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Die Stimme · 1938-03-02 · Heft 739 (2.3.1938) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 739 (2.3.1938)
Date
1938-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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••H« 4 Wien, Mittwoch, den 2. März 1938. — Nr. 788. geringeren Fähigkeit zur Toleranz) die Jaden als Träger and Vorkämpfer der religiösen Duldsamkeit, auf die sie ja nicht mir durch ihre äußere Lage in der Zerstreuung selbst angewiesen, sondern durch ähre jahrtatthendfiang*' Erziehung ins humanen Geiste der Thora auch innerlich eingestellt sind Es dürfte auch niemand an der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit de» Bcrzteeheu Angebote, die heiligen Stätten der Christenheit der autonomen Verwaltung der christlichen Kirchen zu unterstellen, gezweifen haben. Wenn da« Projekt trotzdem von Anfang an skeptisch beurteilt wurde, lag dies an der gegenseitigen Rivalität der christlichen Kirchen, die zeitweilig so turbulente Formen annahm, daß die Moslim als Landesherren ihre mohammedanischen Soldaten zum Schute der christlichen Heiligtümer aufbietsn mußten, damit die frommen Bekenner der Nächsten- und Feindesiiebe nicht untereinander übereinander gerieten. Wie alt diese Tradition schon ist, beweist die Tatsache, daß selbst heute noch, wo die anglikanischen Briten das Mandat m P.ilav.ma besitzen die btei- Jung des Torwächters in der Grabeskirche Christi in einer arabischen Familie erblich ist, der Sultan Saladin im 13. Jahrhundert dieses Amt fiir alle Zeiten tibertrug. Die froßen christlichen Kirchen, die römischathollsche. die griechisch-orthodoxe und die armenische Kirche, die eifersüchtig auf ihre bevorrechtete Steilung gegenüber den kleineren christlichen Gemeinschaften wachen, sehen die Fortdauer dieser Tradition s.us der Zeit der Kreuzzüge jedenfalls lieber, als die übernähme des Torwächteramtes durch feritisebe Soldaten, also Anglikaner. Schon aus diesem Umstand erkennt man die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung der christlichen Kirchenautonomie bei der Verwaltung der den Christen heiligen Stätten in Palästina entgegeustellen. Zur Zeit Theodor Herils haben sich die maßgebenden Kreise wohl nicht viel Kopfzerbrechen über sein Projekt gemacht. Man hielt den Zionismus für eine Utopie, mit der zu befassen überflüssige Mühe schien. Aber die Tatsachen straften diese Auffassung Lügen. Juden aller Bildungsgrade strömten ins Heilige Land, verwandelten Wüste und Morast in blühende Äcker und Gärten, ein verseuchtes Malariagebiet in Kulturland, wo Milch und Honig fließt. Erstaunt bückte die Christenheit auf, aber systematisch der Fähigkeit entwöhnt, jüdische Leistungen positiv anzuerkennen, formte sich ihre Einstellung zu dem jüdischen Aufbauwerke — man muß schon sagen: gewohnheitsmäßig — zu einer antijüdischen Parole, nämlich zu dein Schreekensruf; „Die heiliccen Stätten sind in Gefahr!“ Jüdische Akademiker aus Europa bauten mit Spaten und Harke Straßen in felsigem Gestein — die Wächter dee Christentums schrieen entsetzt: „Die heiligen Stätten sind in Gefahr!“ Jüdische Bauern, die von ihren juristischen, philosophischen und schöngeistigen Büchern weg in landwirtschaftliche Schulen geeilt waren, pflanzten Bäume auf den verkarsteten Höhen, Getreide, Tabak und Orangen in den mühsam entsumpften Tälern — die politischen Nutznießer des Schlagworts vom jüdischen Parasitentum schlugen Lärm: „Die heiligen Stätten sind in Gefahr!“ Zum Glück zeigten sich die Araber geneigt, diese Parole aufzunehmen. Saladin batte ihnen keineswegs zuviei zugemutet, als er sie für immer zu Hütern nicht nur ihrer eigenen, sondern auch der Christ,Heben Glaubensgüt.,r bestellte. Sie rechtfertigen noch heute jedes in dieser Hinsicht auf sie gesetzte Vertrauen christlicher Sorge. Sie werfen Bomben auf jüdische Menschen, verbrennen jüdische Wälder und rauben jüdisches Vieh. Die Christenheit ist dabei nicht müßig geblieben. Es ist ihr gelungen, durch die, Engländer die jüdische Einwanderung nach Palästina zu sperren. Es ist aieo alles geschehen, um die heiligen Stätten der Christen zu retten ... Aber seltsam: Gerade jetzt, da wenigstens in dieser Beziehung den gepeinigten Nerven der Zeitgenossen Beruhigung zu winken schien, ertönt aufs neue der Alarm: „Die heiligen Stätten in Palästina sind in Gefahr!“ Und diesmal scheint es sogar ernst mit der Gefahr zu sein. Denn die Warnung ertönt von durchaus seriöser Seite: den Londoner „Times“, und in einer jeder Demagogie abholden Weise. Das englische Blatt stützt sich auf lange und eingehende Studien eines Bausachverständigen, des englischen Architekten W. Harvey, der bewies, daß bei der Kirche, die auf der angeblichen Geburtsstätte Christi in Betlehem steht und in ihren ältesten Teilen aus der Zeit Konstantins des Großen (4. Jahrhundert) stammt, das Fundament zu unsicher ist und ein Großteil des Gewichts der Hauntwände und des Daches von altem wOTschen Balken getragen wird, ln der Grabeskirche zu Jerusalem droht gleichfalls die Hauptgefahr von dem Druck her, den die schweren Kuppeln auf die Wände des Baues ausüben. In beiden Kirchen haben wiederholte Pölzungen den Einsturz bisher verhindert, aber da«! waren nur aufsehiebende Maßnahmen und! ihre Wirkung nähert »ich dem Ende. j Die drei großen christlichen Religionsgemeinschaften sind im Jahre 1935 durch Übersendung des Harveysehen Gutachtens über diese Gefahr unterrichtet worden und haben daraufhin eigene Sachverständige ins Heilige Land entsendet. Die Beauftragten der römischen und der griechischen Kirche statteten den bedrohten Heiligtümern nur ganz kurze Besuche ab und entwarfen auch keinen übersichtsplan über den Zustand der Baulichkeiten. Der armenische Experte schloß sich ganz dem Urteil Harveys an. G e i a n hab«n aber seit dieser Zeit alle drei Kirchen gar nichts mehr. Der Grund dieser seltsamen Untätigkeit ist wohl die Furcht vor dem Wiederaufleben ihrer alten Rivalitäten. Einig waren sie nur, solange der Alarm zur Rettung der christlichen Heiligtümer sieb gegen die Juden auswirkte. Da zeigt sieh eben wieder einmal, welch ein Segen der Antisemitismus ist: Kaum scheiden die Juden als Verantwortliche für irgend einen Übelstand aus und schon ist eine allgemeine Verwirrung in sämtlichen religiösen Lagern der Chri. u oheit unausbleibliche Tatsache. In die eigene Tasche greifen will keine der vielen Kirchen und einem Rivalen den Vortritt beim finanziellen Opferbringen zu lassen, könnte dessen Aspirationen auf eine Vormachtstellung im geretteten Heiligtum rechtlich begründen Das sind die bösen Folgen englischer Sachlichkeit. „Gott strafe England!“ Nun ist England tatsächlich in einer heiklen Situation. Einerseits ist es als Mandatarmaoht zur Erhaltung der christlichen Heiligtümer ausdrücklich verpflichtet, anderseits kann es aber für diese Zwecke nur schwer eine eigene Landessteuer ausschreiben, da die überwiegende Mehrheit der palästinensischen Steuerzahler aus Nichteiiristen besteht. Die Mohammedaner sind an der christlichen Grabeskirche wenigstens insofern interessiert, als ein islamitischer Trost Eigentümer eines Drittels des Daches ist. Den Juden aber, die zu ihrer eigenen heiligen Stätte in Jerusalem, der Kiagetnauer, nicht, einmal Stühle mitbringen dürfen, damit, sich am Versöhnungstag die vom Fasten Ermatteten niedersetzen kün- , nen, ist es kaum zuzumuteu, daß sie zur i Prachterneuenmg von heiligen Besitztümern 1 der reichen christlichen Kirchen und J mohammedanischen Trusts Sondersteuern bezahlet) sollen. Wenn sieh also die christlichen Kreise nicht im letzten Moment entschließen, in diesem singulären Falle das sonst verpönte Beispiel der Juden, die sich auf der ganzen Weit ihre Gotteshäuser selbst erhalten müssen. rechtzeitig naohzuabmen, dann wird der Zahn der Zeit sein Vernichtung»werk mit dem katastrophalen Ende krönen. Dt. H. Sp. (Nachdruck verboten.) MUHARRAM*) Von M. Y. Ben-gravtel. Es gibt zwei Arten, den Sinn de« Wortes Muharram kennenzulernen. Entweder, indem man sich hmsetzt und lernt, daß m den Namen des ersten Monate im mohammedanischen Jahr bedeutet und zwischen den Monaten Ziihigga und Safar liegt. Die andere Art hingegen er-j fordert Zeit, und zwar di« Zeit einiger Monate, j und überdies die Nerven eines starken Mannes. ] Die letztere Art bleibt wenigen Menschen erspart, die in Jerusalem wohnen, und wer da sein ganze« Leben verbringt, lernt Jahr um Jahr von neuem, was Muharram bedeutet. Zwei Monate vor diesem Termin beginnt sich eine sonderbare Unruhe in der Stadt bemerkbar zu machen. Fröhliche Menschen ziehen die. Stirne in Sorgenfalten, während Melancholiker wie Klageweiber mit verzerrten Gesichtern ihren Geschäften nachgehen. Nur wenn das Wort „Wohnung" fällt, heben sich die Köpfe und die Augen blicken auf, denn Muharram beißt auf Deutsch: Wohnungswechsel. Gut die Hälfte der Einwohner Jerusalems, Juden und Araber, zieht um, während die andere Hälfte — soweit sie nicht in eigenen Häusern wohnt, die nicht unter der Last der Hypotheken einzustürzen drohen — nur nach monatelangen, aufreibenden Verhandlungen in ihren Wohnungen sitzen bleibt, nachdem sie die Mieteteigerung, um die es sich natürlich handelt, selbst wenn ein gegenteiliger Gemeinderatsbesehluß gefaßt wurde, bewilligt hat. Die erstgenannt« Hälfte ist gehetztes Freiwild, Opfer der Wohnungsagenten, sonderlich. i solche arabischer Nationalität gewittert haben, daß der Mann, der eine Wohnung sucht, Romantiker ist und nicht in einer der scheußlichen modernen Mietkasernen wohnen wo man noch am Mittwoch riecht, was der Nachbar am Sonntag aß. sondern in einem der wenigen alten Jerusalemer Büuser. Straßab, straßauf — wenn Muharram kn Sommer ist, bei infernalischer Hitze, ist er aber ein Wintermonat. die muslimischen Monate wandern ja durchs ganze Jahr, bei strömendem Regen treiben sie ihr WUd von Haus zu Haus. Und wenn du dann, o Unglücklicher, zu Abu habibs Haus kommst, in den» fünf berrliobe, Hallen mit Regierungswaaser und schattigem Garten in völlig ruhiger, vom Verkehr abgeschiedener Lage nur auf dich warten, findest du;n einem Steinfeld, auf dem die Sonne zehn Stunden des Tagee brütet, zwei abgestorbene Pfefferbäume und einen bestaubten Kaktus einem Haus, da« fünf winzige, muffige Löcher enthält Im Hintergrund, malerisch und romantisch, auf einer verfallenen Terrasse, die letzten Reste einer Wasserpumpe and einige, archäologisch seht interessante. Rohre, die davon zeugen, daß es hier mal Reeierungswasser gab. Weiter hetzt dich dein Gentleman mit dem gewichsten Schnurrbart und dem freudigen “ Mi, das um Mukarram herum für den nationalen Ausrieich ist Hinunter ta ein anderes romantische« Viertel. Zehn Häuser zeigt er dir Zum Umziehtermin in Palästina, der mit moslemischen Neujahrstag, diesmal 2. März, zusanunenfällt 1 auf dieeem Teil deines Leidensweges, lehasskir”. sag! feine Inschrift über einem Tor und zeigt au, daß das Haus zu vermieten ist, aber dein Agent verwehrt dir den Eintritt, denn er ist dt ran uninteressiert, weil ein anderer Agent dafür arbeitet Atter dort unten, am Ende der kleinen Gasse, liegt die Krone der Schöpfung: Hadj Mustafas Haus, von dem man bi« zu den Bergen Trausjordaniens sieht. Du kommst,, nachdem der Agent mit geheimnisvolle:! Menschen geheimnisvolle Gespräche geführt hat, zu Hadj Mustafas Burg. Mannhoch umgibt sie eine Steinmauer. Eine etwas deraugierte Agave, auf der ehemalige Wäschestücke zum Trocknen hängen, begrüßt dich: sie bildet den Garten. Erschöpft bittest du um ein Glas Wasser. Vergeblich: die Zisterne ist bereits ausgetrocknet und der Wasserträger ist. heute nicht gekommen. Wankenden Schrittes betrittst du den Hof: dreißig Kinder umheulen dich freudig, denn Mustafas Burg ist ein Haz6r, «in Hof, in dem sich das Leben von etwa zehn Familien abspielt. Es sind gute Menschen aus Persien, Kurdistan, Y erneu und aus dem sagenhaften Afghanistan, aber die Düfte ihrer zumeist auf Knoblauch ahgeBtiminten Speisen nehmen dir. da überdies in der Mitte des Hofes ein arabisch verschwiegener Ort aufgebaut ist, den Atem. Du weißt, bei Vollmond, wenn die dreißig Kinderlek dieses Hauses schlafen, die Schatten des Hofes phantastische Märchen vor dich hinsteilen werden, aber da dir plötzlich einfällt, daß den Nächten weniger romantisch« Tag« folgen, fliehst du entsetzt Vergeblich. Der Mann mit dem gewichsten Schnurrbartist schneller als du. Mit sanftem Lächeln trabt er an deiner Se>te, geleitet dich behutsam nach Hause — um an: näobsten Morgen mit fröhlichen Segenegprfjcben dich zum schrecklichen Tagwerk aufzuweefcen. So geht Tag um Tag dahin. Naturgemäß erreicht am ersten Muharram die Aufregung ihren Höhepunkt. Am Abend vorher schon rasen mit altem möglicnen und unmöglichen Hausrat beladene Autos durch die Stadt, Kamele mit Betten, Schränken und Tische® schwanken soheltenkritread durch die Nacht, Esel mit Lasten, unter denen sie schier verschwinden, und für die Sabalim, die Lastträger, ist die große Zeit angebrochen. Schwindelnd klettern ihre Preisforderungen in die Höhe, denn sie wissen, daß sie die Herren des Muharram sind. Besonders die kurdischen Juden, schwarzbärtig, mit schwarzem Turban, die edn Klavier oder einen Eisschrank auf ihrem Rücken über die Berge tragen, auf den Jerusalem aufgebau ist, sind gesucht und ebenso di« kleinen Taimaaim, die trotz ihrer Zartheit halb Jerusalem auf ihrem braunen Nacken tragen. Es ist, ais hätte ein Fieber die Stadt eigriffen, ein sinnloser Nomaden trieb, der ihre Einwohner von Haus zu Haus treibt, der die Nerven zusammenbreelien und Lastträger, Autoleute, Kameltreiber und gelegentlich auch Wohnungsagenten leben läßt. Dar große Muitarraml Bechter so Hilfsverein der ifliUscbea Blinden Wien, Il„ Rembniidtstraße 18 Wenn aber einer schon so glücklich ist, in seinem alten Haus zu bleiben, kann es ihm leicht geschehen, daß am Morgeu nach Muharram woMwoilend und vergnügt der Herr mit dem gewichsten Schnurrbart auftaucht, den er vor Zeiten, so beiläufig nach der Möglichkeit eines vorteilhaften Wohnungswechsel» gefragt hatte, und ihm eine Provisionsrcclinung präsentiert. „Wofür?“, fragt ahnungslos der Uneingeweihte, und erfährt mit Staunen, daß man auch für die Wohltat, nicht umziehen zu müssen, Provision zahlen kann. Wehe dem, der s'obs mit diesem Herrn verdirbt! Er kann sicher sein, daß es an diesem Tage noch zu einem Bündnis kommt zwischen ihin und dem Hauswirt, das geschlossen wird auf dem Rücken des Mieters und besiegelt am nächsten Muharram. Ich sehe ab, den Leidensweg darzuetellen, das tage- und nächtelange Hangt» und Bangen, das zum Vertragabschluß selbst führt: ein aufregender entnervender Kampf zwischen Mieter und Vermieter, ein Kampf, der an Zähigkeit und Bluffen nicht zu überbicteo ist. Wer die stärkeren Nerven hat, gewinnt» Der andere zahlt seine Niederlage ein ganzes Jahr lartg, respektive ein Jahr weniger dreizehn Tage, da das mohammedanische Jahr um dreizehn Tage kürzer ist als das europäische, woher auch die sympathische Eigcnhe’t des Muharram stammt, in jedem Jahr zu einer anderen Zeit aufzataueben. Wie man sieht, ist der Muharram nicht einfach ein Monat, der zwischen Zilügga und Safar liegt, wie ein Bach zwischen seinen beiden Ufern, sondern Ausgangs- und Endpunkt des großen Leidenswege« der Leute, die kein eigenes Haus besitzen in der Stadt der am Wohmmgsweohseifieber Erkrankten. DaS iwri jjottti („Täglich eine hebräische Seite“) Ernst« Hebräer und Zionisten stellen sich selbst die besorgte Frage: Warum geht das hebräische Verlagswesen immer mehr zurück? Warum leiden die hebräischen Schriftsteller und Dichter, denen wir den Zionismus und den Aufbau von Erez Israel verdanken? Warum haben Achad Haam. Bialik j umsonst gelebt, da ja ihr ewiger Schrei nach j Erfüllung unserer Bewegung mit jüdischem Geist ungehört geblieben ist? Die Antwort lautet: Die Hebräer haben ein laxes Verhältnis zum hebräischen Schrifttum. Das Lesen hebräischer Schriften ist keine ernste Sache, sondern bloß ein gelegentlicher Luxus. Nun mache ich einen Vorschlag, der sich bereits in bestimmten Kreistn bewährt hat. 1. In den Kreisen des thoratreuen Judentums. Rabbi Schapira, der Gründer der bereits berühmt gewordenen Jesehiwah in Lublin, hat den Vorschlag gemacht, daß jeder Talmudkenner täglich ein Blatt Talmud lerne, und zwar alle in der ganzen Welt dasselbe Blatt. In ihren Kalendern wird bereite bei jedem Tage dieses Blatt angegeben. Es dürfte heute bereits 40.000 Juden geben, die diese Mizwah erfüllen. 2. Nach diesem Muster habe ich in einem Kreise . orgeschlagen, daß jedes Mitglied täglich eine Seite eines hebräischen Buches lese. Eine Reihe von Personen erfüllt heute bereits diese nationale Mizwah. Der Erfolg: Die Leute haben eich überzeugt, daß ihr Leben an Inhalt und an Schönheit gewonnen hat. Der weitere Erfolg: Diese Menschen haben auch die weitere Verpflichtung durchgeführt, jährlich mindestens ein hebräisches Buch zu erwerben. Es wurden im ersten Jahr durch die Mitglieder dieses Kreises tatsächlich erworben: j Sefer Hagada v. Bialik (4 Exemplare), Bia- 1 iiks Werke (8 Exemplare), Sefer Hasohabath l4 Exemplare), Hatekufah (1 Exempl.), Sefer Hajelud (S Exemplare). Agnon (1 Exemplar), Brenner (1 Exemplar), Buch über Jehoselma Hankin (2 Exemplare), Sefarim Cbizonim (Kahane) 1 Exemplar, Jirmijahu <1 Exemplar). Schimonawitz (1 Exemplar), To’doth Hata’rnv.d (1 Exemplar), Micimrath Haaretz (1 Exemplar), Lanoar (4 Exemplare), Weizmann (2 Exemplare), Schocken (2 Exemplare), Milon (8 Exemplare), Plato: Hamedina (1 Exemplar). Ein Mitglied dieses Kreises hat nun in einem Jugendbund, dem es angehört, diesee System bei den Führern des Bundes mit Erfolg eingeführt. Sie lesen jeder tätlich und jeder erwarb bereite da« Buch für das erste Jahr. Dr. Chaim Tartakower,

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