Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 739 (2.3.1938)
- Date
- 1938-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Ki. 789- — Wien, Mittwoch, den 2. Mär? 1938. Seit. 5 Pie zionistische Bewegung 1918 bis 1925 Nur den Zeitraum von sieben Jahren umfaßt der zweite Band des Werkes von Adolf Böhm*). Aber diese kurze Zeit umfaßt nicht nur die beginnende Verwirklichung der zionistischen Utopie von gestern, sondern die Zeitwende für das gesamte Judentum, da nun da« Wort wahr wird, daß der Zionis saus das jüdische Volk unterwegs sei. War bis 1918 der Zionismus der wichtigste Kraft ström im jüdischen Leben gewesen, so wird er nun die dynamische Kraft, die die ganze jüdische Wirklichkeit ergreift und revolutioniert Dieser Wandel hat die Weltgeschichte selbst zum Hintergrund, weil jetzt zum erstenmal seit zwei Jahrtausenden das jüdische Volk aktiv auf die Bühne des geschichtlichen Geschehens tritt Diesen ungeheuren historischen Moment, diesen Einbruch der Ewigkeit in unsere Zeit hatte Böhm darzustellen, ohne daß er ein wenn auch noch so bescheidenes Vorbild gehabt hatte, an dem er sieh bei seiner Arbeit orientieren konnte. Dazu war hier der Schicksalsweg der Idee von der Theorie zu ihrer Realisierung, von der kolonisatorischen Vorbereitung zum Werden des Jisohuw zu schildern. Diese ungeheure Aufgabe konnte Böhm nur dadurch gelingen, daß er die Herrschaft über die unübersehbare Fülle der Wirklichkeit durch die Einheit seines eigenen Erlebens gewann. Darum ist sein Buch keine gedankenmäßige, sondern eine erlebte Zusammenschau der verwirrenden Vielfalt und Weiträumigkeit der Ereignisse, Strömungen und Ideen, wie sie eben nur einer so starken Persönlichkeit wie Adolf Böhm möglich war. Schön die Aufhellung der unerhört komplizierten politischen und diplomatischen Situation Palästinas vom Kriegsende bis zum Tag von San Remo ist für jeden, der sich nur einigermaßen mit diesen Fragen beschäftigt hat, eine Meisterleistung ersten Ranges, weil hiezu nicht allein die Kenntnis des ungeheureu Akten-, Zeitschriften- und Büchermaterials gehört, sondern auch die intuitive Feststellung des Wesentlichen und Entscheidenden, das ineist von Tendenz und Parteilichkeit überwuchert ist. Die gleiche abwägende Besonnenheit eignet der weiteren Darstellung des politischen Hintergrundes des arabischen Orients, aus dem sich reliefartig die Entwicklung Palästinas herauswölbt. Der andere, nicht minder wichtige Faktor für die Verwirklichung der zionistischen Idee ist die Situation des Volkes in der Galuth, die bei Böhm in ihrer ganzen tragischen Problematik zur Geltung kommt; der Lage des Volkes und der Minderheitenfrage ist eine besonders instruktive Schilde rung gewidmet. Aus der verschiedenartigen Struktur des Judentums ergibt sich sodann der Kampf um das letzte Ziel und die richtige Methode der Aufbauarbeit: großzügige Kolonisation, wie sie die nüchternen Amerikaner unter Luis Brandeis wollen, oder Lösung der Judenfrage durch die Errichtung einer nationalen Heimstätte, die der Lebenswille des Volkes fordert. In der Darstellung des werdenden Jischuw, seines Verhältnisses zur zionistischen Bewegung, der Spannungen innerhalb der Organisation und der Parteibildungen zeigt sich Adolf Böhms unübertreffliche Fähigkeit, die Geschehnisse ebenso sehr nach der Tiefe und dem Wirklichkeitsgehalt als nach der Breite und Tagesgeltung zu gliedern. Hier wird eben nicht Geschichte von einem Außenstehenden und innerlich Unbeteiligten geschrieben, sondern die Erlebnisse werden von Böhm, der doch selbst an dem Werke handelnd und beratend teilgenommen hat, aus dem eigenen Miterleben und Mitschaffen rekonstruiert. Diese Ergriffenheit, die hier in ihrem vollen Wortsinn gemeint ist, macht aber Böhm weder blind für die Schwächen und Fehler des Zionismus, noch ungerecht gegen Strömungen und Persönlichkeiten, mit denen er sympathisiert oder die er ablehnt; auch die begeisterte Zustimmung zu den Leistungen der Arbeiterschaft in Palästina läßt ihn nicht verkennen, daß eine einseitig dogmatische Einstellung nicht wünschenswert ist, sowie er der zweifellos starken Persönlichkeit Jabotinskys und seinen Verdiensten gerecht wird. Und doch ist die Objektivität, die da» Licht gleichmäßig nach allen Seiten hin verteilt, niemals die Standpunktlosigkeit des von seinem Stoff gefangenen Historikers. Die Universalität des Zionismus erfordert aber auch die Einbeziehung der kulturellen Wirklichkeit dieses leidenschaftlich bewegten Zeitraumes in der Darstellung. Hier leistet die wunderbar vielseitige Persönlichkeit Böhms ihr Bestes, denn sie läßt aus der unübersehbaren Fülle der Einzeltatsachen das Gesamtbild des kulturellen und geistigen Geschehens hervorwachsen: Jugend- und Sportbewegung, hebräische Sprache und *) Adolf Böhm, Die zionistische Bewegung, H. Band, 1937, Hozaah Ivrith Co. Ltd-, Jera- Dichtung, Schulwesen in Palästina und in der Galuth fügen sich zu einer abgerundeten Kulturgeschichte zusammen, die in einem nie unterbrochenen Zusammenhang mit der außerjüdischen Entwicklung steht! Alle Vorzüge, die bereits an dem ersten Band zu rühmen waren, weist auch dieser Band auf. Die unbedingte Sicherheit des Aufbaues, des Gesamtwerkes und die scheinbar kampflose Abgeklärtheit der Form, die bis auf die reichen Fußnoten nichte von dem Ringen um die Beherrschung des Materials ahnen läßt Dabei alles in der wohltuend einfachen Sprache, die der Problematik des zionistischen Werdens durchaus nicht seine SdutycnUmuc im JtleUi du (ädiseUen WeU&h&cUmuHty Tiefen und Härten nimmt; vor allem aber die ( glückliche Begabung, das Wesentliche und Entscheidende so herauszuarbeiten, daß die Hauptlinien dauernd sichtbar bleiben, so daß sich das ganze Buch hindurch in der gleichj mäßigen Durchdringung des Quellen- und' Tatsachenmaterials die meisternde Energie und Gestaltungskraft zeigt Lebendige Aktualität durohströmt dieses Werk, das ein entscheidendes Stadium der Geschichte unserer Bewegung und unserer eigenen persönlichen Entwicklung wieder lebendig macht und uns damit von der Vergangenheit her die Gegenwart verstehen läßt w. stein. sehe Buehiädem und außerdem gibt es einige Kioske mit Zeitschriften, Broschüren und ‘ Schulbüchern. Infolge der schwierigem Er* lernaröeit der Schriftsprache können nur 2b Prozent der arabischen | Bevölkerung lesen. Die englischen Bucbk&ufer aus der Beamtenschaft, der Polizei und den Truppen* deren Einkommen verhältnismäßig hoch ist, bevorzugen den arabischen Buchhandel, soweit er zur Stelle ist.. Wo dies nicht der Fall ist, bilden sie einen wichtigen Kundenkreis des jüdischem Buchhändlers, Bis zu den Unruhen konnte dieser auch, besonders in Haifa, mit zahlreichen arabischen Kunden rechnen, vor allem Schülern und Reglerungsbeamten. Das ist jetzt vorbei. Oer Vertrieb a Der 150. Geburtstag Artur Schopenhauers ist überall entsprechend gefeiert worden und es war daher angebracht, auch von jüdischer Seite die Philosophie Schopenhauers und die Geisteshaltung dieses Pessimisten zu beleuchten. Oberrabbiner Lazar Schweiger (Neutra) wählte eich dieses Thema für einen Vortrag im Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Er verwies einleitend auf die Tatsache, daß Schopenhauer heute noch zu den viel gelesenen Schriftstellern gehört, wie ja auch seine Lebensauffassung und Metaphysik die europäische Geisteshaltung bis zum heutigen Tage noch stark beeinflußt Drei Philosophen sind es, die ihrer Grundhaltung nach und bezüglich ihrer Einstellung dem Judentum gegenüber zusammengehören: Schopenhauer, Hartmann, Nietzsche. Hartmann, der Philo soph des „Unbewußten“, war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, er war ein horizontaler Denker. Der Antisemitismus eines Pessimisten Schopenhauer ist ein vertikaler Denker, ein Zu-Ende-Denker. Schopenhauer ist Antisemit aus philosophischen Gründen. Da die jüdische Religion einen Optimismus lehrt und Schopenhauer einen Pessimismus vertritt, so weist er folgerichtig das Judentum zurück. Der Vortragende umriß sodann das philosophische Lehrgebäude. Schopenhauers. Zwei Fundamentalsätze beherrschen seine Lehre: 1. Die WTelt. ist meine Vorstellung. 2. Die Welt ist die Objektivation des Willens. Die reale „Welt als Wille“ wird von der imaginären „Welt als Vorstellung“ unterschieden, wobei unter Wille nicht nur das bewußte Begehren, sondern auch der unbewußte Trieb verstanden wird. Unser starkes Begehren hat uns dieser Trugwelt unterworfen. Der „Schleier der Maya“ verursacht unser unsägliches Leid. Diese Welt ist die schlechteste aller möglichen Weiten. Das Leben hat keinen Wert, weil die Summe der durch das Leben bedinzten Leiden größer ist als die durch dasselbe ermöglichten Genüsse. Der Zustand überwiegenden Leidens wird durch den Willen zu leben hervorgebracht. Dies kann nach buddhistischem Vorbild durch Lebensflucht überwunden werden. Dieses „Quietiv des Willens“ kann mit dem buddhistischem Nirwana, der schmerzlosen Stille des Nichtseins, verglichen werden. So fordert Schopenhauer, daß man die Triebe überwinden, den Willen zum Leben abtöten soll. Die Askese soll das, Leben beherrschen Schopenhauers Ethik ist von der spinozistiseben Ethik beeinflußt. Das Judentum lehrt die freie Willensentscbeidung, die „bechira“; Spinoza vertrat einen Determinismus. Schopenhauer verlacht die jüdische Anschauung und vergleicht die Freiheit des Menschen mit der Freiheit des WTetterhahnes auf dem Dach. Zwei Juden enthüllten die Bedeutung Sc^ooenhauer« Schopenhauer hat die Schattenseiten des Lebens hervorgekehrt, um seine pessimistische Haltung begründen zu können. Von diesem Bestreben erfüllt, ist er sicherlich allzu weit gegangen und hat die Lichtseiten des Lebens nicht sehen wollen. Der Pessimismus Schopenhauers entspringt einem Kulturüberdruß. Es kann festgestellt werden, daß Genußsucht und Pessimismus Hand in Hand geben. Richtig bemerkte der Vortragende, daß ein großer Widerspruch zwischen dem Leben Schopenhauers und seiner Lehre bestehe. Wer einen abendländischen Buddhis mus begründen will, der muß auch in ent* sprechender Weise seine Lehre leben. Die großen jüdischen Gelehrten der talmudischen Zeit zum Beispiel lebten gemäß ihrer Lehre; auch bei Spinoza trifft dies zu. Schopenhauers Lebensführung hingegen widersprach seiner philosophischen Anschauung. Sein Hauptwerk blieb viele Jahre unbekannt Zwei Juden erst lenkten die Aufmerksamkeit der Welt auf Schopenhauers geistiges Schaffen: Julius Frauenstädt und David 1 Ascher, der auf die nahen Beziehungen zwischen Schopenhauer und dem jüdischen Religionsphifosophen Gabirol hinwies (auch Gabirol hatte den Willen in den Mitteipunkt seines Systems gestellt). Als diese beiden Juden über Schopenhauer schrieben und seine Bedeutung aufzeigten, gab er auch seinen Antisemitismus auf. Während Schopenhauer den Fortschritt der Geschichte nicht anerkennt, so glaubt das Judentum daran, und dieser Glaube äußert sieh im Messianismus. Die optimistische Haltung des Judentums Am Ende seines sehr interessanten und fesselnden Vortrages behandelte Oberrabbinner Schweiger die Frage, ob uns unsere Geschichte das Recht gibt, eine optimistische Haltung einzunehmen und an ein „goldenes Zeitalter“ zu glauben, das noch kommen wird. Der griechische Philosoph Heraklit lehrte, daß der Kampf der Vater aller Dinge sei. Ohne Gegensätze kann es auch keine Harmonie geben. Die Leiden, die das jüdische Volk hn Verlaufe seiner Geschichte durchgemacht, haben auch unsere Fähigkeiten entwickelt, unseren Geist gestählt und befähigt, trotz den schlechtesten Bedingungen unvergängliche Werte zu schaffen. Wenn wir uns auch heute in einer Rückentwiekiung befinden, besonders was unseren materiellen Unterbau betrifft, so dürfen wir den Mut nicht verlieren. Die Kurve der Geschichte wird wieder hinaufsteigen und dem Judentum sowie der ganzen Menschheit das ersehnte goldene Zeitalter bringen. Dr. Josua Horowltz. Das Bach in Erez Israel Te 1 -Aviv hat drei, Jerusalem und Haifa je eine größere hebräische Buobhandhmg. Kleinere Läden gibt es in Jerusalem acht, in Tel-Aviv siebzehn, in Haifa neun. Einige Verleger unterhalten eigene Sortimente. Ein Verlag, der vor allem Schulbücher herausgibt, hat 19 Läden. In den kleineren Orten, wie T i b e r i a s, Petach-Tikwah, Rechowoth haben Buchhändler neben den VerlagsfLUalen und den Papierhandlungen wenig Möglichkeiten. Uber einige Umstände wird besondere geklagt. Die Verdieristspanne am hebräischen Buch ist weitaus geringer als am ausländischen. Die Verleger sind sich ihrer Verpflichtung dem Publikum gegenüber bewußt, die Buchpreise möglichst niedrig an zusetzen. Bei den kleinen Auflagen, 8000 bk 6000, fällt da« schwer, wenn der Buchhandel seinen vollen Anteil bekommen soll. Außerdem werden häufig Werke, die einen guten Absatz erwarten lassen, vom Verleger direkt an das Publikum vertrieben. Auch viele Schulen und Bibliotheken kaufen direkt beim Verlag. In diesem Jahre hat die Stadt Tel-Aviv Schulbücher zum ersten Male durch den Buchhandel bezogen, allerdings mit bloß 5 Prozent Nutzen und halbjährigen Zahlungsfristen. Nur in Tel-Aviv gibt es vorläufig einen Verband, der die Preise Tegelt. Auch der Ladenschluß ist außerhalb von Tel-Aviv beim hebräischen Buchhandel noch nicht geregelt. Das Geschäft wird meist vom Besitzer und seiner -Familie geführt Für Angestelte gibt es etwa 25 (besetzte) Stellen im Laude, daneben sind etwa 50 Fachleute als Filialleiter von Verlegersortimenten beschäftigt. Eine ganz andere Struktur zeigt der arabische Buchhandel. Ein Araber besitzt die größte Buchhandlung Jerusalems mit sieben Angestellten und großen Filialen in Haifa und Jaffa. Außer ihrem großen arabischen Lager hält sie eine große Auswahl an englischen und französischen Büchern. Diese Firma beliefert auch die Regierungsschulen im Lande, deren Unterrichtssprache arabisch In Jaffa besteht eine gute arabischenglische Buchhandlung, die einem christlichen Araber gehört In Haifa, Nazareth, Nablus und Gaza bestehen kleinere arabiwird vor allem von jüdischen Buchhändlern besorgt Zu diesen gehören etwa 12 Buch- Läden,' die nach Größe und Einrichtung europäischem Charakter tragen. Auch diese Geschäfte werden meist von einer Familie geführt. Nur eine Buchhandlung ist groß genug für eine Partnerschaft und nur zwei besitzen Filialen. Bei den erwähnten 12 größerem Finnen sind insgesamt etwa 80 Angestellte tätig. Diese jungen Leute haben ein großes Fachwissen und sehr geringe Ansprüche. Die Nachfrage nach polnischen Büchern ist bedeutend, auch deshalb, weil sie broschiert und sehr billig sind. Russisch© Bücher werden in steigendem Ausmaß abgesetzt, aber fast nur technische und wissenschaftliche Literatur, deren Umfang > rasch wächst Russische Romane und politische Schriften bl erben meist liegen. Wenig dankbar für den Buchhandel ist das französische Buch. Groß und rapid wachsend ißt der Absatz englischer Bücher. Man schätzt, daß 150.000 Menschen Im Lande englisch lesen können. Der Käuferpreie ist natürlich viel kleiner und dürfte 25.000 nicht überschreiten. Die einzige englische Tageszeitung im Lande erscheint in etwa 8000 Exemplaren. liecht bedeutend kt der Absatz deutscher Bücher. In Tel-Aviv ist er größer ata in den anderen Städten, wo sich der englLc.be Einfluß auch auf den Einwanderer stärker bemerkbar macht. Auch die aus Polen, Rußland und den Randstaaten stammende Bevölkerung liest eifrig deutsche Fachliteratur, über Landwirtschaft, Technik, Philosophie und Militärwesen. Jüdische Geschichte und zionistische Literatur wird ebenfalls viel deutsch gelesen und bildet einen wichtigen Teil des Absätze«. Barmizwah-Bücher für die Jugend, die in früheren Jahren oft deutsch geschenkt wurden, werden heute meist nur mehr hebräisch gewählt. Schöne Literatur in deutscher Sprache wird wenig gekauft, da Leihbüchereien sehr verbreitet und deutsche Bücher hier überhaupt teuer sind. Die Haavara gewährt zwar auf reichedeutsche Bücher einen Rabatt vom Ladenpreis, aber infolge der teuren Auslandsmarkt kommt ein deutsche« Buch mit Porto immerhin auf mindestens H bis H Pfund Z(U stehen, wae hier viel Geld ist. Ein Zeichen der Zeit ist der lebhafte Absatz von Karten und Atlanten. Die Volksspiele der jüdischen Jagend Wie erinnerlich, fand im vergangenen Sommer die Aufführung de» ersten von Prof. Leopold Jeßner inszenierten Volksepieles der jüdischen Jugend statt. Gegenstand dieser Aufführung war der „Palästina*, kalender“ (Luach 5096) von Maikon Locker in der deutschem Übersetzung und Bearbeitung von Michael K i e n b e i n. Diese Erstaufführung wurde, dem Wunsche vieler jüdischer Kreise Rechnung tragend, im Vorjahr zweimal wiederholt In der Zwischenzeit wurde vom Keren Kajemeth in Wien ein ständiges Komitee in« Leben gerufen, das sich zur Aufgabe gemacht hat, bei passenden Gelegenheiten neue Spiele inszenieren und aufführen zu lassen. Eine solche besonders günstige Gelegenheit zur Aufführung eine« neuen Volksspieles bot dem Nationalfonds die Anwesenheit des Dichters Nathan Bistryzki in Wien. Der von ihm am 26. Jänner im Großen Musikvereinssaal gehaltene Vortrag „Der letzte Akt der jüdischen Tragödie“, erfreute sich eines Massenbesuches und wurde in feierlicher Weise durch die Aufführung der neuen Chordichtung „Die Toten der Wüste“ — Laienspiel in zwei Bildern und einem Vorspiel — von Michael K i e n b e i n eingeleitet Eine alte, talmudkche Sage, welche Bialik in seinem herrlichen „Mejtei midhar“ (Die Toten der Wüste) bearbeitet bat, gab dem