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Die Stimme · 1938-02-04 · Heft 728 (4.2.1938) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 728 (4.2.1938)
Date
1938-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gr. 788. — Wien, Freitag, dm 4. Februar 18SS. YVONAND Schüller - Glimmt •m Neuenburger Sn (Schwei*) Französisch, sechs- und zwölfmonatige Hauslialtanffa- und Kocbkurse mit ab-chiießengnia. — Verfangen Sie Projekte. S’aaü. ffepr. Pädagogin Ein Wiener katholisches Organ über den „Stürmer** Der „Christliche Ständestaat“ in Wien schreibt unter dem SO. Jänner aber die „Stürmer“-Ailäre: Der „Stürme r“ ist angeblich zeitweise verboten, beziehungsweise eine Nummer ist konfisziert worden. Genaue Klarheit über den wirklichen Sachverhalt war bisher noch nicht zu bekommen. Wir haben die angeblich beschlagnahmte Nummer in Händen gehabt Es ist durchaus nicht klar, welcher Exzeß nun im besonderen Anlaß zum Einschreiten gegeben haben soll. Die ganze Nummer kt natürlich mein, aber das unterscheidet^sie keineswegs von allen vorherigen. Es ist uns überhaupt nicht klar, daß es von den sozusagen „normalen“ Exzessen dieses wohl tiefststehenden Druckerzeugnisses, das die Ge-j schichte kennt, noch Komparative geben! kann. Ein minderwertigerer Gebrauch ist jedenfalls unseres Wissens von der Erfindung Gutenbergs noch nicht gemacht worden. Wenn da einmal eingenriffen würde, wäre das gewiß sehr ^begrüßen, denn zur Erhöhung des deutschen Ansehens trägt die^fe Publizität und ihre allzu langmütige Duldung gewte nicht bei. Allerdings gibt es im Dem n Reich n i s s e, die dem Streicher-Blatt wenig nachgeben.“ Hersls Tagebücher Geschieht« und Krltfh von Tuto Nussenbtatt ■Suttner, Vinoenti, D. Wellisoh, Sidney Wbitaian. Nur insoferne sind die bereits veröden tlichten Tagebücher Herzte unvollständig. Die weggelassenen Stellen bringen weitere Belege über Gegner und Freunde. Die nur vorläufig nicht veröffentlichten Stellen ergänzen somit die Vorgänse, die wir aus den bereits veröffentlichten Tagebüchern kennen. SWING Gtuttpiel Joe Rechtzeit Jüdieche Künstlerspiele Hauptrolle, Regie und Musik zugleich, das ist ein bißchen viel, aber Jac Rechtzeit schafft ee, nein, er bringt es nicht bloß zustande, er leistet sogar auf allen drei Gebieten Ausgezeichnetes. Mit seiner guten Erscheinung und durch sein sympathisches Wesen nimmt er sofort für sich ein, wenn er auf der Bühne erscheint. Er macht aus Itziil Ganow eine lebenswahre Gestalt, er stattet diese Rolle mit packenden tragischen Akzenten aus und vergoldet sie in der nächsten Szene mit sonnigem Humor. Mit atemloser Spannung lauscht man seiner erschütternden Lebensbeicbte, mit vergnügtem Lachen verfolgt man seine Sprünge und Kapriolen. Und mit demselben Tempo und mit derselben Gewandtheit, mit der er zu den von ihm geschmackvoll und einfallsreich in Musik gesetzten Couplets über die Bühne wirbelt, läßt er als Regisseur die Komödie „Itzikl Ganew“ abroll en. Unter seiner Führung wickelt sich die Handlung flott ab, ist der zweite Gast, Olga Schlifkowicz, dezent auf den Soubrettenton eingestellt, spielt Erna Siegler mit Würde und dennoch mit Schwung eine hoheitsvoilo Dame und Lora Glü oksmann sowie Dolly Nachbar mit Ausgelassenheit und dennoch mit gebührender Reserve ihre Possenpartien. Alles in allem ein recht vergnügter Abond, für den das Publikum allen Mitwirkenden, vor allem Jac Recbtzeit stürmisch dankte. Die amerikanischen Gäste der Jüdischen Künstlerspiele, Jac Recht zeit und Olga Schlifkowicz, treten jetzt täglich, H9 Uhr, Sonntag auch nachmittags %4 Uhr, in dem großen amerikanischen Schlager „Fremde Kinder“ auf. natlicb S 170. vierteljährlich S 4.80, halbjährig S 930. ganzjährig S 18. FOr da; Ausland: Vierteljährlich: Deutschland RM 150. Tschechoslowakei Ki 28.-. Jugoslawien Dinar 50.-, Polen Zloty 6.50. Ungarn Pengö 4.80 Rumänien Ui 200.-. übriges Ausland: Schweizer Franken 530. Postscheck Konto: Österreich Nummer D 113.546. Polen Nr. 191190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zto nistisrher Landesverband für Österreich. Wien. I.. Mare-Aurel Straße 5 - Verantwortlicher Redakteur: Robert Polower, Wien, L, Usre- Aurel-Straße 5 — Druck: Vernay A, G„ Wien, UU Canitiusgasse 8—10. „Die drei Bänd« seiner Tagebücher sehätze ich auch heute als die erschütternde Offenbarung reinsten jüdischen Prophetengeistes ein.“ Stefan Großmann 4Jah war begeistert“ — Eine Lebensgeschichte.) Die Tagebücher Herzig — die achtzehn Bücher umfassen — erschienen gesammelt in drei Bänden im Jüdischen Verlag (L Auflage 1922—1823). Sie beginnen mit den Worten „Der Judensache erstes Buch. Begonnen in Paris 1895.“ Es waren die ersten Tage des Monate Juni 1895, als Herz! die Tagebücher zu führen begann. Er leitete sie mit einer j zusammenhängenden Darstellung seiner 1 früheren Erlebnisse ein, die ihn zum Nachdenken über die Judenfrage führten. Auf 26 Druckseiten konnte nur ein Dichter wie Herzl die Geschichte seiner Bekehrung bis zu seinem Zusammentreffen mit Baron Hirsch erzählen (Tagebuch I, 3—29). Diese einleitende Darstellung schrieb Herz! in einem Zuge nieder; dann unterbrach er das erste Buch. Das Auftauchen unzähliger Einfälle, Gedanken und Ideen ließ ihn nicht in Ruhe arbeiten. Es kamen kritische Wochen bis zum 28. Juni, nach deren Überwindung Herzl .seine Rübe wiederfand und seinen Weg vor- 1 gezeichnet sah. Diesen Weg kann man an Hand authentischer Dokumente in einem Aufsatz unter demselben Titel im Herzl-Jahrbueb (S. 1—20) verfolgen. In den krisenhaften Wochen entstanden die unzähligen Notizen Herzls auf Zetteln und Bögen. Sie sind in den Tagebüchern im ersten Bande (S. 28—210) zu finden. Am 23. Juni 1895 beginnt Herzl das zweite Buch zu führen. Unter diesem Datum schreibt er: „Ich weiß nicht, wieviel Platz die bisherigen Notizen einnehmen werden, zu deren Reinschrift ich jetzt nicht aufgelegt bin.“ (Tagebuch I, 213.) Neun Monate später, am 16. April 1890, zwei Monate nach dem Erscheinen des „Judenstaates“, trägt Herzl eigenhändig diese Notizen in das erste Buch ein. Einen Teil läßt er durch seinen Vater eintragen. (Tagebuch I, 29—210.) „loh fing“, schreibt Herzl (Tagebuch I, 29), „das zweite Buch an, um täglich das Bemerkenswerte einzutragen.“ Die reine, klare und wunderbare Schrift Herzig, so^ar die Streichungen, die leicht naebzuiesen sind, beweisen die Unmittelbarkeit der Niederschrift. Herz] batte nicht die Eintragungen nach vorbergemachten Entwürfen vorgenommen, sondern unmittelbar alles unter frischem Eindruck niedergeschrieben. Und das macht eben den besonderen und großen Reiz der Tagebücher ausl Aus den großen Pausen, die oft zwischen den einzelnen Eintragungen eintreten, kann man die grandiose Arbeit erkennen, die Herzl zu leisten hatte und die ihm keine Zeit ließ, in seine Tagebücher alles einzutragen, was er wollte. Zu der ihm viel Zeit raubenden Arbeit gehörte auch der intensive Briefwechsel, den er meistenteils, um Indiskretionen vorzubeugen, eigenhändig schreiben mußte. (Siebe Franz Kobler: Herzl als Briefschreiber im Herzi-Jahrbuch.) In diesen Briefen, wie auch in der von Herzl redigierten „Welt“, befindet sich ein großes Material über Menschen und Vorgänge in der Bewegung. Die Briefe Herzte an verschiedene Personen und viele Veröffentlichungen ln der „Welt“, müssen zur Ergänzung der Tagebücher Herzte herangezogen werden. Erst dann kann man ein vollständiges Bild über die Vorgänge um, für und — gegen Herzl erlangen. Ich habe die Tagebücher, die sich bis zur Übergabe an das Zionistische Zentralarchiv Jerusalem in Wien befanden, durohgearbeitet und die Herzlscbe Urschrift mit der Buchausgabe verglichen. Die vorliegende deutsche Buchausgabe der Tagebücher entspricht vollständig und wortgetreu dem OriginaL Nur sind manche Stellen, kleinere und größere, aber nie ein ganzes Buch, weggelassen worden. Außerdem sind manche Namen aus Rücksicht auf lebende Personen entweder ganz weggelassen worden oder nur mit den Anfangsbuchstaben angeführt worden. Sämtliche weggelassene Stellen sind, wie es im Votwort erwähnt wird, stets klar durch Punktzeichen kenntlich gemacht worden, was den Tatsachen vollständig entspricht. Diese Weglassungen betreffen verschiedene Personen. Einige Stellen beziehen sich auf Herzl selbst, die weiteren haben Bezug auf Badeni, Nathan Birnhaum, Samuel Josef Bloch. Leon Bourgeois, Crespi, Lord Oromer, einige Diplomaten, besonders türkische, Eisner v. Eisenhoff, Josef Graf, Greenberg, Colonel Goldsraid, Hechler, Hans Herzl, Leon Kellner, S, R. Landau, Paul Lindau, Conte Lippay, die Marmoreks, Michael von Newlinski, Ali Nouri, Paraty, die Rothschilds, J. Schalit, Sehidrowitz, York-Steiner, Herzl über seht Tagebuch Schon zu Beginn seiner zionistischen Tätigkeit wurde bekannt, daß Herzl ein Tagebuch führt. Herzl veröffentlichte nämlich auf Wunsch der Redaktion des „Jewish Chrouiclc“ in diesem Blatt am 14. Jänner 1898 eine kurze Selbstbiographie. In diesem mehrfach nachgedruckten Aufsatz — er findet sich auch in den „Gesammelten Zionistischen Schriften“ Herzte vor — heißt es: „Achtzehnfünfundneunzig begann ich ein Tagebuch zu führen; jetzt sind schon vier starke Bücher ausgefüllt Sollte ich sie je veröffentlichen, so würde die Welt erstaunt sein, was ich einzustecken gehabt habe, wer die Feinde meines Planes waren und anderseits, wer mir beistand.“ Die Mitteilung, die Xahum Sokolow nach dem Tode Herzls in der Zeitschrift „Ost und West“ (August-September 1904, S. 538) über die Tagebücher machte, war also keinesfalls die erste Kunde für die Öffentlichkeit über das Vorhandensein dieser Tagebücher. Sokolow hatte die Tagebücher nur flüchtig durchsehen können. Auf Grund dieser Einsichtnahme wie auch der ihm gemachten Mitteilungen schrieb Sokolow den erwähnten Aufsatz über die Tagebücher Herzl». Sokolow erzählt, daß die „Audienzen“ einen großen Teil der Eintragungen Herzls ansmaohen. Auch meinte Sokolow, „daß nur ein kleiner Teil der Tagebücher wird im Druck erscheinen können“. Im Jahre 1904 konnte natürlich Sokolow nicht voraussehen, daß innerhalb von vierzehn Jahren, wir meinen durch den Ausgang des Weltkrieges, die politische Weltlage eine derartige Veränderung erfahren wird, daß kein Hindernis für die Veröffentlichung der Berichte Herzls über seine Unterredungen mit regierenden Fürsten und Staatsmännern, ohne Erlaubnis dieser Personen und ohne der zionistischen Bewegung zu schaden, im Wege stehen wird. Über den historischen Wertder Tagt büoher schrieb Sokolow, daß sie „eine wahre Fundgrube für den Historiker und für den Politiker, für den jüdischen Politiker; den Herzl geschaffenhat,'sein werden.“ Sokolow machte noch über den Inhalt der Tagebücher einige Mitteilungen, die sowohl mit den nun vorliegenden veröffentlichten Tagebüchern Herzls als auch mit der Urschrift übereinstimmen. Die Original-Tagebücher blieben nach dem Tode Herzls in Verwahrung der Testamentsvollstrecker Herzte, die sie mit der Zustimmung der Erben Herzls und der Leitung der zionistischen Bewegung an verläßlichem Orte sicherten. Sie umfassen achtzehn umfangreiche Schreibhefte — Herzls Einteilung war achtzehn Bücher — mit starken Einbanddeckeln, alle vom selben Format und Größe. Alle diese Hefte kaufte Herzl in Paris ein, wie die Firmenvignette auf jedem Heft verrät: E. Marquet 372 Rue St. Honorö. Sie befinden sich gegenwärtig in Verwahrung des Herzl-Arohivs als Teil des Zionistischen Zentral-Archivs in Jerusalem und bilden ein einzigartiges und wichtiges Dokument für uns und die künftigen Generationen. Historiker und Forscher können in sie jederzeit Einblick nehmen. Zu jedem einzelnen der achtzehn Bücher gehören besondere Mappen mit Dokumenten und Entwürfen, die von Herzl selbst geordnet wurden, und auf die Herzl an manchen Stellen der Tagebücher verweist, beispielsweise die Notiz, aus der wir erfahren, daß Cowen und Greenberg Bedenken äußerten gegen einen Brief Herzls an Rothschild. Herzl berichtet, daß er ihrem Wunsche entgegenkam, „so daß ich nicht den zuerst konzipierten Brief an Rothschild, den ich hier einlege für künftige Memoiren, sondern einen anderen mache“. (Tagebuch, 12. Juli 1902.) Was Herz! sonst über seine Tagebücher gedacht hatte, möge hier an einigen weiteren Beispielen naebgewiesen werden. Anläßlich der Gegnerschaft der Kultusgemeinde München gegen die Abhaltung des Zionisten- Kongreeses in dieser Stadt, notiert Herzl folgendes: „Die Diskussion darüber und die Briefe selbst kommen in die ,Welt‘, darum trage ich sie hier nicht ein.“ (Tagebuch, 1. Juni 1897.) WIENER INTERNAT Frau Dr. Leo OnrtsdiMiidor Wien, XIX., Holzelle 13 großer Terra«« o. »«*- WMteOMMOM*. hnd keafm»«- Fr*u”or. ü* 0«Äici**Äür Wien, XIX., Holzeile 12, Tel. S 10-304 Unter dem 23. September 1897 heißt es: „Ereignisse kommen und geben, über die ich in der ersten Zeit der Bewegung viele Seiten geschrieben hätte. Jetzt rauschen sie vorüber, verdrängen einander, bevor ich Zeit gehabt hätte, sie zu fixieren.“ Und einfee Wochen später unter dem 17. Oktober 1897 notiert Herzl: „Als ich den Roman meines Lebens aufzuschreiben begann, waren alle Schatten, die aber meine Seele zogen, und alle Lichter auf diesen Blättern. Jetzt hat sich alles veräußerlicht. Größer fühle ich auch die Verantwortung, mich Ober Personen zu äußern, da diese Bücher offenbar dereinst Material für die Geschichte der Juden sein werden.“ (Bd. H, S. 36.) Aus diesen letzten, aus vielfachen Gründen besonders bemerkenswerten Äußerungen Herzls vom 17. Oktober 1897 ist seine Einstellung zu den Tagebüchern deutlich zu erkennen. Da sein „Roman“ zur Tat wurde, wurde aus seinem „Leben — ein Traum“, „ein Leben — ein Kampf“. Es war wohl ein wehmütiger aber definitiver Abschied vom Roman. Der Dichter Herzl tritt nun in den Tagebüchern vor dom Staatsmann und Volkserzieher zurück. Die Selbstbeobachtungen, die hiebei der Dichter über den Staatsmann macht, bilden ein seltenes menschliches Dokument. Oft und an vielen Stellen berichtet Herzl in seinen Tagebüchern über Äußerungen, die andere Personen gegen ihn machten. Solcher Art. Mitteilungen bringt, Herzl fast wörtlich. Es ist klar, daß hier Herz! nur die Rolle des Berichterstatters bat und die Verantwortung für diese Äußerungen auf ihre Urheber zurückgeht. Für die eigenen Berichte Herzls hat er selbst die Verantwortung übernommen. Es ist daher nicht notwendig, den oder die Herausgeber der Tagebücher hier heranzuziehen. Das noch unveröffentlichte Material aus dem Herzl-Nachlaß ist in vollem Ausmaß genügend, um die Ausführungen Herzls in seinen Tagebüchern zu stützen! Das Vorwort zu den Tagebüchern schrieb Hans Herzl. Nachdem wir nun Herzte Verhältnis zu seinen Tagebüchern kennen gelernt hatten. wird es uns verständlich, daß Herzl nient alles in seine Tagebücher etotrug und daß auch nicht alle Personen In seinen Tagebüchern Vorkommen können. Wer über manche Personen aus der Umgebung Herzls alles erfahren will, muß neben den Tagebüchern Herzls auch den Briefwechsel Herzte mit diesen Personen, ebenso in der „Welt“ Verschiedenes nachlesen, beispielsweise über Jacques Bahar, Hildesheimer, Güdemann, Lazare, Ussisehkin u. a. Herzl führte sein Tagebuch bis zu seiner schweren Erkrankung. Mit dem Brief an den amerikanischen Philanthropen Jakob Schiff vom 18. Mai 1904 bricht das letzte, achtzehnte Buch plötzlich ab. Am 3. Juli starb Herzl in Edlach. Int Tagebuch hineingesperrt Malvano, der jüdische Senator im Auswärtigen Amt in Rom, war Antizionist. Im Gespräch mit Herzl kam dessen Furchtsamkeit in jüdischen Dingen kraß zum Vorschein- Er sprach also mit Herzl, der doch vom italienischen König und 'Ministerpräsidenten Tittoni in jüdischer Sache empfangen wurde, über alles andere, nur nicht vom Zionismus. Herzl fing das merkwürdige Zusammentreffen mit dieeem Juden in unsicherer Situation köstlich in sein Tagebuch ein. „Malvano sagte noch“, schreibt Herzl, „so viele Dinge habe ich miterlcbt» Eine« habe ich versäumt: ein Tagebuch zu führen.“ — „Ich führe eines! sagte ich und sah ihn lachend an. Da steht er nun drin, der Jude Malvano. Wen da ein Dichter hineingesperrt, den kann kein Gott mehr retten.“ (Tagebuch III, 28. Jänner 1903). Der letzte Satz ist dem Gedichte Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ entnommen. Dort heißt es: Kennst du die Hölle des Dante nicht, Die schrecklichen Terzetten? Wen da ein Dichter hineingesperrt, Den kann kein Gott mehr retten! Ähnlich Dante sperrte Herzl, der Dichter und Staatsmann, in sein Tagebuch manches Erlebnis und manchen Gegner ela für die Nachwelt

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