Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 743 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Wlan, Frrftag, dm 11. Mn 1P38. Nr. 743. Mt» 5 ein souveränes Österreich! wirkliche Gleichberechtigung! Was der „Volkmil" schreiben darf Der In den großen Verkehrest,raßan Wiens ansgeeohriene „Volksruf“, dessen Schriftleiter der Bundeeftthrer des Antisemitenbundes, Karl Peter, ist, bringt an der Spitze seiner Ausgabe vom .9, März den folgenden i Aufruf in Großechrift: „Deutsche Volksgenossen! Nationalsozialisten! Der Deuteohöfeterreichieehe Sehntzverein Antisemitenbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Judentum und seinen verderblichen und zersetzenden Einfluß auf das Wirtschafte- und Kulturleben Österreichs auf da« entschiedenste zu bekämpfen. Die La n d es f U b r u n g Steiermark des A.-B. wird diesen Kampf nunmehr in e n gster Zusammenarbeit mit der nationalsozialistischen Gesinnung sg e in e in 6 ch a f t für Steiermark mit verstärkter Kraft und äußerster Entschlossenheit zum Ziele führen. Alle deutschen Volksgenossen sind daher verpflichtet, sich in die Kampffront des A.-B. als werktätige Kämpfer einzureihen. Anmeldungen werden bei der Landesgesckäftestello Graz. Bismarokplatz 2, 2. Stock, zwischen 15 bi? 19 Uhr täglich entgegcngenomHien. Ein Verzeichnis der jüdischen Geschäfte liegt dort zur Einsichtnahme auf. Diesbezügliche Auskünfte werden in den Geschä.fts- .stunden persönlich oder auf Fernruf 27-13 Deutsche Volksgenossen, Nationalsozialisten, tretet in die Reihen des Antisemitenbundes und kämpft mit uns für ein judenreines Österreich. V o 1 krs p o 1 i t is c b es Referat der V. F. für Steiermark. — Peschke, Dr. Hallecker.“ Der '"',7VoTk'srüT‘r beschimpft unter fl6r Überschrift „Jüdische 'Anmaßung“ unflätig de® Dirigenten der Wiener Staatsopor Bruno Walter, den er „recte Walter Schlesinger aus Tarnopol“ nennt, weil er sich „angemaßt“ hat, anToscanini zu telegraph i e r„e.n, daß „Fortdauer österreichischer kultureller Kunst laut überzeugender Versicherung von berufenster Seite absolut nicht in Fra^e gestellt“ sei, was . nach Ansich des „Volksruf“ „nichts anderes bedeutet, als daiß unser deutsches Volk durch den Auszug der Juden, worum wir unseren Herrgott inständig bitten, in tiefste Unkultur versinken“ wtiide. Miron Christea an Oberrabbiner Niemirower Bukarest, 10, März. (JTA.) Ministerpräsident Patriarch Miron Christea hat an den Oberrabbiner von Rumänien Dr. N i emiro wer ein Schreiben gerichtet, in dem es unter anderem heißt: „Als Ministerpräsident und mit dom Gefühle der Schätzung und dös guten Willens gegenüber allen Söhnen des Landes rufe ich die jüdischen Knltusgemeinden zu einer schnellen Wiederherstellung der Ruhe und des Friedens, der Einigung und der Brüderlichkeit aller Rumänen.“ Ferner ersucht der Ministerpräsident, daß am 13. März in allen jüdischen Bethäusern Gottesdienste für Frieden und gutes Einvernehmen zwischen den Menschen und als Ausdruck der Treue gegenüber dem Vaterland und dem Throne ahgehalten werden. Die Staatsbürgerschafts- Revision Die neue Durchführungsverordnung zu dem Ende Jänner erlassenen Gesetz betreffend die Revision der Staatsangehörigkeit der Juden in Rumänien legt fest, daß der Nachweis der Heimatzuständigkeit auf dem großrumänischen Territorium ab 1. September 1918, ßowie der Nachweis, daß man entsprechend den Friedensverträgen nicht etwa für eine fremde Staatsangehörigkeit optiert hat, genügen, um zu beweisen, daß man die rumänische Staatsangehörigkeit rechtmäßig besitzt. Eine andere wesentliche Bestimmung in der Durchführungsverordnung ist, jene, welche feststellt, daß die Tatsache der Revision der Staatsangehörigkeit keine wie immer geartete Beeinträchtigung der bürgerlichen und der Ehrenrechte der Personen darsteilt, welche der Revision unterworfen 6ind. Gemäß dieser letzteren Bestimmung sind alle bisherigen Verfügungen der Advokaten- und Ärztekammern, sowie anderer Vereinigungen der Berufs Intelligenz, die die Mitr gliedsohaft und Berufesusttbung der jüdischen Mitglieder bis zur Erledigung des Revisionsverfahrens betreffend die Bürgerschaften suspendiert haben, gegenstandslos geworden. bäus“ wollen wir lieber schweigen. Der gewissenhafte Referent kann aber nicht umhin, festzustcilen, daß für ein so großartige« Work, das uns Juden überdies besonders am Herzen liegt, nur bedeutende Kräfte in jedem Sinn herangeaogen werden dürfen. Wo diese aber nicht vorhanden sind: Hände weg! Ernst Winkler. Der jüdische König von Feuerland Kürzlich haben einige Bukarester Angehörige und Freunde den 80. Geburtstag i eines Mannes gefeiert, dessen kurzes Leben | und Wirken sich wie ein spannender Roman liest. Es handelt sich um den Ingenieur Julius Popper, den es in den Achtzigerjahren in die große Weh hinauszog und der es in kurzer Zeit bis zum Alleinherrscher der Feuerland-Inseln Nach den Vorgefundenen Quellen aus jener Zeit und nach den Aussagen seiner Verwandten, so berichtet. S. Winmger in der ...Jüdischen Revue“, wurde Julius Popper im Jahre 1857 als Nohn des Professors und Direktors der ersten israelitischen Schule in Bukarest,. NaphtaH G. Popper, geboren. Sehon in früher Jugend zeigte sich sein unruhiger Wandertrieb. Er verließ mit sechzehn Jahren sein Elternhaus und zog nach Paris, wo er technische Studien betrieb j und Ingenieur wurde. Hierauf bereiste er Europa, dann Japan. Indien und China. Im Jahre 1800 drang die, erste Nachricht von Goldfunden im FeuerSand nach Buenos Aires. Das Feuerland, an der südlichsten Spitze Südamerikas gelegen, war als w“ les, noch vollkommen unerforschtes und sehr wenig besiedeltes Land bekannt, mit g:\valt,igen Bergen und reißenden Flüssen. Popper sammelte um sich einen Trupp von etwa 50 Mann und machte sich mit dieser gutbewaffneten Expedition auf den Weg. Tatsächlich gelang es Poppers kluger und verwegener Führung, nach kurzer Zeit reiche Goldlager zu finden. Er gründete nun die Niederlassung E1 Paramo, die nach einiger Zeit zu ansehnlicher Höhe emporwuchs. Im Jahre 1888 unternahm der kühne Mann mehrere große Entdeckungsreisen 'ins Innere des Landes. Es gelang ihm, wieder große Goldlager zu finden. Eigene Münzen, eigene Verwaltung... Nach seiner Rückkehr ging Popper daran, auch innerlich seine Kolonie zu konsolidieren. Er ließ Münzen prägen, er führte eine eigene Verwaltung sowie eine Gerichtsbarkeit und eigene Marken ein und schuf eine eigene Miliz. Dann erbaute er Straßen und Brücken und schuf eine Bahnverbindung mit den nördlichen Provinzen. Unter großen Schwierigkeiten konnte er das ganze Land erforschen. Die von ihm entdeckten Flüsse und Beige benannte er nach rumänischen Staatsmännern, Örtlichkeiten usw. So sehen wir noch beute auf der Tierra del Fuego: Rio Roset.ti, Monte Manin. Ponte Sinaia u. a. Zur Ausscheidung des Goldes aus dem Sande benutzte er einen sei bst,erfundenen. sinnreich konstruierten Läuterangsapparat., den er sieb patentieren ließ und der seither in allen Gegenden Südamerikas bei der Goldgewinnung in Benutzung steht. Diese eigenmächtigen Maßnahmen aber scheinen ihm die Feindschaft des legitimen Gouverneurs der Provinz eingebracht zu haben. Man konstatierte, daß Popper keinerlei formelles Recht auf das von ihm ausgebeutete Land besaß. , Schließlich «ahnte die Regierung sich mit ihm aber aus und soll ihn wider Willen anerkannt haben. Denn m Jahre 1891 finden wir Ihn in Buenos Aires, wo die Geographische Gesellschaft ihm zu Ehren eine Vollversammlung abhielt. Von den weiteren Schicksalen dieses interessantem Mannes ist nur so viel bekannt, daß ihn am 5. Juni 1898 in Buenos Aires ein plötzlicher Tod ereilt«. Erklärung des Staatspräsidenten von Estland Tallinn, 10. März. (JTA.) Die deutsche Propaganda in Estland hat zu beunruhigenden Erscheinungen geführt- Ein Teil der estlänfischen Presse hat sich von dieser Propaganda beeinflussen lassen und die bekannten antisemitischen Legenden verbreitet. Der Präsident der jüdische® Kultur- Selbstverwaltung in Estland, Hirsch Aisenstadt, und der einzige jüdische Repräsentant in der zweiten Kammer der estnischen Nationalversammlung, Heinrich Gutkin, besuchten den estnischen i P ä t s und informierten ihn über die innerhalb: der jüdischen Bevölkerung im Zusammenhang mit den antisemitischen Aktionen entstandene Beunruhigung. Der Staatspräsident erwiderte, das estnische Volk als solches kenne keinen Antisemitismus, den Batiemmassen liege jeglicher Judenhaß fern; lediglich bei der Jugend könne man einen Radikalismus feststellen, der ein Produkt des ausländischen Einflusses ist Alle Minister seien eich jedoch darin einig, daß die jüdische Minderheit die loyalste in Estland ist und vollen Schutz verdiene; keiner der Herren in der Regierung hege irgend welche antijüdfeche Absicht.. Dar Präsident schloß: „Solange ich Staatspräsident bin, wird es einen Staatsantisemitiemus in Estland nicht geben. Ich achte sehr die Loyalität der jüdischen Minderheit, und werde nach Mitteln suohen, um die Loyalität der estnischen Regierung gejgenüber den Minderheiten auf eine besonj dere Weise zu unterstreichen.“! Die Verfassung Estlands von 1920 gewährleistet, die Rechte der nationalem Minderheiten. die auch Kulturautonomie genießen. Eine Gruppe von mindestens 8000 Menschen hat Anspruch auf den sogenannten „National,kataster“. Nach der Volkszählung von 1922 wohnten in Estland 4639 Juden, das sind 0.4% der Bevölkerung, davon in der Hauptstadt Tallinn (Reval) 2118, Tartu (Dorpat) 1288. Narva etwa 1000 Juden. Orchesterkonzert Ziemlich bunt mutete ein Konzert im Brahms-Saal an, daß der als Geigenpädagoge in Wien bekannte Prof. Julius Ebenstein unter Mitwirkung eines Kammerorchestere , leitete. Seine erfolgreiche Lehrtätigkeit konnte er bei einem Vivaldi-Konzert aufzeigen, in wteloham drei seiner ehemaligen Schiller als Solisten hervortraten. Ansprechend war auch die Wiedergabe von Brandmanns „Variationen über ein Thema von Joöl Engel“, einem echten Brandmann — durchaus originell —, für Klavier und Or- : ehester, wobei Kurt Engel durch sein farbenfrohes Spiel erfreute. Zwischendurch sekundierte dieser für die Laufbahn eine» Klaviervirtuosen prädestinierte Künstler Zofja Spatz in einer Mozart-Sonate für zwei Klaviere. Zofja Spatz ist eine Kammermusikern von hohem Rang, die über eine wohlfundierte Technik und —- was viel seltener ist —, über reines Stilempfinden verf’igt Das prächtige Musizieren der beiden Künstler wurde viel bejubelt. Von der nachfolgenden bruobstüokweisen Wiedergabe von Handels „Judas Makka- Lazar Goldhanuner gestorben. Wie uns aus Bukarest geschrieben wird, ist am 28. Februar in Botosani einer der ältesten rumänischen Zionisten, Herr Lazar Goldhammer, gestorben. Das rumänische Judentum verliert, in dem Dahingegangenen eine markante Gestalt, der alten Generation. Mit großer Hingabe verfocht, er die Sache der jüdischen Renaissance und des Palästmaaufbauea, und hat besonders die Arbeit, der nationalen Fonds in Rumänien mit dem Einsatz seiner Persönlichkeit gefördert. Durch das Ableben von La,zar Goldhanuner beklagen Rechtsanwalt Doktor Ado’f Goldhanuner und M. U.-Dr. Leo Goidharatner in Wien, beide A. H. der J. A. V. „Jordania“, den Verlust ihres Vaters. Verband jöd. Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas. 1., Uegclgaase 3. Montag. den 14. d.. spricht der eben aus Jerusalem eingetroffeue Kagi-erungskonstrukteur Ing. Ignaz O i e x i n z e r Uber das Thema „Techmker und Arbeiter beim Aufbau Palästinas“. Beginn KO Uhr. Ludwig Hardt spricht Samstag, den 12. d„ 5 Uhr nachmittag«, in der Komödie über Heine. Ein Hauptteil des Programme ist Heiueschon jüdischen Gestalten und Problemen gewidmet. Die neue Leitung des Fußballklubs Hakoah. In der Generalversammlung am 7. d. wurden folgende Herren gewählt: Präsident: Alexander S c hwart z, gmehäftsführender Vizepräsident: Oskar Menczel, Vizepräsident: Bort hold Beer, Kassiere: Adolf Liftik, Artur Wolf, Schriftführer: Paul Goidberg, Theo Grubncr. Sektionsleiter: Max Scheuer, Revisoren: Israel Fenster, Norbert, Katz, Beisitzer: Max Streiftet Adolf Mantel, ärztliche Beiräte: Dr. Fritz FaJtischek, Dr. Markus Pfeffer, Dr. Martin Welt, juristischer Beirat: Dr. Karl St-erzer. FILME „Abu* de coufiance“ (Vertrauensbrncb). Der französische Film „Abus de confiance“ (Vertranensbrueh), der das Partoer Publikum durch viel« Monate begeistern konnte, wird ab nächster Woche in Wien zu sehen sein. Di« Hauptrollen dieses modernen Films, der sich mit den Problemen der heutigen Jugend auseinandersetzt, spielen Danielie Darrieux und Charles Bauet „Es begann mit einem Kuß.“ Unter diesem Titel erscheint, demnächst, ein neuer Metro- Goldwyn-Mayer-Film, dessen Hauptrollen mit Luise Rainer, William Powell und Maureen O’Sullivan besetzt sind und dessen Handlung auf dem bekannten Roman „Die Leuchter des Kaisers“ von Baronesse Orczy basiert. Heute — „Rosalie“. Heute findet im Schweden-Kino die Premiere der neuen Metro-Ooldwvn-Mayer-AusstaUungs-Operette ,Jtosah'e“ statt. Die Hauptrollen diese*, Films, der nach einer der erfolgreichsten ZiegfeM-Revuen von W. S. Van Dyko inszeniert wurde, spielen Eleanor Powell, Nelson Eddy und Ilona von Hajmassy von der Wiener Staatsoper. Heute „Die fremde Frau“. Heute gelangt im Roteuturm- und Votivpark-Kino der neu« Metro-Goldwyn-Maver-Film „Die fremde Frau“ zur Uraufführung, dessen Hauptrolle mit Gladys George besetzt ist Die Regie dieses Films, weichem das französische Theaterstück von Alexandre Bissen „La femme X“ zugrunde liegt, führte Sam Wood. Scotland Yard greift ein.“ Wenn ein Mensch unter geheimnisvollen Umständen in London verschwindet, ist es selbstverständlich, daß Scotland Yard eiligreift. Aber auch diese* Eingreifen kann nicht verhindern, daß noch ein zweiter Mensch verschwindet Dies alles ereignet, «ich in dem neuen Metro-Goldwvn- Mayer-Film „Scotland Yard greift ein“, welcher mit George Murphy und Rita Johnson in den Hauptrollen demnächst zur Uraufführung gelangt. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" Die Erlösung von Boden durch den Keren Kalcmeth außerordentliche politische Bedeutimfil