Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 728 (4.2.1938)
- Date
- 1938-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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irr. 738. Wien, Freitag, den . Februar 1938. Seite 5 k/ocauf fcetd sich dU Beuääcecung.? Au$ dU best&cUaHhteH tvaUUcUmetkeHdeH Sdimidl-Mazzoth! die endlich wieder tu haben und Mets frlsd) sind. Sdimldl-Mazzothe,/.» nur in plombierten Südcen. Ein Versudi überzeugt Sie. Zentrale: I!., ieopoldsgasse 43 Telephon A 400-90, A 60-2 63, R 41-0-58, A 48-4-48 und In allen besseren einschlägigen Geschäften Die Organisation der jüdischen Jugend Von Herrn Staatsrat Dr. Desider Friedmann erhalten wir folgende Zuschrift: „Der Zentralverband der Union österreichischer Juden hat in seiner Plenarsitzung vom 29. Jänner eine Entschließung gefaßt, welche die im Zuge befindliche Regelung der Organisation der jüdischen Jugend betrifft. Diese Resolution wurde in der Ausgabe des „Neuen Wiener Tagblattes“ vom 1. Februar 1938 zum Abdruck gebracht und es unterliegt keinem Zweifel, daß deren Veröffentlichung auch in der am Freitag, den 4. Februar erscheinenden Nummer des Organs der Union österreichischer Juden „Die Wahrheit“ erfolgen wird. Zu der Entschließung der Union österreichischer Juden bemerke ich, ohne auf die in derselben enthaltenen, gegen mich persönlich abzielenden Angriffe einzugehen, daß die bezüglichen amtlichen Verfügungen bisher nicht ergangen sind. Sobald dies der Fall sein wird, werde ich zu denselben von meiner Seite Stellung nehmen. Vorläufig erachte ich als DfiWswönlbasis lediglich die von dem Herrn Bundesjugendführer bei der Arbeitstagung des österreichischen Jungvolkes am 6. Jänner 1938 zu der in Rede stehenden Frage abgegebene Erklärung. Da diese Erklärung in den Zeitungen nur auszugsweise und unvollständig publiziert wurde, soll im nachstehenden der authentische Text derselben (aus dem Bericht über die Arbeitstagung des österreichischen Jungvolkes in Wien vom 6, bis 8. Jänner 1938) wiedergegeben werden. Der Herr Bundesjugendführer führte wörtlich folgendes aus: .Nun muß ich mich noch etwas mit der Situation zwischen uns und jener Jugend befassen, die nicht einem christlichen Glaubensbekenntnis angehört. Eine Frage, die in allernächster Zeit gelöst werden muß. Wenn es unser Prinzip ist, die Jugend christlich, deutsch und sozial gerecht zu erziehen, so kann es jüdisehen Eltern unmöglich recht sein, ihre Kinder ins Jungvolk zu schicken. Man hat mir von führender jüdischer Seite auf diesen meinen Standpunkt eingewendet, beim Militär stehe der Jude ebenfalls neben den Christen bei der Feldmesse und mache die katholischen Zeremonien mit. Ich möchte feststellen, daß dieser Vergleich hinkt. Das Jungvolk beschränkt sich nämlich keinesfalls auf die Feldmesse als Mittel für religiös-sittliche Erziehung, sondern neneBeheirfesbücher! die sich ausschließlich mit religiössittlicher Erziehung befassen, an die pflichtigen Heimstunden usw., und ich kann von einem jungen Juden oder einer jungen Jüdin nicht verlangen, daß sie das alles mitmacheu. wenn sie, was ich annehmen muß, auf den Glauben ihrer Väter Wert legen. Ein junger Mensch aber, der aus einem Kreis kommt, wo auf religiös-sittliche Erziehung bewußt kein Wert gelegt wird, dürfte aber auch kein besondeg u*^ g sein. Wir wollen daher einen Jugendverband schaffen, wo die Jugend jüdischen Glaubens mit ihren berufenen Führern, auf deren Emonnnung uns aber ein maßgebender Einfluß zustehen muß, unter sich ist. Dies bedeutet keinesfalls eine Verletüing unserer Verfassung, nach welcher jedem Bundesbürger gleiche Rechte z u s t. e h e n, sondern das ist die allein mögliche Lösung der Jugendfrage für die Jugend mosaischer Religion. durch welche es der jüdischen Jugend daun auch möglich sein muß, in die Vaterländische Front zu kommen.' Aus der vorangeführten Erklärung des ferrn Bundesjugendführers ergibt sich ins- EISEN Selchwaren VERTRAUENSMARKB OER KENNE RI storreichischer Juden Gelegenheit gegeben rar, ihre Einstellung zu der Frage der künftigen Organisation der jüdischen Jugend der hiefür zuständigen Stelle bekanntzugeben, ihren Standpunkt und die von ihr für sich in Anspruch genommene Legitimation zu begründen. „ . „ . ... Die Entschließung der Union österreichischer Juden, die bei dem niehtorientierten jüdischen Publikum die Ansicht erwecken könnte, daß ihren Vertretern vor der A bgabe der Erklärung des Herrn Bundesjugendführers am 6. Jänner .1988 kein Gehör gegeben wurde, ist somit irreführend. Hiemit ist für mich ein weiterer Anlaß für fiine Erörterung dieser Angelegenheit bis zu ihrer für die nächste Zeit zu gewärtigenden endgültigen Erledigung nicht gegeben. Nicht Revision,sondern Ausbürgerung! Flugpost-Speiialbericht der Die Praxis der Revision der Staatsbürgerschaften bestätigt die chlirunisten Befürchtungen über die Auswirkung dieses Gesetzes. Man erkennt jetzt daß es sich in Wirklichkeit nicht um eine Revision, sondern einfach um die generelle Ausbürgerung der Juden Rumäniens bandelt. 9tauct)cn unb Öcd) fciettbenti toelfje Satytte. £er nttjjfarbige 3of)ubelag, bet Beim Dtaudjett entfielt unb ben ^afjttidjmel} angretft, farm auf bie eüifadjftc 2lrt entfernt luctben, ÜJiorgcnS ah! Crfteä unb abenbä a!3 Scfjtcß bie 3cBne grünbtidj mit Efjtorobont putje«. Cljlorobont, bie Berrlid; erfttfefjenbe tJJfefferminj« 3aBnpafte, mad}t burdj ihre fiatfe SReinigungS* traft felbft gelb gefärbte 3ab»e Blenbenb metfj unb entfernt ben Bä|lidjen, fdjöbHdjen 8aI)ns Belag. £u6e (febäumenb ober mdjifcbäumenb) . S —-90. Unb bergeffen Sie ntei Morgens als Erstes. abends alt Letztes „Stimme“ aus Bukarest Praktisch stehen die Juden schon heute außerhalb des Genusses der Staatsbürger- Haben Rechte und der pnze. Vorgang der sogenannten Revision spitzt sich darauf zu, daß die Juden eigentlich die Staatsbürgerschaft neu zu erwerben haben. Das wird aber nur sehr wenigen gelingen, ja es ist sicher, daß die ganze „Revision durch bürokratische Schwierigkeiten illusorisch gemacht wird. Das hat die Regierung mit einem sehr einfachen Mittel erreicht: Sie hat sich mit der Herausgabe der Durchführungsbestimmungen zum „Revisions“-Gesots so lange Zeit gelassen, daß die Revision unmöglich geworden ist. Es stehen für die ganze komplizierte und zeitraubende Aktion im ganzen elf Tage zur Verfügung. Wer seine Papiere nicht zu Hause Hegen hat, ist damit schon von vornherein durchgefallenj Es gibt nur sehr wenige Juden, die die vielen Dokumente zum Nachweis ihrer Staatsbürgerschaft an einem und demselben Ort bekommen können. Die vielen armen Juden Rumäniens, die durch die Schwierigkeiten des Erwerb« von Ort zu Ort getrieben wurden, würden Monate brauchen, um ihre Dokumente besorgen zu können — wenn sie überhaupt zu besorgen sind. Es 'ist einer zum Beispiel in Kimpolung ge- David Rottiblum Zum 60. Geburtstag Lieber Freund und Kollege! Aus einem in der Prager „Welt“ erschienenen Aufsatz über Dich erfuhr ich, daß Du Dich am 8. Februar 1938 an die Sechziger anreihst. Ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne einige Erinnerungen mit Dir auszutauschen, die ich den Lesern der „Stimme“ nicht vorentbalten möchte. Sie kennen und ehren Dich und werden sich mir nicht nur mit Glückwünschen für Dich gerne anschließen, sondern auch meine Zeilen über Dich als das nehmen, was sie sind, als einen bescheidenen Versuch einer Würdigung Deiner Persönlichkeit und Deines .Werkes. Der Umstand, daß ich Dein Freund bin, soll den Wert meiner Worte nicht vermindern. Im Gegenteil, Freunde sehen oft schärfer als Fremde- Und schließlich bin ich ja als Kritiker zur Objektivität verpflichtet. Wie lange kennen wir einander? Auf der Wiener Universität, vielleicht vor etwa 40 Jahren, war’s, daß ich Dich kennen lernte. Mager warst Du und schlank, Dein dichtes Haar war blond, die Augen trotz der Kurzsichtigkeit frisch. Heute sind Deine Haare weiß. Mir war Dein Name schon von der von Herzl in Wien herausgegebenen „Welt“ bekannt Ich freute mich, Dir endlich auch persönlich begegnet zu sein, und ich sagte Dir schlicht und aufrichtig, wie sehr mir Deine Arbeiten gefielen. Arbeiten ist nicht das richtige Wort. Ich dürfte damals ein poetischeres gebraucht haben. Deine in der „Welt“ erschienenen Losen Blätter waren für mich Gedichte in Prosa. Sie hauchten förmlich eine bezaubernde Poesie aus. Legenden und Parabeln waren es, zumeist geschöpft aus dem ewigen Born der jüdischen Weisheit, ans Bibel und Talmud, Tralition und Sage. Tat ich Dir unrecht mit dieser Bemerkung? Deine losen Blätter, Legenden und Märchen hast Du aus Dir selber geschöpft. Du hattest ja von Natur die Gnade und Gabe dazu. Die Lust zu fabulieren war bei Dir mit imponierendem Erzählertalent vereint und ist es noch heute, obwohl Du jetzt selten, zu selten, die Feder ergreifst Schon damals, in jenen schönen Tagen der zionistischen Anfänge, hattest Du von uns Mitstrebenden eines, vielleicht das Beste, voraus. Die hebräische Sprache war Dir vertraut und ans Herz gewachsen. Wie man mir sagte, beherrschtest Du sie besser als die deutsche. Du mußt schon in Deiner Jugend fleißig Hebräisch gelernt haben. Deinen Biographen überlasse ich es aber, über die von Dir durchseseenen Privatschulen authentisch zu berichten. Ich weiß nur soviel, daß Du reichlich spät aufs Gymnasium kamst. War es in Bieiitz? Wie kamst Du aber als Krakauer Kind dortin? Hat Dich die deutsche Unterrichtssprache eher angezogen als die polnische? Wie dem auch sei, Du hast, wenn ich nicht irre, so manchen Jugendgenossen in der Schule eingebolt und übersprungen. Du warst gleichsam immer der reifere. Man munkelte sogar, daß Du in ganz jungen Jahren schon einen hebräischen Roman geschrieben haben sollst. Am Ende ist er gar auch erschienen? Ich bin leider kein Hebräer und kann nichts Verläßliches darüber aussagen. Du wirst mir in Deiner Antwort auf diesen meinen von biographischen Ungenauigkeiten strotzenden Brief gewiß manche erwünschte Aufklärung geben. Auch darüber möchte ich etwas Näheres erfahren, wie lange Du nach der Matura Theologie studiert hast. Aus jener Zeit stammt wahrscheinlich Deine Bekanntschaft, jr. Freundschaft mit dem unvergeßlichen, uns so früh entrissenen Oberrabbiner Chajes, den wir vor allem als zionistischen Vorkämpfer schätzten und liebten. In Dir war nebst dem Hang zur Gelehrsamkeit auch ein praktischer Sinn für diese? Leben verankert. So kam es, daß Du umgesattelt hast und Jurist geworden bist Oder haben Dich die Verhältnisse dazu veranlaßt? Genug, wir fanden einander auf der juridischen Fakultät. Aber nicht das Studium sollte uns verbinden, sondern vielmehr: unser gemeinsame« Ideal, unsere Liebe zu Herzl, unsere Entschlossenheit, seine Jünger zu werden und nach unseren Kräften für unser Volk zu wirken, sowie unsere literarischen Interessen. Du machtest als Erzähler bewundernswerte Fortschritte und entwickeltest Dich zu einem Meister der Prosa. Deine Sätze waren gut gebaut, jedes Wort saß sozusagen am richtigen Fleck. DeT Fluß Deiner Erzählung war lebendig und schwungvoll. Da,bei natürlich, klar, gewinnend und zum Gemüt redend. Es fehlte Dir auch nicht an Humor, der sogar jene Stellen, wo Du Dich an unsere gutjüdische Schwermut und Sentimentalität zu verlieren schienst, überstrahlte. Es würde zu weit führen, wollte ich Dir eelbst oder den Lesern mit Zitaten aus Deinen Schriften aufwarten, Nichte liegt mir ferner, als hier eine gelehrte Abhandlung zu geben. Es soll ja nur ein gemütlicher Gratulationsbrief, ein Austausch von Erinnerungen sein. Wo bin ich stehen geblieben? Richtig — wir waren beide Juristen und nebstbei Träumer des Ghetto«, Verkiärer der guten Überlieferungen, freie Schriftsteller, die nur für jüdische Blätter schrieben, obwohl wir in uns die Kraft, fühlten, mit den anderen jungen Juden, die damals in deutschen Blättern über deutsche Dinge schrieben und damals mehr Geld verdienten und mehr Ruhm ernteten, erfolgreich wetteifern zu können. Soll ich noch erwähnen, daß Du Mitbegründer und Mitglied der Studentenverbindung Bar-Kochba warnt, während ich der Unitas angehörte? Es waren, wie gesagt, schöne Zeiten der ersten Kämpfe für den Zionismus in Wien. Im Schatten des Titanen Theodor Herzl wirkten und werkten damals hier: Martin Buber, Berthold Foiwel, Adolf Donath, Anselm Lutwak, Moriz Zobel, Ernst Mut ler, Max Eisler, Anton Lindner, Stefan Zweig, Carnil Hofmann, Bernhard Tag. Mit manchen _ verband un« Freundschaft, indessen vergingen einige Jahre. In meinen Laden _ häuften sich die Nummern der Welt, worin Deine Blätter, Skizzen und Erzählungen gedruckt waren, die ich so gerne las. Sio durften nicht verstreut, verloren und vergessen werden. Da« sagte ich Dir so manchmal. Ich drängte zur Herausgabe einer Sammlung Deiner wertvollsten Schöpfungen, aber Du warst wie ein Rcich-r, der «ich seines Reichtums nicht bewußt ist. Wäret Bescheidenheit oder Gleichjiiltigkeit gegen Dich selbst? Vergeben« redete ich Dir zu, ein Buch zu veröffentlichen Aber Du hattest, Deine eigenen Sachen fast überhaupt nicht mehr. Du hattest weter Belegexemplare der „Welt“ noch Abschriften gesammelt. Da sprang ich also ein. Erinneret Du Dich, wie Du in der Wohnung meiner Eltern in der Seidlgasse mit mir zusammen kauertest und die von mir gesammelten aufbewahrten alten Nummern 'der „Welt“ nach Deinen Aufsätzen durchsuchtest? So