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Die Stimme · 1938-01-26 · Heft 724 (26.1.1938) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 724 (26.1.1938)
Date
1938-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Mt« 4 Kr. m — Wien, Mittwoch. 86 Jänner 1808. iVernichtungsprogramm gegen die Juden verkündet, ohne je ernst genommen worden zu «ein, eine maßgebende Persönlichkeit de» rumänischen politischen Lebens. Alte Demokraten, wie Vajda, einer der Mitarbeiter Manius, und Goga selbst, der Urheber eines mit den Minderheit/*:) geschlossenen. sehr menschlichen Abkommens, schwenkten, eine neue Konjunktur witternd, zur Reaktion um. Faschismus und Antisemitismus wurden die beherrschenden Kräfte des politischen Lebens. Ihre Verwirklichung begann unter dem Druck einer Opposition schon nutet einet Tiegieremg, di*-- an und für sieh (programmatisch wenigstens» nicht»; mit ihnen zu tun hatte. Der Geist Codreanus So mußte zwangsläufig die fesohistischamtisemitische Politik einmal eine faschistisch-antisemitische Regierung bringen. Die Entwicklung ist aber mit der Machtübernahme durch Goga noch nicht, abgeschlossen. So wie die Liberalen nicht nach ihrem Programm, sondern nach dem Programm Ihres Nachbarn zur Rechten regiert hatten, geschieht unter Goga, was der ln der Opposition befindliche äußerste rechte Flügel der rumänischen Politik befiehlt, und das Ist die „Eiserne Garde“ Corneliu Zelea-Codreanos. Sie ist eine getreue Kopie des deutschen Nationalsozialismus. Ideologisch gehören schon die beiden Cnza dazu. Sie sind nur aus rein persönlichen Gründen nicht, offiziell dabei. Codreanu ist einer der Schüler de» alten Cuza- Dieser »itzt als Stellvertreter des Ministerpräsidenten in der Regierung, während sein Sohn George den äußerst wichtigen Posten eines Sozialministere innehat, dem die Leitung des wirtschaftlichen Kampfes gegen die Juden obliegt. Die „Eiserne Garde“, eine, straff disziplinierte, äußerst aktive, ihrem Führer auf Tod und Leben ergebene Organisation, beherrscht Rumänien. Ihre Parolen werden durchgeführt — und nur so lange die Regierung dies tut, so sagte Codreami ausdrücklich, wird sie geduldet. Er weiß, daß ihm, wenn das geschieht, tatsächlich erst recht eines Tages die Macht in, den Schoß fallen muß, also bedeutet »eine Selbstbesoheidung kein wirkliches Opfer. Der Geist Codreanus beherrscht namentlich die Provinzbehörden, wie überhaupt die „Eiserne Garde“ mehr auf dem Land als in der Hauptstadt tätig ist. Die Präfekten sind Werkzeuge Codreanus, sie wollen seinen Unterkommandanten gefällig sein, sie wollen dem, was die „Eiserne Garde“ wünscht, zuvorkommen. So steht es wirklich um die rumänische Politik und aus diesen Verhältnissen heraus sind die Ereignisse zu beurteilen. wirkt hat- Jetzt allerdings gilt sie als der erste Flüchtling von königlichen Gnaden, denn sie hat, weil auch der König ein — Opfer bringen wollte, das Land v&rlaeeen. Allerdings, ob «e m wirklich getan hat, das weiß wieder niemand. Frau Lupeecu würde ebent-o wenig wie eine andere Favoritin mtereesieren, wenn eie nicht, als Agitationsmittel gegen die Juden m Rumänien nusge- Dabei kann man Frau Lupescu mit viel mehr Recht als Katholikin denn als Jüdin bezeichnen, ihr Vater war zwar ein jüdischer Arzt in Constanze. der ursprünglich auf den Namen Wolff hörte. Dann beschloß er sich zu rumänisieren; er übersetzte seinen Namen in die rumänische Sprache: Lupescu. Er verliebte sich in eine Wienerin, die aber nicht jüdisch war, sondern römisch-katholisch. Die Frau machte zur Bedingung, daß die Kinder io der Ehe auch r ft m i s eh-k a t h o- So hat Martha Lupeecu wenig Jüdisches mit auf ihren Lebensweg bekommen. Sonst hätte sie wohl auch nicht einen rumäisehen Gardeofflzier heiraten können, wie « es tat. In diesem Üftizierekreise lernte e auch den Thronfolger Caro! kennen., Beide waren jung verheiratet,, aber veriibbsiob so sehr, daß sie allen Hindernissen, zum Trotz nicht mehr sich trennen wollten. Dkdem ehemaligen Kronprinzen von Ru- Wer ist Frau Lupescu? An der Krise, die* den für die Juden so tragischeu Szenenwechsel in der rumänischen Politik herbeigeftthrt hat, scheint Frau Magda Lupescu nicht unbeteiligt, zu sein, so wie sie seit, dom Tage der Rückkehr des Königs Caro! aus dem Exil an jeder Veränderung direkt, oder indirekt mitge-! mänien Carol verfeindete Hofolique schloß, die Chance anszunutzen und stellte Carol das: Ultimatum, auf den Thron oder auf Frau Lupescu zu verzichten. Ffinf Jahre lebte Carol mit «einer großen Liebe im Exil, dann, nachdem der König gestorben war, flog er ciaes Tages nach Bukarest zurück, entthronte seinen eigenen, inzwischen gekrönten .Sohn, versprach, eich mit seiner Frau Hiszusöhnen und ließ durch seinen Vertrauensmann vemi< hem, daß er sich von Frau Lupeecu endgültig getrennt hätte. Nach zwei Monaten hielt Frau Lupescu geheim ihren Einzug in Bukarest. Sie wurde die Fahrerin einer neuen Hofoiique, die alh wichtigen .Stellen besetzte. Juden fand man selbstverständlich nicht darunter, ebensowenig trat Frau Lupescu gegen den aufkommenden Antisemitismus auf. Den) Volk aber galt Frau Lupesou «Je die Jüdin und die Antisemiten benutzten sie als zugkräftiges Element ihrer Agitation Voll Stolz kam aus Bukarest m den ersten Tagen, nachdem Goga zur Macht kam, die Nachricht, er habe ihr seine Aufwartung gemacht und man habe sich fr<um-;kchaftlioh geeinigt. Die bouievard»- blättrr der Web haben sie ab „Estin r“ bezeichnet. Das zeigt nur religiöse Unbildung, denn ihr fehlt auch jedes Fünkchen Solidaritätogefühl für die Glaubensgenossen des Das Problem der jüdischen Minderheiten Unter der Überschrift „Die Lagt <kj: Jutlen in Mitteleuropa1veröffentlicht das große liberale holländische ,.A Igemeeu Handelsbla d“ t, Amsterdam), 20. Jänner, einen Artikel, der auf die Tragik dtr Lage der Juden in Mitteleuropa mit besonderer SchäTfe hinweist. Es heißt darin; Von dem Problem der Minderheiten, das die Beziehungen der verschiedenen Mächte Mitteleuropa stört und eine dauernde Gefahr für den europäischen Frieden bietet, eht sich da* der Juden als besonders traisch ab. Die Hoffnung, daß die neuen staatlichen Regelungen, die durch die verschiedenen Fnedensverträge und den Völkerbandpakt von 1.919 getroffen wurden, das Minderheitenproblom tragbar gestalten und damit die JudenVerfolgungen endgültig überwinden würden, ist leerer Wahn geblieben. Die Judenverfolgungen sind, nur in anderer Form, von Rußland nach Deutschland verpflanzt worden, wo sie zwar nicht, tu Pogromen führen, jedoch nicht nur nach außen ebenso abstoßend sind, sondern in der Wirkung viel schärfer, weil sie mit gesetzlichen Maßnahmen und durch gesetzliche Verordnungen auf eine vollkommene Verdrängern? der Juden aus dem Gemeinschaftsleben hinsteuern. Sowjetrußland, das verfassungsmäßig die prinzipielle Gleichheit der Rassen festgelegt hat, versucht, sein jüdische? Minderbeitenproblem dadurch „aufzulöklärt, beugen sich, über kurz oder lang, alle. j Die hebräische Aussprache j Und ebenso wie es einen hebräischen Dia-. lekt gib;, gibt es auch eine hebräische Aus-! spräche. Es ist nicht wahr, daß man bebrä-l Mich spricht, indem man hebräische Sätze eagtf Keineefalk ist et palästinensisch! Im täglichen Leben hören wir zwar Unterschiede in der Aussprache nach folgenden Gruppen: die Russen, die alles mit „j“ aussprechen, die JidäfechspTecher aus aller Weit, die nicht „B“ sagen können, die Polen und österreioher, die ziemlich ähnlich aasspreohen, die Deutschen, deren Aussprache so typisch ist wie die der Tschechen und: Ungarn mit der ewig falschen Wortbetonung,' und die der Amerikaner und Engländer mit ihrem zermahlenen „R“. Aber alle, diese sprechen, und mögen sie noch so lange im Lande sein. Hebräisch immer noch wie eine Fremdsprache. „An ihrm C-het und Ajin“ sollt ihr diese Aschkenasen erkennen, wenn eie mit den Sepharden, den Kurden, den Persern, den Yoneniten und den Bucharern sprechen. Denn -diese orientalischen Juden sprechen den Laut „Cbet'“ sanft und heiser ans tiefer Kehle aus und man kann ihn vom rauhen „Chat“ »o gut unterscheiden, wie eine Milchglassoheibe von Schmiergelpapier. Und während sie da* Alef wie gewöhnliches A sagen, sprechen sie das Ajin°kurz und wie einen bellenden Laut. Ihre Aussprache, ihr Spra.ehtemperament (der Rhythmus und die Melodie innerhalb de« Satze«) ist ureigentiieb orientalisch und wenn auch kaum von: ursprünglichen Hebräisch noch erhalten, sondern vom Arabischen u. a. m, übernommen, dennoch in völliger Übereinstimmung des immer noch bestehenden Charakters unserer Sprache. Diese orientalische Aussprache hat, denn auch prinzipiell denselben Sieg über aiie anderen errungen, wie seinerzeit die hebräische Sprache, als jüdische Nationalsprache. Und wenngleich nur wenige den Versuch machen, hebräisch richtig auszusprechen (im Arabischen, wo es viel schwerer ist, scheuen sie keine Mühe!), und wenngleich auch das Theater sic vernachlässigt, so wird sie dennoch von Lehrern in der Schule unterrichtet und ist. im Radio vom Ansager, vor, vielen Vortragenden und jeden Schabbath bei der Lesung der Haftarab und des Woohetmbsc-hnit.tos zu hören. Fügt man noch gewisse wortlose Interjektionen hinzu, me zürn BefepW das Schnalzen mit der Zunge und das Zurüekwerfen des Kopfes zum Zeichen de* Verneinung und des Hinhaltens der Finger einer Hand mit Tab.-J-,prise; griff zum Zeichen „warte ein wenig- oder auch „da kannst du lange warten;“ und den Ausruf „oho!“ für „und ob!“, so kann man sagen; es geschehen noch Zeichen und Wundere es gibt einen hebräischer» Dialekt! Und jetzt wirst du, lieber Leser, wahrscheinlich die Zeitung hinlegen und zum Hebräisehiehrer gehen, um zu verlangen, iaietdich in „Palästinensisch mit hebräisch« Bühnenaussprache“ unterrichtet'.? — Ganz falsch: denn das kann er selbst nicht. Er kann cur gut hebräisch: und das können wieder wenige, die richtig v.issprechea. Die Yuneniten und Perser sind oft verdammt ungebildet und wer weiß, ob sie auch nur h.'i Blich niederechwabeo Können, was sie schön sagen!? sen“. laß s? möglichst viele Juden nach dem sogenannten autonomen russischen Agrarstaat Biro-Bidjan Ln dem alleräußersten Teil Sibiriens verpflanzen will, mit dem Hintergedanken, so einen politisch wirksamer» Pufferstaat zwischen Rnßiand und Japan zu schaffen. Ob damit der Antisemitismus ln Rußland;n der Tat verschwunden ist, ist zweifelhaft- Der Korrespondent des „Daily Telegraph“ in Moskau hat gerade in diesen Tagen die Auffassung entwickelt, daß bei den Verfolgungen Stalins gegen die vielen „Volksfeinde“ aus Nütziiehkeitsgr ün d e n der Antisemitismus eia kräftiges Wort mitgesproehen hat. Die Heftigkeit des Antisemitismus in Deutschland hat in allen anderen Ländern Mitteleuropas, ebenso übrigens auch in einigen Ländern von Westeuropa einen latenten Antisemitismus zum Leben erweckt Die scharfen Maßregeln, die Gogader christlich nationale Leiter des halbautoritären rumänischen Kabinetts, jetzt gegen einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung seines Landes getroffen hat, sind hierfür der beste Beweis. Sie haben eine Art Panikstimmung unter ihr erweckt, seinerzeit die deutschen Maßregeln unter deutschen Juden. Auch in Polen bilden die drei Millionen Juden, die dort wohnen, ein Problem, das bei einem bestimmten Wechsel det Auffassung des Regims Grund zu scharfen Maßregeln geben kann, ähnlich wie sie Deutschland und Rumänien getroffen haben. Das paradox® Ereignis ist eingetreten, daß, während das Gebiet in der alten Welt, wo die Juden unbesorgt in Ruhe und Frieden leben können, immer kleiner wird, die Top des gelobten Landes, die im Jahre 1021 geöffnet werden waren, s i c b wieder zu schließen beginnen. England, seit. 1917 der offizielle Schirmherr des Zionismus und der Juden,, siebt sieh ebenfalls gezwungen, vor der Welle des .-Antisemitismus zurückzuweichen, die auch in Palästina und in dem Nahen Oster, als ökonomische und politische Reaktion gegen den Aufmarsch der Vorposten des jüdischer; Volkes entstanden ist, die jetzt 400.0i.i0 Mann zählen. Sicher hat im Jahre 1917 niemand ausschen können, daß das Problem der Lage der Juden in Mitteleuropa so akut werden könnte. Die Uneinigkeit der Mächte in Europa macht es jetzt auch keinesfalls möglich, gemeinschaftlich eine gute Lösung eines so' komplizierten Problems zu finden. Ob die nächste Zukunft bessere Perspektiven öffnen wird, liegt noch vollkommen im Dunke-in. Ein junger jüdischer Geiger, Oskar Welzner, Schüler der sechsten Klasse des Chajes-Gym-1 riwrums, spielt im Rahmen eines Violinabends der Meister- und Staatsakademie- Schtt'er de« Professors Morawetz, der am 81. Jauner, %H Uhr, tan Mozarts»»! stattfindet, da* Mendelssohn-Konzert und Zigounerweieen tyolksHoUi und aetftemde Kunst Daß •« in Österreich einen A a tlsemitenbund gibt, mag traurig erscheinen. Dagegen muß die Neuigkeit, daß dieser Bund ein eigenes „K nnst- und K iilturamt" besitzt jeden Liebhaber so grotesker Widersprüche im Begriff unwiderstehlich erheitern. Ais Leiter diese® paradoxen „Amtes“ hat sich jüngst ein Herr mit dem ra»>-iseh nicht ganz unverdächtigen Namen Misch ler der Öffentlichkeit, vorgestern, indem er tot „Deutschen Volksblatt“, eänem für Kulturträgern bekanntlich besonder» zuständigen Organ, das Wort zu dem Thoma „Volk und Kunst“ ergriff. Wenn ein Antisemit den Kulturmenschen mimt dann tut er dies, indem er ängstlich dam Worte „Jud“ ausweieht und lieber von „Artfremdbeit“ spricht. Da» bringt auch in ein so rüde»» Hetzblatt wie das „Deutsche Volksblatt“ eine vornehm wirkende Nuance. Herrn Mischler ist aber darüber hinaus noch ein ganz besonderer Effekt beschielten gewesen, der fachsimpelnden Berufsantisemiteo gemeinhin versagt bleibt. Er bat wenigstens stellenweise, die Wahrheit geschrieben., Wo er recht hat hat et recht, so zum Beispiel bei der Feststellung: „Die Beurteilung, ob eine Kunst eigenartig, das fet volksnahe, artfremd oder entartet ist, ist wohl oh«, Zweifel dem Volke vorbeihalten, das seine Kunst gefährdet rieht Äußerungen artfremder Kunstbeobachter verlieren ihren Wert, vollständig, weil sie nicht selbst volksnahe, also von der Warte des betreffenden Volke« aus nicht, objektiv sind and nie sein können.“ Das ist eine überaus treffende Kritik an so volksfrezndcn Antisemiten wie zum Beispiel dem Literarhistoriker Adolf Bartels, der ari einer der ersten dem deutschen Volke die Vorliebe für Heinrich Heine verleiden wollte. Es ist ihm dies bis heute nicht geglückt, obwohl eich seit Jänner 1933 seinen geistigen Argumenten die Brachialgewalt des nationalsozialistischen Regimes gesellt hat. Das deutsche Volk, dem Herrn ML»:chlor mit vollem Recht die „Beurteilung, ob eine Kunst volksnahe, artfremd oder entartet ist“, Vorbehalt, sieht durch die Anti- Heine-Hetze .-eine Kunst, gefährdet und ringt ruhig weiter die Lorelev und die anderen populären Lieder des jüdischen Dichters, auch wenn es seinen Namen nicht mehr nennen darf, sondern die unsterblichen Verse als Schöpfungen eines „u nbeka unten Autors1, gelten lassen muß. Das Tollste in dieser Hinsicht passierte dem Dritten Reich, als »s einem seiner Nazi-Dichter einen Preis zuerkannte. für eine Lfedersammiung, die unter dem Titel erschien: „Klinge, kleines Frühlingslied!“ Es scheint, daß den Preisrichtern der Autor dieses schönen Mottos tatsächlk-h unbekannt war. Aber auch, wenn der Name Heinrich Heine beim ganzen deutscher Volke allmählich in Vergessenheit geraten sollte, dann werden seine Dichtungen eben als Volkslieder weiterleben, was wohl den höchsten Grad von „Volksnähe“ bedeutet und gleichzeitig seine gehässigen Kritiker, die ja nicht bloß sefaeo. Namen, sondern auch seine Schöpfungen ausrotten wollen, nach das Herrn Mischler trefflichem Worte als „artfremde Künste beobac-hter“ entlarvt, deren Äußerungen .Ihren Wert vollständig verlieren“. Aber man braucht, um die Treffsicherheit dieses wirklich k.mste und knlturverständigea Urteils zu zeigen, gar nicht erst räumlich so weit wie ins Dritte Reich und geistig so hoch wie in die poetische Welt Heines zu schweifen, wo doch das Gute, von dem Herr Misch.!- r spricht in Wien so nahe liegt. Hier gelangte dieser Tage das Originalmanuskript von Pick» „Fiakerlied“ zur Versteigerung und die Fuhrwerkerzunft hat es für 380 Schilling erworben. Es hatte auch hier nicht an gehässigen Kritikern gefehlt, die diese Schöpfung eines jüdischen Dichter- Komponisten als „artfremd“ den Wienern hatten verekeiD wollen. Aber auch diese Äußerungen verloren angesichts, der Haltung des Wiener Volkes, als es seine Kunst gefährdet sah, ihren Wert mit blamabler Vollständigkeit Vom letzten Werkelmann bis hinauf zur berufstäadigen Führung der betreffenden Zunft hat Wien gegen jene Fanatiker, die nie objektiv sein können, und für das Lied, das « nun einmal seit siebzig Jahren als den künstlerisch vollendetsten Ausdruck der Wiener Bodenständigkeit schätzt und Hebt, Partei ergriffen. Auch in diesem Falle haben sich bloß die antisemitischen „Kunstbeobachter“ seihst ate „artfremd“ entlarvt, während dem jüdischen Dichter-Komnonisteii, der das genußfreudige und genußfähige Wien der liberalen Ära mit genialer Intuition für alle Zeiten in Wort und Rhythmus fest gehalten hat, gern »eine dithyrambische Versicherung geglaubt wird: „Mein Stolz is, i bin halt a echtfe Weana

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