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Die Stimme · 1938-01-31 · Heft 726 (31.1.1938) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 726 (31.1.1938)
Date
1938-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 728. — Wien, Montag, den 81. Jänner 1938. Oil «TiMMI Satt« S DU Zionistisch Bezirkssektion Innere Stadt gratuliert ihrem Obmann Herrn Dr. Kurt Offenberger und Gemahlin zur Geburt ihrer Tochter D!e Bodenständigen Pie Parasiten Rumäniens (Von unserem nach Rumänien entsendeten Sonderberichterstatter) j ist eine einzige Masse von Parasiten. Buka- Es hat sieh in Wien ein Geselligrest ist die typischeParasitenstadt, es ist von keits- und Sportverein „D er Bakschiseh und nur von Bakschiseh aufge- Kaufmann“ gebildet, der in Werbeaufhaut worden, von Bakschiseh, der natürlich rufen und Versammlungen die, wie er sagt, auf irgend einem Weg aus dem Schweiß und „edie Aufgabe erfüllen will, dem bodenständem Hunger der Masse der Bauern entstandigen christlich-deutschen Kaufmann zu den ist. Ich habe zehn Tage in Rumänien dienen“. Als Redner werden genannt: Kolgelebt. Von dom Augenblick an, da man an lege Alexander Paumkirchner und der Grenze meinen Paß und mein Gepäck Kollege Heinrich Schwarz. In einem an kontrollierte, bis zu derselben Prozedur bei die Kaufleute von Hietzing gerichteten der Ausreise habe ich Handzettel heißt es von diesem Herrn! . . , , , . ... Paumkirchner, der als Obmann des Vereines W jeder berühnm* m,t «mimischen vorgestellt wird und deshalb wohl über sich' Bea«ten zu den normalen Gebühren, die selbst Bescheid weiß: I zu erlegen sind, Bakschiseh geben müssen. 193?deratAnfInJerA®stieS tür Di® Anmeldung bei der Fremdenpolizei bodenständigen christlich-deutschen Kaufzum Be»?10! würde auf Grund des Stempels, icute sein wird. Was Paumkirchner bisher. den der Beamte auf den Meldebogen klebt, versprochen, hat er auch restlos gehalten.“ j 40 Lei kosten. Man gab mir aber bei der Selbstverständlich sind bei den Versamm- ' Rückerstattung meines Passes auch ein Heft Immen ,.Juden nicht erwünsch t“. *n die Hand, das die Vorschriften für den Das’ ist vorsichtig. Die Leute vermeiden es 1 Aufenthalt von Fremden in Rumänien — in mit gutem Grund, sich einer öffentlichen! d«r den Fremden doch nur in sehr seltenen Aussprache mit Juden auszusetzen, die ihre ■ Fällen bekannten Landessprache — enthält Phrasen restlos zerreißen würde. Ein uns und 40 Lei kostet; in diesem Buch fand ich vorliegender Aufruf zeigt deutlich, daß eineD gedruckten Zettel, der mir überdies diese Bodenständigen mit allen anderen bestätigte, daß ich 20 Lei zum Bau der germanischen Schreiern die fabelhafteste neuen Polizeipräfektur beigetragen habe, Unkenntnis der deutschen Sprache teilen.1 die sebon längst steht (was geht den Aus- Dem Leser wird darin gesagt, daß er! ISnder die rumänische Polizeipräfektur an?), „samt Deiner Kinder Sklave dieser: Verlangt aber hat der Mann im ganzen AusLänder werden soll“. Den christlich-: 150 Lei. Da er nur rumänisch spricht, konnte deutschen Kaufleuten wird weiter die folich nicht ermitteln, was diese restlichen gende Frage und die Antwort vorgesetzt: Bukarest, 80. Jänner, j 50 Lei bedeuten. Irgend eine Bestätigung Außenminister M i c e s c u hat in einer habe ich dafür nicht bekommen. Und immer französischen Zeitschrift geäußert, die Ju-1 muß man über die Taxen und BakBchisehe den lebten als Parisiten im Lande. Dazu ist! hinaus Marken zu je zwei Lei kaufen, deren sagen: Die ganze rumänische Intelligenz ' Ertrag der rumänischen Luftflotte zugute -■ -•■~i kommt. In meinem Paß ist jede von der rumänischen Polizei beschriebene Stelle damit beklebt, außerdem wurden aber verschiedene Formulare, die ich ausfüllen mußte oder die ein Beamter in meinen Meldeakt legte, jnit diesen blauen Zettelchen „Wie viele sind i r Euch, die sioh an aen ötronnaim des Ertrinkenden klammern, wie viele, die in einem halben, spätestens in einem Jahr nicht mehr sein werden. Kommt rasch zu uns, wir werden diesen Strohhalm durch unsere Vereinstätigsehen. Wenn mir einmal rumänische Fliegerbomben auf den Kopf fallen, werde ich wissen, daß ich dies mit einem bescheidenen Beitrag mitermöglioht habe. Mein Verkehr mit der Fremdettpolizm hat bei drei Meldungen im ganzen 450 Lei gekostet Das Büchlein über die Fremdengesetzgebung wollte man mir bei der Abmeldung nochmals in die Hand drücken ... Von den 450 Lei sind keine 200 ordnungsmäßig belegt. Was ist mit dem Rest? Wer die produktiven Unternehmungen geschaffen hat Die Juden spielen auf dem Gebiete des Bakschiseh hier tatsächlich nur die Rolle, daß sie — Bakschiseh geben. Was Rumänien an produktiven Unternehmungen hat, das ist tatsächlich jüdisches, ungarisches und deutsches Werk, in Altrtimänien fast ausschließlich jüdisches. Ohne Juden gäbe es keine Textilindustrie, kaum eine nennenswerte Lederindustrie, keinen Textilhandei und noch manches andere nicht. Was es in Rumänien an Parasiten gibt, das kommt zu 90 Prozent aus der rumänischen Intelligenz. Der Zweck des Staatsbürgerschaftsgesetzes Unter den Titel „Parasiten“ werden aber jetzt die Juden einer unerhörten Vexatur wegen der Staatsbürgerschaft , unterzogen. Die Hinterhältigkeit dieses Geverwandeln und d:o»n Dampfer werden wir j setzes zeigt sioh zunächst darin, daß es in einen sicheren Wiener Hafen führen, auch j einige Paragraphen hindurch nur allgemein auf die Gefahr hin, daß als Antwort einiVon einer Überprüfung der StaatsbürgerbVmL1’8« aIlI.,ani*o5ier schäften spricht, um dann dort, wo die Emzigartbr ist unser Aufschwung in®L EinzelheSte* der. Durchführung behandelt schichte Wiens, doch wirksamer wird unsere , w'erdf' do<* “mer nur Juden Tätigkeit, wenn auch Du nicht abseits stehst sprechen. und unsere Reihen stärkst Es wird die Zeit kommen, wo unsere Reihen geschlossen sein werden, desto fr fleh e r kannst Du rechnen, daß auch Du wirtschaftlich emporkommen wirst“ In der Einleitung heißt cs denn auch mit Fug und Recht: „Wir gehören einem Intelligenzberuf an.“ So sieht er auch aus. Und es sei allen, die sich für die Pflege der deutschen Sprache interessieren, mitgeteilt, daß sich der Sitz des Vereines in Wien, VH., Kaiserstraße 38, Gastwirtschaft „Zum weißen Hirschen“, befindet Die Auszeichnung Gerda Gottliebs Der jüdische Turn- und Sportverband Österreichs hat an Gerda G o 111 i e b folgendes Schreiben gerichtet: „Liebe Gerda Gottlieb! Mit Freude verzeichnen wir, daß Dir die h ö c h s t e s p o r tliehe Auszeichnung Österreichs — die Goldene Mara th on -Nade 1 Deutsch somit die zweite Sportlerin der Jüdischen Turn- und Sportbewegung die weit sichtbares Zeugnis für die sportliche Leistungsfähigkeit der jüdischen Jugend ablegt Wir geben unserem Stolz darüber Ausdruck, daß Du zu den Unseren zählst und nicht nur durch sportliche, sondern auch durch Deine Charakterhaltung zum Vorblid einer Makkabi- Sportlerin wurdest“ Dr. Richard Preßburger gestorben Der bekannte Wiener Rechteanwalt Dr. Richard Preßburger, einer der hervorragendsten Strafverteidiger Wien, ißt im Alter von 76 Jahren gestorben..; Dr. Preßburger, der sich durch seine Rednergabe und durch sein tiefe« juristisches Wissen einen über Österreich hinaus reichenden Ruf erworben hat, ißt in der jüdischen Öffentlichkeit durch zahlreiche Vorträge hervorgetreten. Mit besonderer Energie hat er in der Haiemann- Affäre die Sache des unschuldig des Das Gesetz zeigt die klare Absicht, die Emanzipation der Juden, die nach dem Weltkrieg durchgesetzt wurde, rückgängig zu machen. Rumänien war ja schon vom Berliner Kongreß aufgetragen worden, die Juden mit den ührigen Bewohnern des Landes gleichzustellen, doch hat es den Auftrag nicht durchgeführt. Es wurden 800 Familien durch besonderen Parlamentsbeschluß die Staatsbürgerrechte verliehen, zu denen dann im Lauf der Jahrzehnte bis zum Ende des Weltkriegs weitere 400 Familien kamen. In jedem einzelnen Fall war ein Parlamentsbeschluß notwendig. Sonst blieben die Juden unter Fremdenrecht. Nach dem Weltkrieg beschloß man, sie den übrigen Bürgern gleichzustellen, was schon darum geschehen mußte, weil ja die Juden der neuen Gebiete aus ihren früheren Ländern unanfechtbare Staatsbürgerreohte mitgehracht hatten. Das Dokumentenproblem Im Dezember 1918 wurde ein Gegetz geschaffen, das den Juden des alten Landes die Staatsbürgerreohte verlieh, aber von jedem einzelnen die Vorlegung von Dokumenten über seine Ansässigkeit in Rumänien und über die Ansässigkeit seiner Eltern verlangte. Bei den Zuständen, die in den rumänischen Ämtern herrschen, war die Beibringung solcher Dokumente nicht leicht, so daß die Vertretung der rumänischen Juden gegen dieses Gesetz protestierte und ein neues Gesetz verlangte, das von den Juden bloß eine Erklärung statt der Dokumente verlangte. Dieses Gesetz wurde nach langen Verhandlungen im Mai 1919 auch erlassen. Im Jahre 1924 wurde es auf Wunsch der Juden in die rumänische Verfassung aufgenommen. Damit erhielten tatsächlich alle rumänischen Juden die Staatsbürgerschaft. Das neue Gesetz verlangt nun wieder Dokumente. Wie schwierig und gefährlich das Problem der Dokumente ist, kann man aus dem Umstand schließen, daß die jüdische Vertretung, als das Gesetz vom Jahre 1918 geschaffen wurde, den Juden den Rat gab, sioh auf Grund durch Boykottierung des Gesetzes die Erlassung eines neuen Gesetzes zu erzwingen. Es haben tatsächlich nur 3000 Personen auf Grund von Dokumenten die Staatsbürgerschaft verlangt und bekommen. Heute werden die Dokumente natürlich noch schwieriger zu beschaffen sein als damals, als man einem an und für sich nicht feindlichen Beamtentum gegenüber- Schwlerige Situation in Bessarablen Schwierig wird auch die Situation der Juden auf den ehemaligen russischen Gebieten sein. Dort gab es standesamtliche Register nur bei den religiösen Behörden. Wo gibt es aber ein Rabbinat, das im Zuge der Pogrome nicht Als man nach dem Krieg ihre staatsbürgerlichen Verhältnisse regelte, kümmerten sich die Beamten nicht um Dokumente und Akten. Die Sache wurde mit Bakschiseh erledigt Ein bessarablscher Jude sagte mir, es würden wenigstens die Hälfte der bessarabiseben Juden die Staatsbürgerschaft verlieren, weil man aus dem Fehlen der Dokumente einfach »erschlichene“ Staatsbürgerschaften konstruieren werde. Am besten ist die Situation der Juden in den ehemals österreichischen und ungarischen Gebieten. Dort werden Bchon seit Jahrzehnten ordentliche staatliche Kataster geführt, dort liegt über jeden Staatsbürger ein Akt bei den Behörden. In der Bukowina muß man allerdings abwarten, ob Präfekt R o b u die Dinge nicht durch einen Gewaltsakt „korrigiert“. Ohne Staatsbürgerschaft keine wirtschaftliche Betätigung Die Regierung hat sich auf die Zahl von einigen hunderttausend jüdischen „Eindringlingen“ festgeiegt. Sie wird durch die Revision der Staatsliirgersehaftcn diese Ziffern nachträglich ■htfertigen. Das ist der Zweck der Akt Der Verlust der Staatsbürgerschaft bedeutet aber den Verlust der Möglichkeit geregelter wirtschaftlicher Betätigung. Was also die direkten •wirtschaftlichen Unterdrückungsgesetze nicht besorgen können, das wird man auf dem Weg über die Entziehung der Staatsbürgerschaft naeh- Selbstverständiieh ist auch, daß man, nachdem einige hunderttausend Juden als Schwindler ausgehungert sein werden, nach der üblichen Methode der Verallgemeinerung feststellen wird, daß die Juden, schlechthin die Juden und nicht bestimmte Juden, auf Grund erschlichener Dokumente in Rumälebten, und mit einem politischen Handstreich wird man eines Tages alle Juden wieder zu Fremden machen, auch die Bukowinaer und die Siebenbürger Juden. Um Gesetz und Recht kümmert man sich nicht. Das Gesetz, wonach die Juden ohne Dokumente durch die Abgabe einer bloßen Erklärung die rumänische Staatsbürgerschaft erwerben konnten, ist in der Verfassung verankert, es könnte also wieder nur durch einen verfassungsrechtlichen Akt aufgehoben werden, aleo nie durch eine einfache Verordnung. Die jetzt erschienene Verordnung ist gesetz- und verfassungswidrig. Sie wird i aber dennoch Hunderttaueeriden von Juden irgend einmal verwüstet worden ist? Die! das Staatsbürgerrecht nehmen. Warum beesarabkehen Juden sollen ihre Ansässigsollt« man bei den übrigen besondere jurfetikeit beweisen. | sehe Bedenken gelten lassen? Würdevolle Haltung der Juden Unter den Juden Rumäniens haben die Maßnahmen der Regierung und ihrer Präfekten begreifliche Bestürzung hervorgerufen. Es fühlt jeder, daß es um das Leben, um die Existenz geht, und es weiß jeder, was noch kommen wird. Wie reagieren die Juden auf diesen Angriff? Es kt zunächst eines festzustellen: Die Haltung der Juden ist würdevoll. Sie haben sich sofort von jedem Verkehr mit der Umwelt zurückgezogen. Die Reichen, die auf das Theater und die Bar nicht verzichten konnten, zählen nicht Sie wurden von Mitgliedern der Eisernen Garde hinausgeworfen und haben damit die gebührende Antwort bekommen. Es zählen auch die fünf jüdischen Geldaristokraten nicht, die zum Bankett des Industriellenklubs gegangen sind, das zu Ehren des Industrieministers gegeben wurde. Es zählen vielmehr die Dutzende von jüdischen Industriellen, die die Teilnahme an dem Bankett abgelehnt haben. Es ist unter den Juden auch durchaus keine Panikstimmung ausgebrochen. Ernst und gefaßt sicht man den Dingen entgegen. Man organisiert die Hilfeleistung für die, die durch die Maßnahmen der Regierung und der Präfekten in Not geraten werdeD, man denkt nach, was man in Zukunft machen werde, man informiert sich über Auswanderuagsmöglichieiten. Allgemeine Rückgänge des Geschäftslebens Daß die Juden größte geschäftliche Zu- ___ _ _ ... . _ dieses Gesetzes überhaupt .nicht um i rückhaltung üben, ist erklärlich. Sie wissen Vatermondee angeklagten Opfern gefühlt, dl© Staatsbürgerschaft zu bemühen, sondern1 nicht, ob geschäftliche Engagements noch abgewickelt werden können und wae mit investierten Geldern geschehen wird. Die Folge ist bereite ein empfindlicher allgemeiner Rückgang des Geschäftslebens. Bukarest, das den Begriff der Krise nur aus den Zeitungen gekannt hat und vier Jahre eine Hochkonjunktur hinter sich bat, beginnt schon zu klagen. Bis in den Friseurladen und das Tabakgeschäft hinein, spürt man schon die Folgen der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheit, die durch das neue Regime heraufbeschworen worden ist. Man hört in den letzten Tagen schon von Stillegungen einzelner Betriebe und Einschränkungen anderer. Es herrscht Liquidationsstimmung im wirtschaftlichen Leben Rumäniens, das noch vor Wochen nur an neue Anlagen, an Expansion dachte. Wie rin Pesthauch hat der Antisemitismus Rumänien getroffen. Das wird aber den Antisemitismus natürlich nicht zur Besinnung bringen. Im Gegenteil, eB wird nur der Jude schuld sein und gegen ihn wird man den Zorn der Bevölkerung ablenken, weDn einmal alle die Folgen des Regimes zu spüren bekommen werden. Wird m diesem Land, das bis vor kurzem nur Arbeitermangel kannte, Arbeitslosigkeit entstehen, so wird man das Nationalisierungsgesetz in seiner vollen Schärfe anwenden. Wenn die jüdischen Unternehmungen unter dem Druck der Krise keine Gehälter mehr an Nichtstuer werden zahlen können, so wird man sie enteignen. Alle Folgen seiner eigenen Maßnahmen wird der Antisemitismus an den Juden go

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