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Die Stimme · 1938-02-18 · Heft 734 (18.2.1938) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 734 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sr. 794. — Wien, Freitag, 18. Februar 1938. Popper-Lynkeus-Feiern in Prag und Kolin Anläßlich der 100. Wiederkehr de» Geburtstages von Josef Popper-Lynk e u 8 am 21. Februar, veranstaltet das Komitee, für die Ehrung seine« Andenkens in Kolin, wo Popper-Lynkeus geboren wurde, am 20. Februar im Rathaus eine, Feier. ] Auch in Prag wird am 27. Februar, im | Ministerium für soziale Fürsorge, eine Felerl für Popper-Lynkeus veranstaltet werden. | Jose* Popper-Lynkeus, der in Wien ge-1 lebt und gewirkt hat und dort 1921 gestorben ist, betätigte sich bahnbrechend als Erfinder, Ingenieur, Techniker, Philosoph, Soziologe und Dichter. Ihm sind geniale Erfindungen auf dem Gebiete der Elektrizität und der Flugtechnik zu verdanken. Der zionistischen Bewegung stand er mit warmer Sympathie gegenüber, seine umfangreiche Bibliothek hinterließ er der Universität Jerusalem. Bezirkssektion Leopoldstadt für den Keren Hajessod In ihrer am 16. Februar stattgefundenen Generalversammlung bat die Zionistische Bezirkesektion Leopoldstadt über Antrag ihres Obmanns Dr. Scbmerler einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Die Generalversammlung der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt erinnert ihre Mitglieder an die durch wiederholte Beschlüsse der Kongresse proklamierte Verpflichtung der Zionisten., nach Maßgabe ihres Vermögens und Einkommens dem Keren Hajessod als dem Zentralfond« für den Aufbau des jüdischen Palästina eine jährliche Opferleistung zu entrichten. Im Hinblick darauf, daß die bevorstehende Entscheidung über das Schicksal des jüdischen Palästina eine besondere Kraftanstrengung de« ganzen jüdischen Volke«, vor allem aber der. Zionisten, fordert, stellt sieb die 'Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt in Reihen der Keren-Hajessod-Zah,ler, pflichtet sieh zu einer J a h 1 e i s t u n g von S 200 und fordert alle zionistischen Organisationen und Gruppen sowie die anderen jüdischen Vereine auf, diesem Beispiel zu folgen.“ Dieser Beschluß führt den österreichischen Zionisten und der ganzen österreichischen Judenschaft ihre Verantwortung für das Aufbauwerk in Erez Israel in eindrucksvoller Weise vor Augen und ist besonders begrüßenswert, da die Förderung des Keren Hajessod nicht nur von den einzelnen Juden, sondern auch von den Organisationen als solchen verlangt wird. Julius Isserlls spielt Tiefes Erleben für alle Zuhörer bedeutete der jüngst im Mozart-Saal stattgehabte Chopin-Abend von Julius 16 s e r 1 i s. Der Künstler, der zu den bedeutendsten Pianisten unserer Zeit zu zählen ist, spielte ein sorgsamst ausgewähltes Programm, in dessen Mitte sich die berühmte B-Moll-Sonate befand, die er in einzigartiger Weise zu Gehör brachte. Die nervenaufpeitsebendeu Spannungen des ersten Satzes — übrigens ein Stück unserer Gegenwartsgeschichte, in Musik ausgedrückt —■ hat man wohl nie so eindringlich und verständlich gehört, und ist wohl als Niederschlag des Ringens unseres Volkes um die Existenz uns besonders am Herzen liegend. Die Schlichtheit und Gradlinigkeit, das Fehlen jedes Pathos, verlieh der Wiedergabe des Trauermärschee einen besonderen Charakter; es war geradezu eine Offenbarung. Das ganze Programm, etwa das Cis-Moll-Scherzo in ganz außergewöhnlicher Weise, war bis in die kleinste Phrase durchdacht und durchfüllt und legte Zeugnis ab für eine Arbeit von Jahren, die dann in konzentriertester Form gleichsam spielerisch geboten wurde. Wenige Tage später spielte Isserlis im Großen Musikvereinssaal mit dem Wiener Konzertorchester ein Klavierkonzert von Rachmaninoff, in dem sein souveränes Können ebenso eindrucksvoll zur Wirkung kam wie bei seinem eigenen Abend. Die leise Melancholie dieses Konzertes, der vornehme Charakter dieser Musik eines hochkultivierten Meisters, fand in Isserlis einen kongenialen Interpreten. Nicht zuletzt war es die Wärme seines Spiels — das Beste, was ein Künstler zu geben hat —, die auch an diesem Abend das Gefühl hinterließ, reich beschenkt worden zu sein. Ernst Winkler. »Judas Makkabäus“ von Händel und Israel Brahdmanns Variationenwerk über ein Thema von Jofl Engel ist das Programm des von Prof. Julius Eben stein am «. März im Musikvereinseaal dirigierten Konzertes. Karten Musikvereinskassa und Jüdische KultursteUe, Kai 3. lUnijt. Bezlrkssek Ion u. wizo HaMU-Maii VII.. Schottenfeldg. 1 1 Bonner tos. 24. Febr.1/^ Öhr abds. »Die geieiioMe politische u. uirisctnftliciie Laie der Juden« Vor dem Ende des Habimah- Gastspiels Die letzte Vorstellung der Ha* bimah findet unwiderruflich Sonntag abends in den Jüdischen Künstlerspielen. Praterstraße 34, statt. Der „Dybuk“ wird daher nur mehr Freitag und Samstag, H9 Uhr abends, sowie Sonntag K4 Uhr und Uhr aufgeführt. Donnerstag der Alt-He s t i 6 c h e n Verbindungen in seinem vornehmen Klubheim einen Empfang für die H a b i m a b - Truppe. Es hatten sich zahlreiche prominente Persönlichkeiten eingefunden, die mit den Schauspielern aus Erez Israel einige gemütliche und anregungsvolle Stunden verbrachten. In besoudets tiefempfundenen Worten würdigte Felix Salten die Verdienste der Habimah um die Kunst im allgemeine® und das Judentum im besonderen, das durch die wundervollen künstlerischen Leitungen des. großen hebräischen Theaters in der jetzigen schweren Zeit aufgerichtet werde. 'n.sky dankte namens der Ha-| Rechtzeit In einem neuen Stück Im Theater Astor, IL, Prateratraße 60. findet heute die Premiere der lustigen Operette. ,Jtu»s!sdie Liebe“ mit Jac Rec htzeit,' Olga Schlifkow i c z, Erna Siegler, Doliy Nachbar, Lora G lücksmann und dem kompletten Ensemble der Jüdischen Künstlerspie!« statt. Sevilla Pastor ist von ihrem Erholungsurlaub zurückgekehrt und wird Ende dieses Monat* wieder in den Jüdischen Künstlerspielen auf treten. Jüdische Kulturstelle, 1» Kai 3. Montag, den 21. d., 20 Uhr, liest Esti Freud „Jüdische Dichter aus Österreich“ (Beer-Hofmann, Schnitzer, Zweig. Werfel. Polgar, Neumann). Einleitende Worte: Dr. Alfred Werner. Die Veranstaltung findet im J. K. J. (1., Kai 3) Jüdisch-kultureller Elternbund. Mitgliederversammlung Samstag, den 19. d„ M9 Uhr abds., im Souterrainlokal des Cafe Kristall, I., Aspernplatz {Eingang Keischachstraße). Redner: Dr. Isidor K 1 a b e r und Simon A d w okat AUCH DU GERADE DU bist aufgerufen zur Werbeaktion des Zionistischen Landesverbandes, hast noch keine neuen Mitglieder geworben. A4 liy| VAECTCibVC © neuc Mitglieder u. 2 neue Abonnenten Iflllllrfilp I ERJI Ms der „Stimme" mußt du noch in diesem Monat bringen. Die arbeitende Frau in Palästina*) Von Frieda Weinreich, Tel-Avlv Im März 1937 ist eine umfassende Enquete über die gesamte arbeitende Bevölkerung Palästinas veranstaltet worden. Erfaßt wurden alle Menschen, die gegen Lohn arbeiten, mit genauesten Einzelheiten über Berufsgliederung, Alter Familienstand, Vorbildung, Einkommen u. a. m. Nach Veröffentlichung dieses reichen Materials, nach einigen Monaten, wird man einen hochinteressanten Einblick in die sozialpolitische Struktur des arbeitenden Palästina gewinnen. Hier seien noch vor Publikation des Gesamtmaterials die wichtigsten Ergebnisse aus dieser Enquete wiedergegeben, die sich auf die arbeitende Frau beziehen. 45.945 17.338 27,4 i Städten . i Kolonien (Moschawoth) . . 19.188 7.592 28,4 1 Arbeitersiedlungen (Moschawim) 4,453 4.091 47,9 l Kibuzim und Kwuzoth ■ ■ ■ 3.944 2.471 44,8 Zusammen 72.630 31.492 Ehefrauen von Arbeitern in Städten. 26.452 in Kolonien . ..8.498 Zusammen . . . 84.950 Wenn man diese letztaufgeführten 34.950 Ehefrauen von Arbeitern und Angestellten, die zwar selbst nicht in Lohnarbeit stehen, jedoch bei verständiger Bewertung der in Palästina außerordentlich schweren Arbeit der Hausfrau und Mutter als „Arbeiterinnen“ hinzuzählt, so ergibt sich der hohe Prozentsatz von 50 Prozent arbeitender Frauen 66.442 bei einer Gesamtzahl von etwa 130.000 jüdischer Frauen iim Lande. Die erwerbstätigen Frauen finden wir fol-, gendermaßen auf die verschiedenen Berufe verteilt: Es arbeiten ' Prozent in der Landwirtschaft.s . 26 in häuslichen Diensten ...... 27 in Industrie und Handwerk.16,7 im Unterrichtswesen. 6,4 im Gesundheitsdienst (Schwestern Pflegepersonal) . 4,2 als Angestellte in Büros. 10,1 in verschiedenen anderen Berufen . . 9,4 Interessant ist das Ergebnis, daß 53 Prozent aller erwerbstätigen Frauen ln der Landwirtschaft und im Haushalt zn finden sind, während in europäischen Ländern die überwiegende Mehrzahl der arbeitenden Frauen in handwerklichen, kaufmännischen und geistigen Berufen tätig waren. *) Ans der „WIZO-ßevue“, Heft 1, Februar 1938. so standen zum Beispiel in Deutschland Jahre 1931 nur 2 Prozent aller arbeitenden jüdischen Frauen in häuslichen Diensten. Daß die jüdischen Frauen sich in der Golah auf eine andere berufliche Zukunft •orbereitet haben, geht auch sehr deutlich aus den Erhebungen über ihre Vorbildung hervor. Das überraschende Ergebnis ist, daß unter den Arbeiterinnen in Palästina 49 Prozent eine höhere Schul» bildung genossen haben (unter den palästinensischen männlichen Arbeitern hatten 43 Prozent höhere Schulbildung). Es wird wohl kein Volk der Welt geben, dessen Arbeiterschaft in .solches Bildungsniveau aufweist. Ebenso erstaunlich erscheint es, daß unter den weiblichen Arbeitern „nur“ 2.1 Prozent ohne Schulbildung gefunden Bei dem primitiven Bildungsstand der orientalischen und teilweise auch der osteuropäischen Frauen und bei dem Fehlen eines Schulzwanges in Palästina hätte man 'nen höheren Prozentsatz von AnaJphabetintn befürchten müssen. In Beziehung zu der aufgeführten Berufsgliederung 6teht auch das Lohnniveau, dessen Durchschnitt niedrig ist. Von den arbeitenden Frauen beziehen 70 Prozent einen Lohn von l'bis 6 Pfund monatlich (etwa die Hälfte von diesen 70 Prozent verdienen 4 Pfund monatlich). Einen Lohn von 10 Pfund monatlich beziehen nur 3.7 Prozent, über 10 Pfund monatlich nur 2.2 Prozent Frauen. Die Heiratsaussiebten Die Sage, daß in Palästina fast alle Mädchen heiraten, wird leider von der neuen statistischen Erhebung widerlegt. Danach gibt es unter den 31.492 erwerbstätigen Frauen: 18.846 Junggesellinnen, 479 Witwen, 373 geschiedene und verlassene Frauen, zusammen 19.698, das heißt 62.5 Prozent alleinstehende Frauen. 11.268 von den Arbeiterinnen sind verheiratet und bei 526 war der Familienstand nicht zu ermitteln. Man kann demnach teststeilen, daß von den Arbeiterinnen zirka zwei Drittel alleinstehende, etwa ein Drittel verheiratete Frauen sind (von den männlichen Arbeitern sind 27.9 Prozent alleinstehend). Daß immerhin 36 Prozent der Berufstätigen als verheiratete Frauen noch erwerbstätig sein müssen, zeigt, daß ihre Männer nicht in der Lage sind, allein für die Existenz der Familie zu sorgen. Es ist zunchmen, daß im letzten Halbjahr mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit die Zahl der verheirateten erwerbstätigen Frauen noch stark gestiegen ist. Werden die Männer erwerbslos, drängen sich sofort die Frauen zur Arbeitsvermittlung, da sie im allgemeinen in Krisenzeiten leichter unterzubringen sind. Für sie gibt es eben noch die Möglichkeiten, in häuslichen Diensten unterzueclilüpfen, desgleichen werden sie in manchen Zweigen der Industriearbeit als „billigere Arbeitskraft“ bevorzugt, ebenso im Gastwirtegewerbe, dasselbe gilt für die Büros, wo Frauen entschieden aen Vorrang haben. „Ich will Jede Arbeit annehmen“, 60 lautet die Parole, und man bewundert den guten Willen, die Tapferkeit und Umstellungsbereitschaft der Frauen, die sich Jie schwere Bürde der Ernährung der Familie aufladen. Der „gute Wille“ ist zwar nicht hoch genug einzuschätzen, aber er reicht nicht aus, wenn er nicht vereint kt mit gediegenen Berufskenntnissen. Je mehr sich der Arbeitsmarkt verengt, die Sparmaßnahmen wachsen, und je größer dl« Zahl der Arbeitsuchenden wird, um so höher steigen die Ansprüche an Qualitätsarbeit und Vielseitigkeit des Arbeitnehmers. In Betrieben, in denen man sich in der „Prosperity“ mit ungelernten Kräften begnügte, oder mehrere Spezialkräfte nebeneinander beschäftigte, verlangt man jetzt, da man sparen muß, ein Universalgenie. So soll zum Beispiel die Büroangestellte drei bis vier Sprachen perfekt beherrschen, möglichst auch Buchhaltung, Registratur, Statistik erledigen können, die Kranken- und Säuglingsschwester, die Kindergärtnerin muß auch kochen und den Haushalt führen, die Verkäuferin In der Konfektion soll möglichst auch zu schneidern verstehen, die Hausangestellte und die Landarbeiterin muß „alles“ können und verrichten. Das Resultat ist, daß auf dem heutigen leider eingesohrumpften palästinensischen,, Arbeitsmarkt die am besten und vielseitigsten ausgebildete, praktisch erfahrene und tüchtige Arbeitskraft Unterkommen und bestehen kann, wogegen sich die mittelmäßigen und halben Kräfte schwer behaupten können. Eine wichtige Rollo spielt im Kampf um den Arbeitsplatz die Sprachenfrage Palästina ist heute schon stark bebräi s i e r t, nach zwei Generationen bereits hier ausgewachsener und erzogener zionistischer Juden, so daß man eich im Berufsleben ohne Beherrschung des Hebräischen keineswegs mehr durchsetzen, kann. Nicht nur die Bürobeamtin, sondern auch die Verkäuferin, die Kellnerin, die Fürsorgerin, Erzieherin, Schwester und Hausangestellte muß sich zum mindesten hebräisch verständigen können, um berufsfähig zu sein, und der Trost, daß schließlich alle Juden jiddisch oder deutsch verstehen, mag für das Privatleben im engen Kreise gelten, keineswegs aber für diejenigen, die in der Öffentlichkeit wirken müssen oder wollen. Bei objektiver Anerkennung der Forderungen an gediegene Fachkenntnisse, an Vielseitigkeit und Wendigkeit muß man anderseits mit Bedauern konstatieren, daß auch in Palästina das Alter, oder besser gesagt, die Jugend, eine fast ausschlaggebende Rolle bei Besetzung von Arbeitsplätzen spielt. Ein über 30 oder gar über 40 Jahre alter Arbeitsucher gilt als „alt" und Ist schwer unterzubringen. FILME Der „Dybuk“-Film in Wien. Demnächst erscheint in Wien im Anschluß <*Q das Gastspiel der „Habimah“ der größte jiddische Film, der „Dybuk“, nach dem berühmten Theaterstück von Anski. Während die ..Habimah“ bei ihren Aufführungen das Künstlerische Moment berausarbeitete, erscheint im Film das menschliche Schicksal in j J10rderKr.und. gerückt. Die Tatsache, daß der Film m jiddischer Sprache mit deutschen Fußtiteln herauskommt, ist für die Besucher, dw die hebräische Sprache niobt verstehen, leicht verständlich. Interessant ist auch die Besetzung dieses hervorragenden Films. Es Z?ddik:T den Kutscher ,ute. Bozik, Lea: Lilt Lihana. Künstlerische Beratung: Universitäteprofessor Dr. Meier Batebaa. Tänze: Judith Berg. Terapelgesang: Oberkantor Gereon Sirota. Musik.- Heooch

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