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Die Stimme · 1938-02-18 · Heft 734 (18.2.1938) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 734 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wr. 784. — Wien, Freitag, 18. Februar STIMMI Seit« 3 Wer eine wirkliche Pessachfreude haben will) ißt nur ► SCHMIDL MAZZOTH Verlangen Sie In Ihrem eigenen Interesse, Schmidt •Grieß nur in plombierten Sacken Garant, frische Erzeugnisse der heurigen Saison Bestellungen: Zentrale» II.» Leopoldsgasse 43 Tel. A 40-0-90, A 80-2-63, R 41-0 58, A 484-48 und in allen besseren einschlägigen Geschäften Die Bodenständigkeit Der Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs sendet uns die folgende Zuschrift: Sehr geehrte Herren! Sie beschäftigen sich in Ihrer Nr. 732 vom 14. Februar d. J. mit dem in der Nr. 3 der „Jüdischen Front“ vom 3. d. M. erschienenen Artikel über die Bodenständigkeit der ÄTZie. Wir erlaufben uns, Sie davon zu verständigen, daß sich die Redaktion der „Jüdischen Front“ mit dem Artikel des Herrn Med.-Rat« Dr. Paul Strass« absolut nicht identifiziert. Im übrigen hat die Bundesexekutive in Ihrer Sitzung vom 7. d. M. beschlossen, in der nächsten Nummer der „Jüdischen Front“ eine Notiz erscheinen zu lassen, in welcher darauf hingewiesen wird, daß die Spalten der „Jüdischen Front“ keinem Kameraden verwehrt werden sollen, doch identifiziert sich die Bundesexekutive nicht mit den Ausführungen des Med.-Rate Dr. Paul Jl&idetode' u. (fZsCtiidt bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung erzielt wird durch Diana-Franzbranntwein. Anwendung: Aeußerllch zu Einreibungen, Umschla* n, Abwaschungen; Innerh ais Mund und Gurgel* er zu ve> schielten Sie heute noC^ ana FRANZBRANNTWEIN mifMENTHOL Strasser. Diese Entschließung der Bundesführung wird in der nächsten Nummer unseres Organs „Jüdische Front“ verlautbart werden. Sohin ist unsere Stellungnahme zu diesem Artikel vollständig geklärt, und wir bitten Sie, diese Zuschrift in der nächsten Nummer Mit vorzüglicher Hochachtung für die Bum desexekutive i. A. der leitende Sekretär Ing. Karl Reisz. Die nächsten Ziele der > Universität Jerusalem j Im Festeaale des Gewwbevoreines sprach I kürzlich im Rahmen einer Versammlung des! Vereines der Freunde der Universität. Jeru-I salcm der Verwa 1 tungssefcretär der hebräischen Universität, Dr. Alfred Berger, ehedem Berlin, über die bisherigen Leistungen und die künftige Entwicklung der Jerusalemer Universität. Er schilderte den gegenwärtigen Staad der be.iden vollendeten Fakultäten, der geisteswissenschaftlichen und der, naturwissenschaftlichen, und verwies darauf, | daß jetzt die Hauptarbeit der Entwicklung j der medizinischen Fakultät ge-1 widmet ist. Besondere das ganz moderne! Krebsinstitut wächst rasch empor. j Der Redner besprach dann noch die Not-! wendigkeit der Erziehung eigener Beamten1 in einer juristischen und volkswirtschaftlichen Fakultät und hob hervor, daß die Universität Jerusalem vorn Staate keinerlei Unterstützung bekommt und daß allein die in der ganzen! Welt verstreuten Gönner durch ihre freiwil-! ligen Gaben ihre Existenz und ihre Weiterentwicklung sichern. ie ein Echo Jüdische Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert In Ofen In dem Höhlenmiuseum im Ofener Festungsbezirk, das sich in dem von dem bekannten Geologen Dr. Ottokar Kadic erschlossenen Höhienlabyrinth befindet, sind EISEN Selchwaren VERTRAUENSMARKE DER KENNE RI springt, sondern vielmehr, daß s der italienisch - e n g * » » » « *- Spannung ist. Ich sehe sie daher n »c n t als endgültig an. Gerade die eagiisebitalienisohe Rivalität im Mittelmeer scheint es zu fordern, daß am östlichen Ufer des Mittelländischen Meeres ein souveräner Staat geschaffen werde, dem jene Rolle zukommt, die die Schweiz zwischen den Grenzen Italiens, Frankreichs, Deutschlands und Österreichs spielt. Nur Palästina kommt in Betracht Die Pazifizierung des östlichen Mittelmeerbeckens und die Sicherung der Flanke des für Italien und England gleich wichtigen Seeweges durch den SWING schätzen kann, nur noch die SWING! Suczkanal nach Aboßflinien und Indien kann zwei jüdische urabstei ne ans aem j nie ohne die ständige Gefahr einer inter- 17. Jahrhundert untergebracht worden. Der; nationalen Kotsflagration durch eine eine der beiden Grabsteine stammt Jahre 1633, der andere aus dem Jahre 1670. Sie tragen sehr gut erhaltene hebräische Inschriften. Italiens Ablehnung des Antisemitismus Bei der gestern im Hotel Continental stattgefundenen Massenversammlung führt© der Präsident des Zionistischen Landesverbandes Dr. Oskar Grünbaum über die von der italienischen Regierung abgegebene Erklärung, betreffend ihre Stellung Die Erklärung, daß die italienische Regierung nicht beabsichtigt, „eine antisemitische Politik einzuschlagen“, wird in jüdischen Krefeen mit Genugtuung zur Kenntnis genommen werden, ebenso wie die Erklärung, daß die faschistische Regierung „niemals daran gedacht hat und auch nicht daran denkt, politische, wirtschaftliche und moralische Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen.“ Damit scheint eine offizielle Desavouierung jener italienischen Presseäußerungen erfolgt zu «ein, die nach nationalsozialistischem Rezept einer antijüdiseben Politik das Wort redeten, die soeben in Rumänien einen schweren Sohlag erlitten hat. Die Erklärung der italienischen Regierung scheint somit wieder einen Weg rinzuschlagen, der einer alten und schönen italienischen Tradition entspringt. I Die italienische Regierung erklärt nun aber auch, daß s päisch© Macht oder durch einen arabischen, sondern nur durch einen souveränem jüdischen Staat in Palästina erfolgen. Wir für unseren Teil wollen daher, gestützt auf unser unverzichtbares zwei tausend jährig es Recht auf die Wiedererrichtung des jüdischen Staates im Lande unserer Väter und im Vertrauen auf die feierlichen Versprechungen der Mächte dieser Welt auch von hier aus sagen: Wir werden unbeirrt von allen Schwierigkeiten und von Zwischenfällen, die rin zeitgebundene# Produkt der internationalen Unruhe sind, unseren Weg weitergehen, bis unser Endziel erreicht ist. So glauben wir am beeten unserem Volke und dem Frieden der ganzen Menschheit zu dienen. für die Schaffung eines souveränen jüdischen Staates „irgendwo in der Welt“ sei, „aber nicht in Palästin a“. Sie sagt dabei nicht, wo dieser Staat „irgendwo in der Welt“ gefunden werden könnte, und es existiert auch kein Land, in welchem mit Aussicht au! Erfolg ein jüdischer Staat gegründet werden könnte außer in Palästina. Sosehr alle Zionisten mit Italien darüber einig sind, daß die Schaffung eines selbstän-, _ _ „ . , , . duren jüdischen Staat«, unbedingt not wen-! . Dr Grünbaum wandt« sich sodann dig ist, muß doch die Erklärung Italiens |der Besprechung der inneren Verhältnisse gegen den Judenstaat in Palästina von uns abgelehnt werden. Italien ist bis zum Konflikt mit England wegen Abessinien als Signatar der Balfour- De'daration und des Mandatsvertrages den auf Palästina gerichtetem zionistischem Bestrebungen, insbesondere in der ersten Nachkriegszeit mit werktätiger Sympathie gegenübergestanden und hat sich damit den Dank des jüdischen Volkes erworben. Wir wollen daher nicht glauben, daß die Erklärung der italienischen Regierung, soweit sie sich gegen einen Judenstaat in Palästina richtet, antijüdischen Motive® ent- Kanunersänger Alexander Kipnls bat für sein am 22. d. kn Großen Muaikvereinesaal ßtattfin&earie* Abschiedskonzert (vor Antritt seiner großen Australien-Tournee) folgendes Programm gewählt: Arie aus „Zauberflöte“, Registerari« aus „Don Giovanni“, Serenade aus „Faust“. Arie aus „Simone Boccanegra“, „Don Carlo«“, Wahn-Monolog aus „Meistersinger“, Lied an den Abendstern aus „Tanahäuser“, Arie au« „Das Leben für den Zaren“, Trinklied au« „Prinz Igor“, „Borla Godunoff'*, „Die lustigen Weiber von Windsor“, „Das goldene Kreuz“ usw. Karten an der Konzertkasee Dr. Hohenberg, L, Operagebäude, Tel. R 27-2-11. E Jeruschalajim wählt Von Schtdom Ben-Chorin [JerusalemJ In einem alten rabbinischen Kommentar zum Gebetbuch wird gefragt: Warum heißt es im „Haschkiwenu“-Gebet „Sei gesegnet, Herr, der auebreitet die Hütte seines Friedens über uns, und über sein ganzes Volk Israel und über Jerusalem“? In den Worten „über sein ganzes Volk Israel“ ist doch Jerusalem schon eingeschlossen — weshalb wird es noch eigens erwähnt? Und halb scherzend, halb ernst, meint der Erklärer: Weil der Zwistigkeiten in Jerusalem nie ein Ende war. Nun, wenn man die Vorbereitungen zur Geaneindewahl der heiligen Stadtverfolgt, so wird man die tiefe Wahrheit dieser Deutung bestätigt finden. 31 Sitez waren in der Gemeindestube der Jerusalemer Kehillah zu vergeben und nicht weniger als sechzehn Listen kämpften um eie. Und sie kämpften erbittert. Einig sind sich die streitenden Parteien nur in einem Punkt: der restlosen Verdonnerung des alten Gemeindevorstandes (Waad hakehillah), der sich nach sechsjähriger Amtszeit gefallen lassen muß, daß man kein gutes Haar an ihm läßt Den Orthodoxen war er zu freisinnig und den Sozialisten zu orthodox, den Revisionisten schien er zu nachgiebig und den armen sefardischen Juden zu knauserig, die „Olej Germanjah“ (Einwanderer aus Deutschland), aber warf«» flvm vor, daß er von Organisation einer Gemeinde überhaupt nichts verstehe, was etwa das hier wirklich im argen liegende Beerdigungswesen unter Beweis stelle, und deshalb schrieb die „Olej Germanjah“ auf ihre Wahlliste die Losung „Erneuerung der Gemeinde“. Wer das hört, wird wohl zuetimmend mit dem Kopf nicken und denken, eine so uralte Gemeinde wie Jerusalem hat bestimmt eine Erneuerung nötig. Wenn nun aber auch die Schlußfolgerung an sich stimmen mag, die Voraussetzung trifft keineswegs zu. Die „uralt-ehrwürdige“ Gemeinde Jerusalem ist nämlich eine der allerjüngsten auf der Welt, sie besteht seit genau sechs Jahren. Ja, so ist das: die vorigen Wahlen zur Gemeindevertretung waren die ersten ihrer Art ... die vorvorigen hatten unter wesentlich anderen Bedingungen stattgefunden — zur Zeit de« Zweiten Tempels. Wie ist das möglich, da Jerusalem seit den Tagen Josuas nie ganz von Juden verlassen war? Die Judenschaft der heiligen Stadt zerfiel, seitdem wieder eine stattliche Anzahl in ihren Mauern wohnte, in eine sefardische and eine ascbkenasische Gemeinschaft, die ihre getrennten Rabbinate, Synagogen usw. hatten. Die Aschekenasim aber waren wiederum eingeteilt in sogenannte „Kolelim“, Landsmannschaften, welche die Juden der verschiedenen Herkunftsländer umfaßten und schlecht und recht die Funktionen einer Gemeinde versahen. Wesentlich ab« war vor allem, daß diese Kolelim nicht aas sich selbst bestehen konnten, sondern getragen wurden von frommen Spenden, die ihnen ans dem Ausland zukamen. Dies war um so mehT nötig, als nur ein klein« Teil der Kolelmitglieder von produktiver Arbeit lebte, indes die überwiegende Mehrzahl — ganz dem Thorastudium und dem Gebete lebend —, auf diese Spenden angewiesen Obwohl viele dieser Kolelim noch heute bestehen, lag es doch im Zuge der Entwicklung, daß sie mehr und mehr an Bedeutung verloren und vor se-chs Jahren schließlich einer — die Scfardim und Ascbekeoasim umfassenden — Kehillah weichen mußten. Weiche Fülle von Problemen freilich entstand, als man daran ging, die unendlich verschiedenartigen JudenschaJten Jerusalems (die nach Sprache, Herkommen und Sitte einander fremd sind), in einer Gemeinde zu vereinigen, kann hier nicht einmal angedeutet werden. Und nun fiel in die zweimal verlängerte Amtsperiode des ersten Gemeind evoretandes der Kehillah Jerusalem ein Ereignis, das das Gesicht und die Struktur dieser Gemeinde entschieden wandelte: seit dem Jahre 1933 begann die starke Einwanderung aus Deutschland auch in Jerusalem fühlbar zu werden, und heute ist es schon so, daß die Juden aus Deutschland, die 8% der Jerusalemer Gemeinde ausmaohen, 50% der Steuern dieser Gemeinde tragen. Natürlich will ein — steuermäßig — «o aktiver Teil der Gemeinde auch in ihrer Repräsentanz vertrete® sein, und deshalb waren es in erster Linie Zionisten aus Deutschland, die energisch darauf drangen, daß neue Gemeindewahlen in Jerusalem durchgeführt werden. Aber das ist hier nicht eine so ganz einfache Sache: Zunächst waren die Wahlen für Jänner angeeetzt Man rüstete fieberhaft. In den Zeitungen, an den Litfaßsäulen und in den Autobusse® waren die Wahlaufrufe der Parteien za lesen, and an bestimmten Tagen und Orten wurden Wahlkart«» ausgegeben. Aber es kann der Beete niefat in Frieden wählen, wenn ee dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Der böse Nachbar war in diesem Falle die — Austrittegemeinde. Ja, auch das gibt es hier. Die Jugend der Austrittegemeiade drang in_ eine Synagoge, in der Wahlkarten verteilt wurden, und vernichtete aus religiöser Überzeugung das Mobiliar der Synagoge und — was für die Wahlen noch störender war —, einen Teil der Wahlkarten, Freilid» stellte sich nachträglich heraus, daß außer den vernichteten Wahlkarten noch weitere 4000 verschwunden waren. Die Wahlkarten wurden also anulliert und ein neues, kartenloses Wahlsystem ausgearbeitet, und den Juden Jeruschalajim« ward feierlich kundgetan, daß sie am 7. Februar 1938, das ist der 6. Adar-Bischon 5698 nach Erschaffung der Welt, zur Wahlurne zu schreiten haben, um abzustimmen über das Wohl ihrer heiligen Gemeinde. Das Radio hatte schlechtes Wetter vorausgesagt, aber es scheint, daß der Geist der Prophetie, der doch wahrlich nirgendwo auf der Welt mehr zu Hause ist als in Jerusalem, den Verwaltern des Radio-Wetter-Ressorts nicht zueigen ist- Jeruschalajim strahlte am Tage der Wahl im Blau seines unvergleichlichen Himmels — sonnenübergoldet. Erst gegen Abend gab es Regen. Und das war gut, denn wir alle wissen, daß der Regen — der sintflutartige Palästinas — nichte leichter wegschwemmt als die Wahlbegefeterung. So aber konnten sich die gememdepolitiscben Leidenschaften bei relativ gutem Wetter aus toben, und der kalte Wmd hatte sogar vielleicht den Vorzug, das

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