transportmitteln. Was hat dann die Regierung getan? Auf einer Station allein ten. Eine andere Maßregel, die in der ganzen Geschichte der zivilisierten Welt noch nicht dagewesen ist, ist das sogenannte System der Geiseln. Man hat Geiseln genommen nicht von den Feinden, sondern von den eigenen Untertanen, von den eigenen Bürgern. Solche Geiseln sind genommen worden in Radom, Kielce, Lomscha, Kowno, Riga, Lublin usw. usw. Die Geiseln wurden dem strengsten Regime unterworfen und noch heule sitzen in Poltawa die jüdischen Geiseln aus den Gouvernements Kielce und Radom in Arrest. Der Bevölkerung des Kownoer Gouvernements wurde gestattet, nach ihrem Wohnorte zurückzukehren, wenn sie freiwillig Geiseln stellen würde. Als Antwort darauf habe ich als Abgeordneter des Gouvernements Kowno dem Vorsitzenden des Ministerrates einen Brief geschickt, in welchem ich darauf hinwies, daß die jüdische Bevölkerung des den Hungertod der6Erfü 1 fung3Sdies"eFo r deru n g 'eiche bürgei atio bnre schändet und daß die Juden ihre Pflicht dem Vaterland gegenüber bis zum Schluß erfüllen und erfüllen werden und daß keine Verfolgungen sie von dem Weg der Ehre abbringen werden. „Die Erlaubnis, unter schimpflichen Bedingungen zurückzukehren", so schrieb ich, ist nur eine neue, zwecklose Beleidigung" (Ausrufe im Zentrum und in der Rechten: Bravo!). Eine Antwort aut diese Erklärung habe ich nicht erhalten. Vor nicht langer Zeit erfolgte eine Verfügung, die den Juden verbot, sich in den Landhäusern am finnischen Ufer aufzuhalten. Hier hat man nicht nur die polnischen Juden, sondern die ganze jüdische Bevölkerung verdachtigt. Damit sind aber nicht die Leiden erschöpft, welche das jüdische Volk erdulden mußte. Schlimmeres war ihnen beschieden. Es gab Pogrome, Kaubereien, Vergewaltigungen von Frauen. Ich werde jetzt keine einzelnen latsachen anführen, sondern werde die Dokumente in der geheimen Sitzung der Duma vorlegen. In meinen Händen befindet sich z. a. eine Bescheinigung eines Kommandanten darüber, daß die judische Bevölkerung von Lublin sich vollkommen korrekt benommen hat, allen Forderungen der Behörden nachgekommen ist und sich loyal und zuverlässig benommen hat. Diese Bescheinigung wurde gegeben, wie aus ihr hervorgeht, damit sie der Vorsitzende des jüdischen Hilfskomitees, falls erforderlich, dem Feldkommandanten zum Zweck des Schutzes der jüdischen Bevölkerung gegen verbrecherische Ansehläge vorzeigen konnte. Wie Sie sehen, ist also dazu, um Schutz gegen üesetzeverletzung nachzusuchen, eine besondere Bescheinigung der Regierung notwendig. Sie können danach urteilen, was in den Fällen geschehen ist, wo eine solche Bescheinigung nicht vorhanden war. Wenn der Führer der Opposition in Anbetracht alles dessen, was gegen die jüdische Bevölkerung vorgenommen wurde, schon beim Beginn des Krieges gesagt hat, daß wir uns den Zeiten von

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