Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 730 (9.2.1938)
- Date
- 1938-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054431-3054487--7287-3520480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Htitwocß-Ausgabe Diese« HUt Ist ab 4 Okv nachmittag* bei 4m Kolporteuren erhältlich 15 8 JÜDISCHE ZEITUNG Wim, Mittwoch, 9. Februar 193« 0. AdarL 9698 U. Jahrgang Einheit oder Chaos! Von Dr. L Scbwarzbart, Krakau. Der Terror wird trotz aller Militäraktionen und der Arbeit der Militärgerichte immer schärfer. Die Militärs agieren — aber die Politiker zögern und hier liegt die Ur* sache der Erfolglosigkeit der militärischen Aktion. Was das Heer gut macht, das verderben die Politiker. Das Verechleppungssyestem nivelliert völlig alle Anstrengungen des Heeres. In der Aufschiebung der politischen Entscheidung erblickt der Mufti und seine Emissäre den Beweis der Schwäche Englands. Und diese Schwäche ermuntert zu weiterem Terror. Derselbe paralysierte Wille, der die englische Politik seit einigen Jahren in der großen internationalen Politik kennzeichnet, ist es, der auch Palästina in einen Zu- Vatikan i gegen Rassenfanatismus! Das vatikanische Blatt „Osservatore1 Romano“ veröffentlicht einen Artikel des Grafen della Torre anläßlich des' Jahrestages der Besetzung des Heiligen1 Stuhles durch Pius XI. In einem Passus des Artikels erklärt der Autor, der Katholizismus lasse nicht die Tendenz einer Superiorität oder Hegemonie oder die Überheblichkeit einer Rasse zu, „die dem Imperialismus einen heroischen Anstrich und eine Marsgestalt gibt“; della Torre fügt hinzu, der Katholizismus hebe im Gegenteil die Ansicht hervor, daß jede Rasse ihre besondere Aufgabe im Fortschritt der Welt hat und daß niemand das Recht sich anmaßen dßrfe, irgend ein Volk zu erniedrigen, „wenn nicht ein solcher Ostrazismus schließlich alle treffen soll“. Der Autor schließt, dies seien die Grundgedanken, die der Papst stete verteidigen werde. Nene Demarche Englands in Bukarest. MitteilnngEdens im Unterhaus Die italienische Propaganda Jerusalem, 8. Februar. (JTA.) In den letzten Tagen sind in Jerusalem zahlreiche Propaganda-Pamphlete in arabischer Sprache sowohl einzelnen Adressaten mittels Post zugesandt, als auch in den Straßen durch kleine Jungen verteilt und in arabischen Kaffeehäusern aufgelegt worden. Man nimmt an, daß es sich um eine Gegenaktion gegen die vor kurzem begonnenen arabischen Rundfunksendungen aus London handelt, und erwartet, daß es nicht bei dieser Einzelaktion bleiben wird. Die Flugblätter enthalten das Wochenprogramm des Bari-Senders, sowie den palästinensischen Arabern günstige Pressestimmen aus Europa und Amerika. Das faschistische Italien, heißt es u. a., ist mit der arabischen Welt durch nachbarliche Bande, aber auch historisch und durch gemeinsame Kultur eng verbunden. Italiens hauptsächliches Bestreben sei seit jeher die Festigung der gegenseitigen freundschaftlichen Beziehungen und der engen _ Zusammenarbeit Lybiens und Italienisch- Ostafrikas mit der arabischen Welt. Welzmann nach London abgereist Jerusalem, 8. Februar. (JTA.) Der Präsident der Jewish Agency, Prof. Chaim W e i z m a n n, ist nach Ägypten abgereist, von wo aus er sich nach London begibt. In seiner Begleitung befindet sich Mrs. Dugd a 1 e. die Nichte Lord Baifours. Zensur in Palästina verschärft Jerusalem, 8. Februar. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat die Zensur-Vorschriften verschärft. Neben der Zensur über Telegramme werden jetzt auch die Telephongesprächen mit dem Auslande abgehorcht. Wie „Dawar“ mitteilt, ist auch die gesamte in das Land kommende und aus dem Lande gehende Korrespondenz einer strengen Zensur unterworfen. Lebenslängliches Gefängnis für Altmann Jerusalem, 8. Februar. (JTA.) Der Oberkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina, Generalmajor Wavell, hat die vom Militärgericht in Jerusalem über den 22jährigen jüdischen Hilfspolizisten Elieser Altmaim verhängte Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt. London, 8. Februar. (JTA.) In der gestrigen Sitzung des Unterhauses richtete der Abgeordnete Joslah Wedgwood eine Anfrage an den Außenminister Anthony Eden, was die englische Regierung zu unternehmen gedenke, um den Schutz der jüdischen Minderheit in Rumänien zu garantieren, wo doch England Mitunterzeichner des von Rumänien eingegangenen Minderheltenschutzvertrages vom 9. Dezember 1919 ist Wedgwood wollte auch wissen, ob England mit dem zweiten Mitunterzeichner des erwähnten Vertrages, Frankreich, sowie mit den V e r e 1 n i g t e n S t a a t e n zusammenarbeitet, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen. Eine unmittelbare Aktion Minister Eden antwortete, es lägen beim Völkerbund zahlreiche Petitionen von jüdischen Organisationen vor, die gemäß dem üblichen Verfahren vom Dreierkomitee geprüft werden, das sich aus dem Präsidenten des Völkerbundrates und je einem französischen und britischen Delegierten zusammensetzt. (Der französische Delegierte ist bekanntlich Außenminister Delbos, der britische Delegierte Außenminister Eden. Anm. d. Red.) Dieser Ausschuß werde seine Antwort nach Abschluß des Verfahrens unverzüglich bekanntgeben. Die britische Regierung erwäge mittlerweile die Frage einer unmittelbaren Aktion, die bei den gegenwärtigen Verhältnissen wirksam sein könnte. Der britische Gesandte in Bukarest habe im Aufträge des Londoner Außenamtes den rumänischen Außenminister daran erinnert, daß die britische Regierung stets ein großes Interesse an den Minderheiten verträgen, deren Signatar sie ist, und an den Minderheitenrechten im allgemeinen bekundet hat. - Da Amerika nicht Mitglied des Völkerbundes ist und auch keine Minderheitenverträge unterzeichnet hat, ist die Lage hier wesentlich anders als hinsichtlich Großhritamden» und FrankreMw. Engttn« lcamwi(^fcT nichts tun, die ■ Sache bleibe den Ver» einigten Staaten überlassen. Die rumänische Regierung aber könne über die Ansichten der britischen Regierung in dieser Fragen loht mehr im Unklaren sein. Ausführlicher Bericht unseres nach Rumänien entsendeten Sonderberichterstatters Seite 3 Gcga verbietet Diskussion über die jüdischen Petitionen Bukarest, 7. Februar. (JTA.) tiine amtliche Mitteilung de,s Ministerratspräsidiums besagt: „In der letzten Zeit wurden aus Anlaß der jüdischen Minderheit«-* beschwerde in Genf verschiedene Pressekommentare veröffentlicht, deren Erscheinen die Regierung in dem Wunsche zuließ, daß die Öffentlichkeit die Ansichten aller kennen lerne. Obwohl Außenminister Micescu bei seiner Rückkehr aus Genf den offenbaren Triumph der rumänischen Sache mitteilen konnte, versuchen Böswillige dennoch entstellende Auslegungen, die sich auf die erfolgten Erklärungen stützen, wobei falsche Schlüsse hinsichtlich der gesamten Leitlinie der rumänischen Außenpolitik gezogen werden. Angesichts dieser Lage hält es die Regierung für notwendig, bis zur endgültigen und baldigen Regelung des Pressewesens jeder Diskussion dieses Themas ein Ende zu bereiten, nicht um sich zu verteidigen, sondern um die höheren Staatsintere-ssen zu wahren, welche durch jede Entstellung der Tatsachen geschädigt werden.“ Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung Wiens Die Amt&direktion der Kultusgemeinde Wien veröffentlicht auf Grund der vom Matrikeiamte geführten Ausweise nachstehende Daten über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung im Jahre 1937: Die Zahl der G e b u r t e n betrug in diesem Jahre 720, die Zahl der Sterbefälle 2824, die Zahl der Eintritte in die jüdische Religionsgesellschaft 262, die der Austritte 620. Die Zahl der Geburten, die im Jahre 1923 noch 2733.im Jahre 1930 1222 und im Jahre 1936 757 betrug, erreichte ihre niedrigste Ziffer von 720 im Jahre 1937. Von den geborenen Kindern waren 22, von den verstorbenen Personen 121 Ortsfremde. Nach Abrechnung dieser auf Ortsfremde bezughabenden Zahlen und unter Berücksichtigung der Geburten, Todesfälle, Eintritte und Austritte ist im Jahre 1937 eine Verringerung der jüdischen Seelen in Wien um 2*63 zu verzeichnen. Diese Zahl erhöht sich noch durch die Auswanderung nach Palästina und anderen Überseeländem. Die ständig sinkende Zahl der jüdischen Bevölkerung kommt auch in den Volkszählungsergebnissen der Jahre 1923 und 1934 znm Ausdruck. Während im Jahre 1923 in ganz Österreich 220.208 Juden und hievon in Wien 201.513 gezählt wurden, fiel die Gesamtzahl der Juden in Österreich im Jahre 1934 auf 191.481 und hievon in Wien auf 176.034. Innerhalb dieses Zeitraumes verringerte sich die jüdische Bevölkerung in Wien um 25.479 Seelen, d. i. um 12.6%. Der natürliche Abgang betrug in den Jahren 1935, 1936 und 1937 weitere 6927 Seelen, so daß Ende 1937 unter Berücksichtigung der in den Jahren 1935 und 1936 stattgefundenen erheblichen Auswanderung höchstens 166.000 bis 167.000 Juden ln Wien wohnhaft waren. Bei den 2824 im Jahre 1937 Verstorbenen sind nachstehende Todesursachen festgestellt worden: in 25% der Fälle Herzkrankheiten, in 15K% krebsartige Erkrankungen, in 15% Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen, in 14% Erkrankungen der Atmungsorgane, in je 514% Altersschwäche und Erkrankungen der Harnwege, in 4% Tuberkulose. Durch Selbstmord endeten 105 Personen, und zwar 65 Männer und 40 Frauen (4%). Der Rest entfällt auf andere Krankheiten, wobei festgebalten wird, daß auf Geistesstörungen 1%, auf Infektionskrankheiten l%% und auf Hautkrankheiten %% entfallen. urnen zum 40jährigen Jubiläum d.» 1. W>. lüdl.ch.n Tum».r.In.., «m all.. Ma'kköw?Ti»immliim Wim« ionn’a;, den 11. Februar 1910 SOFIENSÄLEN WIEN, III., MARXERGASSE 17 KAPiLLE IST C EI C ER Beginn t K I n i r « c h a « I a r nn n 1« Uhr AI I gn nnlnn« S c h a u I y . n . n 13.30 Uhr JUDEN, KOMMT IN MASSENI;tand des chronischen Chaos treibt und die geradezu lächerliche Situation schafft; das mächtige Großbritannien ist nicht in der Lage, die Sicherheit in einem so kleinen Lande wie Palästina herzustellen. Die bravourösen Expeditionen de« k!a Harun Al Raasch idgeben wohl di? Möglichkeit, zukünftige Legenden des Lawrence II vorzubereiten, sie sind aber nicht imstande, den gordischen Knoten der palästinensischen Politik zu durohhauen. Dies kann nur dann geschehen, wenn die militärischen Anstrengungen England« mit einer raschen und klaren politischen Entscheidung Hand in Hand gehen werden. Die wesentliche politische Bedeutung des neuen Weißbuches läßt sich mit dem Wort: Aufschub erfassen. Ist die offizielle und entscheidende englische Politik undurchsichtig, um so aktiver ' olitii Es mehren sich Pläne wie Schwämme nach dem Regen: Englische, jüdische und arabische. Inzwischen vergrößern deutsche und italienische Gelder das Chaos und England wartet. Nicht aus Unbesonnenheit und nicht aus schlechtem Willen, sondern aus System. Diejenigen, die an die englische politische Klugheit glauben, raten: Warten. England wird alle ermüden und dann am Ende die Zähne zeigen, wie es die« schon öfter in der Geschichte seiner imperialistischen Politik getan bat. Aber weT weiß ob die Wirklichkeit diesmal dieses Vertrauen nicht erschüttern wird? Manche wieder Deutschland war schon seines siegreichen Vordringens auf der Linie Berlin— Bagdad sicher: England schwieg, die Deutschen rückten vor, aber am Ende liquidierte Großbritannien das deutsche Vordringen. Diese Analogien erscheinen uns aber allzu mechanisch. Die Verhältnisse und die Kräfte haben sich im Vergleich zum Jahre 1914 unverkennbar geändert. Die Lage im Nahen Orient, am Roten Meer und in Europa ist eine ganz andere geworden. Und leider befindet sich das Palästinaproblem im Zentrum aller dieser Probleme und seine Lösung ist im hohen Maß von ihrem Ablauf abhängig. Wollen wir die Hauptlinien der inoffiziellen Palästinapläne im großen und ganzen überblicken. Die erste Konzeption lautet: Die Erhaltung des englischen Mandata auf dein Gebiet des ganzen westlichen Palästina mit dem Ziel, auf diesem Gebiet eine jüdische Majorität und eine allmähliche Kristallisierung des jüdischen Staates zu errnögh e n. Die Angelegenheit Transjordanien einstweilen beiseite gestellt. Diese Konzeption ist der Ausgangspunkt der sogenannten Negativsten im zionistischen La- "s *« und niehts andereg ist Ziel des Zion stör: h en ideellen Gesichtspunkt, wie auch