Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 730 (9.2.1938)
- Date
- 1938-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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S*H« Z 8fr, 730. — Wien, Mittwoch, 9, Februar 1988. <let realen Erwägungen verschwunden sei. Um dj&~e fünf Konzeption« winden sich verschiedene Pläne mit verschieden« Abweichungen in den Einzelheiten, so wie Proben einer Synthese zwischen diesen Plänen und anderen Konzepten.; Es ist Tatsache, daß diese Vielheit der Pläne Wasser auf d e Mühle des englischen Systems der Verzögerung der Entscheidung Ist und daher Ist d Postulat unserer P Vereinheitlichung oiitlk die außen. Mm Afctionslinle n diese werden wir einen werden die anderen innerhalb der Bewegung besiegen, aber in der Außenpolitik werden wir besiegt werden. Kurs: Die nationale Vernunft muß zur Forderung der Vereinheitlichung unserer Politik durch die berufenes Faktoren führen. Wollen wir uns endlich in diesem wahrlich historischen Moment besiegen. Die Auswanderung aus Deutschland In den führend« jüdischen Kreiset. Deutschland«, die sich mit Auswanderung befassen, hofft, man, daß es g>. tagen wird, im Verlauf des Jahres 1088 rund 85,000 Juden zu An* Wanderungen verheilen; das ward« 8000 mehr sein ab 1837. Die Vorbereitungen werden in der Webe getroffen, daß etwa 6000 Auswanderer na ob. Palästina, 10.000 ' Staaten und die übriger 10.000” nach Australien, Neuseeland, Arge t i n 1 es, möglicherweise auch nach Brat ‘ton, E cn ador und Kolumbien ui nach anderen Südamerika nisch au Landern gehen werde®. Mindestens ein Drittel der Auswanderer benötigt in einem größeren oder kleineren Maße finanzielle TV stützu ng. Eine dringende Aufgabe ist vor allem Beschaffung von Fonds für Aasw d e r e r, die in Lander gehen, in welchen bei der .Landung eine gewisse Summe deponiert oder der Nachweis eines Kapitaisminiiri erbracht werden muß; in manche« Ländern ist beide« erforderlich. Es geht jetzt darum, den Emigranten solche Kapitalien ab Anleihen zu günstigen Bedingungen zu verschaffen. Wegi if t nlieh im Hinblick auf das Postulat der teilwefeen, aber bedeutenden Lösung der jüdischen Weltfrage. Welche Grenzen hat diese Konzept.on in diesem Augenblick? Um diese Frage zu beantworten, muß man zwei Faktoren betrachten: Unsere jüdische politische Aktion, unseren Wi!l»n zum Kampf um die Realisierung dieser Konzeption sowie unsere Fähigkeit« einerseits und die äußeren objektiven Bedingungen anderseits. Man muß leider festetelien, daß dies« letzteren eich derzeit g»gen di« Konzeption gestalten. Sowohl in der englischen peilt,«oh« Welt; (Peel-Bericht, der Beschluß de« englischen Parlaments und da* Weißhuch} als auch im Völkerbund (Beschluß der Man .atekommission und de« Wkerbundrates) und endlich am wichtigen arab'sehen Faktor. Es kommt im Augenblick nicht darauf an. ob dies ciatreten maßte und ob die fehler unserer eigenen Politik daran Schuld tragen. Die Gescheht« wird einet in dieser Richtung ihr Urteil fällen. Es bleibt noch der andere Faktor zu erwägen. Trotz der Verlagerung der politischen Kräfte erscheint es uns als notwendig, eine große Probe zur Mobilisierung der internationalen politischen Welt zwecks Errettung dieser Konzeption zu machen. Es muß unterstrichen werden: Wenn wir noch einmal eine Aktion unter dem Aspekt der furchtbaren Lage des Judentums in der Welt und der Absperrung aller lmm'grationsgeWete unternehmen sollten, könnte wieder die Chance zur Rettung dieser Konzeption erstehen. Diese wohl von uns nicht liquidierte politische Konzeption darf nicht an den Rand unserer offiziellen Tätigkeit geschoben werden. Wir behaupten, daß noch heute eine Chance In dieser Richtung vorhanden ist nnd daher müssen wir unsere politische Offensive um sie konzentrier«. Die zweite Konzeption lautet: Teilung und Judenetaat. Von all« Konzeptionen ist diese die in der Welt der äußeren Bedr gongen am schärfsten umrisecae. unserem Lager ist die« der Standpunkt der sogenannten Positivtoter: Manche im zionistischem Lager sagen: Die erste Konzeption tot in diesem Augenblick völlig irreal. Es tot schade um sie zu kämpfen, denn wir könnten alles verlieren, man muß sich deutlich für die zweite Konzeption erklären, und für deren größten Umfang kämpfen. Die anderen wieder sagen, nein, man muß mit aller Wucht um die erste Konzeption kämpfen und dann endlich die zweite als Notwendigkeit und Provisorium ar.nehmen. Andere wieder — und zu ihnen gehören vor allem die Revisionisten — sagen: Allee oder nicht», Sieg oder Untergang! Da« tot keine Politik des Leben« und de« lebendigen Volkes, welche« unter allen Umständen weiter bis zum Sieg kämpfen will. Di« dritte Konzeption besagt: Teilung uni Dominion innerhalb des kritischen Imperium«. Dieser Plan er.thä.it, zwei Richtungen: eine ist der Plan «er Föderation der englischen Zionisten, welche int Falle der Teilung zuerst Juden«taat und später Einverleibung in« brittoobe Imperium verlangt. Die zweite Richtung betrifft den Plan Board of Deputier, der vom Staat schweigt, aber einstweilen die Bildung ein« Dominion« innerhall) de« Imperiums anstrebt. Beide Pläne wollen die negativen Einflüsse reicher englischer und nichtong- Uscher Juden, die nicht nur gegen den jüdischen Staat, sondern auch gegen jode jüdische territoriale Autonomie gerichtet sind, nivellieren und außerdem bei der englischen Regierung und im Parlament Gegner de« ..Monistischen Experiment«“ umstimmen. E« fehlt nämlich in England nicht an Politikern. die behaupten, daß die jüdische Heimstätte ihren Sättigungspunkt erreicht hat. das Experiment, sei mit der Baifour- Dsklaratton beendet und die Zusagen an die Juden erfüllt. Die vierte Konzeption betrifft die Umwandlung Palästinas in eine englische Kronkolonie mit eventueller Aussicht einer evolutionären Umbildung in ein Dominion. Dieser Plan tauchte in der engltochjttdtochen Gesellschaft auf Die fünfte Konzeption de« Lord Samuel und «einer Anhänger lautet: Unterlassung der Teilung, Erhalt uns: de« Mandat«, Schaf-1 Donnerstag, 10. Februar, H8 Uhr abends, im Hotel Continintal, IR Taborstraße 4. ( arabischen Staates in Palästina Redner: Nathan Bistritzky, Dr. Cb. Tartakower, und die Vertreter aller Jugendbünde r die Grüdung eines Merkas Lanoer,. auch jenen AnswauderimgswiHigen, die übet ein gewisse* Kapital verfügen, erschwert, die zur Auswanderung nötigen Summen aulzubringen. WHI zum Beispiel ein Auswanderer 350 Reichsmark als „Landungsdeposit“ für ein süflamerikanisches Land mitnehmen, so muß er, um die notwendigen Devisen zu erhalten, mindesten peite dieser Summ Auswandernnghlnterlegen. Das gleiche lat der Fall, wenn er eän gewisses Kapital mitnehmen will, um sich und seine Familie zu erhalten, Ms er eine neue Existenzmögüchkeit gefunden hat. Immerhin hält man es für wahn-ebeinlieb, daß der Prozentsatz von Auswanderern, 1 i c diesem Jahr« etwa« größer «ein wird als im vorangegangonen, Im Jahre 1034 haben etwas mehr als 10.000 jüdische Auswanderer finanzielle Unterstützung in Anspruch genommen, während nur 8000 eine solche nicht in Anspruch nahmen. Im Jahre 1037 waliierten 16.000 Juden mit Hilfe eigener Mittei aus, wahrend nur 7000 eine Unterstützung in Anspruch nahmen. Seit 1933 sind 128.000 ausgewandert; nach Palästina gingen 40.000, in eurooäiscbe Länder 30 000, nach Ubersee 68.000. Von der Ubersee-Auswanderung absorbierten die Vereinigten Staaten etwa 50 Prozent, Argentinien 20 Prozent bis 25 Prozent, andere südamerikanische Länder und Südafrika den Rest. Heute leben ln Deutschland schätzungsweise 360.000 Faßentzlehungsaktion abgeschlossen _ ,e „Neu ,- Zürcher Zeitung“ meldetaus Berlin: Die amtlich« Anweisung an die Pollzei, den Juden in Deutschland die Pässe entziehen und ihnen dadurch Reiins Ausland unmöglich zu machen, tot a weitgehend durchgefübrt, so daß dem- __ . „st mit einem Abschluß der Aktion gerechnet werden kann. 1 Das preußische Oberverwaltungsgerieht bat entschied"»», daß eine Verwaltungsklage; gegen polizeiliche Verfügungen über die Versagung oder Entziehung eine« Passes „Das schwarze Korps" will die Juden zwangsweise ansiedeln Berlin, fl. Februar. (Privat) Da« ..Schwarze Korp*“ befaßt sich in einem Leit- K.iiautz mit der Frage „Wohin mit den Juden?1' Ee stellt die Frage als eine iti>-ernationale Frage hin und befürchtet, daß auch der rumänkohe Minister- Präsident Goga nicht viel Erfolg haben wird, weua er (E-nf die Wichtigkeit internationalen Lösung klarzumadsen suche. Das „Schwarze Korps“ meint, daß nicht die bloße Bereitstellung eines Landes diese Frage lösen werde, sondern erst die zwangsweise Ansic Ölung in diesem Lande. Da« möge heute manchem als eine Utopie erscheinen, da« ..Schwarze Korr«" erklärt jedoch, daß vor 20 Jahren jeder als Utopist galt, der die zwangsweise Ausscheidung der Juden aus dem deutschen Volkskörper forderte oder für möglich hielt. Interstaatliche Konferenz für deutsche Flüchtlinge Genf, 8. Februar. (JTA.) Im Völkerbundpalast begannen gestern Beratungen, die eh endgültiges Abkommen über dii Stellung der Flüchtlinge aus Deutschland zum Gegenstand haben. Es soll eine Konten tion statuiert werden, die das orovtoorfech* Abkommen zwischen den Staateti votr 4. Juli 1936 ersetzen soll Die Konteren; wurde auf Grund des Beschlusses der letztet Völkerbundversammlung einberufen ren* beschickt: Belgien, Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Norwegen, den Niederlanden, Polen. Portugal, Schweden. Luxemburg, der Schweiz und der Tschechoslowakei. Die Vereinigten Staaten vor. Amerika haben rinen Beobachter gesandt. Man erwartet noch die Teilnahme einiger sUrlamerikanison-f Staaten. Im Vordergründe der Beratungen stehen die folgenden zwei Fragen- 1. Schaffung eine« Reisepasses für die deutsches.' Flüchtlinge. 2. Erleichterung der soziale) Lage der Flüchtlinge, insbesondere durch Gewährung von Arbeitserlau b- Es gibt samt 145.000 deutsche Fliicht- 130.000 Juden. Von diesen 100.000 in Palästina und Übersee iz gefunden. Es geht also insgesamt (100 Menschen. Weshalb die „Rundschau“ verboten worden Ist Berlin, 8. Februar. (Privat.l Es wird mrnuehr bekannt, daß die „Jüdische Rundschau“ und die „Zentralvereins-Zeitmng“ verboten worden sind.'weil sie einen Bericht r die Lage der Juden in Rui i e n gebracht haben. Großes Jugendmeeting des Keren Kajenseth und Garantierung der Minderheitsrechte die Juden mit der Begrenzung, daß die Minderheit ungefähr 85* ausmachen soll. Dieser Plan tot ein Kommentar zur Regierung de« ersten High CommtoBiorters in Palästina, Im Lichte dtesee Plane« wird es klar, warum er den Arabern die Gebiete von Beth-Schan schenkte, warum er dem Mufti kapitulierte, warum Jüdische Autoren in Italien verboten ■ i Rom, 8. Februar. (Privat.) Mit Bezug auf «*w «.«.« « — w.-M vers^iedeme Informationen, die ein. Verbot Weißbuch, worin gesagt wurde, daß Pal*- j der Werke jüdischer Autoren m Italien melaüna niemals eo jüdisch, wie England engden, wird in hiesp -n zuständigen Kreisen *ujtoch «ein «oll«, heraussrsb. Dieser Plan begegebt®. daß Maßnahmen dieser Ar* in Itegegnete einhelligem Widerspruch der *io-) Men tatsächlich in der Durch, hrung begriffen ntottoeben Organisation, aber es wäre falsch j stad. Diese Maßnahmen richten ak*. worauf aatunehnten, daß er aus der Tagesordnung1 in diesen Aufklärungen Gewicht gelegt wird, nicht, gegen die italienischen Juden, deren Loyalität anerkannt wird, *ond«r:. gegen das * „ir_te.mationaJe Judentum“, das antifaschistisch eingestellt tot Die Werke jener jüdischen Autoren, die sich an antifaschistischen Kund- DSe anüfaseifistisch* Einstellung einzelner Wii bitten ffti onsere atten and arbeiUan- OhigM Blinden am Spenden. Fär di« blinden Mnriklehrez, Kiavierstimmer, Korband Seweiflechte) sowie Bürstenmacher bitten wir am Arbeit. üilfsvereln dir Iflffisdies Blincleii Wien, 11 „ Rembrandtatraße 18 jüdischer Autoren war auch schon bisher in Italien bekannt, und Ihre politischen Werke waren wie jedes antifaschistische Werk in Italien verboten. Es scheint sich nun darum zu handeln, daß unter dem deutschen Einfluß auch alle anderen Werke dieser Schriftsteller verboten worden sind. Dank an Stadtrat Dr. Ehrüdt Der Vorstand der Jüdischen Kultuagemeinde in Kreme a. D. hat. in detr Sitzung vom 6, 4. einstimmig beschlossen, dem Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich für «ein mutiges Auftreten im Rate der Wiener Bürgerschaft im Interesse des ,Judentums Dank und Anerkennung auszuspreeben. In dem an Dr. Ehrlich gerichteten Schreiben heißt es: „Wir erklären uns mit Ihren Ausführungen vollkommen solidarisch und ersuchen Sie, ln Ihrer Position als Rat der Stadt Wien auch weiterhin allen Übergriffen von gegnerischer Seite in gleicher Weise entgegenzutreten. Mit Ihren Worten werden Sie der Anwalt der Judenschaft ganz Österreichs sein, deren Dank Itmen ein Zeichen des vollen Vertrauens sein soll.“ „Entartete Kunst11 ln dem Betrugsprozeß gegen Alice Lampl, ihre Mutter und ihren Bruder, den Schriftsteller Heinrich Eduard Jacob, hat der Staateanwalt Dr. Pul pan auf die in München veranstaltet» Ausstellung „Entartete Kunst“ sich bezogen, die beweise, was in Kunstsammlungen habe Aufnahme finden können. Der Staatsanwalt hätte den Vergleich auch weiter führen können; es gibt, ir. Deuts hiaad auch eine entartete Justiz, die insbesondere den Juden die Macht des Hasses fühlen läßt und ihnen gegenüber jedes Gefühl für das, was rechtens ist, beiseite legt Die Ausstellung „Entartete Kunst“ hat ungeheures Aufsehen erregt Sie hat den von ihren Veranstaltern nicht erwarteten Erfolg gehabt, daß man feststellte, was an künstlerischen Werten vom Nationalsozialismus verfemt wird. Viele dieser Piecen sind vom Ausland angekauft worden. Die entartete Justiz wird ln den Ländern der Kultur und der Ehre nach Gebühr gewürdigt Jüdisches Koltttrtheater „Das große Los“ von Seitdem Alejchem Eine gewagte Sache ist es, Scholem Alejchem in deutscher Sprache zu bringen, noch gewagter, die breit dahin fließende Epik dieses Psychologen und Milieuschilderers der jüdischen Gasse in das enge Bett des Dramas zu sperren und zwischen den starren Mauern der Exposition und der bühnenbedingten Handlung schnell abströmen zu lassen. Beides gelingt Jakob Rosent h a der die Erzählung ins Deutsche übersetzt und für die Bühne bearbeitet hat, vortrefflich. Szene auf Szene wird das Geschehen olme Stillstand weitergetrieben bk zu dem mit Spannung erwarteten Happy eDd. An dem floaten Fortgang der Handlung hat auch die Regie Fritz Links5 ihren Anteil, die alle Pointen der überaus witzigen Zwiegespräche und Ensembleezenen aufleuc-hten macht. Dabei wird er von allen Mitwirkenden glänzend unterstützt, die ersichtlich mit Last und Liebe bei der Sache sind. Ein Lebensphilosoph voll Humor im Elend und voll Entsagungskraft nach dem Verlust des Haupttreffergewinns tot Rudolf W e s 8, eine bn Wohlstand von Hochmut geblähte Gattin des früher armseligen Schneiders Alice Koch. Beider Tochter wird von Martha Auffärber mit feinem Verständnis für die Wirksamkeit abgestiramter Gesten gegeben. Allen voran aber fallen Milo Sperber als Schadchen durch seine ausgezeichnete Maske und seine komische Geschäftigkeit sowie Else F r o e b e 1 in der Episodenrolle der Bäckerin Perei durch lebensechte Haltern? und lustige Besorgtheit um ihr Geschäftchen auf. „Das große Los“ bereitet Schimeie Soroker nach einigen frohen Wochen eine bittere Enttäuschung, in den Zuschauern aber ruft es nach paar vergnügten Stunden das Bedauern hervor, daß das amüsante Spiel schon vorbei ist, e, r.