Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 735 (21.2.1938)
- Date
- 1938-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Montag - Ausgabe cDie Diese« Blatt Ist ab 4 Uhr nachmittags bei gen Kolporteuren erhältlich ^Stimme 10 S Nr. 735 JÜDISCHE ZEITUNG H'ten, Montag, 21. Februar 1938 So. Altar L 5698 11. Jahrgang Aufruf der Zionistischen Exekutive Zahlet den Schekel! Die Zionistische Exekutive erläßt den folgenden Aufruf: Juden! Zionisten! Der XX. ZionistenkongTeß hat beschlossen, die Entscheidung über die Schicksalsfrage, vor die uns die Mandatsregierung gestellt hat, dem XXI. Kongreß zu übertragen, dessen Delegierte mit klarer Erkenntnis über die ihnen auferlegte historische Aufgabe gewählt werden sollen. In der Zeit seit dem letzten Kongreß hat sich die Lage geändert. Verzögerungen und Hemmnisse) sind aufgetreten und halten die Mandatsregierung zu immer neuem Aufschub veranlaßt. Wohl hält sie an ihrem Plane fest, einen Judenstaat in einem Teile Erez Israels zu errichten, sie legt sich jedoch nicht darauf fest, wann und in weichet Weise dieser Plan zur Ausführung kommen soll. Diese Haltung verlängert die Epoche des Überganges auf unbestimmte Zeit, sie kann zu einer weiteren Verschärfung der schwierigen Wirtschaftslage führen, die aus der Unsicherheit erwuchs, aus der Unklarheit über die nächste Zukunft. Dazu kommt die Gefahr, daß in dieser Übergangszeit die „Palliativvorschläge“ der Königlichen Palästina-Kommission durchgeführt werden, und diese Gefahr der Einschränkung und Einengung unserer Arbeit erhöht die Unsicherheit mit allen ihren Folgen. Juden! Zionisten! Eine unverzeihliche Sünde an unserem Volk und unserer Bewegung wäre es, in diesem Jahr die Schekel aktion zu vernachlässigen. Es ist nicht unmöglich, daß durch unsere Anstrengungen und durch die Wandlung der Verhältnisse, die sich in di"ser kritischen Weltperiode mit solcher Schnellisrkeit vollzieht, eine Änderung auch in dem Beschluß eintritt, die Übergangszeit zu verlängern. Falls nun der endgültige " schlag noch die"-'- t-s-•-«*•- Die jüdische Flagge im Hafen von Tel «Aviv Jerusalem, 20. Februar. (Palcor.) Im Hafen von Tel-Aviv wurde bei den Vorbereitungen für die erste Landung von Passagieren die jüdische Flagge gehißt Mißmut In Jaffa Pope, Verwalter des Hafens von Jaffa, teilte einer Abordnung der Hafendie gegen die Feierlichkeiten an- Hilfeleistung für bedürftige Ausländer öffentlii uf vorher müsse nSchekelzahle großeMa stützt. Ein Jahr barten Bingens steht uns bevor, energischer politischer Kampf, Kämpf gegen die Bedrohung unseres Rechtes auf Aufbau und Freiheit, Kampf für eine Lösung, die uns den Weg zur Einwanderung uni zum Aufbau eröffnet, Kampf für unsere Stellungen im Lanie und unseren Einfluß ui der Galuth. In einem solchen Jahre darf sich die Zahl der Schekelzabler, der BOrger unserer Organisation, nicht vermindern, darf unsere Kraft und unser Einfluß auf das Volk, die nach der Größe dieses Kreises eingeschätzt werden, nicht sinken. Juden! Zionisten! Die Schekelaktion in diesem Jahre muß mit der klaren Erkenntnis durchgeführt werden, daß wir v o r d e m XXI. Z i o n i s t e nkongreß stehen, vor einem Kongreß, der eine historische Aufgabe haben wird, gleichviel, ob die Mandatsregierung die Errichtung eines Judenstaates in einem Teil Erez Israels Vorschlägen wird, oder ob sie an dessen Stelle für eine Übergangszeit Beschränkungen und Begrenzungen einführen “will, derenTielm Wirklich- Seit ist, uns zu einer Minderheit m einem arabischen Staat zu machen. Unsere Pflicht ist es, mir Entscheidung für das Indische Volk berett zu sein. Das Volk muß wissen, was vor ihm[liegt; es muß die Möglichkeit erhalten zum Kampf und zur Entscheidung in die Front zu treten. Wir dürfen späteren toten gegenüber nicht die Schuld auf ^n. daß wir das1 Keine Reviiion der Einbürgerungen Nach verläßlichen Informationen stellt die Regierung Schuschnigg unverrückbar auf dem Boden der Verfassung vom 1. Mai 1934 und dem ln der Verfassung verankerten Grundsatz der Gleichberechtigung aller Bürger ohne Unterschied des Glaubens. Eine Rechtsangleichung an die deutsche Gesetzgebung wird nicht stattfinden, desgleichen sind die Gerüchte Uber d i e R i sion der Einbürgerungen vollkommen unbegründet. Die politische Situation ist, wie diese Informationen besagen, derart, daß irgend eine Panikstimmung in keiner Weise begründet ist. arbei’ter läßlich der erstmaligen Landung von Passagieren im Tei-Aviver Hafen wegen Schädigung des Passagierverkehre« im Jaffaer Hafen protestierten, mit, daß die Landung von Passagieren im Hafen von Tel-Aviv sowie die festliche Begehung des Tages der erstmaligen Landung von Passagieren von den Behörden beschlossen wurde und dieser Beschluß unabänderlich sei Genf, 19. Februar. (Privat) Das Expertenkomitee zur Beratung der Hilfeleistung für .bedllr.fjtige- Ausländer —.-«* handelt sich dabei nicht um Enrigrann — hat heute unter dem Vorsitz des Holländers De Vries auf Grund der Vorschläge seines Berichterstatters, des Leiters des englischen Home Office, C o o p e, Arbeiten beendet. Die Bedeutung der Beschlüsse geht daraus hervor, daß nach den letzten genauen statistischen Feststellungen im Jahre 1930 nicht w e n i g e r niert genau die Personen, denen die Hilfe zugutekommen und die Bedingungen, i lemu <im — - -.. Rückführung der Ausländer ln die j Heimat | durchgeführt werden soll. Sie stellt Regeln! für die Minderjährigen und für die Aufrecbterhaltung des Familienverbandes auf, und zeigt das Bestreben, den Schutz und die Hilfe auch auf die Staa losen zu erstrecken. als 29 Millionen Ausländer den verschiedenen Staaten der Welt lebten. Das Komitee hat den Entwurf einer •ention ausgearbeitet, den die Regieren sowohl zum Abschluß zweiseitiger als auch mehrseitiger Abkommen verwenden können. Er gebt von der Auffassung aus, daß die gesetzliche und staatliche Unterstützung auch auf Ausländer, die ihren Wohnsitz in fremden Staaten haben, ausgedehnt werden muß. Die Staaten sollen diesen eine ausreichende öffentliche Hilfe nach den Grundsätzen der sozialen Ordnung zuteil werden lassen. Dabei wurde die Regelung der Sozialersicherungen, der Arbeitslosenhilfe und der Rechtshilfe nicht einbezogen. Sie defl- Beschlüsse der polnischen Völkerbundliga London, 20. Februar. (JTA.) Die polnische Delegation bei der Konferenz des Minoritäten Komitees des internationalen Verbandes der Völkerbundgesellschaften überreichte einou Resolutionsantrag, demzufolge Staaten mit einem geringfügigen Prozentsatz jüdischer Bewohner ihre Grenzen d e i Immigration von Juden öffnen sollen, weiche aus solchen Ländern kommen, in denen Juden iu Massen wohnen. Die Resolution empfiehlt eine internationale Aktion zur Unterstützung der Auswanderung der Juden nach Palästina und zur finanziellen Unterstützung der Emigration der Juden aus übervölkerten Staaten. Schließlich wird der Völkerbund ersucht, eine internationale Konferenz zur Regelung dieses Problems einzubernfen. Volk nicht in der Stunde aufriefen, in der auf seinen Schultern die Entscheidung über das Schicksal unserer Freiheitsbewegung lag, die Entscheidung über die Zukunft des Landes, in das wir zurückkehren, um unsere Heimat zu bauen Zionisten! Gehen wiT ins Volk, rufen wir es auf, in Massen den Scheitel zu erwerben und durch ihn das Recht des Bürgers im .jüdischen Staat unterwegs“, des Bürgere, der die für das Schicksal seines Volkes “und Lande« entscheidenden Beschlüsse und Aktionen zu bestimmen hat. Sagen wir jedem Juden, daß mitten in unserer Aufbauarbeit Feinde gesen uns aufgestanden sind, um unseren Bau zu zerstören und uns den Weg zu Freiheit und Erlösung zu versperren. Schildern wir ihnen den schweren Kampf, in dem wir stehen, ertrei zählen wir ihnen davon, wie unsere Jugend iber j neue Stellungen erobert, indes sie die alten laden, daß wir das * verteidigt. Erklären wir ihm, daß der Ausweg, den die Mandatsregierung sucht, um vor eine Entscheidung stellt, wie sie in allen Zeiten unserer Galuth nicht vor uns stand. In diesen Tagen wachsender Not und I drängnis in allen den Ländern der Galuth, in dieser tot der Verfolgungen von Juden in zahlreichen Ländern, höre und wisse da« jüdische Volk, daß wir uns dem Wendepunkt nähern, der Entscheide _ stunde in unserem nationalen Le b e n. Es trete ein in die Front der Sohekelzahler, denen die Entscheidung obliegt, im Namen des gesamten jüdischen Volkes. Und ihr, Juden In allen Ländern, die ihr an der Entscheidung über das Schicksal unseres Volkes, über die Zukunft Erez Israels tetlnehmen wollt. — kommt zu uns, stärkt die Kraft des Vortrupps für die Erlösung, der Laad und Volk aufbaut unter Opfern, Leiden und Schaffensfreude. Jerusalem-London, Schwat 5698 Jänner 1988). Die Reidnlagsrede Die dreistündige Rede des deutschen Reichskanzlers war eine nochmalige Festlegung des Programmes der von ihm geführten Partei sowohl nach der Seite der inneren wie der äußeren Politik. Es gibt nur mehr Nationalsozialisten in Deutschland und auch die Armee ist in den Apparat der Partei eingebaut. Nach außen lehnt der Reichskanzler nach wie vor jede Berührung mit dem Völkerbund ab, der das durch einen Gewaltakt an Deutschland begangene Unrecht als Recht verteidigt. Weiters wird die Forderung nach den Deutschland genommenen Kolonien wiederholt, die Besserung der Pressesitten in den Weststaaten dringlich verlangt und schließlich das Verhältnis zu der übrigen Welt besprochen. Sehr scharf wandte sich der Reichskanzler gegen Sowjetrußland und schließlich auch gegen die Behandlung der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei. Die Erklärung über Österreich beschränkt sich darauf, daß die Mißverständnisse im Vollzug des Juliabkommens endgültig beiseite geräumt worden sind, „denn es war klar, daß eine an sich unerträglich gewordene Lage eines Tages gewollt oder ungewollt die Voraussetzungen für eine Behr schwere Katastrophe hätte entwickeln können. Es liegt da meist nicht mehr in der Macht der Menschen, einem Schicksal Einhalt zu gebieten, das durch die Nachlässigkeit oder Unklugheit erst einmal ins Rollen gekommen ist.“ Das erklärt zu einem Teil vieles aus dem Rätsel von Berchtesgaden. Die Entspannung soll darin liegen, daß dem nach seiner Auffassung und Weltanschauung nationalsozialistisch denkenden Teil des deutschösterreichischen Volkes im Rahmen der sonst gültigen Gesetze die gleichen Rechte gegeben werden, wie sie auch den anderen Staatsbürgern zustehen. In dieser Äußerung erblicken Optimisten eine Anerkennung der Verfassung, und es liegt auch eine Versicherung des Bundeskanzlers vor, daß dieses Grundgesetz unangetastet bleiben wird. Selbstverständlich sind bei dieser Rede wie immer auch die „jüdischen intern»- tionaleh JouraaTisfefi“, äW ^jÜdlSdfiC'ffiT*'" tellektuelle Oberschicht des russischen Bolschewismus“ zur Erwähnung gekommen. Nun sind die Journalisten, die das Dritte Reich kritisieren, absolut in ihrer Mehrheit keine Juden, sondern vielmehr irische Franzosen oder Skandinavier oder Angelsachsen. Der Reichskanzler erwähnte, daß die Zahl der auswärtigen journalistischen Besucher Deutschlands gestiegen ist und legte ihnen doch dabei mangelhafte und böse Berichterstattung zur Last. Nun unter diesen hat sich bestimmt kein Jude befunden. Der Kanzler verlas dann einige der Meldungen, die im Verfolg der Vorgänge vom 4. Februar in auswärtigen Zeitungen erschienen sind, und meinte ganz richtig, daß durch solche Nachrichten eine sehr arge Verschlimmerung der internationalen Lage herbeigeführt werden könnte. Er führte sechs solcher Meldungen an. Wir sind in der Lage, den Meldungen dieser Art nicht sechs, sondern ein paar hundert Punkte zum Vergleich anzufttgen, die sich auf uns, auf das gesamte jüdischö Volk beziehen. Daß wir Deutschland verderben, daß wir die Weltherrschaft anstreben, zum Krieg treiben und uns eines volkszerstörenden Internationalismus befleißen, daß wir Ritualmord betreiben, daß wir uns durchaus als Schacherer, Wucherer, niedrige Händler betätigen, — das und noch vieles andere wird uns in tausend Zeitungen entgegengerufen, wird täglich in einer Flut von Broschüren in die Massen hineingetragen. Wir haben keine Waffen und kein Heer und wir können nicht an den zuständigen Stellen sagen, daß wir es als untragbar empfinden, in solcher Art täglich uns ohne die Möglichkeit ausreichender Gegenwehr besudeln lassen zu müssen. In diesem Zusammenhang wünschen wir nicht unerwähnt zu lassen, daß das Wiener betont nationale Organ darauf verweist, „was jene nicht bodenständigen Elemente, die mit dem neuen Zustand nicht zufrieden sind und aus begreiflichen Gründen nicht zufrieden sein können, sagen und was sie tun.“ Der Reichskanzler empfindet Quälereien von nationalen Minoritäten als unerträg-