Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1938-02-21 · Heft 735 (21.2.1938) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 735 (21.2.1938)
Date
1938-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054431-3054492--7321-3520519
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 785 — Wien, Montag, 21. Februar 1808. Zion stlMtse Kezlrk^ektion Leopold«»« Mittwoch. den td hebiitar 19ä8. halb 9 Uhr abends im Heim.. fl., Frat^r»traße 18 Jos f-PipjeMülilt'ai Feier Oeaenkretiner- Dr. Alfred Werner Die neue Palästina-Kommission Einwanderung und Wirtschaft Heb. die Verfolgung leiden einzig und allein wegen der Zugehörigkeit au einem bestimmten Volkstum. Dag ist eine Beschwerde, für die wir volles Verständnis haben, und wir brauchen nur die Maßnahmen zu erwähnen, die in Rumänien vorbereitet waren und an die viele denken, die jetzt an die „Befriedung Österreichs1' gehen. Eden zurudkgetreten Das große Ereignis des Tages ist der Rücktritt des englischen Außenministers, Er hat wegen der schweren grundsntz liehen Meinungsverschiedenheiten mit dem Ministerpräsidenten wegen der Behandlung der italienischen Frage die Demission gegeben und zu seinem Nachfolger dürfte Lord Halifax ernannt werden, was den Sieg jener Tory-Gruppe vollendet, die1 für sofortige Liquidation der Differenzen mit Italien und lür sofortige Verständigung mit Deutschland in der Kolonialtrage eintritt. Der Rücktritt Edens ist nur in Verbindung mit all den Problemen zu werten, die gegenwärtig Europa bis zur leidenschaftlichsten Erregung bewegen. Eden ist gegen Krieg, weil Englands Volk den Krieg ablehnt. Aber Eden hat doch in den vielen Streitfragen eine feste Haltung bewiesen und die vielen Rückschläge, die England hinnehmen mußte, kommen aus der Schwäche des Völkerbundes, den Eden nicht aufgeben wollte. Die Krise in London tri dt uns Juden sehr schwer. Wir sind in besonderer Innigkeit mit England verbunden und was dort vorgeht, wirkt auf unsere Position in der ganzen Welt zurück, Eden hat die •jüdische Sache immer nur als Politiker gesehen, aber als Politiker aus der alten englischen Schule. Er hat in der Palästina-Angelegenheit zwar dem Kolonienminister Ormsby Gore den Vortritt gegeben, ist aber, wenn sie an sein Ressort herankam, stets für die Aufrechterhaltung des Mandats eingetreten- Auch er bat sich zu den besonderen moralischen Verpflichtungen bekannt, die sich für England aus der Balfour-Deklaration ergeben und er hat nicht übersehen, daß diese Erklärung auch die Lage der Juden in ihren Wohnlftndern in Betracht zieht. Eden hat in Danzig und letzthin in Ru mänien eingegriffen. Er hat die Frage der Juden als ein Problem der Zivilisation' aufgefaßt und darnach gehandelt,; Er ist jetzt zurückgetreten, aber er ist; ein jungen Mann und er bleibt weiter auf der politischen Bühne. Die neue Verfassung Litauens Kowno, 20. Februar. (JTA,) Der Präsident der litauischen Republik A. Smetana und seine Gattin wohnten in Begleitung Je* Kriegsmiteters und hoher Regieruuglbeamter einer vom Verband jüdischer Frontsoldaten Litauens (Kämpfer für Litauens Unabbänsthkeit) anläßlich des 20. Jahrestag« der litauischen Unatmängigkelt veranstalteten Feier bei. Präsident Smctana hielt bei die«« Gelegenheit eine Ansprache an die Festteil* nehmen tn der er der. Leistungen der Juden Litauens für die Freiheit und Unabhängigkeit des Staates und für das Land' überhaupt herzliche Anerkennung zollte, und das Gelöbnis ewiger Freund-: schaft des litauischen Volkes gegenüber, den Juden abgaib. i Später gab Präsident Smetana dem1 Chefredakteur der jiddischen Tage*-, zeittmg „Ydlscbe Stirne“, R. Ru hin-] steio, ein Interview, In welchem er gegenüber der jüdischen Bevölkerung diej Vers;cherung abgab, daß die neue Ütauj Ische Verfassung, obwohl sie keine diej Rechte der Minderheiten garantierende j Klausel mehr enthält, die Rechte der] Minderheiten der Juden nicht antastet und daß d e jüdische Gemeinschaft Litauens de facto auch weiterhin Autonomie, London, 20. Februar. (JTA.) Im Unterj naus fragte Abgeordneter Geoffrey M a ojder den Koionienmtoisler, ob beabsichtigt I se-L daß die Mitglieder der neuen Paläettnaj Komin-fisx® im Hinblick darauf, daß der erste Teil ihrer Aufgaben, der sieb mit den Grenzer, befaßt, hauptsächlich politischer und strategischer Natur ist. während der zweite ökonomischen und finanziellen Charakter trägt, beide Teile durchführen sollen; ferner, oh irgend welche Einladungen zum Eintritt in die Kommission ergangen oder Eri nennungen erfolgt sind, j KoiomenmiaiRter Ormt ty-Gore ei ' widerte, es sei gewiß beabsichtigt, daß die Kommission alle Teile ihr« Aufgabengebietes durchführen solle. Einladungen seien ergangen. doch seien noch nicht in allen Fällen offizielle Antworten eingelangt, Abgeordneter Mander fragte weiter, ob der Minister «»erzeugt sei, daß dieselben Personen beide Teile der Aufgab -n der Kommission wirksam durchführen können. Minister Örmeby-Gore erwiderte, Finanzlagen «eien mit anderen Fragen eng verbunden, die Kommission müsse daher ihrer: Bericht als ganzen erstatten. Was geschieht aaeh dem $JL Mirst A oreordnetw The*. Williams fragte den Ko’onicnminlster, ob er jetzt in der Lage sei. zu sagen, auf welcher Basic die |Ein.Wanderung in PaUstinanaeh dem 31. März geregelt werden wird. M mister Ormsby-Gore erwiderte, er habe der von ihm am 9- Februar erteilten Antwort nichts hümizuftigern Er hatte am 9. Februar gesagt, daß zu dieser Angelegenheit noch kein Beschluß der Regierung vorliegt. Die Unsicherheit «ec Politik i Palästina Abgeordneter Morrao Jone*:! Minister Kenntnis davon, daß j schwere Wirtschaftsieprcesion h eine Folge der Einwsaicrangsjwuw* aer Regierung «st? Minister Ormsby Gore: Ich hm nicht der Ansicht, daß diere Politik die Ursache der wirtschaftlichen Depression ist. Es ist wahr, daß es in Palästina eine große Zahl von Arbeitslosen gibt, aber di« Arbeiter- Schedulen haben damit niete zu tun. Abgeordneter Morgan Jones: Ist es nicht eine Tatsache, daß keine Ne’gung besteht, Geld in Palästina zu investieren, so lang* Unsicherheit über die Politik der Regierung herrscht? I Sir Archibald Sinclair: Hat nicht die Königliche Kommission selbst betont, daß e'n Andauern der Prosperität ln Paj lästina von der Aufrechterhaltung der Einwanderung in einem wesentlichen Umfang abhängig ist? B*ide Fragen blieben unbeantwortet. Keine Waffen f9r die Jüdischen Chauffeure Colonel Wedgwood fragte, ob ee den jüdischen Autobus-Chauffeuren im Hinblick auf die fortwährenden Überfälle au! Autobusse erlaubt sei. Wallen zu tragen, wie di« die Exekutive der Jewish Agency am 6. Jänner gefordert habe. Ormsby-Gore erwiderte, nach sorgfältiger Erwägung sowohl durch de Zivilals auch durch die Militärbehörden in Palästina sei beschlossen worden, jüdischen Autobus-Chauffeuren das Tragen von Waffen nicht zu gestatten. Weitere Maßnahmen zum Schutze J« Straßenverkehrs seien vor kurzem ergriffen worden; o: hoffe, daß eie «ich als wirksam erweisen werden. Colone1 Wedgwood: Weiß der .Minij ster, daß erst' gestern, nach MtSgiger Unterbrechung, neuerlich ein Überfall auf einen Autobus erfolgte, wobei ein! rdei Ormsby-Gore: Ich habe Kenntnis davon, daß in der vergangenen Woche ein arabischer Autobus überfallen wurde, aber Ich glaube, d e neuen Schritte zur Bekämpfung solcher Sabotageffille werden ihre Wirkung nicht verfehlen; es wäre sehrgef8hrlich,dieara' ' und die jüdischen Cba mit Revolvern zu bewa Colonel Wedgwood: Wird auf jedem Autobus ein bewaffneter Polizist mitfahren? Ormsby-Gore: Ich werde keinesfalls bekannt geben, welche Schritte die Milithm zur Ergreifung dieser speziellen Maßnahme u untern elunen beschlossen, bähen. Die deportiertest Araberführer Colonel Wedgwood fragte weiter, ob die auf den Seychellon-Inseln im Exil lebenden Araber von der Paläfitina-Regterui finanzielle oder sonstige Unterstützung «. halten oder ob sie. so behandelt werden w die verbannten Bischöfe au? Zypern, die sich selbst erhalten mußten. Ormsby-Gore erdte Unterbaltskostwj der auf den Seychellen Inseln Im Exil lebenden Araber werden von der Palästina-Regierung bestritten. Eine Parallele zu dem Fall der Zypern- Bteeböfe gebe ee hier nicht.. Die ans Palästina verbannten Araber werden anf den Seychellen streng bewacht, während die verbannten Bischöfe sich frei bewegen durften. Colonel Wedgwood: Wäre ee nicht möglich den verbannten Arabern auf den Seyohel'en zu gestattet., eich frei zu — Ormsby-Gore: Kein, die: höchst unerwünscht. Colonel Wedgwood: Was Ist mit den zwanz'g jüdischen Kindern und den acht Frauen geschehen, die am 21. Jänner als illegale Einwanderer an der palästinensischen Grenze verhaftet wurden? Ormsby-Gore- Ich werde dem Fall untersuchen. Keine Auskunft über die PIfine der Regierung Abgeordneter Vyvyan Adam* fragte, ob die englische Regierung noch immer Teilung als Lösung de* Palästina- Problem« ansehe. — Abgeordneter Tboa. Williams fragte, oh der Minister in der Lage sei, eine Erklärung über die Politik der Regierung abzugeben — Die Beantwortung bei- * Fragen lehnte der K olonienm»n ab. Unterhaus-Delegation bei Chamberlaln London, 20. Februar. tJTA.) Der angekündigte Empfang einer Abordnung de* parlamentarischen Palästina- Komitee^, bestehend aus Deputierten der Konservativen, der Liberalen und der Labour Party, durch den Premierminister Neville Chamberlaln hat bereits stattgefunden. Die Delegation forderte baldige Lösung 70 Kilometer Stacheldrahtzaun Jerusalem, 20. Februar. (Palcor.) Die arabische Presse Meldet, daß die Behörden beschlossen haben, die- Nordgrenze einem elektrischen Stach d t a h t z a um, dw 70 Kilometer lang trad 10 Meter hoch sein soll, zu schützen. * Im Unterhaus fragte Abg. N o e 1-B a k e r den KolonienministeT, ob er ein Weißbuch über Beschlagnahme von Waffen und Munition in Palästina in den letzten drei Jahren mit Namen der Hersteller und der Ursprung- IS. ruier verlegen könne. O r m s b y-G o r e erwiderte, er halte eine solche Veröffentlichung nicht für angezeigt. Er werde eine Liste der in den Jahren Itlrkct die Zionistisch« Organisation! Tretet der Zionistischen Organisation bei! le stlrker die Zionistische Organisation ist. desto stärker seid Ihr! 1936 bi* 1937 beschlagnahmten Waffen und Munition zirkulieren lassen. Die Waffen sind meist alte, von beiden Kriegsparteien im Weltkriege benutzte Typen; sie sind rostig, daher sind die Marken unlesbar und die Ursprungsländer sind nicht zu erkennen. Die Emek - Siedelung Ejn Charod wurde innerhalb von vierundzwanzig Stunden viermal von Terroristen aus dem Hinterhalt beschossen. Jüdische Hilfspolizisten und die Siedler trieben die I Angreifer zurück. Da» Kinderdorf Ben Sche- : men bei Lydda und die Sie^un» Neve l Jaaeub bei Jerusalem wurden ebenfalls tage- {griffen. | In den Dörfern bei Tulkarem wurden 170 j Araber unter dem Verdacht der Sabotagei akte seren die Palästina-Eisenbahn verhaftet j Arabische Aktivisten beschossen bei Atlit J südlich von Haifa, einen Omnibus und ein Taxameter. Ein britischer Offizier wurde getötet, eine Engländerin und ein jüdischer Chauffeur wurden verletzt Das jücfsche Genfs In all den Sorgen^ in denen wir heute stehen, denken wir gerne und in warmer Erinnerung an zwei Große, die unser Volk der Menschheit, der Wissenschaft und dem technischen Fortschritt geschenkt hat: an Josef Fopper-Lynkeus, der am 21. Februar 1888 in Kolin in Böhmen, und an Heinrich Hertz, der am 22. Februar 1857 in Hamburg geboren worden ist. Zwei Männer, die Denker und Führer im Reiche des Geistes gewesen sind, deren Gedächtnis in ihren Werken fortleben wird. Josef Popper, auch als Philosoph, Schriftsteller -ind Sozialrefonner, eine Vordergrundtigur der Forschung, hat als erster den Gedanken der elektrischen Kraftübertragung ausgesprochen. Heinrich Hertz hat da« Gesetz von der Wellenbewegung des Lichtes gefunden. Wer die Kraftfernleitungen sieht, wer den Radioapparat in seinem Zimmer stehen hat, der sollte wissen, daß diese beiden Erfindungen, die den Raum überwinden und in Ass Leben der Menschen neue und fruchtbare Ansätze zur Herrschaft über die Natur gebracht haben, Werke jüdischen! Geistes sind. Sie sind ans dem Wwen des! Judentums hervotgegangen, das keinen Nationalismus will, sondern eine Verständi- | gung aller Völker, nicht die Macht dar Ge- I walt, sondern der Idee. Sie gehören zu uns, I dies- Männer, so wie Robert von Lieben, der F.rfinder der Verstärk er röhre, dessen die Technik in diesen Tagen gedacht, hat, so wie Siegfried Markus, der den Benzinmotor gebaut hat, so wie Paul Ehrlich und Einstein und Wassermann, so wie die unübersehbare Reihe jüdischer Denker, die das menschliche Zusammenleben geweiht und bereichert haben. Wa* sie erforscht und erdacht haben, das gehört allen, geht über die Zeit und den Raum hinaus, löst die Starre zur Bewegung. Erfindungen haben freilich auch laa Schicksal, daß sie mißbraucht werden und daß sie sich in einem ganz anderen Sinn aussprechen, als ihn ihre Entdecket ihnen gegeben haben. Die elektrische Kraftübertragung, das Automobil, das Radio sind in den Dienst der Politik gestellt worden und die Propaganda, die gegen die Juden, gegen die Demokratie, gegen den Frieden betrieben wird, hat durch die früher ungeahnte Anwendung der drahtlosen Übermittlung den Äther vergiftet. Dafür können die Erfinder nichts. Sie waren reinen Herzen« und äi< wollten nur dem Licht und dem Recht dienen. Aber sie legen Zeugnis dafür ab, daß da* iüdische Genie nicht mattgeworden ist: die Galuth bat. die geistige und seelische Kraft des jüdischen Gehirns nicht lähmen können. Da* jüdische Volk hat sieh politisch entwickelt, es hat sich zum Gedanken der Erkämpfung der Freiheit bekannt. Es weiß, welche großen Kämpfe ihm noch bevorstehen, aber e* weiß auch, daß es seinen Großen dann möglich wird, frei nnd unbehindert zu schaffen. Jedem Volk sind von seiner Geschichte Aufgaben zugewiesen, die es zu erfüllen bat. Wenn es eine Mission des Judentums gibt, dann ist es nur die: Mittier zu sein im Gehst des Fortschrittes und der Versöhnung, sine neue Form des sozialen Lebens zu schaffen im jüdischen Land. Es darf hoffen, dieser Aufgabe näher zu kommen, wenn es seine Freiheit errungen bähen wird. Männer wie Popper-Lynkeua, Hertz und Ehrlich, die Wohltäter dw Menschheit waren, haben im besten Sinn jüdisch gewirkt Sie mußten so wirken. W8Ü dies ihrer Erbanlage entspricht, weil sie Kinder des Volkes des Buches waren. Es ist ein Trost in diesen Tagen zu wissen, daß das jüdische Volk der Welt viel gegeben hat irr.a daß ms ihr noch mehr wird geben können, wenn es sich wird frei ausleben können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.