Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 742 (9.3.1938)
- Date
- 1938-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Salt* 4 Wien, Mittwoch, d»n 0. März 1938. — Nr. 748. brechen. Wae sich aber im Osten der Repnblik abspielt, das hat erfreulicherweise gerade in diesen Tagen die jüdisch bewußte Jugend verstanden. In diesen Wochen fand 1 n Mäh risch -Ostrau eine Tagung der Monistischen Jugend statt, bei welcher Wege gesucht und hoffentlich auch gefunden wurden, um zu «ich selbst und zum eigenen Werte zu gelangen. Dime Jugend hat die Gefahr erkannt, die darin liegt, daß der ideologische Unterbau einer Bewegung über der Arbeit des Tages nicht vernachlässigt werden darf, soll diese Bewegung nicht degradiert werden zu einer nackten Geld- und Geldsammettrage Vielleicht war diese Erkenntnis gerade notwendig in einem Staate, dessen Organisation vorbildliche Arbeit leistet, weil sie erkannt hat, daß wir ohne Geld, ohne viel Geld (ohne noch viel mehr Geld!) Palästina niemals aufbauen werden — aber ebenso wichtig für diesen Aufhau sind die Menschen, und vor allem die Jugend. Eine Jagend ohne Schwung, ohne Besinnung auf das Ober- Alltägliche, muß apathisch und verbittert werden, wenn sie nicht über der praktischen Arbeit ein Nicht-Faßbares, Religiöses sticht Und es ist gut so, daß unsere Jugend nns seihst daran erinnert hat daß wir ohne sie nur vergreisen können. Und wenn schließlich von jüdischer Jugend die Rede ist, d.-wm fangen sogar schon jene jüdischen Kreise an ru begreifen, die bisher mehr Gewicht auf ihre soziale Stellung als ml ihre Schicksalsgemeinscbaft mit den Emigranten aus dem Osten und Wegten legten, welche in den letzten Jahren immer armseliger an ihre, Türen klopften. Sogar aus dem Lager der „Bei uns ist so etwas nicht möglich“ kommen in der letzten Zelt Persönlichkeiten nach dem Osten der Republik und sind sehr erstaunt, auf eine jüdische Gemeinschaft zu stoßen, die durch Welten von ihnen getrennt scheint und die doch, und das scheint man langsam zu begreifen, bestimmend für das Schicksal all dieser wohlhonorigen und wohlgestellten Bürger ist: die tausend und abertausend armseliger Schuster, Schneider, Kürschner, Puhrwerker, Holzfäller und Taglöhner im Osten sind aber nicht nur Objekte karitativer Unterstützungs- Vereine: Sie werden eines nicht allzufernen Tages das Gewicht sein, nach dem das tschechoslowakische Judentum gewogen werden wird. Kaschruth für Palästinafahrer Ehrenpflicht! Kommt mir eine besondere Legitimation zu, diese Frage aufzuwerfen? Noch vor dem Weltkrieg hatte ich, der Exponent des zionistischen Palä^tina-lnformatioDSbureau« in Wien, mit der dortigen Direktion das damals noch „österreichteefaen Lloyd“ paktiert und dis Einführung der direkten Schiffahrtslinie nach Jaffa angebahnt. Spater dann, nach dem Kriege, erwirkte ich namens des Wiener Palästmaamtas beim „Lioyd Triestioo“ die Erneuerung dieser Linie, die ich seither oft genug zu befahren batte. Ee brauchte noch recht viel Bemühung, um den Lloyd zu bestimmen, daß er den Passagieren der 3, Klasse nebet menschenwürdiger Unterbringung ausreichende Kosoherkost gewähre. War ich ja selbst bei mancher Sturmabordnung an die Kapitäne und mancher Beschwerde* e-hrift. an die Direktion dabei! Endlich drang unser, vor allem darauf gestütz- Jtee Verlangen, daß rummdest, 90 Prozent aller Passagiere der PWästfaalime Jaden sind, durch, und ee wurde auf den beiden Sobwesterscbiffen, jetzt „Gemsaleme“ und „Gaiilea“ benannt, je eine „Kosoherrabteilung“ .eingerichtet; in lichten Räumen standen nun weißgedeckte Tische gereiht, um eine reichliche, schmackhafte und der allgemeinen Abteilung gewiß ebenbürtige Verpflegung ru bitten. Das Wich auch nach Auflassung der 2. ScWffeklasee für di« nunmehrige „TaurietankkMse“ in voller Geltung. Daneben wird im Speisesaal der 1. Klasse jedem, der es verlangt, gesondert Koscherkost gereicht. Und all das steht unter Aufsicht der vom Tel-Aviver Rabbinat eingesetzten und dauernd kontrollierten Maschgichim. Um so verblüffender nun, daß nicht alle jüdischen Passagiere für die Kasohruth optieren. Verläßlicher Schätzung nach kt ee noch immer eine starke Minderheit, etwa 40 Prozent bei der Südfahrt etwas weniger und hei. der. Nordfahrt etwas mehr —, welche die Trefahtoost vorzieht. Etaen Fingerzeig für das Motiv dieser Separatieteta, wie man die Trefaheeser füglich nennen ■kann, gibt die mir' verbürgte Tatsache, daß zu ihnen die Westjude® und voran die Reichsdeutschen der neuen Alijah eine auffallend hohe Guote stellen. Sonach mag dem Gros der Separatisten bloße Gedankenlosigkeit zugebüligt werden, wonach sie eben ihre Spekegwohnheiten auch hier fortsetzen; oder stad es doch Vorurteile, wie jenes, laut dem ihnen koscher und unsauber als synonym erscheinen? Aber leider spielt bei dem und jenem auch ein gut Stück kalb stintiger, assimilatorischer Snobismus mit, freilich oft als areligiös und „freisinnig“ getarnt; es gilt eben als kultureller, das heißt nobler, sich von der jüdischen Plebs atozusondern und mit den Nichtjuden heisa mimenzusitzen. Schmerzlich genug, daß da noch zionistische „Führer“ mit bösem Beispiel vorangehen; ja. manche von ihnen scheuten selbst vor deutlichen Protesten ihrer jüdischen Mitreisenden nicht ziurück. WlrtMdMftfldm tatcr**M naß Solidarität Um Mißdeutungen vorzubeugen, ist wohl ein Wort der Aufklärung am Platz, weshalb die Befolgung der Kaschruth gerade hier an Bord zweckmäßig und notwendig ist Ee Hegt mir gewiß fern, mich als religiösen Partisan auf Zuspielen. Wenn aber dem Lloyd einmal die spezäftsth jüdische Verpflegung abgerungen ist, wird es zur Solidaritätspflicht jede« jüdischen Passagiers, daran tetlzunebmea. Denn hier erfordert das bei niemandem — andere als im Leben außer Bord — größere Mühe und Auslagen, und schon ganz «ober keine Gerwiasewbedenken, wie doch umgekehrt, bei den Fromme®. Und diesen unseren Brüdern garantiert erst unser aller Mitwirken, daß der Lloyd die Koscherabtoilung niobt eines Tages, zum Beispiel bei schlechterer Passagierfrequenz, wieder surücknimmt. Es ist auch niobt angenehm, sich vor den niohtjüdischea Tkehgeooesen, darunter Araber und Deutsche, über politische Fragen zu unterhalten. Eine andere quasipolitische Erwägung: Wir sollen den Lloyd, beziehungsweise die zentralisierte national-italienische Sohiffahrtsgesellsohaft, in welche er aufgegangen ist, nicht vergessen lassen, daß die PaDtetbalittie eine ihrer sehr wenigen aktiven Linien kt und wie kn Warenso auch im Personenverkehr fast ausschließlich von uns Juden gespeist wird. In wirtschaftlicher Hinsicht ferner sei bedacht, erste» daß die K oseberabteflang ihr Material an Ftefseb and Wein wochein, woctetw — treu der Parole „Toeereth Haarez“ _ aus PaUMfau oder doch aus jüdisch« Quellen ln Italien bedeM; weiters bringt diese Abteilung die Anstellung von Juden — als Köche, Kellner u. dgL — mit sich. Heute sind ee auf dea beiden Schüfen der Linie immerhin 18 Mann, unter ihnen auch Nieb titalien er; morgen aber, wenn erst durch unsere Beteiligung der Bedarf klar erwiesen kt, kann es die doppelte uad dreifache Zahl sein. Doch abgesehen von all diesen Nttte- Uchkettaerw Sguagen, verlangt di« wohlverstandene nationale Ehr«, daß — sozusagen hn Bannkreis Eres Israels als des Zionistischer Veranstaltung** holender Donnerstag, 19. März 1. Bez.: Sektion L Bauernmarkt 8, 8 Uhr abends: Gesellige Zusammenkunft. 1. Be?.: WIZO. Sctottenring 25, H6 Uhr nachmittags: Gesellige Zusammenkunft mit Referat: Prof. Dr. Wilhelm E x e 1 b i r t. 1, Bez.: Jüdischer Klub der Jungen, I., Kid Nr. 8, 8 Uhr abends: Verein sahen I. 2. Bez.: Sektion und WIZO Prater, Stuwerstraße 1, X9 Uhr abends: Vereinsabend. 18. Be?.: Sektion und WIZO XIII, Hietzinger Hauptstraße 22, v:9 Ubt abends-. GeseHke Zusammenkunft mit Referat: Prof. Dr. Wilhelm Stein. 18. Bez.: Brith Zion XIU, Weimarerstraße 7, 549 Uhr abends: Vereinsabend. Freitag, 11. März. Solidarität vor dem Lloyd und dessen Organ ec, vor den nicbtjüdiach« Passagieren und vor uns selbst, schon äußerlich betont weide. Wir dürfen daher getrost die Koecherabteihmg ate jüdische Abteilung schlechthin bezeichnen und werten. Eine solche, quantitativ und moralisch gestärkt, böte erst recht die Bsais zur Entfaltung jüdischen Lebens an Bord: durch Semirothlieder nach Tisch und Pflege m:> ästigen Brauchtums, durch Film — und ander« Vorträge, etwa über das Palästina-Aufbauwerk, oder über sanitäre Verhaltungsmaßregeln für Olim und Touristen, durch Sammlung«« für die nationalen Foade nsw. zweckmäßig Schon längst hätte unser von der Autorität der Sochnuth getragenes Einwsnderungsdepartement, die Machleketb Baalijah in Jerusalem, da zum Rechten sehen müssen. Wenigstens jetzt noch sollte sie durch Zeitungsartikel. Flugblätter und Broschüren und durch Inetruierung ihrer Palästinaämter in der Galuth, voran der Einschiffuagsstellen in Triest und Haifa, alle jüdischen Passagiere der Lloydsohiffe an ihre Solidaritätepilicht mahnen; und das gleiche gilt für die schon bestehenden oder noch zu errichtenden jüdischen Abteilungen der polnischen, rumänischen und sonstigen Konkurrenzlmien. Zweifellos wird diese amtliche Mahnung genügen, um der erdrückenden Mehrheit jüdischer Paläetinafahrer, zumindest de® bloß Gedankenlosen und Lauen, dm rechten Weg zu weisen. Doch darf man nicht abwarten, bis sich der etwas schwerfällige Apparat der Sochnuth obigen Vorschlägen gemäß in Bewegung setzt Vielmehr soll jedermann, der mir bestimmt, ohne Verzug und nachhaltig bis zu dessen vollem Sieg den Grundsatz verfechten, daß die Beobachtung der Kaschruth für alle jüdischen Palägtrnafahrer unbedingte nationale Ehrenpflicht ist Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). JÜDISCHER KALENDER .Mi!7.M*i19M (.Mt 14 Mart 54M Nlt«f (TU SsMstk-Bsftsf J»Bkr Sswut (lf.) Sabbatfc-ÄaifMf •* Ufer ■ VrimMMtt: Wajikre * Mrttwwk (14): Puten Isritnr; Pnirlin m Onegg-Sabbath, K® Uhr abend* 2. Bez.: Sektion n, Praterstraße 13, Vortrag Prof Leo Menczer. Anschließend Smiroth. 2. Bez-: Sektion und WIZO Prater, Stuwerstraße 1. Vortrag: Rabbiner H o r o w i t z, Gesang: Kantor F. Rosenberg. 2. Bez.: Hechaluz Haklai Zioni. Stadtkibuz, Rueppgasse 8. 6. Bez.: Sektion und WIZO VI/VD, Schottenfeldgasse 22. Vortrag Julius Chsizer, Gesang: Kantor Frommer. 19. Bez.: Sektion und WIZO XIX, Dollraergasse 3. Vortrag Konun.-R. Theodor Ehrenstein, Gesang. Jugendtreffen. 20. Bez.: Sektion und WIZO XX. Jägerstraße 30. Vortrag Isaak Hetzbevg, Gesang: Sigal. 3u. Bez.: Sektion Zwischenbrücken, l-niversumstraße 62. Vortrag über Schalem Alecbem. Jugeudcbor. Samstag, 12. März: 1. Bez.: WIZO Sdr-ttenring 25. 6 Uhr abends: Purimfeier. Ansprache Prof. Dr. Leo Menczer. Eg wirken unter anderen mit: Kantor Olkhvuky, Nora Dauber. Kapellmeister: Gideon May. Regiebeitrag 50 g. 1. Bez.: Jüdischer Klub der Jungen, Kai S, K9 Uhr abend«: Gesellschaftsabend- 2. Bez.: Histadruth Ivrith., M9 Uhr abends, Gaffe Zentral, II., Taborstraße 8. Abschiedsabend zu Ehren Redakteur M. Ungarfeld. Referenten. Dr. I*. Rotblum, Prof. J. Gelernter und Rabbiner Z u c k i e r. Gesang: Hilda Dulitzkaja und J. Sega! - Rosenhach. 4. Bez.: Sektion und WIZO IV/V, Hauslabftsse 2, M9 Uhr abend»; Gesellschaftsabend. Seiner Regiebeitrag 6. Bez.: Jungsektion VI'VH, Schottenfeldgasse 22, 8 Uhr abends: Erster Gesellsohaftsabend mit ernsten und heiteren Vorfragen. Anschließend: Tanz Regiebeitrag S 1. 9. Bei.: Sektion und Jungsektion Vlil/tX, Währingerstraße 6—8, ys9 Uhr abends; Onegr- Sabbath. Referent: Prof.!>r. Albert W e i ßk o j> t. Gesang; Oberkantor Gereon M a r- 20. Bez.: Sektion und WIZO XX, Jägerstraße Nr. SO, 8 Uhr abends: Purimfeier mit künstlerischem Programm. Gäste «ullkommen. Kfgmbeitrag. Jfidisshe« Kulturtheater. Donnerstag, den 10. März, 20 Uhr, findet die Erstaufführung des von Dr. Rudo’f Lothar ins Deutsche übersetzte® Schauspiel* „Der Jude Justin Gütlich“ („Israel“) von Henry Bernstein statt. Hebrälschlehrerverban d der Histadruth Ivrith. Die Bebräischlehrer werden zu dem am Sonntag, den 18. d.. um 8 Uhr abends, II., Tempeigaese 8, sUttfindenden KinuB eingeladen. Auf der Tagesordnung stehen wichtige pädagogische und aktuelle Piobieme. Antwort der Redaktion, J. P. Nach unseren Informationen erhalten die aus dem Beamtenstand entlassenen Juden in Deutschland ihre Pensionen. Der Haasbesitz wurde durch Gesetz nicht berührt. Israel, ist ein Stolz des jüdischen Volkes, ein neuer altneuer Typus, der uns aufzeigt, wie unsere Jugend werden muß, um da* za sein, was sie sein sollen: Juden. Verwandt mit der Eigenschaft des Maßhaltens ist die: starker Nerve«. In der Diaspora schreien, wörtlich, schreien wir. Da« nervöse Volk nennt uns ein deutscher Spötter. Das hastende, nie Ruhe findende Volk, nennt uns ein englischer Freund. Wahr, bitter wahr. Welcher Unsinn! Wir, das ewige Volk, das eine ewige Kultur geschaffen, das Propheten hervorgebracht, die Lebenskraft für Jahrtausende dem Menschen geben, wir das älteste Volk, das noch lebt und leben will — wir werden nervös und beunruhigt, wenn ein Herr Minister in Europa von einem Land ins andere fährt, wenn ein Führer eines Staates eine Rede hält, wenn in einem Journal ein Aufsatz über uns erscheint. Unruhe ist unser europäisches Element, Anders in Erez. Mögen die Widerwärtigkeiten auf dem politischen Horizont von außen und innen wie immer geartet sein, die Arbeit geht ihren ruhigen Gang weiter. Besonders deutlich trat ai! das während der Unruhen zutage. Da wurde geschossen und mit Bomben geworfen. Man vermeinte, die Hölle «ei loegeferoehen. Nein. Ate ob gar nichts gewesen wäre, ging das Leben seinen .Weg weiter, dit GwcWfte Mtihte offen, die Kaffeehäuser hatten Besucher, die Kinos spielten ihre Lustspiele, die Theater ihre Komödien, alles ging normal und ruhig weiter. Sogar die Orches terkonzerte im Freien wurden nicht verschoben. Der Meisterdirigent hob seinen Wunderstab, and da* Orchester hob empor i die erhabenen Sphären der edle®, beglückenden Kunst. Vergessen war alles. Bomben, Tote, zerstörte Häuser, Mitwurzelte Bäume, aofgebrochene OHetamge®. Es ist eine tiefe Weisheit gewesen, als einer der Führer des Jischuws konstatierte: wer die besseren Nerven haben wird, wird siege®. Der Gesang bei Juden in Europa ist entweder artfremder, europäischer oder — chaesidischer. Gesang der Cbassidim beim Zaddik, Gesang der Cbassidim an Festtagen. Und dieser Gesang ist nie rein fröhSch. Immer klingt Schwermut mit Immer durchziehen ihn Töne der Not und des Gedrücktseins. Ebenso der Tanz. Wir kernen in Europa nur der» Tanz der Chassidim. Und der nur Bim, dem Unaussprechlichen zu Ehren. Nie um seiner selbst willen, nie Ausdruck einer Volkskunst, stets Begleitwetk an Festtagen. Auch der Tanz ist durchzogen von Trauer, gemahnt an schreckliche Momente- Wer jemals dm» Bärentanz ge- Chme’ni?kig Banditen aufführen muß — er schlüpft in ein Bärenfell und tanzt zu deren Belustigung, als Dank schlachten sie das ganze Dorf ab; die Wilnaer Truppe führt dies großartig auf — der wird verstehe®, daß all das nicht Ausdruck von Freude und jauchzender Begeisterung ist Anders in Erez Israel. Hier ist der Gesang zum Lebenselement der Jagend geworden. Der Gesang der Chaluzim und Cbaluzoth, wenn sie morgens gemeinsam •«• der Moeehwaha hinaus auf Feld gehen, der Gesang während der Arbeit, der Gesang bei der Heimkehr — Tel-Aviv heißt die singende Stadt — ein Lebenselement Alte, schwere Weisen wechseln fröhliche Lieder ab. Ein Singen und Jubilieren herrscht bei unserer Jugend, die beneidenswert ist Die zur Freiheit erwachte Seele gibt ihren Dank preis; im Gesang, rm Tanz. Die Horrab — ist ein Begriff geworden, ebenso dae Emeklied. Und da ist der Tanz nicht zu vergleichen mit jenem, wie er in dumpfen Kaffeeheutiokalen in Europa, betrieben wird, da ist Volkskunst am Werk. Die Violine, die Mandoline, die Harmonika — nicht eine Seltenheit in de® Kibbuzim, sondern eine Selbstverständlichkeit Es genügt, darauf hmzuweisen, daß Erez Israel in bezug auf seine großen Konzerte an erster Stelle in der Welt steht Ein so gro- Es ließe sich noch viel sage® über die Renaissance des Theaters, des Sportes, der Dichtung, der Sprache, der gesamten Literatur — alles hat sich verjüngt und treibt Blüten. Bloß in einer Hinsicht habe ich keinen Wa&del konstatieren können. lob bedauere es tief und sage es heraus, damit es vielleicht durch diese Zeilen geschehe: m i t unserer Liebe und unserem Haß tehen wir noch sehrverschwene r i s c h um! Ein so altes, so kluges, so erfahrenes Volk wie das jüdische, ein Volk, das schon so viel Schläge ntiteriebt hat — jawohl ein solches Volk sollte sehr vorsichtig in der Wahl der Menschen und Völker sein, denen es seine Liebe oder seinen Haß entgegenbringt Vorsicht tut Not. Wir sind stark in unserer Liebe und stark in unserem Haß. Zu viele Wunden weist unser Körper auf, von jenen zugefügt, denen wir unsere Liebe schenkten, und umgekehrt erweist sich jener, den wir gestern mit Haß belegten, beute oder morgen als ein nützender, schützender Freund. Wer eh» solches Vermögen besitzt, wie wiT i® unsere® Liebes- und Haßgefühlou, sollte sehr vorsichtig damit umgehen. * (Aus dem Französischen übertragen vo® M, S, Brafmann.)